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Zu den schärfsten Kritikern gehören Hoteliers und Wirte. Bild: shutterstock

Inländervorrang: Wie die Stellenmeldepflicht wirkt – oder eben nicht

Eines ist unbestritten: Auch ein halbes Jahr nach der Einführung der Stellenmeldepflicht ist niemand vollends zufrieden damit.

Sven Altermatt / ch media



Mit ihr wird der sogenannte Inländervorrang light umgesetzt, die formelle Antwort auf die Masseneinwanderungsinitiative; jenes Begehren der SVP also, das eigentlich Höchstzahlen und Kontingente zur Steuerung der Zuwanderung vorgesehen hat. Die Meldepflicht gilt seit dem 1. Juli 2018 für Berufsfelder mit hoher Arbeitslosigkeit.

Liegt die Arbeitslosenquote bei über acht Prozent, müssen Unternehmen ihre offenen Stellen zuerst dem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) melden. Während fünf Tagen haben nur registrierte Stellensuchende die Möglichkeit, sich zu bewerben.

Doch wie gut wirkt die Meldepflicht? Und lässt sich die Zuwanderung damit tatsächlich indirekt steuern? Diese Fragen schwirrten bislang im luftleeren Raum, Antworten waren meist anekdotischer Natur.

Boris Zuercher, Leiter der Direktion fuer Arbeit vom SECO, spricht an einer Medienkonferenz ueber die Umsetzung der Stellenmeldepflicht, am Dienstag, 26. Juni 2018, in Bern. Ab dem 1. Juli 2018 müssen alle Stellen in Berufsarten mit einer Arbeitslosenquote von 8 Prozent oder mehr (Schwellenwert) der öffentlichen Arbeitsvermittlung gemeldet werden. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Boris Zürcher Bild: KEYSTONE

Nun zieht das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) eine erste Bilanz – und es zeigt sich: Ob wirklich mehr Inländer vermittelt werden können, ist ebenso unklar wie der Einfluss auf die Zuwanderung, die in den vergangenen Jahren ohnehin zurückgegangen ist. Für eine ausführliche Würdigung sei es viel zu früh, sagte Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit im Seco, anlässlich einer Medienkonferenz. «Aussagen zur Wirkung der Stellenmeldepflicht wären zum jetzigen Zeitpunkt ausserordentlich gewagt.»

Die Gründe, warum das Seco trotzdem von einem positiven Zwischenfazit spricht, finden sich in seinen Statistiken. Nach der Einführung der Meldepflicht sind deutlich mehr offene Stellen registriert worden. 26'904 offene Stellen waren im Dezember 2018 bei den RAV gemeldet, im Dezember 2017 waren es 10'704 Stellen. Weit mehr als die Hälfte der offenen Stellen unterlag Ende 2018 der Meldepflicht. Zwischen Juli und Dezember wurden sechsmal so viele Jobs in meldepflichtigen Berufen registriert wie in der Vorjahresperiode.

Die Interpretation dieser Zahlen ist aber eben schwierig. So lassen sich keine unmittelbaren Rückschlüsse daraus ziehen, ob es auch gelingt, gemeldete Stellen an inländische Erwerbslose zu vermitteln. Um die Wirkung einer Vermittlung auf die Arbeitslosigkeit zu messen, müsse sie isoliert von der Konjunktur und anderen Einflüssen betrachtet werden, erklärte Zürcher. Seine Behörde aber konzentriere sich auf die gesetzeskonforme Umsetzung der Meldepflicht. Man arbeite jedoch an Indikatoren, um politische Ziele messen zu können.

Nutzen weiterhin bezweifelt

Der Gewerkschaftsverband Travail Suisse ist weiterhin davon überzeugt, dass die Meldepflicht ein «geeignetes Instrument» zur Stärkung der öffentlichen Arbeitsvermittlung ist. Unabdingbar sei aber «eine vertiefte Analyse» zu deren Wirkung. Unzufrieden mit der Stellenmeldepflicht sind nach wie vor die Branchen, die davon betroffen sind oder dereinst betroffen sein könnten.

