Schweiz
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Rücktritt wegen Postauto-Skandal: Konzernchefin Susanne Ruoff. Bild: KEYSTONE

Über diese 10 Punkte zum Postauto-Skandal musst Du Bescheid wissen

Der Skandal um Manipulationen der Postauto AG bei Subventionsgeldern erschüttert heute die Schweiz. Das musst du über die jüngsten Wendungen wissen.

11.06.18, 16:39 12.06.18, 08:08


Worum geht's?

Bereits im Februar 2018 teilte das Bundesamt für Verkehr (BAV) mit, dass es bei einer gründlichen Überprüfung der Rechnung der Postauto AG Unregelmässigkeiten entdeckt habe. Von 2007 bis 2016 hat Postauto Gewinne verschleiert und dadurch überhöhte Subventionen bezogen. Postauto hat  fiktive Kosten für über 200'000 Buchungen – etwa für nie angefallene Pneukosten – bilanziert. Dadurch wurden im subventionierten regionalen Personenverkehr (RPV) zu tiefe Gewinne ausgewiesen. In der Folge konnten überhöhte Abgeltungen von Kantonen und Bund bezogen werden. Das BAV fordert deshalb 78,3 Millionen Franken zurück.

Warum die Aufregung heute?

Am Montag hat der Verwaltungsrat der Post einen externen Bericht einer Anwaltskanzlei und einer Revisionsgesellschaft veröffentlicht. Ebenso publiziert wurde ein Gutachten dreier Experten auf Grundlage dieses Berichts. Beides hatte der Verwaltungsrat im März 2018 in Auftrag gegeben, nachdem die Post aufgrund der Vorwürfen des BAV und zahlreicher Medienberichte stark unter Druck geraten war.

Der Liveticker zur Medienkonferenz mit Urs Schwaller zum Nachlesen

Zu welchem Schluss kommen die Berichte?

Gefragter Interviewpartner: Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller. Bild: KEYSTONE

Ersichtlich wird, dass Postauto während Jahren die Betriebsbuchhaltung manipuliert und so Gewinne erzielt hat, die systematisch versteckt wurden. Dieses Gebaren fand im vollen Wissen der Geschäftsleitung der Postauto AG statt. Bund, Kantone, Steuerzahlende und Geschäftspartner seien dadurch hinters Licht geführt worden, sagte Post- Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller: «Erschreckend ist, dass dabei über Jahre sämtliche Kontrollmechanismen im Konzern Post offensichtlich versagt haben.»

Welche Konsequenzen gibt es jetzt?

Der Verwaltungsrat hat als Reaktion auf den Postauto-Skandal sowohl personelle als auch operationelle Massnahmen beschlossen. Die Post trennt sich von Konzernchefin Susanne Ruoff und der Leiterin der internen Revision. Ausserdem ist die komplette Geschäftsleitung der Postauto AG per sofort freigestellt worden. 

Urs Schwaller: «Ich bin erschüttert» 

Video: srf/SDA SRF

Im operationellen Bereich schafft der Verwaltungsrat unter anderem einen Ausschuss Postauto, um das Sorgenkind enger zu begleiten. Er stellt ein Compliance-Programm auf die Beine, um Gesetzesverstösse im Bereich Subventionsrecht zu verhindern. Ausserdem trennt sich die Post per Geschäftsjahr 2019 von der bisherigen Revisionsgesellschaft KPMG.

Die Postauto AG wird umgebaut: Die aufs Jahr 2016 eingeführte Holdingstruktur IMPRESA, die den Postauto-Tochtergesellschaften Gewinne dank Transferpreisen sichern sollte, wird rückgängig gemacht. Die neue Struktur soll einfacher und transparenter sein.

Weshalb ist Post-Chefin Susanne Ruoff zurückgetreten?

Mit ihrer überraschenden Demission überrumpelte Konzernchefin Susanne Ruoff am Abend des Abstimmungssonntags alle. Wie Präsident Urs Schwaller an der heutigen Medienkonferenz ausführte, hat der Verwaltungsrat an seiner Sitzung am vergangenen Dienstag festgestellt, dass es «keine Vertrauensbasis mehr für eine weitere Zusammenarbeit» mit Ruoff gebe. An der «persönlichen Integrität» habe er keine Zweifel, sagte Schwaller: «Aber in der Gesamtbeurteilung muss man sagen, dass Susanne Ruoff zu lange nicht auf Hinweise auf Verfehlungen bei Postauto reagiert hat.» Diesen Schluss hatte er aus den ihm damals bereits vorliegenden externen Berichten gezogen.

