Schweiz
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Börse Zürich, 29.10.15

Bild: Tages Anzeiger

Das sind die Reaktionen zum notfallmässigen Schweizer Börsenschutz



Der Bundesrat erntet Applaus für seinen Entscheid, die Schweizer Börse mit Notrecht zu schützen: von der Börse selbst, den Schweizer Banken, der Wirtschaft. Zugleich bedauern sie, dass es überhaupt dazu kommen musste. 

Die Behörde aus Brüssel will in den kommenden Tagen und Wochen mögliche Schritte im Hinblick auf das Institutionelle Rahmenabkommen diskutieren, wie ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Das Rahmenabkommen steht im Zentrum des Streits um die Börse. Denn die Verlängerung der befristeten Anerkennung der Gleichwertigkeit der Schweizer Börse macht die EU-Kommission von den Fortschritten beim Rahmenabkommen abhängig. Der Bundesrat will die Börse nun mit dem Notrecht aus der Schusslinie bringen und verhindern, dass diese in die Bedeutungslosigkeit versinken würde.

Marktzugang für EU-Teilnehmer

Die Schweizer Börse selbst begrüsst deshalb die Massnahmen des Bundesrates. Diese dienten dem Schutz der Funktionsfähigkeit der Schweizer Börseninfrastruktur. Denn die neue Verordnung stelle sicher, dass EU-Marktteilnehmer weiterhin Zugang zum Schweizer Markt hätten und dort Schweizer Aktien handeln könnten, sagte ein Sprecher der Schweizer Börse gegenüber der Nachrichtenagentur AWP.

Die Schweizer Finanzaufsicht Finma verbietet jenen ausländischen Börsen den Handel mit Schweizer Aktien, deren Länder ihrerseits nicht uneingeschränkt den Handel mit Schweizer Aktien erlauben.

Anerkennt also die EU die Schweizer Börse nicht als gleichwertig, so würde dieses Verbot etwa für Börsen in EU-Staaten gelten. Damit sollen Wertpapierfirmen in der EU weiterhin hierzulande Schweizer Aktien handeln können, weil die Schweizer Aktien nicht mehr dem Handelsmandat der EU-Regulierung unterstehen würden. Die Schweizer Börse bedauere jedoch, dass es überhaupt notwendig gewesen sei, diese Massnahme einzuführen.

«Einzige Alternative»

Auch die Schweizerische Bankiervereinigung stellt sich hinter den Bundesratsentscheid. Sie unterstütze das entschiedene Vorgehen des Bundesrates zum Erhalt einer funktionsfähigen Börseninfrastruktur, teilte sie mit. Mit der Ankündigung schaffe der Bundesrat für die Märkte und Marktteilnehmer frühzeitig Klarheit und grösstmögliche Sicherheit.

Für den Wirtschaftsdachverband Economiesuisse ist der Notfallplan die «einzige Alternative», sollte die EU-Kommission «entgegen der beidseitigen Wirtschaftsinteressen keine Verlängerung vornehmen». Auch SwissHoldings, der Verband der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in der Schweiz, unterstützt den Plan B.

Obwohl sich die Schutzmassnahme ausschliesslich an Handelsplätze richteten, seien im Effekt auch Mitgliedfirmen betroffen, schreibt SwissHoldings. Der Handel von Schweizer Titeln auf einer Schweizer Börse oder einer Börse ausserhalb der EU werde durch die Massnahme nicht in Frage gestellt. Die Verordnung enthalte zudem Ausnahmen für den Handel mit Aktien von Unternehmen, die in der Schweiz sowie im EU-Raum doppelkotiert seien.

Alle sind sich jedoch einig: Es sei bedauerlich, dass die Massnahme durch die bisherige Nicht-Anerkennung der Börsenäquivalenz seitens der EU-Kommission überhaupt erst notwendig geworden sei. Diese müsse weiterhin das Ziel sein und sei im Interesse sowohl der EU als auch der Schweiz.

Keine Abwanderung befürchtet

Entscheidend für die Börse wird unter anderem sein, ob Schweizer Grossfirmen in der Folge zu Börsen in der EU abwandern. «Wir rechnen nicht mit einer Abwanderung», sagte der Börsen-Sprecher. Die Schweizer Börse biete den liquidesten und kostengünstigsten Markt für diese Aktien. Die internationale Vernetzung des Schweizer Finanzzentrums sei eine fundamentale Voraussetzung für diese Bedingungen – sowohl für heimische als auch für europäische Anleger, erklärte er.

Für die Schweizer Börse habe das Erreichen der Gleichwertigkeit weiterhin höchste Priorität, sagte der Sprecher: Damit werde Rechtssicherheit hergestellt und der Bedarf der Anleger nach transparenten und effektiven, offenen Märkten bedient.

