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Mordprozess: Ermittlerin gab sich als Wahrsagerin aus – Verteidiger fordert Freispruch



Im Mordprozess um eine getötete Frau aus Bangladesch hält der Verteidiger am Bezirksgericht Zürich seit Anfang Nachmittag sein Plädoyer. Er ist von der Unschuld seines Mandaten überzeugt und verwundert, dass im Fall verdeckte Ermittler am Werk waren.

Diese hätten mit schauspielerischen Leistungen ein Geständnis des Mannes aus Bangladesch erwirken wollen, sagte der Verteidiger. Der eine Ermittler gab sich als Diamantenhändler aus der Türkei aus. Er gab vor, selber Probleme in seiner Ehe zu haben. Offenbar habe er das Vertrauen des Mannes gewinnen wollen, sagte der Verteidiger.

Verdeckte Ermittlerin machte auf Wahrsagerin

Die andere verdeckte Ermittlerin gab sich als Wahrsagerin aus. Der Beschuldigte hatte zuvor selbst andere Wahrsager kontaktiert. Während die Staatsanwaltschaft in einigen Aussagen gegenüber der Wahrsagerin ein Geständnis sieht, kann der Verteidiger diesen Aussagen keine Beweislast abgewinnen. Es sei weder glaubwürdig noch verwendbar. Der Beschuldigte sei unter Druck gesetzt und extra verängstigt worden.

In den umfangreichen Ermittlungen sieht der Verteidiger, der einen Freispruch fordert, vor allem eines bewiesen: die Unschuld. Der Beschuldigte sei observiert worden, sein Auto wurde verwanzt, seine Telefone und Gespräche aus Telefonzellen abgehört. Die Akten füllen etwa 40 Bundesordner. Zudem verbrachte der Mann insgesamt 16 Monate in Untersuchungshaft.

Staatsanwaltschaft schliesst Zweifel an der Tat aus

Für die Zürcher Staatsanwaltschaft gibt es keinen vernünftigen Zweifel daran, dass der 62-jährige beschuldigte Bengale seine damalige Frau getötet hat: Vor dem Bezirksgericht Zürich verwies sie unter anderem darauf, dass der Mann seine Tat gegenüber verdeckten Ermittlern zugegeben habe.

Nebst dem Geständnis, das der Beschuldigte im Nachhinein aber zurückzog, gibt es für die Staatsanwaltschaft eine ganze Reihe von Indizien, wie sie am Mittwoch ausführte. So habe der Mann beispielsweise Wahrsager aufgesucht.

Spirituelle Wohnungsreinigung

Er habe dort aber nie gefragt, wer seine Frau getötet habe. Sein Interesse galt vielmehr seiner eigenen Person. Er habe wissen wollen, ob er in Gefahr sei. Der Beschuldigte erinnert sich nicht an diese Fragen bei den Wahrsagern, wie er zu Beginn des Prozesses sagte.

Der Mann soll gegenüber den Wahrsagern und durch Rituale wie spirituelle Wohnungsreinigungen Schutz gesucht haben, brachte die Staatsanwaltschaft vor. Offenbar hatte er Angst, wegen seiner Tat von bösen Geistern heimgesucht zu werden.

Rache als Motiv

Zugleich habe er gegenüber einer Verwandten abschätzige Bemerkungen gemacht über das Verhalten seiner Ehefrau. Sein Motiv für den mutmasslichen Mord war gemäss Staatsanwaltschaft Rache, da die Ehefrau einen Liebhaber hatte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 62-Jährigen Mann vor, seine damalige Frau am Morgen des 19. Oktobers 2009 direkt vor ihrem Wohnhaus in Zürich-Oerlikon mit mehreren Schüssen getötet zu haben. (whr/sda)

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