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Vier Tote bei Palästinenserprotesten im Gazastreifen - neue Raketen



Neue Gewalt nach den Massenprotesten im Gazastreifen gegen Israel: Aus der palästinensischen Enklave wurden in der Nacht zum Sonntag Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert. Daraufhin beschossen israelische Panzer Militärposten der radikalislamischen Hamas.

Durch den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen habe es keine Opfer gegeben, erklärte die israelische Armee. Augenzeugen aus Gaza berichteten, die israelischen Panzer hätten auf Hamas-Stellungen im Zentrum des Gazastreifens und östlich von Gaza-Stadt gefeuert. Auch hier habe es keine Opfer gegeben.

Bei grossen Demonstrationen an der Grenze waren am Samstag vier Palästinenser getötet worden. Die israelische Armee sprach von rund 40'000 Palästinensern, die sich am Samstag im Grenzgebiet versammelten. Die Organisatoren der Proteste hatten zu einem «Eine-Million-Marsch» aufgerufen.

Israelische Soldaten setzten Tränengas ein, um die Menschen von dem schwer gesicherten Grenzzaun fernzuhalten. Palästinenser warfen Steine auf israelische Soldaten und steckten Autoreifen in Brand.

Zehntausende Palästinenser waren einem Aufruf der Hamas gefolgt, am Jahrestag der massiven Protestwelle erneut zu demonstrieren. Palästinenser gedenken am 30. März, dem «Tag des Bodens», ausgedehnter Landenteignungen und sechs israelischer Araber, die am 30. März 1976 in dem Ort Sachnin von der israelischen Polizei getötet worden waren. Sie hatten gegen die Beschlagnahmung arabischen Bodens protestiert.

Ägypten vermittelt

Das Nachbarland Ägypten versuchte am Samstag weiter, zwischen Israel und der Hamas zu vermitteln. Eine ägyptische Sicherheitsdelegation besuchte einen Kundgebungsort nahe der Stadt Gaza. Ägypten will verhindern, dass die Proteste wie im vergangenen Jahr in wochenlange Gewalt mit zahlreichen Toten umschlagen.

Hamas-Vertreter erklärten, es sei eine Einigung erzielt worden, nach der Israel seine Blockade des Gazastreifens lockern würde. Im Gegenzug sollten die Proteste an der Grenze friedlich bleiben.

Jihia al-Sinwar, Gaza-Chef der Hamas, hatte am Samstag allerdings angekündigt, dass die Proteste am Grenzzaun auch künftig weitergehen würden. Die Palästinenser verlangen beim «Marsch der Rückkehr» unter anderem eine Aufhebung der Blockade, die Israel und Ägypten über den Gazastreifen verhängt haben. Ausserdem pochen sie auf ein Recht auf Rückkehr in Gebiete, die heute zu Israel gehören. Israel und Ägypten begründen die Blockade mit Sicherheitsinteressen.

Grenzübergänge wieder geöffnet

Israel öffnete nach tagelanger Schliessung wieder seine Grenzübergänge zum Gazastreifen. Der Übergang Eres für Personen und der Übergang Kerem Schalom für Waren seien seit Sonntagmorgen wieder in Betrieb, sagte eine Sprecherin des israelischen Verteidigungsministeriums. Israel hatte die Übergänge am vergangenen Montag in Reaktion auf Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen geschlossen.

Seit dem ersten «Grossen Marsch der Rückkehrer» am 30. März 2018 waren bei den wöchentlichen Protesten mindestens 258 Palästinenser und zwei israelische Soldaten getötet worden. Die Proteste richten sich gegen Vertreibung und Landnahme durch Israel.

Die jüngsten Konfrontationen erfolgten kurz vor der Parlamentswahl in Israel am 9. April. Der Hardliner und langjährige Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kämpft um eine weitere Amtszeit.

Im verarmten Gazastreifen zwischen Israel, Ägypten und dem Mittelmeer leben zwei Millionen Palästinenser. Beobachter verweisen auf die desolaten Lebensbedingungen und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit als Gründe für die Demonstrationen. (sda/afp/dpa)

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