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Frauen machen landesweit für Gleichberechtigung mobil



Heute Freitag findet in der Schweiz der Frauenstreik statt. Der Kampftag für die Gleichstellung der Geschlechter ist sehr dezentral organisiert und geht an vielen Orten mit mannigfaltigen Aktionen über die Bühne. Der Keystone-SDA-Ticker berichtet laufend:

11:55 - Tausende auf Bundesplatz

Mehrere tausend Frauen folgten um elf Uhr dem Aufruf zum Frauenstreik und legten mindestens eine verlängerte Pause ein. Auf dem Berner Bundesplatz mischten sich Politikerinnen unter die Frauen. Sie wurden von der Menge lautstark begrüsst.

Mit Pfannendeckeln, Hörnern, Trillerpfeifen, Rasseln und Rätschen verschafften sich die geschätzten rund vier bis fünftausend Frauen Gehör.

Tausende Frauen mit Kinderwagen beteiligten sich am Kinderwagenumzug in Bern, wie die Keystone-SDA-Korrespondentin vor Ort berichtete. Viele waren farbenfroh angezogen oder hatten die Kinderwagen dekoriert. Die Umzugsteilnehmerinnen forderten eine gute Kinderbetreuung und gute Arbeitsbedingungen.

Ab 11 Uhr lief auf vielen Onlineportalen vor allem der Deutschschweizer Medien die «Aktion Purple Screen». Rund 30 Redaktionen ihre Webseiten teilweise in violett getaucht und einen Artikel über die Ungleichheit von Mann und Frau dazugestellt.

«Hier könnte der Artikel einer Frau stehen...., ....aber sie streikt heute», las man violett hinterlegt zuoberst auf der Onlineausgabe des «Blick», der «Aargauer Zeitung» oder des «Tagesanzeigers».

10:55 - Nationalrat unterbricht Sitzung

Nationalratspräsidentin Marina Carobbio hat um 10:53 Uhr die Sitzung des Nationalrats für ein Zeichen der Solidarität mit den Streikenden für gut 15 Minuten unterbrochen. Die Grosse Kammer hatte dies letzte Woche beschlossen. Viele Vertreter der SVP blieben an ihren Plätzen sitzen. Es ist der Moment, in dem laut Streikaufruf im ganzen Land die Frauen ihre Arbeitsplätze verlassen und mit viel Lärm und Transparenten auf sich aufmerksam machen.

10:45 - Im Fokus ausländischer Medien

Auch die Medien im Ausland interessieren sich für den Frauenstreik. «Spiegel online» aus Deutschland etwa schreibt unter dem Titel «Warum die Schweiz zu den rückständigsten Ländern Europas zählt» unter anderem:

"Galt 1991 noch das Motto 'Wenn Frau will, steht alles still', sind diesmal erstaunlich viele Streikwillige und Arbeitgeber darum bemüht, die Arbeitsniederlegung möglichst konfliktfrei zu gestalten.

Das hat im Vorfeld zu absurden Diskussionen darüber geführt, ob Arbeitgeber ihren Mitarbeiterinnen den Streik erlauben oder die Angestellten einen Ferientag beziehen müssen, um zu streiken. Der Konsensgedanke ist typisch Schweizerisch, das gesamte demokratische System ist auf der Idee des Kompromisses aufgebaut."

Der «Wiener Kurier» hat ein Interview mit der 29-jährigen Nau.ch-Journalistin Nadine Brügger online gestellt. Sie erklärt den Österrreichern darin unter anderem:

«Juristisch gesehen sind die Frauen in der Schweiz gleichgestellt. Tatsächlich sieht es aber anders aus. Beim WEF Gender Gap Report belegt die Schweiz Rang 20 – hinter Ländern wie Nicaragua, Ruanda oder Namibia.»

09:55 - Petition für tiefere Tamponssteuer

Mehr als 11'000 Personen haben eine Petition mit dieser Forderung unterschrieben. Am Freitag, dem Tag des zweiten Frauenstreiks in der Schweiz, ist die Bittschrift dem Parlament übergeben worden.

Die Petition war am Welt-Frauentag am 8. März lanciert worden. Sie fordert den reduzierten Mehrwertsteuersatz von 2.5 Prozent für Damen-Hygieneprodukte. Campax, die Organisation hinter der Petition, hat die sogenannte Pink Tax im Visier.

Die Berner Kulturschaffenden haben am Freitagmorgen einen ersten Demonstrationszug durch die Innenstadt gemacht. Singend zogen mehrere hundert Frauen und Männer durch die Strassen Richtung Bundesplatz.

09:20 - CVP-Bundesrätin bekennt Farbe

Auch unter der Bundehauskuppel war am Freitagmorgen vieles auf violett eingestellt. Verteidigungsministerin Viola Amherd setzte im Nationalratssaal dezent auf eine violette Bluse unter einem weissen Blazer. Der Genfer SP-Nationalrat Carlo Sommaruga posierte in violettem Hemd fürs Handy eines Ratskollegen.

Rund 100 Personen haben am Morgen in Lausanne eine Brücke blockiert und umgetauft. Dabei kritisierten sie das ihrer Ansicht nach ungerechte Rentensystem, welches die Frauen sehr abhängig von ihren männlichen Partnern halte.

09:05 - Klitoriswanderung und «Dr Füfer u ds Weggli»

In Zürich startete frühmorgens bei der Hardbrücke die «Klitoris-Wanderung». Das Ziel: Aufklärung ohne Sexismus.

Beim Bahnhof Bern verteilten Frauen den «Füfer u ds Weggli», ein Brötchen mit einer Karte der Forderungen des Frauenstreiks.

Rund um den Bundesplatz waren Vorbereitungen zum Frauenstreik am Laufen. Ballone wurden aufgeblasen, Transparente vorbereitet und der Kreativität freien Lauf gelassen in einer Kunstaktion. Frau konnte mit bereitgestellten Stiften und Bastelmaterial ihre Message zu Papier und unter die Leute bringen.

08:30 - Erste Aktionen in der Nacht und am Morgen

In Bern befestigten Frauen an Brücken diverse Transparente, die auf den Frauenstreik aufmerksam machten. «Herr schafft, Frau streikt», war etwa zu lesen. Auch benannten sie Strassen, Plätze und Brücken nach Frauennamen um. Die Rathausgasse wurde zur Joy-Matter-Gasse.

Im Berner Hauptbahnhof wurden die Passantinnen und Passanten von einer Putzkolonne «gestört». Die Welle über den Perrons wurde vom lokalen Streikkomitee mit einem Transparent behängt.

Die Unia in einer Medieninformation mit, als Auftakt das höchste Haus der Schweiz, den Roche-Turm in Basel, mit dem Logo des Streiktages angestrahlt zu haben.

In Lausanne trafen sich in den frühen Morgenstunden zum Auftakt rund 500 Frauen, die auf die Anliegen des weiblichen Geschlechts mit Transparenten aufmerksam machten. Auch lösten Frauen den Turmwächter von Lausanne ab und schrien die Uhrzeit ins Dunkel hinaus.

Und auch Zeitungen zogen mit besonderen Aktionen mit. So erschien etwa der «Bote der Urschweiz» am heutigen Freitag als «Botín der Urschweiz». (sda)

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