Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIVBILD ZU DEN HALBJAHRESZAHLEN VON IMPLENIA --- Die Tunnelbohrmaschiene wird zur Zeit zusammengebaut anlaesslich eines Medienrundganges auf der Baustelle des Boezbergtunnel Neubau bei Schinznach-Dorf im Kanton Aargau am Mittwoch 22. Februar 2017. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Implenia: Um den Konzern mit der Margerite ist eine Auseinandersetzung entbrannt. Bild: KEYSTONE

Die Angst geht um – wird der grösste Schweizer Baukonzern ins Ausland verscherbelt?

Angst um den grössten Baukonzern der Schweiz: Aktionäre würden enteignet – oder Implenia werde zerschlagen und ins Ausland verkauft.

niklaus vontobel / ch media



Es geht um nichts weniger als die Zukunft des grössten schweizerischen Baukonzerns. Zumindest wenn man den Akteuren im Streit um Implenia glaubt. Gestern warnte der Investor Veraison: Die neuen Pläne von Implenia kämen einer Enteignung gleich.

Verwaltungsratspräsident Hans-Ulrich Meister wurde zum Rücktritt aufgefordert. Handkehrum wird Veraison aus Investorenkreisen kritisiert. Die Gesellschaft mit Chef Gregor Greber sei auf das schnelle Geld aus. Seine Pläne liefen auf eine Zerschlagung von Implenia hinaus. Die von einander getrennten Teile würden zur leichten Beute für ausländische Käufer.

Es geht ums liebe Geld. Implenia ist an der Börse eingebrochen, seit ein neuer Chef an der Spitze steht. Heute ist der Kurs rund 40 Prozent tiefer als früher. Implenia wird auch tiefer gehandelt als vergleichbare europäische Unternehmen. Käme das Vertrauen zurück, Implenia wäre rund 300 Millionen Franken mehr Wert.

Solche Konstellationen rufen unweigerlich aktivistische Investoren auf den Plan. Veraison mit Chef Gregor Greber ist ein solcher Aktivist. Zuletzt setzte er beispielsweise beim Freiburger Halbleiterkonzern Comet einen neuen Präsidenten durch. Und zwar gegen den Willen des bestehenden Verwaltungsrates. Nun soll bei Implenia der Börsenkurs gehoben werden. Dafür langt Greber zu: Die Strategie soll geändert, der Präsident abgesetzt und Firmenteile verkauft werden.

Noch im Frühling 2016 war es mehr oder weniger ruhig um Implenia. Hans Ulrich Meister wurde neuer Verwaltungsratspräsident. Zuvor hatte er rund 30 Jahre lange für die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse gearbeitet. Am Ende war er im Kampf um die nächste Stufe auf der Karriereleiter bei der Credit Suisse unterlegen. Meister wurde vom damaligen Langzeit-Chef Anton Affentranger zu Implenia geholt. Doch im Herbst 2018 musste Affentranger gehen. Es hiess, Affentranger und Meister hätten sich entzweit.

André Wyss trat im Oktober 2018 als neuer Chef an. Wyss hatte drei Jahrzehnte beim Pharmakonzern Novartis hinter sich, auf den Chef-Posten hatte er es in Basel nicht geschafft. Als er bei Implenia anfing, hatte der Konzern an der Börse bereits einen Einbruch hinter sich.

Die Erwartungen an das Auslandgeschäft waren nicht erfüllt worden. Wyss räumte auf. Im Dezember gab er bekannt, im Auslandsgeschäft seien Abschreibungen nötig. Später ging der langjährige Finanzchef. Doch der Kurs fiel nur noch tiefer. Wyss hatte quasi unfreiwillig das Terrain für Veraison bereitet.

Veraison greift den Präsidenten von Implenia persönlich an

Im September 2019 hatte Gregor Greber seinen Auftritt. Der Veraison-Chef gab sich erst zurückhaltend, man wolle Implenia zurück zum Erfolg führen. Wenige Tage später legte er nach. Das Entwicklungsgeschäft mit der Landbank solle abgetrennt und an die Börse gebracht werden.

Implenia wäre damit aufgespalten. Grebers Worte erhielten zusätzliches Gewicht: Er hatte die Unterstützung von Implenia-Grossaktionär Max Rössler. Der 79-Jährige ist Implenia treu, seit diese im Jahr 2006 gegründet wurde. Er hält rund 16 Prozent, dagegen Greber nur etwa 2 Prozent. Rössler kann man nun wirklich nicht vorwerfen, es auf das schnelle Geld abgesehen zu haben.