Trennung: Urs Schwaller und Susanne Ruoff. Bild: KEYSTONE

Schwaller teilte Ruoff diesen Beschluss unmittelbar nach der Sitzung mit. Am Freitag habe man sich mit Ruoff und ihrem Anwalt getroffen, um über die Formalitäten der Auflösung des Arbeitsverhältnisses zu sprechen. Am Freitagabend informierte Ruoff über private Kanäle über ihren Rücktritt. Am Sonntagabend sickerte die Neuigkeit dann zum «Blick» durch.

Kassieren Ruoff & Co. nun dicke Abfindungen?

Laut Urs Schwaller nicht. Die Post-Chefin und die anderen Personen, von denen sich der Konzern trennt, hätten keine «goldenen Fallschirme» in ihren Verträgen. Sie sind per sofort freigestellt und scheiden nach Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist aus dem Unternehmen aus. Der variable Anteil ihres Lohnes für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 – also die Boni – werden ihnen nicht ausgezahlt.

Wer übernimmt nun die Konzernspitze bei der Post?

Übergangslösung: Ueli Hurni leitet die Post ad interim. Bild: screenshot post.ch

Die Suche nach einer Nachfolge für Susanne Ruoff ist gemäss Urs Schwaller bereits angelaufen. Bis ein neuer Chef oder eine neue Chefin präsentiert wird, dürften aber einige Monate vergehen. Zum Profil wollte Schwaller keine näheren Angaben machen. Bis dahin übernimmt Ueli Hurni ad interim die Konzernleitung. Ruoffs bisheriger Stellvertreter kann auf eine langjährige Karriere in verschiedenen Sparten der Post zurückblicken.

Wie erklärt sich die Post die Gesetzesverstösse?

Gemäss Urs Schwaller gibt es keinerlei Hinweise auf persönliche Bereicherung als Motiv hinter den Bilanztricksereien. Seine Erklärung: Im wirtschaftlich erfolgreichen Post-Konzern hätten die Verantwortlichen der einzelnen Sparten etwas zum positiven Gesamtergebnis beitragen wollen. Über die Jahre hinweg sei auch das Bewusstsein dafür verloren gegangen, dass die praktizierte Buchungspraxis nicht rechtens sei.

Wie hat der Bundesrat reagiert?

Als Verkehrsministerin nahm Bundesrätin Doris Leuthard an einer Medienkonferenz Stellung zu den jüngsten Entwicklungen. Die Regierung nehme die Massnahmen des Verwaltungsrats zur Kenntnis. Die Entlassung von Ruoff  bezeichnete sie als «hart, aber richtig». Es sei jetzt an Verwaltungsrat und Unternehmensleitung, die nötigen Schritte zu unternehmen. Bundesnahe Unternehmen wie die Post hätten eine Vorbildfunktion wahrzunehmen.

«Entlassung von Post-Chefin Ruoff ist hart, aber richtig»

Video: srf

Dem amtierenden Verwaltungsratspräsidenten Urs Schwaller sprach Doris Leuthard ihr Vertrauen aus. Ihm sei aufgrund der externen Berichte keine Vernachlässigung seiner Aufsichtspflicht vorzuwerfen – bei seinem Vorgänger Peter Hasler sei das anders. Aufgrund der Unregelmässigkeiten berteilt der Bundesrat dem Verwaltungsrat der Post fürs Jahr 2017 keine vollumfängliche Décharge. Von der Entlastung ausgenommen sind «die  Vorfälle im Zusammenhang mit den Subventionsbezügen der Post-Auto-Gesellschaften». Ausserdem lässt der Bundesrat die Steuerung der bundesnahen Unternehmen (Corporate Governance) bis Ende 2018 extern überprüfen.

Liveticker zur Medienkonferenz mit Doris Leuthard zum Nachlesen

Ist der Postauto-Skandal nun vorbei?

