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In Zürich wird Kokain am meisten konsumiert. Grösste Vorsicht ist aber bei einer anderen Droge geboten.
In Zürich wird Kokain am meisten konsumiert. Grösste Vorsicht ist aber bei einer anderen Droge geboten.Bild: KEYSTONE

So konsumieren Zürcher ihre Drogen – 11 Fakten zu Kokain, MDMA und Co.

Seit 15 Jahren können in Zürich Drogen legal getestet werden. Das Drug-Checking-Angebot wird rege genutzt und bietet überraschende Einblicke in den Drogenkonsum der Stadt. Über die Jahre haben sich die Substanzen und das Konsumverhalten drastisch verändert. 
25.03.2017, 16:0226.03.2017, 13:39
Severin Miszkiewicz
Severin Miszkiewicz
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Seit 15 Jahren bietet die Stadt Zürich ein mobiles Drug Checking an, bei dem man an Partys direkt seine Drogen testen kann. Seit zehn Jahren gibt es zusätzlich das Drogeninformationszentrum (DIZ) gleich neben dem Hauptbahnhof. 

Das Angebot der Beratungsstelle ist Teil der Schweizer Vier-Säulen-Drogenpolitik (Säule 3, Schadenminderung). Durch die Tests sollen gesundheitliche Risiken minimiert und die Konsumenten sensibilisiert werden. Das DIZ ermöglicht es Experten, Erkenntnisse über den Drogenkonsum in der Stadt zu gewinnen.

Kokain ist der Spitzenreiter

Kokain bildet fast die Hälfte der getesteten Drogen (46 Prozent). Danach folgen MDMA (20 Prozent), Amphetamine (19 Prozent), LSD (5 Prozent) und andere (10 Prozent).

Grafik: watson

Wenn der Lohn kommt, werden die meisten Drogen getestet

Lohn da, Drogen da: Pünktlich zum Monatsende werden offenbar mehr illegale Substanzen gekauft.
Lohn da, Drogen da: Pünktlich zum Monatsende werden offenbar mehr illegale Substanzen gekauft.Bild: KEYSTONE

Am meisten zu tun hat das Drug Checking gegen Ende Monat, wenn alle ihren Lohn bekommen. Anfang und Mitte Monat werden in der Regel etwas weniger Drogen zum Testen gebracht.

Spitzenzeiten sind Ende Mai – dann beginnt die Festival-Saison – und kurz vor der Street Parade im August. In diesen Phasen hat das Labor besonders viel zu tun.

Mehr als 10'000 Menschen liessen ihre Drogen testen

Bild: KEYSTONE

Seit Beginn der Checks im Jahr 2001 haben über 13'500 Personen ihre Drogen testen lassen. Das sind insgesamt 11'200 Proben.

Hast du das Drug-Checking-Angebot schon mal genutzt?

Von 2008 bis 2011 war XTC extrem mies

Pillen haben je nach Zusammensetzung unterschiedlich starke Nebenwirkungen.
Pillen haben je nach Zusammensetzung unterschiedlich starke Nebenwirkungen.Bild: KEYSTONE

Vor ein paar Jahren erkannte das DIZ immer weniger MDMA in den getesteten XTC-Pillen, dafür immer mehr m-CCP. Der Wirkstoff ähnelt MDMA zwar, hat allerdings ein anderes psychoaktives Wirkspektrum.

Dafür hat m-CCP enorme Nachteile, die der Konsument sofort erkennt. Man bekommt Kopfschmerzen, muss erbrechen und der Urin färbt sich braun.

Christian Kobel von der Beratungsstelle vermutet, dass in diesem Zeitraum die Produzenten schwerer an die richtigen Ausgangsstoffe kamen und sie deshalb auf m-CCP ausweichen mussten.

Seit 2011 ist das XTC hochdosiert – zu hoch!

Seit 2014 stellt das DIZ das genaue Gegenteil im Vergleich zu den Vorjahren fest. Die getesteten XTC-Pillen weisen einen enorm hohen Anteil MDMA auf. Bei manchen Pillen fanden sich 400 mg MDMA. Das ist dreimal mehr als eine normale Dosis.

Wie viel ist zu viel?
In der Regel berechnet man die Dosis so: 
Männer: 1.5 × Körpergewicht = Anteil mg MDMA
Frauen: 1.3 × Körpergewicht = Anteil mg MDMA

Beispiel: Bei einem 75 kg schweren Mann reicht eine Dosis von 112.5 mg MDMA aus. 

