DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Vor 40 Jahren begann ein unruhiger Zürcher Sommer

06.05.2020, 09:1206.05.2020, 14:04

Jugendunruhen der 80er-Jahre

1 / 16
Jugendunruhen 80er-Jahre
quelle: photopress-archiv / str
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Vor genau 40 Jahren hat ein Entscheid des Zürcher Stadtrates für den Beginn der 80er-Jugendunruhen in der Schweiz gesorgt. Die Stadtoberen genehmigten 60 Millionen Franken für die Renovation des Opernhauses - aber keine kulturellen Angebote für die Jugend. Die Antwort war der «Opernhaus-Krawall».

Am Abend des 30. Mai 1980 belagerten mehrere hundert Jugendliche das Zürcher Opernhaus, um gegen die «einseitige Kulturpolitik» der Stadt und für ein Jugendzentrum zu demonstrieren.

Als die Polizei anrückte, schlug der verbale Protest in Gewalt um. Die Polizei und «d Bewegig» lieferten sich eine Strassenschlacht rund ums Bellevue. Dabei setzte die Zürcher Stadtpolizei erstmals Gummischrot ein, damals eine Neuheit.

Diese Auseinandersetzung ging als «Opernhaus-Krawall» in die Geschichte ein. Im Sommer 1980 und in den folgenden zwei Jahren gab es immer wieder gewalttätige Zusammenstösse von Jugendlichen mit Ordnungshütern. Eine Nacktdemonstration durch die Bahnhofstrasse erhitzte die Gemüter der vielen Gaffer, Punk lieferte den Soundtrack.

«Nieder mit den Alpen»

Bei den Protesten ging es nicht nur um das Jugendzentrum, das die Stadt den Jugendlichen irgendwann auch gewährte. Die Proteste richteten sich generell gegen die engstirnigen Behörden und sie thematisierten sozialpolitische Anliegen wie Wohnungsnot oder Überwachungsstaat.

Dabei setzte «d Bewegig» nicht nur auf Demonstrationen, sondern auch auf Sprachwitz: Absichtlich groteske Forderungen wie «Macht aus dem Staat Gurkensalat» oder «Nieder mit den Alpen - Freie Sicht aufs Mittelmeer!» sind heute noch geläufig.

Mehr Geld für Alternativkultur

Die Bilanz im Jahr 1982: Hunderte von Verletzten auf beiden Seiten, ein an einem Herzinfarkt gestorbener Polizist, hunderte Festnahmen und Strafverfahren, bedingte Freiheitsstrafen für ein paar Dutzend Demonstranten sowie Sachschäden in Millionenhöhe.

Aber auch alternative Kultur: Die Zürcher Stadtregierung erkannte irgendwann die Zeichen der Zeit und überliess den Jugendlichen die Rote Fabrik als Kulturzentrum.

In den Jahren darauf erfüllten sich weitere Forderungen der Jugendlichen. Bis 1990 wurde das städtische Budget für Alternativkultur verzehnfacht. Nach der Roten Fabrik gab es schliesslich auch die Kanzlei, das Theaterhaus Gessnerallee und das Jugendkulturhaus Dynamo. Sie alle existieren noch heute. (aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Lustige Zeitreise: Mit «Playgirl» durch die 80er

1 / 23
Lustige Zeitreise: Mit «Playgirl» durch die 80er
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Wie Polizist Schaffner die 80er-«Bewegig» unterwanderte

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

8 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
saugoof
06.05.2020 12:49registriert Februar 2015
Ich war damals gerade 14 und wohnte in der tiefsten Provinz. Aber der TV Auftritt von Herr und Frau Müller hat bei mir wie eine Bombe eingeschlagen! Plötzlich war da das Gefühl da das jetzt alles möglich ist.
313
Melden
Zum Kommentar
avatar
Ohniznachtisbett
06.05.2020 12:56registriert August 2016
Ich bin ausgesprochen der Meinung, dass wir das grosse kulturelle Angebot (nicht Oper, Kunsthaus und Schauspielhaus), die grosse Clubszene, die Abschaffung der Polizeistunde usw. zu einem grossen Teil - indirekt - den Opernhauskrawallen zu verdanken haben. Allerdings wird gerne vergessen, dass auch der Needlepark und die offene Drogenszene am Letten danach auch indirekte Folgen waren. Während vorher nichts geduldet wurde, war nun plötzlich alles geduldet. Es dauerte bis Mitte der 90er, dass man Freiheiten gewährte und trotzdem nicht einfach alles duldete.
283
Melden
Zum Kommentar
8
Meine erste Street Parade ohne blabla (dafür mit viel Glitzer und nackter Haut)
Meine Kamera und ich waren an der Street Parade.
Wie es war und was ich gesehen habe? Schau es dir selbst an.
Zur Story