Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Hier unter der Kornhausbrücke wurde am Samstag eine Party gefeiert. bild: keystone

Warum die Polizei eine illegale Party laufen liess – und jetzt Ärger mit der Politik hat

Die illegalen Partys im Sommer stellen die Polizisten der Schweiz vor ein Dilemma. Werden die Ansammlungen gewaltsam aufgelöst, ist es unverhältnismässig. Wird ihnen stattgegeben, erklingt schnell der Vorwurf der Kuscheljustiz.



Am Samstagabend tanzten mehrere hundert Personen unter der Kornhausbrücke in Zürich bis in die frühen Morgenstunden zu lautem Techno. Die Polizei verzichtete trotz mehrerer Lärmklagen von Anwohnern darauf, die unbewilligte Party aufzulösen. «Aus Gründen der Verhältnismässigkeit», sagt Judith Hödl, Mediensprecherin der Stadtpolizei Zürich.

Ein Video der Party wurde von der RJZ auf Facebook gepostet.

Das passt nicht allen. Das Präsidium der BDP Zürich beschwert sich auf Twitter über mangelnde Rückendeckung aus der Politik. Auch SVP-Gemeinderat Roger Liebi kritisiert den Entscheid der Polizei. «Wer die Bewilligungspraktik missachtet, muss mit den Konsequenzen leben», sagt Liebi zu watson. «Die Einschüchterung der Veranstalter solcher illegalen Partys hat anscheinend gewirkt.»

Ganz anders vor einem Jahr: Im September löste die Stadtpolizei mit einem grösseren Aufgebot an fast der gleichen Stelle eine Party auf. Partygänger bewarfen die Polizisten daraufhin mit Flaschen und Steinen, zwei Beamte wurden verletzt. 

Einige Besucher fielen in die Limmat und wegen einer Baustelle kam es zusätzlich zu Platzproblemen. Trotzdem setzte die Polizei Gummischrot, Wasserwerfer und Reizgas ein. «Unverhältnismässig», meinten viele linke Politiker. 

Umfrage

Wie soll die Polizei mit illegalen Partys umgehen?

  • Abstimmen

1,715

  • Auflösen! Wenn nötig auch mit einem grossen Aufgebot.28%
  • In Ruhe lassen. Die Lage eskaliert ja erst durch die Präsenz der Polizei.58%
  • Mir sind solche Partys egal.13%

Die Gemeinderätinnen Ursula Näf und Linda Bär (beide SP) hatten kurz nach dem Einsatz eine Anfrage zur Klärung der Verhältnismässigkeit des Einsatzes eingereicht. «Das war damals schon sehr extrem», ist Näf weiterhin überzeugt. Näf ist froh, dass die Polizei am Samstag «einen anderen Weg ging, als im letzten September».

Also stecken die Beamten, wenn es um den Umgang mit illegalen Partys geht, in einem Dilemma. Wenn sie sich für einen Eingriff entscheiden, wird die Verhältnismässigkeit angezweifelt, wenn sie wie letzten Samstag darauf verzichten, kommt der Vorwurf der «Kuscheljustiz». 

Nicht nur in Zürich sorgen solche Partys für Ärger: «Auch die Kantonspolizei Basel-Stadt befindet sich diesbezüglich in einem Spannungsfeld», sagt Toprak Yerguz, Mediensprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt.

Klassische Nutzungskonflikte

Das Vorgehen der Polizei vom Samstag soll aber kein Freipass für weitere solche Partys sein, wird im Communiqué der Stadtpolizei klargestellt. «Die Anwohner haben auch ein Anrecht auf Nachtruhe», sagt Hödl. Die Einsatzleiter würden bei jedem Einsatz neu über einen Eingriff entscheiden.

Die Polizei sei in den letzten Wochen zu vier kleineren Partys ausgerückt. Diese konnten aber jeweils friedlich beendet oder verhindert werden. «In diesem Ausmass war das diesen Sommer die erste Party», sagt Hödl.

Grundsätzlich handelt es sich bei solchen Partys um klassische Nutzungskonflikte in den Städten. Um solchen Konflikten vorzubeugen, wurde 2012 extra ein eigenes Bewilligungsverfahren eingeführt: Die sogenannte «Jugendbewilligung für Outdoor-Partys im öffentlichen Raum». 

«Jugendbewilligung» ist nicht optimal

Zürcherinnen und Zürcher zwischen 18 und 25 Jahren können bis zu acht Tage vor einer Outdoor-Party bei der Stadt ein Gesuch einreichen. Dies kostet 100 Franken, die Party darf nicht kommerziell sein und der Ort muss geeignet sein.

«Diese Bewilligung ist grundsätzlich ein gutes Mittel, solchen Konflikten vorzubeugen», sagt Näf. Doch die Altersbeschränkung, die 100 Franken Gebühr und die Einschränkungen, was den Ort betrifft, seien nicht ideal. «Unter der Kornhausbrücke würde die Stadt also keine solche Party bewilligen, deshalb wird sie illegal durchgeführt.»

