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Kritisierter Spitzenmediziner verlässt das Zürcher Unispital

18.06.2020, 16:3318.06.2020, 16:55
Bild: sda

Abgang am Universitätsspital Zürich: Der in die Kritik geratene Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Martin Rücker, hat gekündigt. Er überwies Klinikpatienten an seine private Praxis.

Rücker verlässt das Unispital per Ende Jahr auf eigenen Wunsch, wie das Spital am Donnerstag mitteilte. Rücker war einer der drei Spitzenmediziner, die in den vergangenen Wochen wegen ihrer Methoden in die Schlagzeilen geraten waren.

Der Chirurg soll systematisch Patientinnen und Patienten zur Behandlung an seine private Praxis überwiesen haben. Das Universitätsspital Zürich (USZ) vereinbarte mit ihm daraufhin, dass er nur noch am USZ Patienten behandeln darf.

Bereits zu einem früheren Zeitpunkt gekündigt hat der Klinikdirektor für Gynäkologie, Daniel Fink. Laut Operationsplänen schaffte er es offenbar, bis zu drei Frauen gleichzeitig zu operieren. Das USZ kündigte hierzu eine Untersuchung an.

Implantate von eigener Firma verwendet

Eine Untersuchung führt das USZ aktuell auch wegen des Direktors der Klinik für Herzchirurgie, Francesco Maisano. Ihm wird vorgeworfen, Implantate von Firmen verwendet zu haben, an denen er selber beteiligt ist und diese Interessenskonflikte nicht transparent gemacht zu haben.

Zudem soll er Publikationen über den Einsatz neuartiger Implantate geschönt und der Zulassungsbehörde Swissmedic irreführende Angaben gemacht haben. In Fachartikeln habe er ausserdem verschwiegen, dass eine Patientin während der Operation wiederbelebt werden musste. Maisano bleibt beurlaubt, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind. Ob er ans USZ zurückkehrt, ist somit noch unklar.

Whistleblower entlassen

Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli kritisierte die Aufsicht des USZ. Der Spitalrat habe seine Verantwortung offensichtlich nicht genügend wahrgenommen. Es gebe ein Problem mit gewissen Kliniken, deren Chefs und mit der Kultur, die dort herrsche. Rickli ortete Probleme wegen Fehlanreizen mit Zusatzhonoraren und der Machtkonzentration bei einzelnen Chefärzten.

Der Whistleblower, der den Fall Maisano ins Rollen brachte, wurde inzwischen vom USZ entlassen.

Die unsauberen Arbeitsmethoden der drei Mediziner riefen auch das Kantonsparlament auf den Plan. «Diese Professoren verletzten Standesregeln, wissenschaftliche Prinzipien und sogar Gesetze. Sie tun es, um finanziell zu profitieren. Sie tun dies zulasten der Öffentlichkeit, der Krankenkasse, der Steuer- und der Prämienzahlenden», kritisierten SP, Grüne und EVP gemeinsam.

Die Aufsichtskommission für Bildung und Gesundheit beauftragte mittlerweile eine Subkommission, um die Vorwürfe gegen den Herzchirurgen Maisano zu untersuchen. Auch die Staatsanwaltschaft befasst sich inzwischen mit dem Universitätsspital. Sie klärt derzeit ab, ob bei Maisano ein Anfangsverdacht für strafrechtlich relevantes Fehlverhalten vorliegt. (sda)

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11 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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homo sapiens melior
18.06.2020 17:06registriert Februar 2017
Wieso wurde der Whistleblower entlassen? Weil er den Betrug aufgedeckt hat? Er sollte belohnt werden, nicht entlassen.
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ingmarbergman
18.06.2020 17:06registriert August 2017
Als Steuerzahler im Kanton Zürich möchte ich ehrlich gesagt gerne wissen, wie es sein kann, dass jemand für ein 100% Pensum am Spital angestellt wird, dafür 500'000 CHF "Lohn" erhält und gleichzeitig noch für ein 100% Pensum an der Uni Zürich angestellt ist und dort nochmals 200'000 Franken erhält.

Watson, das wäre jetzt mal eine Vorlage um etwas investigativen Journalismus zu betreiben. Kommt das noch häufiger vor? Was passiert sonst noch mit Steuergeld? Nehmt mal eure Rolle als 4. Gewalt wahr.
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alles auf rot
18.06.2020 19:49registriert September 2016
Man sollte sich die finanziellen Vorteile, die sich die Direktoren der Kliniken auf Kosten der Allgemeinheit verschafft haben, zurückerstatten lassen und einen Anteil davon dem whistleblower als Prämie für sein couragiertes Verhalten schenken.
Es braucht endlich gesetzliche Regelungen für whistleblower und unabhängige Anlaufstellen und natürlich Schutz für Menschen, die diese Amtsverletzungen und strafbares Verhalten aufzeigen.
Derzeit gibt es keinen Kündigungsschutz für whistleblower.
Im Gegenteil, sie können sogar wegen Veröffentlichung von Betriebsgeheimnissen vor Gericht gezerrt werden.
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