Schweiz
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Dschihad-Geschwister aus Winterthur zu bedingten Freiheitsstrafen verurteilt



Bezirksgericht in Winterthur am Donnerstag, 23. November 2017. Vor dem Richter steht ein aethiopischer Imam, der im Oktober 2016 in einer Predigt in der An'Nur-Moschee in Winterthur oeffentlich zur Toetung von Muslimen aufgerufen haben soll.(KEYSTONE/Walter Bieri)

Das Bezirksgericht in Winterthur. Bild: KEYSTONE

Das Jugendgericht Winterthur hat am Mittwoch zwei Geschwister wegen ihres Einsatzes für den «IS» schuldig gesprochen. Es verhängte bedingte Freiheitsstrafen von zehn beziehungsweise elf Monaten.

Die beiden waren Ende 2014 im Alter von 15 und 16 Jahren zum «IS» nach Syrien gereist. Die junge Frau hat von den zehn Monaten ihrer Strafe neun bereits abgesessen. Ihrem ein Jahr älteren Bruder rechnete das Gericht zehn der elf Monate an.

Während der einjährigen Probezeit müssen die beiden regelmässig Kontakt mit der Gewaltschutzabteilung der Polizei halten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Auch wenn die Strafen mild scheinen: Das Gericht ging fast an die obere Grenze des Strafrahmens, den das Jugendstrafrecht für solche Taten vorsieht. Das Maximum wäre ein Jahr gewesen. Nur wenn den Geschwistern Kampfhandlungen oder gar Tötungen hätten nachgewiesen werden können, wäre die Maximalstrafe bei vier Jahren gelegen.

«Teilten das Gedankengut»

Für das Jugendgericht sei es erwiesen, dass die beiden den «IS» unterstützten, sagte der vorsitzende Richter. Sie seien freiwillig, vorsätzlich und im Wissen um die Gräueltaten heimlich nach Syrien gereist und hätten dort rund ein Jahr lang im «IS»-Gebiet unter dem «IS»-Regime gelebt. «Sie teilten das Gedankengut und hiessen es gut.»

Vom «IS» sei ihnen Wohnraum zugewiesen worden und er habe sie auch finanziell unterstützt. Die beiden hätte einen «Nom de Guerre», also einen Übernamen, erhalten und ihnen habe das Leben dort gefallen – zumindest am Anfang. Für all das gebe es Beweise.

Es gebe keine Gründe zur Minderung des Verschuldens, sagte der Richter. Zwar seien sie von ihrem Kollegenkreis in Winterthur bei ihrer Radikalisierung und ihren konspirativen Reiseplänen unterstützt worden – aber sie hätten sich diesen Kreis selbst ausgesucht. Sie hätten auch keine schwierige Jugend gehabt, sondern «hätten ganz genau gewusst, wie man sich verhält».

Während ihres Aufenthalts im «IS»-Gebiet lernten die beiden Arabisch und studierten den Koran. Sie hatten intensiven Kontakt mit «IS»-Sympathisanten und versuchten, Familie und Freunde zum Nachkommen zu überreden. Der Bruder erfüllte unter anderem logistische Aufgaben im Grenzgebiet. Ein Foto zeigt ihn mit einem Waffenholster. Die Schwester «kümmerte sich um Haus und Herd» und hütete kleine Kinder.

Erklärungen verweigert

Die Hauptverhandlung vor dem Jugendgericht hatte im Dezember stattgefunden. Die Medien waren nur zu einem Teil der Verhandlung und der Urteilseröffnung zugelassen.

Vor Gericht und im gesamten Verfahren hatten die beiden Jugendlichen fast jegliche Aussage verweigert. Gewiss sei es ihr Recht, zu schweigen, sagte der Richter. Da sie aber auch dort geschwiegen hätten, wo es um Erklärungen gegangen sei, könne man dieses Verhalten auch «durchaus negativ werten».

Während die Geschwister in Syrien lebten, setzten ihre Eltern in Winterthur alle Hebel in Bewegung, um ihre Rückreise zu erwirken. Die Mutter reiste ihnen nach und lebte einige Zeit bei ihnen, bis ihnen im Dezember 2015 gemeinsam die Rückreise glückte. Noch am Flughafen Zürich wurden die beiden Jugendlichen festgenommen. (jaw/aeg/sda)

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41Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • murrayB 27.02.2019 18:45
    Highlight Highlight Wieso entzieht man diesen nicht die Staatsbürgerschaft?
  • Cachesito 27.02.2019 12:46
    Highlight Highlight Genau wegen diesen absolut lächerlichen Strafen (sind das überhaupt Strafen?) dürfen wir keine Dschihadisten zurück nehmen.
  • Maracuja 27.02.2019 11:56
    Highlight Highlight Hier zeigt sich exemplarisch, dass hiesige Bezirkanwälte und Gerichte gar nicht die Mittel haben, um seriös abzuklären, ob Dschihadisten ausser der Mitgliedschaft bei Daesh noch weitere Straftaten begangen haben. Die Prozesse müssen unbedingt vor Ort stattfinden. Der Forderung gewisser Kreise die Täter zurückzuholen und ihnen in CH den Prozess zu machen, sollte nicht nachgegeben werden.
    • jonas3344 27.02.2019 12:23
      Highlight Highlight Ob dann vor Ort bessere Möglichkeiten vorhanden sind um mögliche Beteiligungen an Straftaten abzuklären wage ich mal zu bezweifeln.

