Schweiz
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Richard Wolff, Vorsteher Tiefbau- und Entsorgungsdepartement, spricht mit Filippo Leutenegger, Vorsteher Schul- und Sportdepartement, Tomas Poledna, Untersuchungsleiter, und Daniel Aebli, ERZ-Direktor, von links, an der Medienkonferenz zum Massnahmenpaket fuer die ERZ, Entsorgung und Recycling Zuerich, aufgenommen am Mittwoch, 10. April 2019 in Zuerich. 2015 und 2016 deckten Abklaerungen der Finanzkontrolle Verstoesse im Zusammenhang mit dem Bau des Logistikzentrums Hagenholz sowie Regelwidrigkeiten beim ERZ auf. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die Stadträte Richard Wolff (AL) und Filippo Leutenegger (FDP), Untersuchungsleiter Thomas Poledna und ERZ-Direktor Andreas Aebli (v.l.n.r.). Bild: KEYSTONE

Eigene Emus und geheimes Oldtimer-Museum – bizarre Enthüllungen im Zürcher Entsorgungsamt



Schwarze Kassen, teure Weihnachtsessen und eigene Emus: Am Mittwoch hat der Zürcher Stadtrat den über 300 Seiten dicken externen Untersuchungsbericht zur unrühmlichen Affäre im städtischen Entsorgungswesen veröffentlicht. Der Bericht zeigt, dass die Dienstabteilung Entsorgung + Recycling (ERZ) eine Parallelwelt mit eigenen Regeln war.

Rechtsprofessor Tomas Poledna fasste im Juni 2017 vom Zürcher Stadtrat eine anspruchsvolle Aufgabe: Er sollte die Vorgänge bei der Dienstabteilung ERZ der vergangenen zwanzig Jahre untersuchen. Das Ergebnis, das nun vorliegt, ist über 300 Seiten dick. 70 Personen wurden dafür befragt, darunter auch ehemalige Stadträte.

Der Bericht zeigt, dass ERZ eine Parallelwelt darstellte, die sich erfolgreich vom Rest der Stadtverwaltung abgesondert hatte und eigene Regeln und Gepflogenheiten kultivierte. Städtische Regeln wurden von ERZ-Direktor Urs Pauli generell als hinderlich betrachtet, heisst es im Bericht.

Als Grundproblem sieht Poledna, dass der Stadtrat seit Jahrzehnten kein Konzept hatte, wie diese Dienstabteilung zu führen, zu positionieren und zu beaufsichtigen sei.

ARCHIVBILD ZUR EINSETZUNG EINER PUK IN DER ERZ-AFFAERE, AM DONNERSTAG, 7. SEPTEMBER 2017 - Ein Muellwagen faehrt zum ERZ, Entsorgung und Recycling Zuerich, an der Hagenholzstrasse in Zuerich, aufgenommen am Donnerstag, 1. Juni 2017. Wegen Verdacht auf ungetreue Geschaeftsfuehrung im Zusammenhang mit Dienstfahrzeugen und nach der Beschlagnahmung einer

Ein Fahrzeug von Entsorgung + Recycling Zürich. Bild: KEYSTONE

Beim Tiefbau- und Entsorgungsdepartement (TED), dem ERZ angegliedert ist, habe es zudem keine Ansprechperson gegeben, die dem ERZ-Direktor «auf einem professionellen Niveau hätte begegnen können.» Stattdessen genoss Pauli das volle Vertrauen des Stadtrates, denn ERZ galt als Musterbetrieb.

Museum für alte Kehrichtwagen

In diesen Lücken hätten sich dann schrittweise Abweichungen von der strikten Verwaltungstätigkeit breit gemacht, schreibt Poledna. Diese Abweichungen wurden nicht nur vom Stadtrat sondern auch vom Gemeinderat gebilligt - sofern diese denn überhaupt davon wussten.

Generell habe es einen Hang zu Intransparenz gegeben, «bis hin zu Lügen». Gleichzeitig habe die Kontrolle gefehlt. «Im Grossen und Ganzen hat man sich blenden und täuschen lassen», sagte Stadtrat Richard Wolff (AL) an der Medienkonferenz.

Am Anfang ging es noch um einen einzigen Dienstwagen im Wert von 130'000 Franken, dann um Dienstautos für die gesamte Geschäftsleitung, danach wurden auf eigene Faust sogar ein Oldtimer-Museum für historische Kehrichtwagen und eine Badelandschaft in einem ehemaligen Klärbecken gebaut.

Für die Mitarbeitenden gab es ein Fitnesscenter, teure Weihnachtsfeste und eine Anlage mit Wildvögeln und Emus. Die Emus würden von den Mitarbeitenden in der Freizeit gepflegt, hiess es von Seiten ERZ. In Wahrheit wurden die Kosten der Stadt verrechnet.