Die Formen der XTC-Pillen werden immer kreativer

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Kreative XTC-Pillen in Zürich
quelle: http://www.saferparty.ch/
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Hochdosiertes XTC ist gefährlich

Bild: KEYSTONE

Bei einer höheren Dosis MDMA nimmt das High nicht unbedingt zu, die Nebenwirkungen aber schon. Die psychoaktive Wirkung kennt also Grenzen.

Christian Kobel beschreibt es so: «Es ist, wie wenn man in der Schweiz einen Ferrari hat, um richtig Gas zu geben, dann aber doch nur 120 km/h fahren darf.»

Eine Überdosis MDMA vergiftet den Körper zwar nicht, kann aber trotzdem enorme Schäden verursachen. Durch die Überstrapazierung des Körpers können Organe versagen, und der Konsument kann überhitzen – was im schlimmsten Fall zum Tod führen kann.

Der Konsum von MDMA kann zu psychischen Problemen wie Depressionen führen. MDMA hebt den Serotonin-Gehalt im Gehirn. Bei einem zu häufigen Konsum kann das die körpereigene Serotonin-Produktion negativ beeinflussen.

Fast nur Männer lassen ihre Drogen testen 

Bild: KEYSTONE

70 Prozent der Personen, die ihre Drogen testen lassen, sind Männer, nur 30 Prozent sind Frauen. Die getesteten Drogen sind aber bei Männern und Frauen etwa die gleichen.

Welche Drogen konsumierst du am meisten? Alkohol, Zigaretten und Cannabis sind ausgenommen.

Die meisten Konsumenten kaufen Drogen beim Dealer

Die meisten Konsumenten kaufen ihre Drogen von privaten Kontakten, also beim Dealer (80 Prozent). Nur zehn Prozent der Drogen werden auf der Strasse gekauft und nur fünf Prozent an Partys und im Internet.

Grafik: Watson

Online kaufen ist out

Bild: Shutterstock

Trotz des angeblichen Drogen-Booms im Darknet erhält die Beratungsstelle sehr wenige Proben aus dem Internet. 2015 bekamen sie nur drei XTC-Pillen, die online gekauft wurden. Eine winzige Anzahl im Vergleich zu den über 100 Pillen aus Käufen von Privaten.

Evtl. gehen Personen, welche im Internet kaufen, (fälschlicherweise) davon aus, dass die Zusammensetzung der Substanz, der Wirkstoffgehalt auch eher dem entspricht, was ihnen der Verkäufer angibt.

Die beste Qualität gibt's von Dealern – mit Ausnahmen

Je anonymer, desto schlechter die Zusammensetzung der Drogen. Die beste Zusammensetzung fand sich bei Drogen von privaten Kontakten, die schlechteste direkt an Partys oder bei jenen von der Strasse. Aber auch hier sind die Schwankungen sehr stark und man kann sich grundsätzlich auf keine Quelle verlassen und sollte seine Substanzen wenn immer möglich testen lassen.

Bild: KEYSTONE

Eine Ausnahme bilden die Drogen aus dem Internet. XTC-Pillen aus dem Internet hatten einen minim höheren Anteil MDMA als diejenigen von Dealern. Eine genauere Analyse lässt sich allerdings durch die geringe Anzahl an Internet-Proben nicht machen.

Was ist Drug Checking?
Das Drogeninformationszentrum (DIZ) ist die erste Fachstelle in der Schweiz, die neben Drogeninformation und -beratung auch ein stationäres Drug Checking anbietet.

Im DIZ wird über Wirkung und Gefahren psychoaktiver Substanzen informiert sowie über die Risiken des eigenen Konsumverhaltens aufgeklärt. Das Drug Checking ermöglicht eine genaue Aufklärung über Dosierung und Inhaltsstoffe der abgegebenen Substanzen sowie über die Auswirkungen, welche diese Inhaltsstoffe auf den Konsumenten haben könnten. Die Nutzung des DIZ ist anonym und kostenlos; eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Analog zum mobilen Drug Checking wird mit jeder Person, welche eine Substanz zur Analyse abgibt, ein obligatorisches Beratungsgespräch durchgeführt. Der Besuch im DIZ wird an keine Vorbedingungen geknüpft und die Mitarbeitenden stehen unter Schweigepflicht. 

Adresse:
Drogeninformationszentrum DIZ
Konradstrasse 1
8005 Zürich

Öffnungszeiten:
Dienstags 17.30–20.30 Uhr
Freitags 17.30–19.30 Uhr

Weitere Infos auf saferparty.ch

Chronologie der Schweizer Drogenpolitik (17.8.2016)

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Chronologie der Schweizer Drogenpolitik (17.8.2016)
quelle: keystone / michele limina
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