Anfang dieser Woche wurde Greber und Rössler scheinbar entgegengekommen. Meister und Wyss schlugen vor: Ein Teil der Landbank werde in ein Anlagevehikel überführt, in das dritte Investoren sich einkaufen. Implenia bekäme neues Kapital, die Immobilien würden rascher entwickelt. Der Vorschlag kam gut an bei Analysten. Damit werde ein Schritt in Richtung von Veraison gemacht.

Von dort kam jedoch nur Kritik. Intransparent sei das Vorgehen: Es bleibe unklar, zu welchem Preis die Immobilien überführt werden ins neue Anlagevehikel. Enteignet würden die Aktionäre, weil sie keine klaren Rechte am Anlagevehikel hätten.

Zuletzt spielte Greber auf den Mann, auf den Präsidenten. Hans Ulrich Meister werde im Kampf gegen Veraison beraten von der Credit Suisse. Diese sei ein Investor, der sich für das neue Anlagevehikel interessieren könnte. Meister sei von der CS in den Verwaltungsrat des Energiekonzerns Alpiq geholt worden, wo die Minderheitsaktionäre nun billig ausgekauft würden. Bei Implenia drohe eine Wiederholung.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Wie der Teufel dank der NEAT aus dem Gotthard verscheucht wurde: Die Geschichte des längsten Tunnels der Welt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

24
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
24Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • karl_e 04.10.2019 11:01
    Highlight Highlight Es ist immer wieder erstaunlich, wie Gestalten an die Spitze von Gesellschaften berufen werden, die vom Business des Unternehmens null und nix verstehen. Das hab ich selbst schon erleben dürfen: Ein branchenfremder CEO, dessen erste Amtshandlung die Entlassung fast des gesamten mittleren Kaders war. Auf jahrelange Expertise kann so einer gerne verzichten, denn er weiss per definitionem alles besser. Die Folgen waren absehbar.
    Eine Ausbildung an der HSG oder bei MacKinsey reicht halt nicht ganz für alle Lebenslagen.
  • sa5 04.10.2019 10:47
    Highlight Highlight Who cares? Ratten streiten sich um den grössten Zubetonierer der Schweiz. Mein Mitleid hält sich in sehr engen Grenzen.

    Wenn ein Skandal, dann der: An der Börse verdienen Reiche die im Grünen wohnen daran Geld, dass vor den Augen der Normalverdiener die Landschaft mit in Beton gegossener Pornografie zerstört wird.
    • Hierundjetzt 04.10.2019 14:18
      Highlight Highlight Aha. Du wohnst wo genau? Bei Deinen Eltern im Kinderzimmer?

      Wer andere Menschen als „Ratten“ bezeichnet hat jegliche Glaubwürdigkeit verloren.

      Auch der etwas peinliche Hinweis zum ominösen Normalverdiener (was auch immer das ist), trifft ins Leere da 70% der CH in Agglos / Städten wohnt
    • sa5 04.10.2019 19:08
      Highlight Highlight Mea culpa. Korrekt wäre so: Spekulanten die sich so verhalten als ob sie Ratten wären streiten sich um die Rentite eines Baukonzerns.
      Als stossend kann dabei empfunden werden, dass Sie die letzten Landreserven der CH mit minderwertigen Wohnungen überziehen.
      Wohnungen die sich ein Arbeit*er/Büez*er nicht leisten kann. Dafür darf er die leerstehend Bauten bewundern die dort stehen wo vor kurzem sein grünes Naherholungsgebiet war.
      Derweil sich Spekulanten Wohnung in natürlicher Umgebung leisten können.