Zu den schärfsten Kritikern gehören Hoteliers und Wirte. Der hohe bürokratische Aufwand für Unternehmen stehe in keinem Verhältnis zu den wenigen Stellen, die aufgrund von Vermittlungen besetzt werden könnten, moniert der Verband Gastro Suisse.

ARCHIV - ZUR FORDERUNG DES BAUARBEITERPARLAMENTS NACH EINER BESCHRAENKUNG DER TEMPORAERARBEIT BEI BAUARBEITERN STELLEN WIR IHNEN DIESES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. GEMAESS DER UNIA IST DER ANTEIL DER TEMPORAERARBEITENDEN IM BAUGEWERBE SECHS MAL SO HOCH WIE IM DURCHSCHNITT ALLER BRANCHEN. - Des ouvriers travaillent sur le chantier de l'aile et de la gare CFF de Cornavin, ce mercredi 20 juin 2012 a Geneve. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Auch das Baugewerbe ist mit der Stellenmeldepflicht nicht zufrieden. Bild: KEYSTONE

Ein schlechtes Zeugnis stellen auch Vertreter des Baugewerbes aus. Die von den Behörden verwendeten Berufsbezeichnungen stimmten oft nicht mit der Praxis im Bau überein, sagt Bernhard Salzmann vom Schweizerischen Baumeisterverband. «Die Grundlagen sind nicht praxistauglich, die Meldepflicht verkommt so zu einem bürokratischen Mehraufwand ohne Nutzen.» Seco-Mann Boris Zürcher kontert: Kritiker müssten sich bewusst sein, «dass der administrative Aufwand mit gesetzlich festgelegten Höchstzahlen oder Kontingenten wohl deutlich grösser wäre». (bzbasel.ch)

Inländervorrang gilt auch in der Filmbranche

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • WHU89 09.01.2019 07:52
    Highlight Highlight Habe als Wirt mehrere Stellen versucht zu besetzen. Wenn sich überhaupt jemand gemeldet hat, war die Bewerbung mehr als unbrauchbar. Ich hätte nichts dagegen wenn dies wieder abgeschafft werden würde.
    • Fräulein Sarahs Gespür für den ISLAM 09.01.2019 13:07
      Highlight Highlight Ist ja auch billiger, jemand vom Ausland zu engagieren.
    • WHU89 10.01.2019 07:04
      Highlight Highlight ich habe bei mir keine ausländer angestellt, passt nicht zu meinem konzept.
  • Martin Mars 09.01.2019 02:39
    Highlight Highlight Wir haben einen Lieferservice eröffnet und 4 Stellen beim Portal gemeldet. Das war sehr einfach, das Portal ist effizient gemacht, danke an die Programmierer.
    Wenige Minuten dauert das Ausfüllen. Es haben sich überraschend viele geeignete Kandidaten gemeldet, entgegen der Kritik des Hotelier-Verbandes.
    Drei Mitarbeiter haben wir sofort eingestellt. Unsere Vermutung: der Hotelier-Verband würde lieber noch billigere Arbeitskräfte direkt aus dem Ausland anstellen.
    Unsere Vision: macht dies für alle Schweizer Arbeitskräfte, die Arbeitgeber würden staunen ob all den guten schweizer Arbeitslosen!
    • WHU89 09.01.2019 10:20
      Highlight Highlight ich kann dir sagen, ich habe bis dato keine einzige geeignete bewerbung erhalten. wenn es so wäre würde ich dies vollkommen unterstützen!
    • Alterssturheit 09.01.2019 13:21
      Highlight Highlight @WHU89: soll dann das System - welches im Grossen und Ganzen offenbar funktioniert - abgeschafft werden, nur weil es DIR bisher nichts gebracht hat ?

