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Schweiz
Zürich

Zollikon schottet jugendliche Asylbewerber ab

Die schöne Aussicht auf den See bleibt den Jugendlichen des Asylzentrums in Zollikon verwehrt.
Die schöne Aussicht auf den See bleibt den Jugendlichen des Asylzentrums in Zollikon verwehrt.doris fanconi / tages anzeiger

So schottet eine Zürcher Goldküstengemeinde jugendliche Asylbewerber ab

Zollikon empfängt die frisch angekommenen jugendlichen Asylbewerber nicht grade mit offenen Armen: Sie dürfen weder die Dachterrasse des Asylzentrums betreten, noch am örtlichen Schulunterricht teilnehmen.
07.09.2016, 05:1507.09.2016, 07:37
Zürich
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Seit drei Wochen bewohnen jugendliche Asylbewerber zwischen 12 und 16 Jahren das Asylzentrum in Zollikon. Ein Park am See, eine Terrasse mit Aussicht – so schön residieren diese im ehemaligen Altersheim. So scheint es zumindest, denn die Idylle trügt. Die Dachterrasse mit exklusiver Seesicht bleibt grade mal den Vögeln vorbehalten. Für die jungen Eritreer und Afghanen ist diese gesperrt.

Die Nachbarn waren scheinbar der Grund

Nicht etwa aus Sicherheitsgründen – mit der Terrasse ist soweit alles in Ordnung. Die Nachbarn wollen schlicht keine Asylbewerber dort haben. Diese Information zumindest steckte ein anonymer Insider dem Tages Anzeiger (TA). Mehrere AOZ-Mitarbeiter hätten sich zuletzt über diese «absurde Situation» beschwert, heisst es. Die Betreiberin des Asylzentrums, die Zürcher Asylorganisation (AOZ), begründet die Sperre hingegen ganz anders. Derzeit sei das darunterliegende Stockwerk noch nicht bewohnt. Sobald alle Jugendlichen eingezogen seien, werde der Zugang «zu klar definierten Zeiten» geöffnet. 

«Für die Flüchtlingskinder ist es heilsam, wenn sie in die Schule können.»
Schulpsychologin Caterine Paterson

Offensichtlich haben die Bewohner der idyllischen Goldküstengemeinde ihre Mühe mit den neuen Gästen. Das zeigt sich auch in der fehlenden Integration der jungen Leute im Dorf. Stichwort Schule. Derzeit werden die Kinder und Jugendlichen im Asylzentrum von Lehrern der AOZ unterrichtet, abgeschirmt von allen Dorfbewohnern. Der Grund: Zollikon erreichte beim kantonalen Sozialamt, dass sie keine schulische Verantwortung tragen muss. «Die Migranten sind nur vorübergehend in der Gemeinde. Da hätte sich der Aufwand nicht gelohnt, um entsprechende Strukturen zu schaffen», sagt die Zolliker Gemeindepräsidentin Katharina Kull-Benz (FDP) gegenüber dem TA. Vorübergehend heisst in diesem Fall zwei Jahre. 

Schule wichtig für Integration

Laut Fachleuten ist die Schule zentral für Flüchtlingskinder. In der Sendung «Club» vom Schweizer Fernsehen sagte die Schulpsychologin Catherine Paterson vor zwei Jahren: «Für die Flüchtlingskinder ist es heilsam, wenn sie in die Schule können.» Dort kommen sie in Kontakt mit Gleichaltrigen, knüpfen Freundschaften. Zudem bietet diese ihnen eine feste Struktur. Inwiefern die Zolliker Asylbewerber in Zukunft in Kontakt mit Einheimischen kommen, bleibt offen. (rwy)

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95 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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blablahochzehn
07.09.2016 05:43registriert Juni 2015
Integration nach Schweizer Vorstellung: Sofort 100% anpassen, aber bitte selber schauen wie. Bloss keinen Kontakt zu Einheimischen!
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Anam.Cara
07.09.2016 07:23registriert November 2015
Die Integration in der Schule steht und fällt mit den Sprachkenntnissen der Asylanten. Es gibt auch Flüchtlinge, die zuerst unsere Schrift lernen müssen, bevor sie vernünftig deutsch lernen können.
Ich fände es vernünftig, dass man ein Mindestniveau festlegt, welches sie im Zentrum erreichen können. Danach werden die Leute in die öffentliche Schule integriert. Abschottung halte ich für gefährlich...
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Patamat
07.09.2016 10:03registriert Juni 2015
Die meisten der Jugendlichen in diesem MNA-Zentrum können kein Wort deutsch und oft weder lesen noch schreiben. Deshalb erhalten sie in der internen Schule spezifisch auf sie zugeschnittenen Unterricht. Sie können nicht einfach in eine normale Klasse integriert werden. Zudem gibt es mitten auf dem Schulgelände bereits ein Durchgangszentrum, wo während jeweils 4-6 Monaten bis zu 80 Asylsuchende untergebracht werden. Von Abschottung keine Spur. Die Dachterrasse ist zudem nur vorübergehend geschlossen. Der Artikel und einige der Kommentare hier sind nichts anderes als billigste Hetze.
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