Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Unaushaltbare Ruhe: Wie watson-Redakteure im stillsten Raum der Schweiz fast den Verstand verlieren

Absolute Stille sind wir uns nicht mehr gewohnt. Halten wir die Ruhe überhaupt noch aus? watson hat den akustikfreien Raum im Forschungsinstitut Empa in Dübendorf getestet – und ist ein bisschen gescheitert. Die Erfahrungen der Redaktoren in Text und Video.



Video: watson.ch

Was haben die watson-Redakteure erlebt? Wie ist es ihnen ergangen? Das Fazit der fünf Stille-Tester:

Philipp Dahm

Bild

bild: watson

Ich habe vor einigen Jahren einen Artikel über einen stillen Raum gelesen. Dort höre man sein eigenes Blut rauschen, die Verdauung im Magen – einfach Dinge, die bei normaler Lautstärke untergehen. Niemand halte es lange darin aus, erinnerte ich mich. Wenn die EMPA nun so gut ist und mir die Tür zu seinem Erlebnis öffnet, wer bin ich dann, nein zu sagen? Leider hat mich inzwischen die Realität eingeholt. Ich habe besagten, nein, beschriebenen Artikel gesucht, gefunden – und gemerkt, dass ich Äpfel mit Birnen verglichen habe. Tatsächlich dreht sich die Geschichte um den wohl stillsten Raum der Welt, der im US-Bundesstaat Minnesota steht und wo minus neun Dezibel erreicht werden. In Dübendorf in der heimeligen Schweiz kommt man gerade mal so auf knapp null Dezibel. Da konnte ich quasi nur noch enttäuscht werden – aber das Klassenreisli mit den Kollegen hat dennoch ein bisschen Spass gemacht.

Gina Schuler

Bild

bild: watson

Raum der Stille. Hört sich an wie ein Andachtszimmer in der Kirche, ist aber tatsächlich der stillste Raum der Schweiz. Angenommen hab ich, dass man gar nichts mehr hört. Und durch die erdrückende Stille durchdreht. Nichts da. Der Raum ist hauptsächlich eines: langweilig. Nicht aufgrund der technischen Begebenheiten. Der Klang im Raum ist recht cool, es fühlt sich wie im Tonstudio an – einfach mal 100. Die Stimme klingt etwas schlaff, Geräusche von aussen gibt es keine. Allerdings gewöhnt man sich relativ schnell an die Umgebung. Das einzig ungewöhnliche: Man muss sich plötzlich mit sich selber beschäftigen. Was macht man in einem Raum, ohne Fenster, abgekapselt von der Umwelt? Nichts. Und das muss man erst aushalten können.

Simone Meier

Bild

bild: watson

Es ist ganz einfach: Ich hasse Lärm. Weil er 24 Stunden lang da ist: Baustelle vor meinem Schlafzimmerfenster, Grossraumbüro, Baustellen rund ums Grossraumbüro, Besoffene vor meinem Schlafzimmerfenster, Mensch, der jede Nacht bis 6 Uhr früh bei offenem Fenster Fernsehen schaut, Stadt halt. Ich liebe die Stadt. Aber ihr Lärm macht manchmal mürbe. Müde. Schlaflos. Egal. Jetzt also ab in den Raum der Stille. Klingt nach Kirche. Sieht dann aber zum Glück ganz nüchtern aus, wie ein turnmatten-blau ausgekleideter Luftschutzkeller. Ich versprech' mir Schock. Quasi tot umfallen vor lauter Anderssein. Und Horror: Man höre da seine eigene Lunge, sein Herz und sein Blut, hab ich gelesen. Will ich nicht. Wenn schon Stille, dann still. Was dann passiert: nichts. Es ist halt still, aber nicht gerade weltraumstill. Genau so möchte ich es ein paar Stunden am Tag gerne haben. Am liebsten nachts. Gern auch im Büro. Eigentlich immer. Gibt’s aber bloss ohne Menschen, Fenster, Vögel, Vögeln, Alkohol, Leben, Stadt. Also nach dem Tod. Also nicht.

Laurent Aeberli

Bild

bild: watson

Es ist leise im stillen Raum. Selbstverständlich. Und das ist komisch. Klatschen, Rumlaufen, Schnipsen – die Geräusche sind da, aber sie werden vom Raum verschluckt. Warum hallt es nicht? Das Pfeifen in meinem Ohr ist laut, viel lauter als sonst. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich gerade an einem Festival war. Trotzdem ist der Raum irgendwie entspannend, gar nicht mal so speziell.

Angelina Graf

Bild

bild: watson

Wir waren zuerst alle zusammen kurz im Raum – noch mit offener Türe. Das Rumstehen dort drin empfand ich zunächst als beängstigend und erdrückend. Doch sobald ich alleine in dem Raum war, ging es. Ich weiss nicht, ob es daran lag, dass die anderen draussen standen, also nah waren, oder daran, dass ich jederzeit einfach die Türe hätte aufmachen und rausgehen können. Aber ich habe es lang ausgehalten – und weiss, dass ich, wäre ein bequemes Sofa dringestanden, noch ewig hätte bleiben können. Bis das Licht ausgegangen wäre. Spätestens dann wär' ich wohl in Panik ausgebrochen. 