      Sind es Schweizer Staatsbürger und verfügen die lokalen Behörden (sofern man in Syrien überhaupt davon sprechen kann) eine Ausweisung sind wir gezwungen sie zurückzunehmen.
    • The Destiny // Team Telegram 27.02.2019 14:35
      Highlight Highlight @Jonas, Ausweis entziehen, Grund: Angehöriger einer Terroristischen Vereinigung/Staat.
    • jonas3344 27.02.2019 15:32
      Highlight Highlight Wenn sie nur die Schweizer Staatsbürgerschaft haben ist das nicht möglich.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Magnum44 27.02.2019 11:19
    Highlight Highlight Omg, können hier so viele Leute nicht lesen? Das Gericht hatte nach JStG gar keine andere Wahl. Zudem waren sie ja bereits in U-Haft. Eine Massnahme kann nicht einfach so und noch viel weniger als Ersatzstrafe angeordnet werden.
    Wettert gegen das Parlament, sicher nicht gegen das Gericht.
  • G. Schmidt 27.02.2019 09:34
    Highlight Highlight Ah super...

    Schliesst sich dem IS an, zeigt vor Gericht keine Reue und Einsicht...

    und wird “bedingt” verurteilt.

    Jeder Raser in der Schweiz wird härter angegangen, aber es fehlen halt die Beweise gegen die IS-Fundis.

    Viel Spass, ohne Beweise gegen die in den kurdischen Gefängnisse vorzugehen.
    • Albert J. Katzenellenbogen 27.02.2019 12:52
      Highlight Highlight Dies ist der ''Via sicura'' Gesetzesrevision zu verdanken. Ist dies schlimm? Nein. Ist die Strafe für das Kollaborieren mit Terroristen zu gering ausgefallen? Definitiv.
      Sollte man diese netten Ladies unter permanente Überwachung stellen, bis es ihnen verleidet und sie sich freiwillig wieder nach Syrien verpissen?
      FUCK YEAH!
  • nass 27.02.2019 09:34
    Highlight Highlight Leider kein Aprilscherz. Ich vermisse Richter mit etwas "Pfupf im Füdli".
  • DemonCore 27.02.2019 09:33
    Highlight Highlight Beschämend
  • Rabbi Jussuf 27.02.2019 09:27
    Highlight Highlight Und wo bleibt hier eine Therapiemassnahme?
    Lässt man die jetzt einfach so laufen?
    • Maracuja 27.02.2019 13:18
      Highlight Highlight @Rabbi Jussuf

      Ausser der Auflage sich regelmäßig bei der Polizei zu melden wurde keine Massnahme angeordnet. Bei der jungen Frau wurde, wenn ich mich richtig erinnere nach der U-Haft eine Psychotherapie angeordnet. Sie hat aber deutlich geäussert, dass sie diese nicht weiterführen wolle.
    • Ueli der Knecht 27.02.2019 13:47
      Highlight Highlight Steht doch da, Jussuf - also für diejenigen, die lesen und verstehen können: "Während der einjährigen Probezeit müssen die beiden regelmässig Kontakt mit der Gewaltschutzabteilung der Polizei halten."

      Das ist gewissermassen auch eine Therapie-, bzw. Integrations-Massnahme für die Präventionsarbeit der Polizei. ;)
    • Maracuja 27.02.2019 18:06
      Highlight Highlight @Ueli der Knecht

      Das ist eine Kontrollmassnahme und keine Therapie. Wenn sich ein Ex-Strafgefangener regelmäßig beim Bewährungshelfer melden muss, hat das auch nichts mit Therapie zu tun. Da von Seiten der Verurteilten keine weiteren Therapien gewünscht wurden, ist es wohl am sinnvollsten (Integration, Minimierung Rückfallgefahr), wenn man den beiden hilft, die verpasste Berufsausbildung nachzuholen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Antigone 27.02.2019 09:24
    Highlight Highlight Viel zu milde Strafe...

    Wenn man 100.- Steuern hinterzogen hätte, würde man 5 Jahre eingebuchtet werden.
    • renee_* 27.02.2019 10:02
      Highlight Highlight Im Jugendstrafrecht steht Schutz und Erziehung im Vordergrund. Für Minderjährige ist es in unserem Staat eher eine Herausforderung, Steuern zu hinterziehen
    • jonas3344 27.02.2019 10:03
      Highlight Highlight Ähm, nein, Steuerhinterziehung ist in der Schweiz keine Straftat.
    • olmabrotwurschtmitbürli aka Pink Flauder 27.02.2019 10:50
      Highlight Highlight Fake News.

      Gemäss Art 175 DBG wird Steuerhinterziehung mit einer Busse bestraft, die in der Regel das Einfache der hinterzogenen Steuer beträgt (je nachdem aber auch etwas erhöht oder gesenkt werden kann).

      Also nicht 5 Jahre sondern rund 100.- Busse wäre in der Schweiz die Strafe für so eine Steuerhinterziehung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bambulee 27.02.2019 09:00
    Highlight Highlight Aber das Setting nicht vergessen, so monatlich CHF 20‘000 pro Kopf sollte möglich sein🙈
  • DerSeher 27.02.2019 08:59
    Highlight Highlight Sprachlos ab dem milden Urteil! wow....
  • nicbel 27.02.2019 08:59
    Highlight Highlight Applaus für das Rechtssystem der Schweiz.
  • MaskedGaijin 27.02.2019 08:42
    Highlight Highlight Knallhart dieses Gericht...

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