Derzeit werden rund zwei Drittel des Handelsvolumens mit Schweizer Titeln an der Schweizer Börse abgewickelt und ein Drittel an ausländischen Handelsplätzen. Eine Abwanderung der Schwergewichte Nestlé, Novartis oder Roche an ausländische Handelsplätze wäre für die Schweizer Börse ein herber Schlag. (awp/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • demian 30.11.2018 21:46
    Highlight Highlight Es sollte ja wohl möglich sein, dass die EU und die Schweiz eine Lösung finden die für alle passt. Es profitieren schliesslich beide voneinander.
  • Cédric Wermutstropfen 30.11.2018 21:13
    Highlight Highlight Was die EU macht ist reine Erpressung: Sie verknüpft Dinge, die nichts aber auch gar nichts miteinander zu tun haben. Ein Kuhhandel übelster Sorte. Mittlerweile werden mir sogar Länder wie Nordkorea sympathischer als die EU.
    • bebby 30.11.2018 22:18
      Highlight Highlight Ausgerechnet Nordkorea, die es geschafft haben, mittels A Bomben die Amerikaner an den Verhandlungstisch zu zwingen. Solche Nachbarn...
    • nukular 01.12.2018 08:03
      Highlight Highlight Mmh da gibts noch viel mehr.. Ehe für alle z. B... Und und und... Die schweiz ist mehr drittweltland als man denkt
    • Nathanael II 01.12.2018 08:38
      Highlight Highlight Foltergefängnisse, Sklaverei, staatlich angeordnete Morde und Vergewaltigungen... Viel Spass in Nordkorea!
  • Töfflifahrer 30.11.2018 20:50
    Highlight Highlight Ja ich weiss der Vergleich passt nicht, aber es ist schon verblüffend wie schnell der BR einen Plan-B aus dem Hut zaubern kann wenn die wirtschaftlichen Interessen betroffen sind. Bei den explodierenden Gesundheitskosten, Sicherung der Renten und Langzeitarbeitslosigkeit der ü50 tut er sich dann unheimlich schwer.
    • Eric Lang 30.11.2018 21:30
      Highlight Highlight Vielleicht solltest Du Bundesrat werden, wenn alles so einfach ist.
    • Pasch 30.11.2018 22:04
      Highlight Highlight Warum sollte man etwas ändern das einem selbst Geld ins Portemonnaie spült? (Lobby)
    • Roman h 01.12.2018 04:36
      Highlight Highlight Ihr Vergleich hinkt
      Arbeitslosigkeit über 50 ist nicht die schuld des Bundes, sondern der Firmen.
      Kündigungsschutz ist keine Lösung weil das viele ausnützen werden und alle dann früher entlassen werden.
      Die Rente sind auch wir also das Volk schuld, denn es wurden weniger Kinder gezeugt.
      Eine Lösung ist halt schwer.
      Die Gesundheitskosten kann man auch nicht einfach bekämpfen.
      Hier aber gibt es einen viel einfacheren Plan B.
      Wenn jemand für ihre angesprochenen Probleme eine gute Lösung hätte, so würde es die schon geben.
      Der Bund hat wie schon oft eine gute Arbeit gemacht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • derEchteElch 30.11.2018 20:00
    Highlight Highlight „Schweizer Aktien machen rund 3% des Handelsvolumens in der EU aus, 2.5% davon entfallen auf Grossbritannien.“

    Weil Grossbritannien aus der EU austritt, spielen die 0.5%, welche dort verbleiben eine noch kleinere Rolle.

    Ein Drittel aller Schweizer Aktien werden in der EU gehandelt. Mit dem Austritt von GB also nur noch 5% des genannten Drittels.

    Die EU zeigt hier ihr Gesicht. Bürokratisch, diktatorisch, erpresserisch und leider auch undemokratisch. Ist Zeit, sich gegen diese Institution zu wehren!
    • Mayo 30.11.2018 20:52
      Highlight Highlight Es ist doch ein rein politischer Entscheid. Die EU muss uns ja garnichts geben wenn sie nicht will.. Wir sind da etwas überheblich, wenn wir denken, dass uns die EU etwas schuldet. Einfach gesagt: „If you‘re not on the table you‘re at the menu“... das müssen viele Schweizer halt noch zuerst verstehen.

      Wir gehören nun mal nicht dazu und können nicht verlangen dieselben Benefits zu erhalten, wenn die Mitglieder das nicht wollen. Es ist reiner Goodwill und mehr nicht.
    • Güsäheini 30.11.2018 21:30
      Highlight Highlight Und wie? Übrigens bitte nene mir eine leider demokratischere Grossmacht als die EU! Meines Erachtens existiert diese nicht.
    • sealeane 30.11.2018 22:15
      Highlight Highlight Naja 0.5 von 3 sind immer noch 1/6tel. Was deutlich mehr wie 5% ist.
      Dazu kommt das es sein kann das sich ein teil verlagert (manche banken haben dies schon angekündigt bei einem brexit). Ergo ists wohl mehr.
      Nichtsdestotrotz ein richtiger entscheid des BA.
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