Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Streikende Frauen am nationalen Frauenstreiktag am 14. Juni 1991 in Bern.

Streikende Frauen am nationalen Frauenstreiktag am 14. Juni 1991 in Bern. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum /ASL

Der Frauenstreiktag von 1991

1991 streikten die Schweizer Frauen zum ersten Mal. Sie gingen für Lohngleichheit und ganz allgemein für gleiche Chancen auf die Strasse. 28 Jahre später sind viele Forderungen immer noch aktuell.

Andrej Abplanalp / Schweizerisches Nationalmuseum



Am 14. Juni 1991 – 10 Jahre nach Einführung des Gleichstellungsartikels – streikten rund 500'000 Schweizerinnen und einige Schweizer unter dem Motto «Wenn Frau will, steht alles still». Gefordert wurde in erster Linie gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit. Der Anlass wurde von den meisten Schweizer Frauenorganisationen mitgetragen und war ursprünglich von einigen Arbeiterinnen der Uhrenbranche im Vallée de Joux initiiert worden. Es war nach dem Landesstreik von 1918 der grösste Streik, den die Schweiz je erlebt hatte.

Hier bloggt das Schweizerische Nationalmuseum

Drei Museen – das Landesmuseum Zürich, das Château de Prangins und das Forum Schweizer Geschichte Schwyz – sowie das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis sind unter dem Dach des Schweizerischen Nationalmuseums vereint.
Im Blog veröffentlichen Mitarbeiter des Nationalmuseums und renommierte Gastautoren Beiträge zu aktuellen Themen. watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen daraus. Der Beitrag «Der Frauenstreiktag von 1991» erschien am 14. Juni 2019.
blog.nationalmuseum.ch/2019/06/frauenstreiktag-in-der-schweiz

Ursprünglich stammte die Idee zum Frauenstreiktag aus den USA. Dort fand 1970 der erste weibliche Massenstreik statt. Einige zehntausend Frauen gingen damals auf die Strasse und setzten sich für das Recht auf Abtreibung, gleiche Chancen in der Arbeitswelt und kostenlose Kinderbetreuung während der Arbeitszeit ein. Der Protest ging vor allem in städtischen Gebieten, vornehmlich in New York, über die Bühne. Es folgten Frauenstreiks in verschiedenen Ländern, unter anderem in Island, Spanien und eben der Schweiz.

Plakat zum Frauenstreik 1970 in den USA
https://en.wikipedia.org/wiki/Women%27s_Strike_for_Equality#/media/File:1970s_women's_strike_poster_(cropped).jpg

Plakat zum Frauenstreik 1970 in den USA. Bild: Wikimedia

Der erste kleinere Frauenstreik spielte sich übrigens nicht in den USA, sondern in Österreich ab. Im Mai 1893 traten rund 700 Arbeiterinnen mehrerer Textilfabriken in den Ausstand. Sie forderten eine Verkürzung der Arbeitszeit auf zehn Stunden pro Tag, einen Mindestlohn von acht Kronen pro Woche – ihr Verdienst lag damals bei rund einer Krone – und einen arbeitsfreien Tag am 1. Mai. Nach zwei Wochen lenkten die Arbeitgeber ein und bewilligten die Forderungen. Der Anlass ging als «Streik der 700» in die österreichische Geschichte ein.

abspielen

Bericht über den Frauenstreik vom 14. Juni 1991. Video: YouTube/SRF Archiv

Erster Schweizer Frauenstreik 1945

Auch in der Schweiz waren die Frauen bereits vor 1991 aktiv. 1945, gleich nach Ende des zweiten Weltkriegs, streikten beispielsweise die Arbeiterinnen der Schweizerischen Industriegesellschaft für Schappe (SIS) in Arlesheim. Die SIS stellte aus Seidenabfällen billige Garne her und beschäftigte vor allem Frauen. Die Löhne in dieser Branche waren mager und jene der weiblichen Angestellten im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen noch einmal um fast einen Viertel tiefer.

Im Juni 1945 begannen die rund 400 Arbeiterinnen der SIS deshalb einen Streik. Dieser dauerte einen Monat und fand in der Schweiz grosse Beachtung. Schliesslich konnten die Streikenden ihre Forderungen durchsetzen. Es wurde ein Gesamtarbeitsvertrag abgeschlossen und die Löhne und Ferientage erhöht.

Danach kam es immer wieder zur Niederlegung der Arbeit. Teilweise waren diese Streiks von weiblicher Seite organisiert worden. Sie blieben jedoch meist lokal oder regional. National gingen die Frauen erst einmal gemeinsam auf die Strasse. Nun folgt eine zweite Auflage. Das Organisationskomitee rechnet mit rund 100'000 Teilnehmerinnen. Trifft ihre Erwartung ein, wird der 14. Juni 2019 als einer der grössten Streiks des Landes in die Geschichte eingehen.

Das Frauenstimmrecht war übrigens beim Landesstreik von 1918 ein zentrales Anliegen. Es stand noch vor Punkten wie der 48-Stunden-Woche oder jener einer Alters- und Invalidenversicherung auf der Liste der Forderungen.

Ein anderer historischer Tag für die Frauen:

>>> Weitere historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch

Nach dem Frauenstreik sind die Welt und der Sex besser

Video: watson/Simone Meier, Emily Engkent

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Frauenstreik am 14. Juni 2019

Politikerinnen sind in Bundesbern stark untervertreten

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Jakob Fischbacher*. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus Syrien …

Artikel lesen
Link zum Artikel