    • WHU89 10.01.2019 07:06
      Highlight Highlight @alterssturheit: nein, aber ich kenne keinen dem es was gebracht hat. weder in kleinen noch grossen betrieben. und ich habe bestimmt mit 80 verschiedenen betriebe kontakt.
  • FrancoL 09.01.2019 00:52
    Highlight Highlight Eine mehr als nur richtige Aussage;
    «dass der administrative Aufwand mit gesetzlich festgelegten Höchstzahlen oder Kontingenten wohl deutlich grösser wäre»
    Wer sich noch an die Zeit der Kontingente erinnert oder heute kontingentierte Arbeitsplätze bewirtschaftet der weiss, dass der Aufwand mit Kontingenten sehr aufwändig ist.
    Somit ist auf der Aufwandseite der Inändervorrang light doch noch ein Vorteil.
    Wer diesen Aufwand scheut der bezahlt einfach etwas mehr und bekommt sicherlich auch im Inland die geeignete Arbeitskraft.
  • Scaros_2 09.01.2019 00:42
    Highlight Highlight Also Moment. Man kritisiert den Bürokratischen Aufwand sowie, dass die Berufsbezeichnungen nicht stimmen. Letzteres ist sogar ein Problem, das unabhängig von der Meldepflicht besteht. Aber das RAV ggf. auf die Problematik hinweisen hat der Bauverband auch? Oder jammert man hier einfach ab der "unglaublichen" Bürokratie?

    Ansonsten. Ich habe Mühe im digitalen Zeitalter nachvollziehen zu können wie man einen Hohen Bürokratischen Aufwand hat. Kann man mir das erläutern wo hier der Pain liegt?
    • WHU89 09.01.2019 08:03
      Highlight Highlight Ich kann dir erklären wo der Pain liegt: Die Stellenmeldepflicht verlangt, dass die Auschreibung 7 Tage vor einer Veröffentlichung auf einem anderen Portal erfolgen muss. Ergo habe ich 7 Sperrtage.
      Ich muss das Inserat über eine Homepage posten, jedoch reicht nicht das normale Inserat, ich muss dies spezifisch anpassen. Kostet mich ca. 15-20 Minuten zusätzlich.
      Meistens bekommt man keine Bewerbungen und wenn doch, sind diese komplett am Raster vorbei (Suche eine Person zwischen 20-35, für ein Pensum zwischen 20-40%, melden sich 50 Jährige für 80-100%). Jede Absage kostet auch wieder Zeit.
    • WHU89 09.01.2019 08:04
      Highlight Highlight
      Teil 2:
      Die meisten Betriebe in der Gastronomie haben max 9 Mitarbeiter, daher muss auch der Chef aktiv an der Front sein. Jede Minute die er nicht wirkungsvoll verbringt, sind rausgeworfenes Geld.

      Mein Fazit auf 4 Stellen: 0 interessante Dossiers erhalten. Kollegen aus grossen Firmen (80+) erzählen mir etwa das gleiche.
      Liebe Grüsse
    • MaxHeiri 09.01.2019 08:23
      Highlight Highlight Ja wenn du für das Ausfüllen am Computer zu viel Zeit brauchst. Wärst in dieser Zeit lieber produktiver unterwegs
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mutbürgerin 09.01.2019 00:08
    Highlight Highlight Unbestritten ist sicherlich, dass ausreichend Bullshit Jobs im Seco geschaffen wurden. Administrative Jobs ohne Wertschöpfung zur Administration dieses Rohrkrepiereres. Dass bis heute keine Aussage zur Wirksamkeit gemacht werden kann und eine "vertiefte Analyse" notwendig ist, zeigt, dass die Verantwortlichen beim Bund keinen Plan haben. Schade, aber war zu erwarten.

Nach Frankfurt-Tat: Zürcher SVP bezeichnet Eritreer als «nichtintegrierbare Gewalttäter»

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