Geld fürs «Grillteam»

Schliesslich wurden ausgediente Fahrzeuge intern verkauft, wobei der Erlös in drei Schwarze Kassen floss. Eine Kasse war für das interne «Grillteam» bestimmt. Städtische Gelder wurden also klar zweckentfremdet. In einem Safe, der in einem Bürogebäude von ERZ entdeckt wurde, lagen 215'000 Franken in Bar.

Die Vorgänge rund um diese Kassen offenbaren gemäss Poledna-Bericht «ein betrübliches Bild über das Eigenleben von ERZ». Ein komplettes Bild gibt der Bericht allerdings nicht ab, vor allem was die Schwarzen Kassen betrifft. «Alle möglicherweise verantwortlichen Personen wollten sich nicht von mir befragen lassen», schreibt Poledna. Hier müsse ein Strafverfahren für Klarheit sorgen.

Richard Wolff, Vorsteher Tiefbau- und Entsorgungsdepartement, links, spricht neben Tomas Poledna, Untersuchungsleiter, an der Medienkonferenz zum Massnahmenpaket fuer die ERZ, Entsorgung und Recycling Zuerich, aufgenommen am Mittwoch, 10. April 2019 in Zuerich. 2015 und 2016 deckten Abklaerungen der Finanzkontrolle Verstoesse im Zusammenhang mit dem Bau des Logistikzentrums Hagenholz sowie Regelwidrigkeiten beim ERZ auf. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Stadtrat Richard Wolff (l.) und Jurist Thomas Poledna. Bild: KEYSTONE

Mittlerweile laufen Strafverfahren gegen acht Personen, darunter auch Urs Pauli. Gemäss Angaben der Staatsanwaltschaft wird wegen ungetreuer Amtsführung und Urkundenfälschung ermittelt. Ob und wann es zu Anklagen kommt, ist noch unklar.

ERZ-Direktor Pauli fristlos entlassen

Die Missstände in der Dienstabteilung ERZ waren zwar bereits 2015 bekannt geworden - die Affäre um Pauli kam aber erst am 22. Mai 2017 so richtig ins Rollen: Pauli wurde wegen Verdachts auf ungetreue Amtsführung fristlos entlassen und angezeigt. Gegen seine Entlassung rekurrierte Pauli beim Bezirksrat - jedoch vergeblich. Die Kündigung ist seit November 2018 rechtskräftig.

Die Poledna-Untersuchung wird nicht die einzige Aufarbeitung der ERZ-Affäre bleiben: Die Vorgänge werden gegenwärtig auch von einer parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) untersucht - es ist die erste PUK in Zürich seit der Klärschlamm-PUK von 1996. Die PUK-Ergebnisse stehen noch aus. (sda)

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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ich_bin_ich 11.04.2019 09:19
    Highlight Highlight Auch wenn das alles verwerflich ist...
    Irgendwie finde ich die Art und Weise faszinierend.
    Nicht bloss plumpe Sexreisen oder Urlaub auf Bali, als Meeting getarnt...

    Safes an geheimen Orten, Oldtimermuseum, "Grillteam", Emus im eigenen Zoo... Irgendwie stilvoll, fast schon elitär in der eigenen Parallelwelt, die Damen und / oder Herren...
  • Hardy18 11.04.2019 09:19
    Highlight Highlight Aus Arbeitnehmersicht - ein Traum 😍
  • El Pepedente 10.04.2019 23:29
    Highlight Highlight Haha da ging einer ab xD ja jetzt macht es eohl nicht mehr so spass dort zu arbeiten xD die müllmänner und männerinnen^^ hätten das sicher verdient und ich muss zugeben in der stadt ist es immer schön sauber xD btw ich vermisse ein headliner über die abstimmungen in der türkei xD der erdo soll am verlieren sein und hat schon zweimal nachzählen lassen^^ das sind news
  • sheimers 10.04.2019 22:41
    Highlight Highlight Die Stadt war immer sauber, und Wohlfühloasen für Mitarbeiter gibt es auch bei Google. Also wo ist das Problem? Um persönliche Bereicherung ging es wie ich es vertstanden habe nicht.
    • Mimimi_und_wow 11.04.2019 07:33
      Highlight Highlight Doch, wie ich den Artikel verstanden habe, wurden die alten Fahrzeuge, die der Stadt gehörten an Mitarbeiter verkauft und der Erlös ging nicht an die Stadt (ehemalige Besitzerin der Fahrzeuge) sondern in die Grillkasse. Das ist eine persönliche Bereicherung.
    • Charming 11.04.2019 11:29
      Highlight Highlight Ja, oder der eh. Stadtrat Waser kaufte sich noch günstig ein Auto...Controlling eine auch heute noch gehasste Tätigkeit in den Verwaltungen generell! Alle Beteiligten gehören abgestraft und der Stadtrat F. Leutenegger angewählt!
  • wasylon 10.04.2019 22:23
    Highlight Highlight Das ERZ hat auch schon schicke neue Uniformen bestellt.
    Benutzer Bild
  • dmark 10.04.2019 20:46
    Highlight Highlight 215K Grillkasse - da geht was.
  • Sherlock_Holmes 10.04.2019 20:45
    Highlight Highlight Jedem sein Biotop – völlig unnötig auf den Linken herumzuhacken.
    Die Bangster haben sich um ein x-faches der schwarzen Kasse verzockt.
    Und dann erst die schwarzen Löcher im VBS!
    (Siehe dazu die heutigen Themen «Spesenskandal» und «Schwarzes Loch» aka Informatikprojekte beim Bund)
    Was da alles verschwand, hat fast galaktische Ausmasse.
    Pauli dagegen sorgte als wahrer selbstverantwortlicher Patron wenigstens für seine Mitarbeiter und einen funktionierenden Betrieb, was man von «der besten Armee der Welt» nicht unbedingt behaupten kann.
    Nun wird der Laden wenigstens auf «Vorderfrau» gebracht.😆
    • Luchs 10.04.2019 21:33
      Highlight Highlight Könnte ich bitte eine Definition des Begriffs Bangster erhalten?
      Geht's da ums Bangen oder und um ein Ster Holz?
      Oder um Banger die mit einem Ster.....?
    • Sherlock_Holmes 10.04.2019 22:04
      Highlight Highlight Sie sind aber ein ganz schlauer und witziger Fuchs... äh Luchs

