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«Carlos» kommt mit Geldstrafe davon und erhält Genugtuung 

28.08.2015, 10:2729.08.2015, 06:59

Der Bezirksrichter will keine neue Massnahme für «Carlos». Dies gibt er bei der Urteilseröffnung am Bezirksgericht Dietikon am Freitagabend bekannt. Er spricht «Carlos» der Sachbeschädigung und der Hinderung einer Amtshandlung schuldig, jedoch vom Vorwurf der Drohung frei. «Carlos» muss eine Geldstrafe von 33 Tagessätzen zu 30 Franken bezahlen, die aber mit der nicht gerechtfertigten Gefängnisstrafe bereits beglichen ist. «Carlos» erhält dafür eine Genugtuung von 14'300 Franken.

«Bezüglich der Drohung haben wir praktisch nichts», sagt Richter Benedikt Hoffmann bei der Urteilsbegründung. Das Überwachungsvideo, das heute vor Gericht gezeigt wurde, überführe den angeblichen Geschädigten eindeutig der Lüge. Die beiden hätten miteinander etwas zu schaffen gehabt, das im Dunkeln bleiben sollte. Dass der Geschädigte aber durch «Carlos» in Angst und Schrecken versetzt worden sei, sei eindeutig nicht sichtbar. 

Richter über Verhaftungswillkür: «Ich bin fassungslos»

Strafmindernd wikrt sich gemäss Richter Hoffmann unter anderem die mediale Vorverurteilung aus. Mehr noch aber die unrechtmässige Verhaftung nach des Dokfilms. «Es hat in der Schweiz eine willkürliche Verhaftung gegeben», sagt Hoffmann: «Ich bin fassungslos.» Die spätere Sachbeschädigung im Massnahmezentrum Uitikon käme aus diesem Blickwinkel der Situation einer Notwehrreaktion nahe.

Von einer erneuten Massnahme sieht der Richter einerseits aufgrund der niederen Schwere der erneuten Straftaten und andererseits wegen «Carlos»' Therapieunwilligkeit ab. 

Der Zürcher Staatsanwalt hat am Freitag vor dem Bezirksgericht Dietikon ZH für «Carlos» eine ambulante Therapie für psychisch schwer gestörte Straftäter beantragt. Der knapp 20-jährige Straftäter will aber keine Therapie mehr. Er ist überzeugt, dass solche Massnahmen bei ihm nichts bringen.

Gemäss Angaben des Staatsanwaltes findet «Carlos», dass er psychisch gesund sei. Schliesslich könne jeder zum Straftäter werden. Therapien würden bei ihm sowieso nichts bringen, man versuche es ja seit seinem 10. Lebensjahr.

An einem neuen psychologischen Gutachten wollte «Carlos» denn auch schon gar nicht mehr mitwirken. Es wurde deshalb aufgrund von Akten erstellt und kommt zum Schluss, dass «Carlos» eine dissoziale Persönlichkeitsstörung hat. Eine solche Störung zeigt sich etwa durch konsequente Missachtung von sozialen Regeln.

Hohe Rückfallgefahr

Grosses Medieninteresse am Fall Carlos in Dietikon.
Grosses Medieninteresse am Fall Carlos in Dietikon.Bild: KEYSTONE

Trotz dieser Störung sei er aber voll schuldfähig. Die Rückfallgefahr sei gross, hält das Gutachten weiter fest – vor allem was Drohungen, Gewalt und Sachbeschädigungen betreffe. 

Der Staatsanwalt ist sich bewusst, dass «Carlos» keine weitere Therapie will. Dennoch sieht er darin die grössere Strafe als in einer Freiheitsstrafe von 11 Monaten. Denn: «Carlos» müsste nur noch einen Monat absitzen, weil er bereits sechs Monate hinter sich hat und Straftäter in der Regel nach der Verbüssung von zwei Dritteln entlassen werden.

«Ich bin jetzt Muslim. Da habe ich doch nichts mit Drogen zu tun» 
«carlos»
Bild: SRF

Weil «Carlos» mehrheitlich schwieg, ging die Vorhandlung rasch voran.

