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Die ARD nimmt Nestlé unter die Lupe – die Doku hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack



Die ARD hat «Nestlé» ins Visier genommen: In der Reihe «Marken-Check» widmet der deutsche TV-Sender dem Schweizer Konzern gleich zwei Sendungen. Die erste Hälfte hat den Hunger nach Informationen über den Weltkonzern nicht wirklich gestillt. Allein der Auftakt lag schwer im Magen: Da wurde zu der Titelmelodie von «Knight Rider» ein «besonderes Experiment» angekündigt.

Der erste Gang bleibt im Halse stecken

Dabei handelte es sich bloss um sechs Deutsche, die eine Woche lang nur «Nestlé»-Produkte essen sollten. Wer sich so lange von immer gleichen Produkten ernährt, wird selten satt und zufrieden: Dass so ein Speiseplan den Versuchskaninchen nicht schmecken wird, ist abzusehen. Neben Lebensmitteln bietet der Konzern auch Tiernahrung an – und mit der gibt es Ärger in den USA.

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Diese Deutschen mussten ins «NestléCamp».
bild: ard

Hundebesitzer, deren Tiere an Leber- und Nierenversagen gestorben sind, haben eine Sammelklage gegen Nestlé eingereicht. Ihr Vorwurf: Das Hundefutter «Beneful» soll schuld am Tod der Tiere sein. Angeblich enthalte es Arsen, Blei, Schimmelpilze und Frostschutzmittel. Nestlé dementiert das, will aber auch seine Zulieferer nicht nennen.

Tierfutter macht auch keinen Appetit

Unterstützung für die Kläger kommt von Yasmine Motarjemi, die laut ARD bis 2010 für die Lebensmittelsicherheit bei Nestlé USA verantwortlich war. Sie spricht von einer «Kultur der Angst» und verweist auf Hunderte tote Hunde und Katzen in Venezuela, deren Futter angeblich mit Pilzgiften verseucht war.

«Die Nestlé-Fabrik hat den Fehler gemacht, den Zulieferer die Tests machen zu lassen. Und der Zulieferer hat uns betrogen», sagte Yasmine Motarjemi. «Keiner traut sich die Wahrheit zu sagen. Es ist wirklich ein Haus der Lügen». Den US-Klägern hat Nestlé 2000 Dollar als Entschädigung angeboten. Wer unterschreibt, verpflichtet sich aber auch, über den Fall zu schweigen, wie einem in der Sendung vorgelegten Vertrag zu entnehmen war.

Update – «Nestlé» teilt mit: «Es gibt keinerlei Nachweise für eine Verbindung zwischen ‹Beneful› und den angeblichen Erkrankungen bei Hunden in den USA. Bei Reklamationen reagieren wir bisweilen kulant, da uns die Zufriedenheit unserer Kunden sehr wichtig ist.»

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«Beneful»-Werbung in den USA: Nestlé hat Probleme mit einem Zulieferer zugegeben.
bild: pr

Na endlich! Das Thema Wasser

Den grössten Eindruck machte die Dokumentation beim Thema Wasser. Nestlé kauft weltweit Wasserrechte, beispielsweise in Pakistan, Kalifornien oder Südafrika. «Flaschenwasser ist notwendig, das liegt an der Verstädterung, dem Lifestyle, an der Mobilität und so weiter. Wir geben den Konsumenten, was sie wollen», sagte dazu Vorstandsmitglied José Lopez. «Nestlé schafft gemeinsame Werte. Das bedeutet, wir schaffen Werte für unsere Aktionäre, aber zugleich auch Werte für die Gesellschaft.»

Umweltschützer Franklin Frederick sieht das ganz anders. «Da steckt eine ganze Menge Marketing dahinter, die Menschen davon zu überzeugen, etwas zu kaufen, das sie zuhause fast umsonst bekommen. Wasser ist in gewisser Weise das perfekte Produkt, jeder braucht es. Wenn du es kontrollierst, hast du immer einen Markt. Und der Profit ist absurd hoch», so der Brasilianer. Die Kehrseite: «In vielen Fällen hat die Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Wasser.»

Update – die Reaktion von «Nestlé»: «Das Angebot von Wasser – Mineralwasser oder Quellwasser – in Flaschen steht mit einer öffentlichen Wasserversorgung nicht im Konflikt oder im Wettbewerb.» 

Recherche vor Ort

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In einer Dürreregion in Mexiko kommt die Bevölkerung angeblich zu kurz.
bild via YouTube

Erst jetzt wird das ARD-Menü wirklich gut: Sie besuchen eine Wasserfabrik in Mexiko. Nestlé brüstet sich in einem Imagefilm, in der Region neue Strassen gebaut zu haben. Die Bevölkerung habe Decken für den Winter bekommen. Das Gebiet liegt 80 Kilometer von Mexiko-City entfernt. Seit 1966 ist es in dem trockenen Gebiet verboten, neue Brunnen zu bohren. Eine Bäuerin erklärt, Wasser gebe es – wenn denn – nur wenige Stunden am Tag.

Update – Nestlé sagt, die Wasserquelle «ist nach Untersuchungen der zuständigen Behörden stabil, und es fliesst mehr Wasser zu (357 hm3 pro Jahr), als nach den erteilten Genehmigungen (327 hm3 pro Jahr) entnommen wird. Wir überprüfen auch selber regelmässig den Wasserstand des Grundwasserspiegels an unserem Brunnen. Der Quellwasserfluss ist in den letzten Jahren sogar gestiegen. Auf Nestlé Waters entfallen 0,3% der genehmigten Wasserentnahmen in diesem Wassereinzugsbereich.»