      Mit Verlaub ist dieser Einwurf weder geistreich noch lustig, sondern eher bemühend, sorry 😐 ...

      Aber bitte – auch wenn ich annehme, dass Sie‘s eigentlich wissen.

      Bangster ist ein Kofferwort aus den Begriffen Banker und Gangster, wobei längst nicht alle Banker Gangster, noch Gangster zwangsläufig Banker sind.
      ... nächste Frage:
      «Was ist ein Kofferwort?»
      ... 🙈
    • Zauggovia 11.04.2019 06:28
      Highlight Highlight Kurzgesagt: Wenns das VBS macht: Böse! Wenns die Stadt Zürich macht: Selbstverantwortung!

      Und der Unterschied ist die politische Ausrichtung der Verantwortlichen?

      Das Einzige was mich ob dem Kommentar erschliesst, ist die politische Indoktrinierung des Schreibenden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Zeitreisender 10.04.2019 19:10
    Highlight Highlight Viele Grüsse an das Grillteam des Klärwerks Werdhölzli. Ich wünsche mir den Titel "Die fetten Jahre sind vorbei" von "Emu and the Gang".
    • Weasel 11.04.2019 09:25
      Highlight Highlight Emu and the Gang🤣🤣🤣
  • c_meier 10.04.2019 18:36
    Highlight Highlight ob Klärschlamm oder Entsorgung, da wirds halt Schmutzig... 🙈🙈😉
  • Luchs 10.04.2019 18:33
    Highlight Highlight Schrott ist halt doch wertvoll.
    Wer keine Ahnung von Wertstoffen hat, hat das Nachsehen.
    Und wer weiss wie das Entsorgung Business läuft wundert sich kein bisschen.
    Tja.. weggeschmissen und dann doch vermissen.
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 10.04.2019 17:53
    Highlight Highlight Ich will auch einen Emu
    Wo in Zürich muss ich den Antrag stellen?
    • raphe qwe 10.04.2019 18:04
      Highlight Highlight Bei mir. Zwei Cervelats, 1 Schweinskottlett und 10kg Kohle, dann kommen wir ins Geschäft.
    • Zeitreisender 10.04.2019 19:00
      Highlight Highlight Kein Grund gleich so emutional zu werden.
    • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 10.04.2019 19:17
      Highlight Highlight @raphe qwe: Ein verdammt Günstiges Angebot 🤔

      @Zeitreisender: Doch bei Emus werde ich nunmal Emutional
    Weitere Antworten anzeigen
  • Normi 10.04.2019 17:33
    Highlight Highlight Die Frage ist wer jetzt ihren Dreck wegmacht 🤔
  • BenFränkly 10.04.2019 17:12
    Highlight Highlight Das Geschäft mit dem Dräck ist eine Goldgrube. Aber es ist ein dräckiges Geschäft.
  • Triple 10.04.2019 17:04
    Highlight Highlight Sage nur Bananenrepublik. Wenn es nicht so traurig wäre müsste ich lachen. Wie viele solche Behörden gibt es noch in der Schweiz, bin gespannt auf die Zukunft.

14-Jährige beging nach Sexting Suizid – Strafe des Täters wird von Zürcher Gericht gesenkt

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