Schweigen – diese Taktik hat der Zürcher Straftäter «Carlos» bei seinem Prozess gewählt. Reden wollte der sichtlich schlecht gelaunte 19-Jährige nur über seine neue Religion, den Islam

watson-Reporterin Rafaela Roth vor der Urteilsverkündung

Geburtsort? Kindheit? Besuchte Schulen? «Carlos» wollte zu keiner dieser ihm gestellten Standard-Fragen eine Antwort geben. Den Kopf auf die rechte Hand abgestützt, liess er die Fragen ohne Reaktion an sich vorüberziehen. Das stehe doch alles in seinen Akten, das müsse er ja nicht nochmals erzählen. 

Reden wollte er nur über den neuen Halt in seinem Leben, den Islam. «Carlos» nennt sich jetzt Ibraheem und lebt nach dem Koran. «Aber ich verfluche die Terrormiliz IS», stellte er klar. Eine Frage des Richters zum Thema Drogen empfand er als Frechheit und reagierte entsprechend schnippisch. «Ich bin jetzt Muslim. Da habe ich doch nichts mit Drogen zu tun.» 

Schlechte Gefühle im Massnahmenzentrum 

Auch die Befragungen zu den Anklagepunkten dauerten nicht lange. Er gab zu, die Zellen im Massnahmenzentrum Uitikon (MZU) verwüstet und unter Wasser gesetzt zu haben. «Es war aber nicht mein eigenes Verschulden.» Er habe sich im MZU sehr schlecht gefühlt, er habe nicht mal einen Fernseher gehabt. 

«Ich wusste, wenn ich mich schlecht benehme, dann kann ich wieder ins normale Gefängnis zurück. Also habe ich es gemacht» 
carlos

Zum weiteren Anklagepunkt, wonach er an der Zürcher Langstrasse einen Mann mit einem Klappmesser bedroht haben soll, schwieg «Carlos» ebenfalls. Ein Überwachungsvideo, das während des Prozesses abgespielt wurde, zeigt sein mutmassliches Opfer, wie es in einen Hinterhof rennt und sich dort mit einer Eisenstange bewaffnet. 

In einer Zeugenaussage gab der junge Mann an, er habe zu diesem Zeitpunkt grosse Angst gehabt, verletzt zu werden. Er habe «Carlos» zuvor noch nie gesehen. «Carlos» bestritt im Prozess, ein Messer dabeigehabt zu haben. 

Kein weiteres «Sondersetting» 

Es war das erste Mal, dass sich «Carlos» als Erwachsener vor der Justiz verantworten musste. Ein neues «Sondersetting» war somit von Anfang an ausgeschlossen.

Der Staatsanwalt beantragte gemäss Anklageschrift eine unbedingte Freiheitsstrafe von 11 Monaten sowie eine unbedingte Geldstrafe von 15 Tagesätzen zu je 30 Franken. Die Vorwürfe lauteten auf mehrfache Sachbeschädigung und Drohung.

Mit Material der Nachrichtenagentur sda.

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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Señor V
28.08.2015 10:48registriert März 2015
Es würde wahrscheinlich nichts ändern, aber mich würde es trotzdem interessieren, was die Eltern zu ihrem 19-jährigen Bursch zu sagen haben. Wahrscheinlich löse ich jetzt einen Shitstorm aus, aber haben sie nicht auch versagt?
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deepsprings
28.08.2015 19:03registriert Februar 2015
Ich weiss nicht, irgendwie ist unser Rechtssystem auf Abwegen. "Carlos" erhält eine "Entschädigung" von fast 15000 Franken während einer, der ein Foto mit einem Kind macht (hier auf Watson) während mehrere Monate als Pädophiler dargestellt wird und von der Strafbehörde verfolgt wird und sich am Schluss herausstellt das er unschuldig ist... 1000 Fr. Entschädigung, Rumford gratis dazu, und wir Steuerzahler können noch die Untersuchungen zahlen.... Hat jemand den Link zur Story mit dem Mann mit dem Schnauz der ein Selfie mit einem Mädchen machte?
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Rukfash
28.08.2015 12:40registriert Juni 2015
Wegen solchen Leuten haben Schweizer ein falsches Bild von uns Moslems, kommt nach Bosnien, Kosovo oder irgendwo und erlebt uns bitte dort und nicht wegen solch möchtegern Konvertiten die zum Salafismus konvertiert sind. Und dann die hässliche unterstellung von Gewaltbereitr Moslems, unterdrücker Religion.. Ps. Wenn ihr mal in Sarajevo oder Prishtina seid dann fotografiert nicht nur die Moscheen und die bedeckten Frauen, es sind meistens Türkische oder Arabische Touristen die so rumlaufen..!!
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