ARCHIVBILD ZUR SONDERDEBATTE DES BERNER STADTRATES ZU DEN KRAWALLEN IN DER REITSCHULE, AM DONNERSTAG, 02. FEBRUAR 2017 ---- Polizei bei der Reitschule in Bern nach einer Demonstration, am Samstag, 25. Februar 2017. Bei der Protestkundgebung am Samstagabend sind mehrere Personen verletzt worden. Ein Grossaufgebot der Polizei war im Einsatz. Nach der gewaltsamen Raeumung eines besetzten Hauses an der Effingerstrasse am letzten Mittwoch hatte die Gruppe

Auch in Bern gibt es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Besuchern unbewilligter Events. Bild: KEYSTONE

Bei der Stadtpolizei hingegen ist man glücklich über dieses Mittel. «Die jungen Leute halten sich meist an die Vorgaben und auch aus der Bevölkerung kommen meist positive Signale», sagt Hödl.

Das Problem der illegalen Partys scheint damit aber nicht umfassend gelöst zu sein. Die Einsatzleiter der Polizei werden also weiterhin vor Ort entscheiden müssen, ob eine Party aufgelöst wird oder nicht und wen sie damit verärgern.

Die illegale Party in der Binz:

Das könnte dich auch interessieren:

Vergiss Tinder! Hier erfährst du, welches Potenzial deine Fassade hat 😉

Link zum Artikel

«SRF Deville» verkündet Pfadi-Putsch in Liechtenstein – diese finden's gar nicht lustig

Link zum Artikel

Fotograf schiesst DAS Foto der Notre-Dame und muss sich nun gegen Fake-Vorwürfe wehren

Link zum Artikel

Brauchen wir einen Green New Deal, um eine Rezession zu vermeiden?

Link zum Artikel

Schluss mit Lügen! So lässt sich die ganze Welt allein mit grüner Energie versorgen

Link zum Artikel

17 katastrophale Tinder-Chats, die definitiv niemanden antörnen

Link zum Artikel

Wie rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke instrumentalisieren

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 9 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Mit diesen 21 Fakten kannst du beim kommenden «Game of Thrones»-Marathon angeben

Link zum Artikel

Das grösste Verdienst von Tesla sind nicht die eigenen Autos

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

38
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
38Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ujay 28.06.2017 05:14
    Highlight Highlight Aufloesen, dem Recht gehoer verschaffen. Sehr einfach.
  • Chrigi-B 27.06.2017 15:24
    Highlight Highlight Stecker ziehen und aus. Dies pünktlich um 23:00 Uhr. Wiso sollen wir weiter Bewilligungen für unsere Parties einholen, wenn die illegalen Parties ja akzeptiert werden? Absolute Schweinerei, dass die Spassverderber inaktiv blieben! Genau wie mit dem Besetzerp.... Die Chefs dort sind längst überfällig.
    • Kstyle 27.06.2017 16:59
      Highlight Highlight Genau meine Meinung.
  • Political Incorrectness 27.06.2017 13:07
    Highlight Highlight "In Ruhe lassen. Die Lage eskaliert ja erst durch die Präsenz der Polizei."
    Genau. Weil:
    Benzin brennt auch erst durch die Präsenz von Sauerstoff...
  • t.i.m 27.06.2017 12:51
    Highlight Highlight Wie wärs mit strom und damit Musik abschalten, Bar schliessen und schon verziehen sich die Leute....
    • Citrus 27.06.2017 16:30
      Highlight Highlight Es het kei Bar gha und trotzdem isches easy nice gsi ;)
    • Kstyle 27.06.2017 17:00
      Highlight Highlight Aber Strom;-)
  • EMkaEL 27.06.2017 12:31
    Highlight Highlight Mist.. Leider verpasst..! 😕
  • gnp286 27.06.2017 11:36
    Highlight Highlight Sonst geht doch mal mit ein paar fetten Lautsprechern und Scheinwerfern hin und spielt was aus dem Musikantenstadl... dann ist 100pro schnell die Laune vorbei :D
    • Genital Motors 27.06.2017 15:04
      Highlight Highlight Hey nix gegen Musikantenstadl. üppiger Vorbau zu Hauf ;-)
      Lieber das, als Techno.

      Ich schlage einen Kompromis vor:

      SLAYER !!
  • Madison Pierce 27.06.2017 11:01
    Highlight Highlight Soll man keine Busse bekommen wegen einer halben Stunde zu lang parkieren, wenn der Parkplatz zudem zu 90% leer ist? Da wird konsequent gebüsst, auch der Rechtsgleichheit willen.

    Meine Meinung ist, dass man das Recht flexibel auslegen soll, solange niemand gestört wird. Wo kein Kläger, da kein Richter. Die Polizei soll nicht proaktiv nach kleinen Vergehen suchen.

