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Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis



Ein 37-jähriger Mann und ein 6-jähriges Mädchen sind bei einem Unwetter im Unterwallis vermutlich ums Leben gekommen. Laut Polizei besteht keine Hoffnung mehr, dass die beiden Vermissten die Flutwelle im Auto überlebt haben.

Die Chancen, den Mann aus Genf und das Mädchen aus Frankreich lebend zu bergen, seien «gleich Null», sagte Rettungschef Benoît Dorsaz am Montagnachmittag vor den Medien in Chamoson VS. Seit Sonntagabend versuchten die Rettungsdienste erfolglos das Auto zu finden, in dem die beiden in den Fluten gefangen waren.

Der Wagen wurde am Sonntagabend vom Fluss Losentze im Weiler Le Châtelard bei Chamoson mitgerissen, nachdem dieser über die Ufer getreten war. Laut Polizeisprecher Stéphane Vouardoux stand das Auto still, als die Flutwelle kam.

Zwei Überlebende

Zum Zeitpunkt des Vorfalls befanden sich zwei weitere Personen in der Nähe des Flussufers, darunter die Mutter des Mädchens und deren Freundin mit Wohnsitz im Wallis. Sie entkamen der Tragödie.

Der wild gewordene Fluss schwemmte ein weiteres, allerdings leeres Fahrzeug weg. Im Verlauf der Nacht wurde dieses in der Nähe eines Schiessstandes ausserhalb Chamoson, etwas mehr als einen Kilometer vom Unglücksort entfernt, gefunden.

Die Suche nach den Vermissten ging am Montag weiter. Die örtliche Polizei, Hilfskräfte und zahlreiche Feuerwehrleute waren mit rund 70 Personen im Einsatz. Auch ein Helikopter und Drohnen beteiligten sich an den Sucharbeiten.

Leben mit Naturgefahren

Bereits vor rund einem Jahr hatte sich eine Schlammlawine auf Chamoson hinunter gewälzt. Auslöser war allerdings ein anderer Bach. Verletzt wurde damals niemand, aber es gab erhebliche Sachschäden. Der betroffene Bach ist inzwischen für fünf Millionen Franken gesichert worden. Er trat am Sonntag nicht über die Ufer.

«In Chamoson müssen wir mit diesen Naturgefahren leben», sagte der Gemeindepräsident, Claude Crittin. Es seien wohl weitere Investitionen nötig, um das Gebiet zu sichern. Die Strassen von Chamoson zu den Weilern Le Châtelard, Némiaz und Grugnay sowie zum Ferienort Ovronnaz bleiben für den Verkehr gesperrt.

Vom Blitz getroffen

Andere Regionen im Kanton Wallis waren ebenfalls vom Unwetter betroffen. Die Einsatzzentrale der Kantonspolizei Wallis erhielt am Sonntagabend über tausend Anrufe. Personen wurden nicht verletzt.

Jedoch kamen Tiere durch den Sturm zu Schaden. Ein Blitz traf eine Lärche auf einer Alp bei Ayent, unter welcher sich zahlreiche Rinder befanden. 15 von ihnen verendeten.

Zahlreiche Erdrutsche

Verschiedene Verkehrswege mussten nach Erdrutschen gesperrt werden. Dies galt für die Strassen zwischen Chalais und Vercorin, zwischen Vex und Euseigne, Sanetsch und Sitten sowie Fully und Chiboz im Unterwallis.

Im Oberwallis unterbrachen Felsstürze die Strasse zwischen Feschel und Erschmatt sowie zwischen Ulrichen und dem Nufenenpass. Die beiden Verbindungen bleiben für einige Tage gesperrt.

Im Mittelwallis entstanden durch umgestürzte Bäume, überschwemmte Keller und abgedeckte Dächer erhebliche materielle Schäden. In Sitten standen zahlreiche Keller und Unterführungen unter Wasser. Erst vor rund einem Jahr hatte ein Unwetter in der Kantonshauptstadt Sitten Schäden in der Höhe von 15 Millionen Franken verursacht.

Gesperrte Pässe

Im Kanton Graubünden wüteten ebenfalls Unwetter. Wie Roman Rüegg, Sprecher der Kantonspolizei Graubünden, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte, mussten mehrere Passstrassen wegen Erdrutschen gesperrt werden.

Während der Verkehr über den Splügenpass bereits am Montagmorgen wieder freigegeben werden konnte, sollte der Malojapass um 16.30 Uhr wieder geöffnet werden. Es sei aber mit längeren Wartezeiten zu rechnen. Der Lukmanierpass blieb von der Tessiner Seite her bis auf Weiteres gesperrt.

Auto vor Augen der Mutter weggespült

Der Fall erinnert an ein schweres Unwetter vom Oktober 2013 in der Toskana: Ein Mann aus dem Kanton Bern und sein sechsjähriger Sohn wurden im Auto von einer Flutwelle mitgerissen, als das Auto auf einer Brücke stand. Die Mutter überlebte, weil sie Sekunden zuvor aus dem Wagen gestiegen war. Sie musste das Unglück mitansehen. Die Feuerwehr fand wenige Tage später die Leiche des Buben in einem Bachbett. Und Taucher bargen den Vater tot aus einem Kanal.

Im Jahr 2016 wurde ein 67-jähriger Mann im Kanton Schwyz in einem Unwetter von den Wassermassen der Muota aus seinem Auto gespült. Auf Verlangen der Familie wurde er rund drei Monate später gerichtlich für tot erklärt. (sda)

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