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Bewohner Ljubisa Grulovic im Interview.
YouTube/Watson

«Leute mussten wegen des Gestanks erbrechen» – ein Bewohner der Problemliegenschaft an der Zürcher Langstrasse erzählt

Die Polizei startete in drei Zürcher Mehrfahmilienhäusern eine Grossaktion wegen Verdachts auf Mietwucher. Sieht man sich die Zustände vor Ort an, wird auch klar, warum.



Beim Betreten des Treppenhauses des Mehrfamilienhauses an der Neufrankengasse 14 in Zürich steigt einem ein beissender Geruch in die Nase: Es stinkt nach Urin und Rauch. Am Boden liegen Zigarettenstummel, der Raum ist dreckig – hier wurde schon sehr lange nicht mehr geputzt.

Hinter den Türen sieht es nicht viel besser aus. Der Serbe Ljubisa Grulovic gewährt einen Einblick in seine 1 1/2-Zimmer-Wohnung im dritten Stock. Ein Lavabo ist zersplittert und unbrauchbar. Die Küche und das Bad müssten dringend renoviert werden.

Der 43-jährige Grulovic zahlt 1100 Franken pro Monat für die etwa 30 Quadratmeter grosse Wohnung. Über ihren Zustand und den des Hauses ist er nicht glücklich. «Der Vermieter hat nie etwas gemacht. Er hat sich auch nie gemeldet», sagt er.

Auch der Gestank im Treppenhaus macht ihm zu schaffen. «Es gibt keine frische Luft, nur diesen Geruch. Da wird einem schlecht. Es mussten schon Leute erbrechen deswegen», sagt Grulovic. Er hofft, dass sich jetzt etwas tut: «Vielleicht wird es jetzt besser».

Wegen dieser Zustände haben die Kantonspolizei und die Stadtpolizei Zürich eine Grossaktion gestartet: Verdacht auf Mietwucher. Mit Hilfe von über 20 Dolmetschern werden die 120 Bewohner dieser und zwei benachbarten Liegenschaften befragt. Der Eigentümer Peter S. und drei weitere Personen wurden festgenommen.

«Die Zustände sind katastrophal», sagt Mario Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. Man habe die Liegenschaften schon seit längerer Zeit im Auge, ihr Zustand sei bei mehreren Polizeieinsätzen aufgefallen. Im Moment gehe es darum, Beweise zu sammeln und zu sehen, ob sich der Verdacht auf Mietwucher erhärten lasse, fügt Stefan Oberlin von der Kantonspolizei hinzu. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Um einen Einzelfall handelt es sich dabei nicht. «Ich bin überzeugt, dass es noch weitere ähnliche Objekte gibt», sagt Oberlin. Mindestens ein ähnlicher Fall in der Stadt Zürich ist bereits bekannt: In drei Liegenschaften an der Bucheggstrasse wohnen Flüchtlinge unter unwürdigen Bedingungen und zahlen dafür horrende Mieten. 

Ein ähnlicher Fall: Flüchtlingshäuser Bucheggstrasse

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