Nein. Einerseits läuft ein «Verwaltungsstrafverfahren» beim Bundesamt für Polizei. Dieses ermittelt aufgrund einer Anzeige des Bundesamts für Verkehr. Die Post hat versprochen, die Arbeit des Fedpol «weiterhin vorbehaltlos zu unterstützen». Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller sagte vor den Medien, man behalte sich allfällige rechtliche Schritte vor. Denkbar sind Schadensersatzforderungen an fehlbare (Ex-)Mitarbeiter.

Ausserdem haben die externen Berichte nur die Phase zwischen 2007 und 2015 untersucht. Schwaller schloss nicht aus, dass es bereits davor zu Gesetzeswidrigkeiten gekommen ist. Ob diese ebenfalls bis ins Detail abgeklärt werden, liess er offen: «Wir müssen irgendwann auch nach vorne schauen», beantwortete er eine entsprechende Frage von watson

Durch Sitten kurvt ein Postauto ohne Chauffeur

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ...nachgedacht... 11.06.2018 19:10
    Highlight Das alles wegen Vernachlässigung der Führungsaufgabe des Verwaltungsrates, mit hoher Kostenfolge und grossem Imageschaden für das Unternehmen.

    Das alles stützt die öffentlichen Wahrnehmung nach der ein Verwaltungsrat jemand ist, der sich für wenige Sitzungen im Jahr ordentlich bis unverschämt bezahlen lässt, bei Problemen die Aufarbeitung delegiert, vielleicht sogar den Rücktritt erklärt und versucht sich so der Verantwortung zu entziehen.
    35 3 Melden
  • ...nachgedacht... 11.06.2018 19:08
    Highlight Was bei der PostAuto AG passiert hat System:

    Beim Gongschlag grosses Aufwachen des VR aus dem Tiefschlaf, eine hohe Instanz soll Unregelmässigkeiten abklären, in diesem Fall das BAV, externe Experten werden bemüht, nach deren Gutachten sollen Veränderungen passieren, der CEO wird ausgewechselt, weil in diesem Fall zu lange nicht auf Hinweise auf Verfehlungen bei Postauto reagiert wurde und man sich an ein kriminelles System gewöhnt hat, die Revisionsgesellschaft wird geschmissen, weil die auch nicht tief genug reingeschaut hat.
    19 1 Melden
  • Pasch 11.06.2018 19:02
    Highlight Übrigens gut gewählter Termin um vom Wahlsonntag abzulenken.
    16 6 Melden
  • roger_dodger 11.06.2018 18:59
    Highlight Tolle Revisionsfirma die KPMG. Aber eben, die Hand die einen füttert beisst man nicht.
    32 0 Melden
  • Zap Brannigan 11.06.2018 18:51
    Highlight "nicht zur persönlichen Bereicherung"
    Die beteiligten Manager sind also alle ein nicht unerhebliches juristisches Risiko eingegangen, nur um der Chefin mit schönen Zahlen eine Freude zu machen. Auf keinen Fall hatten die Zahlen Einfluss auf individuelle Zielerreichung und damit den Bonus. Sehr plausibel. http://P
    54 0 Melden
  • konzi 11.06.2018 17:07
    Highlight Urs Schwaller ist auch reif für einen Rücktritt. Seinen.
    56 32 Melden
    • _helmet 11.06.2018 19:18
      Highlight Wieso? Er war ja nicht für die operativen Tätigkeiten zustänig und macht nun seinen Job und räumt auf.
      25 12 Melden
    • Makatitom 11.06.2018 20:05
      Highlight Wenn er seinen Job vorher gemacht hätte müsste er jetzt nicht aufräumen
      4 2 Melden
  • Denk nach 11.06.2018 16:57
    Highlight Ausserdem haben die externen Berichte nur die Phase zwischen 2007 und 2015 untersucht. Schwaller schloss nicht aus, dass es bereits davor zu Gesetzeswidrigkeiten gekommen ist.

    Mehr als 10 Jahre zurück wird wohl schwierig. Häufig müssen Buchhaltungsunterlagen nicht länger als 10 Jahre aufbewahrt werden.
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