Das könnte dich auch interessieren:

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Tesla-Fahrer schläft – bei 140 km/h

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

21
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Marin Baechli 03.08.2016 10:09
    Highlight Highlight Schweizer die mal entspannen müssen. Das hat fast schon was humoristisches.
  • Chaose 02.08.2016 23:20
    Highlight Highlight Nur ein Detail: "Redakteure" nennt man in der Schweiz "Redaktoren". Mag Euch egal sein, ist aber so. Checkt im Duden. Die regionalen Unterschiede im Deutschen wären so schön, wenn man sie nur pflegen würde.
  • Olf 02.08.2016 21:49
    Highlight Highlight Ich als einziger Schweizer im Balkan- und Italienerblock der in den 60er Jahren erbaut wurde.
    Wie gerne würde ich mir so ein Zimmer bei mir zuhause einbauen.
  • wolfderwolf 02.08.2016 18:11
    Highlight Highlight Das man in dem Raum nicht Durchdreht liegt auch daran, dass der Raum nicht unbedingt still ist, sondern hauptsächlich reflexarm. Bei meinem Besuch da war ich übrigens schwer beeindruckt.
  • 's all good, man! 02.08.2016 18:05
    Highlight Highlight Der lieben Frau Meier würde ich an dieser Stelle empfehlen, im nächsten Urlaub mal in die Wüste zu fahren, zum Beispiel die Namib. Unglaublich, wie still es da sein kann und herrlich wohltuend das ist. 😊
  • Luca Brasi 02.08.2016 16:36
    Highlight Highlight Im Raum der Stille hört man die Dialekte so schön. 😍
    Scheint ein guter Raum für Meditation zu sein. Ein paar Räucherstäbchen und Yoga-Matten und man könnte ein paar Eso-Hippies richtig glücklich machen.
    An den Nachbar von Frau Meier: Besorgen Sie sich Kopfhörer oder schalten den TV mal ganz ab! Frau Meier will auch mal schlafen bis 6 Uhr morgens.
    • 's all good, man! 02.08.2016 18:06
      Highlight Highlight Frau Schuler hat eine wirklich auffalend ausgeprägte Zürischnörre. 😀
  • Nicolas Bieri 02.08.2016 15:24
    Highlight Highlight Sorry, aber wenn da steht watson-Redakteure würden "fast den Verstand verlieren" und dann sämtliche Mitarbeiter ausnahmslos berichten, es sei überhaupt nichts passiert, dann fühle ich mich einfach verarscht. Punkt.
    • Homes8 04.08.2016 09:10
      Highlight Highlight Sorry, aber oft habe ich bei Watson schon das Gefühl, dass da mal was vom Verstand abhandengekommen ist ;-)
  • obi 02.08.2016 14:58
    Highlight Highlight Philipp hahahaha
  • Lutz Pfannenstiel 02.08.2016 14:43
    Highlight Highlight Steht ja! Sie haben ja nur "fast" den Verstand verloren. Oder eben nicht wirklich. Oder eben gar nicht, nicht ein bisschen. Neiiiiiiiin!!!!!! Wieder auf einen Clickbait reingefallen.
    • Basubonus 02.08.2016 14:58
      Highlight Highlight Soll dieses Clickbait-Gejammer witzig sein? Bald bei jedem zweiten Artikel heult Irgendjemand herum deswegen. Get a life!
    • Lutz Pfannenstiel 02.08.2016 15:19
      Highlight Highlight http://img.pandawhale.com/post-16455-Homer-Simpson-Im-in-an-abusive-5yLp.gif
    • Asmodeus 02.08.2016 15:34
      Highlight Highlight Naja. Die Zahl der Herzchen zeigt, dass viele Leute halt langsam die Schnauze voll von effekthaschenden Titeln haben.

      Dürfte an Facebook liegen wo man von solchen Links überrannt wird.
  • Shin Kami 02.08.2016 14:38
    Highlight Highlight Wie zum Henker kann man auf Minus 9 Dezibel kommen? Man kann einen Raum schalldicht machen, also 0 aber weniger geht ja nicht...
    • Alex_Steiner 02.08.2016 14:46
      Highlight Highlight Weil 0 Dezibel nicht absolute "Stille" war... darum.
    • acki_ 02.08.2016 14:51
      Highlight Highlight Die Messung von Pegeln in dB beschreibt immer nur einen Relativwert, die Differenz zwischen zwei Werten.

      Das Dezibel wird ermittelt nach der Formel: dB = 10 log (P1 / Pref), wobei Pref der Referenzpegel ist. Wenn man einen Minuswert hat, z.B. - 10 dB, dann bedeutet das, dass der Pegel leiser als der Vergleichspegel ist. Bei Plus ist er lauter.

      (Quelle: lauda.ch)
    • smoenybfan 02.08.2016 14:52
      Highlight Highlight Wenn ich es richtig verstehe ist 0dB das tiefste, das ein Mensch in dieser Definition wahrnehmen kann. Der Schalldruck kann aber unter diesen Wert fallen, wir können diese Werte aber wohl meist nicht wahrnehmen.
    Weitere Antworten anzeigen

Kommentar

Liebe Velofahrer, ihr seid leider die schlimmsten Verkehrsteilnehmer

Das Coronavirus hat dazu geführt, dass in der ganzen Schweiz mehr Leute mit dem Velo unterwegs sind. Das Geschäft boomt, auch mit den E-Bikes. Zusätzlich stimmt die Stadt Zürich am 27. September darüber ab, ob man sich verpflichten will, 50 Kilometer Veloschnellrouten einzurichten.

Das Velo – und besonders die Velofahrer – stehen damit wieder einmal im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein guter Zeitpunkt, euch die Leviten zu lesen. Oder sollte ich sagen: uns? Denn bevor ihr mich in der …

Artikel lesen
Link zum Artikel