    Wenn der Staat aber anfängt, die Rechte von Leuten bewusst nicht zu schützen, obwohl die Polizei von Betroffenen dazu aufgefordert wird, ist es heikel.
  • Wehrli 27.06.2017 10:29
    Highlight Highlight Wurde doch gut gelösst. Die SVP jammert ja sowieso, egal ob Gurke oder Peperoni, also pfeiff drauf.
    • freeman 27.06.2017 13:53
      Highlight Highlight Der RAZ jammert ja auch immer, wenn die Polizei eingreift...
      Wurde die Situation auch für die 'Anwohner' gut gelöst? Es gibt immer dort Probleme, wo Rechtsgüter durch andere, welche sich die Freiheit herausnehmen, eingeschränkt werden.
    • Red4 *Miss Vanjie* 27.06.2017 15:29
      Highlight Highlight Warum die Blitze? Wehrli hat ausnahmsweise mal recht...
      Haben woll die meisten den Stock im Hintern zu fest angezogen 🙄
  • derEchteElch 27.06.2017 10:03
    Highlight Highlight Illegal ist nunmal illegal. Es gibt einen Grund, warum eine Bewilligung nötig ist.

    Wenn etwas passiert, eine Massenpanik oder Brand ausbricht und es zu Toten kommt schreien alle, warum die Behörden nicht eingeschritten haben, wenn keine Bewilligung vorlag. Das ist auch der Grund, warum Bewilligungrn nötig sind!

    An solche Risiken denken die Linken nicht, denen ist sowieso alles eine grosse heile Welt ohne Gefahren und Probleme.
    • Randy Orton 27.06.2017 11:22
      Highlight Highlight Ach was, wenn etwas passiert dann würden alle schreiben: die sind selbst Schuld.
    • sherpa 27.06.2017 11:33
      Highlight Highlight Allen Leuten kann man eh nicht alles recht machen, das Einzige was man aber von allen Leuten einfordern kann ist 1. Rücksichtnahme, 2. Anstand und 3. sich an das Halten , was nun mal vorgegeben ist. Illegales bleibt eben illegales und wer sich nicht daran halten will muss sich nicht wundern, wenn er früher oder später zur Kasse gebeten wird.
    • Judge Dredd 27.06.2017 17:12
      Highlight Highlight Randy Orton, würde ich so nicht sagen. Ich nehme nicht an, dass alle illegalen Partys als solche für alle erkennbar sind. Ich meine, ich würde auch nicht erst abklären wer der Veranstalter ist und ob eine Bewilligung vorliegt. Also komme ich an eine Party die nich den Anforderungen entspricht und bin dann "selber Schuld" wenn was passiert?
      Ganz so einfach sollte man es sich nicht machen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Max Cherry 27.06.2017 09:55
    Highlight Highlight Lärmklage in der Innenstadt = Egoismus

    Zieht auf's Land oder get a life. Hättet ja mitfeiern können, statt beim grossen Bruder jammern zu gehen.

    Dieser hat wenigstens für einmal keine sinnlose Eskalation gesucht und liess gewähren.
    • reaper54 27.06.2017 10:00
      Highlight Highlight Zusammenleben auf engem Raum erfordert sehr viel Rücksicht. Wer keine Rücksicht auf andere nehmen kann ist auf der Stadt falsch und sollte aufs Land. Es gibt genügend Orte wo diese Party nicht einmal bemerkt worden wäre...
    • MacB 27.06.2017 10:03
      Highlight Highlight Auch in der Stadt wohnen Menschen, die frühmorgens um 5 zur Arbeit müssen und nicht gern wummernde Bässe vor dem Schlafzimmerfenster haben, stell dir das mal vor.

      Aber das wirst du wohl erst in einigen Jahren verstehen, wenn du selber Familie hast, müde bist, früh raus musst, und und und...
    • Rudolf die Banane 27.06.2017 10:04
      Highlight Highlight Sehe ich auch so. Wer Ruhe will ist in der Innenstadt von Zürich defintiv am falschen Ort.
    Weitere Antworten anzeigen

Stromausfall in der Stadt Zürich behoben – Grund ist bekannt

Nach einem Stromausfall zur Rush Hour hat sich die Lage in Teilen der Zürcher Innenstadt am frühen Mittwochabend normalisiert. Viele Pendlerinnen und Pendler mussten allerdings in Ersatzbusse für die ausgefallenen Trams umsteigen.

Grund für den Stromausfall war eine Rauchentwicklung im EWZ Letten. Marco Cortesi, Mediensprecher der Stadtpolizei, sagte gegenüber «20 Minuten»: «Die Rauchentwicklung war heftig, der Strom musste bewusst abgeschaltet werden.» Was ausschlaggebend war für die …

Artikel lesen
Link zum Artikel