      Wie würdest Du alle die überteuerten leerstehend Wohnung im Seetal/Freiamt umschreiben?
    • ikbcse (ehem.: weachauimmo) 05.10.2019 05:42
      Highlight Highlight Danke, @sa5. Ich weiss leider, wovon Du schreibst. Aber Dein zweiter Kommentar gefällt mir wesentlich besser.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hierundjetzt 04.10.2019 09:41
    Highlight Highlight Jup. Auslandsgeschäft. Bauen in Norwegen unterhalb der Selbstkosten. Weil Volumen. Auf sowas kann auch nur ein CS‘ler kommen🙄
  • Viktoria 04.10.2019 08:59
    Highlight Highlight Vielen Dank für die vielen Blümchen-Hinweise – Botanik ist eben nicht jedermanns Sache 🤷‍♀️ 🙈 Ist angepasst :)
    • c-bra 04.10.2019 09:04
      Highlight Highlight Danke. Hier ein Blümchen für dich weil Freitag ist: 🌸
    • Hierundjetzt 04.10.2019 09:39
      Highlight Highlight hier eines von mir🌼
    • Viktoria 04.10.2019 09:58
      Highlight Highlight 😍 😍 😍 😍 Vielen Dank! Das ist ja fast wie Valentinstag! Ach nein, da hab ich ja noch nie Blumen bekommen 😂 😂 😂 😂
    Weitere Antworten anzeigen
  • Drunken Master 04.10.2019 08:56
    Highlight Highlight Hans Ulrich Meister... dem Typen sieht man an worum es dem geht. Achtung Spoiler! Sicher nicht um Implenia und dessen Geschäft / Mitarbeiter.
  • c-bra 04.10.2019 08:49
    Highlight Highlight Der Konzern mit dem Edelweiss? Really?

    Für mich sieht das eher nach einer Margerite aus. 😉
  • alessandro 04.10.2019 08:35
    Highlight Highlight Ja eh, verkauft doch ind Ausland, dann geht es so wie Steiner...
  • zeromg 04.10.2019 08:11
    Highlight Highlight Watson schreibt: "Um den Konzern mit dem Edelweiss ist eine Auseinandersetzung entbrannt" Seit wann hat Implenia ein Edelweiss als Logo :-))
    Benutzer Bild
  • so war es doch nicht gemeint 04.10.2019 08:06
    Highlight Highlight Warum übernimmt nicht gleich Gregor Greber (Ripening of Investments) die Geschicke von Implenia?
    Ach so, Veraison hält nur 2%.

  • Schnymi 04.10.2019 08:05
    Highlight Highlight Klugscheisser-Input zur Bildunterschrift: das Logo stellt ein Gänseblümchen und kein Edelweiss dar!
    • sa5 04.10.2019 10:50
      Highlight Highlight So wie Gänseblümchen kurz vor dem zubetonieren aussieht.
      Ein Logo mit dem was man zerstört und vernichtet, auf diese Idee muss man auch noch kommen.
  • Zing1973 04.10.2019 08:05
    Highlight Highlight Implenia ist an der Börse eingebrochen, seit ein neuer Chef an der Spitze ist. Es passiert immer wieder, dass Grosskonzerne von neuen Chefs an die Wand gefahren werden, weil dieser von nix eine Ahnung hat. Geldgier ist dass einzige was noch interessant ist.🤬
    • Neruda 04.10.2019 10:06
      Highlight Highlight Vor allem wenn der Chef aus einer ganz anderen, branche kommt 🙈 Bei normalen Angestellten wird immer 100 Jahre Erfahrung im entsprechenden Bereich verlangt, aber der Chef muss Null Ahnung vom Geschäft haben 🙆
  • HansDampf_CH 04.10.2019 07:56
    Highlight Highlight 😂 Den banker im Baukonzern und schon performt der baukonzern wie die bank. 50% wertvernichtung
  • burroamoroso 04.10.2019 07:30
    Highlight Highlight Das ist imfall kein Edelweiss, sondern eine Margerite.
    • sa5 04.10.2019 10:51
      Highlight Highlight https://de.wikipedia.org/wiki/Magerwiesen-Margerite

Analyse

Trio infernal: Trump, Putin – und die Deutsche Bank

Der russische Geheimdienst hat in Afghanistan ein Kopfgeld auf amerikanische Soldaten ausgesetzt. Warum reagiert der US-Präsident nicht? Und welche Rolle spielt die Deutsche Bank?

Am vergangenen Freitag hat die «New York Times» einmal mehr eine News-Bombe platzen lassen: Gemäss einer streng vertraulichen Einschätzung sind die amerikanischen Geheimdienste zur Überzeugung gelangt, dass eine russische Spionageeinheit den Taliban ein Kopfgeld für getötete amerikanische Soldaten und andere Nato-Militärs versprochen hat.

Präsident Donald Trump soll bereits im März darüber informiert worden sein. In den vergangenen drei Jahren sind gegen 30 US-Soldaten getötet worden. Ob …

Artikel lesen
Link zum Artikel