Die nächste Quelle ist Stunden entfernt, während die Schweizer nebenan aus den Vollen schöpfen. «Ich persönlich fühle eine grosse Ohnmacht», sagte die Frau. Und auch Joel Diaz Ramirez, der Präsident der Region Tlahuapan, ist kein Fan des Konzerns. «Die Strasse hat zwar mehrere Millionen Pesos gekostet, aber die kommt vor allem den Fahrern des Unternehmens zugute, die vorher ständig Unfälle hatten.» 

Update – «Nestlé» dazu: «‹Nestlé Waters› hat den Bau einer Strasse im Umfeld des Werks unterstützt, um Sicherheitsrisiken durch den Werksverkehr zu beseitigen.»

abspielen

Besagter Imagefilm von «Nestlé Waters».
YouTube/Nestlé Waters

Fazit: Etwas wenig Fleisch am Knochen

Das ARD-Menü ist etwas unglücklich zusammengestellt. Der «Praxistest» mit den sechs Versuchskaninchen hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack und passt eigentlich eher zum Infotainment-Format «Galileo». Auch die Tierfutter-Sammelklage kann den Appetit nach Aufklärung nicht stillen – oder interessierst du dich für Probleme mit Tierfutter-Zulieferern in den USA? Erst der «Check» vor Ort in Mexiko kitzelte den Gaumen – bitte mehr davon in Teil zwei des «Nestlé-Check» am kommenden Montag.

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Olmabrotwurst 23.09.2015 10:38
    Highlight Highlight ich stelle mir immer die frage wieso ziehen die einwohner nicht zur wasserquelle...?
  • Rodolfo 22.09.2015 17:10
    Highlight Highlight Man kann es nur immer wieder betonen: Allen voran Nestlé, aber auch Danone und Pepsi kaufen rücksichtslos überall auf der Welt Wasserquellen auf. Auch an Orten, wo es nicht genügend Trinkwasser für die Einheimischen gibt. Sie müssen dann für das Wasser in Plastikflaschen bis zu 1000 mal mehr bezahlen, als das Wasser aus dem Hahnen kostet - sofern es überhaupt fliessendes Wasser gibt.
    Eine ungeheure UN-Gerechtigkeit den Armen gegenüber!
  • Caturix 22.09.2015 15:45
    Highlight Highlight Bla, Bla , Bla jede Firma hat seine Schattenseite. Jeder Grosse Konzern. Ob jetzt Nestle oder Unilever, Mars, Monsanto... das leigt nicht nur an den Konzernen sondern auch an den Kunden, Politiker...
    • saukaibli 23.09.2015 09:13
      Highlight Highlight Ich stimme dir bei jedem Wort zu, nur das blabla am Anfang passt nicht. Denn wie du gesagt hast, ds Problem ist die Politik und die Kunden. Die Kunden wollen immer alles noch billiger und die Politik ist zu sehr mit den Wirtschaftsführern verbandelt. Man nehme nur Europa. Hier gibt es zwar einen wirtschaftlichen Verbund, die EU. Eine politische Union, welche für das gemeine Volk einstehen könnte, gibt es aber nicht. Und solange neoliberale Wirtschaftshuren der rechten Parteien gewählt werden, wird sich daran auch nie etwas ändern.
  • sste87 22.09.2015 13:51
    Highlight Highlight ...
    Benutzer Bild
  • Spiegelfabrik 22.09.2015 13:01
    Highlight Highlight Schlicht weg traurig, dass Néstle weltweit einer der grossten Konzerne in der Lebensmittelindustrie ist.
    Die Privatisierung von Wasser (Milliardengeschäft) anzuführen aber sich dann in den kleinen Happen als "Wiedergutmachung" privilieren ist absolut verlogen. Der Neokolonialismus wird durch solche Firmen auf der ganzen Welt gefördert, natürlich mit Unterstützung der westlichen Regierungen.
  • mrgoku 22.09.2015 12:58
    Highlight Highlight Nestlé ist ein Betrieb wie jeder andere. Hauptziel Jahr für Jahr mehr zu verdienen. Was meinst ihr die Stellen Ihre Produkte her damit wir Menschen leben können und glücklich sind? Wohl kaum. Die Stellen Produkte her um diese zu verkaufen mit möglichst hoher Marge... alles andere ist doch sch***** egal in der Wirtschaft?!
  • meliert 22.09.2015 12:37
    Highlight Highlight Fertigmenues sind, egal von welchem Herrsteller, auf die Dauer sicher nicht gesund. Wie schon Paracelsus sagte: "allein die Dosis macht das Gift"
    • Brandroid 23.09.2015 08:43
      Highlight Highlight Es ist auch traurig, dass viele nicht Mal die Zeit haben oder haben möchten, frisch zu kochen. Es gibt nichts leckeres als was selbstgemachtes..
  • Habicht 22.09.2015 12:29
    Highlight Highlight Wenn wir schon dabei sind einfach mal Pure Life Skandal bei youtube eingeben. Doku ist ebenfalls von ARD.
    • Berner 22.09.2015 12:58
      Highlight Highlight der Skandal sind die viel zu niedrigen Wasserrechtszinsen im Bundesstaat Maine. Nestlé nutzt das geschickt aus und die lokalen Behörden sind nicht in der Lage, die veralteten Gesetze anzupassen.
  • alessandro 22.09.2015 12:14
    Highlight Highlight was erwartet man denn von nestle? für was eine stellungnahme? sorry, aber die karten liegen auf dem tisch. es sind keine gutmenschen, daher dürfen sie im namen der wirtschaftlichkeit und des profits alles unternehmen. entweder schiebt man dem tun gesetzlich einen riegel vor oder es geht gar nichts. stellungnahme hin oder her.

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