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Riad nach Eingeständnis im Fall Khashoggi weiter in Erklärungsnot



Saudi-Arabien gerät nach dem gewaltsamen Tod des saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi immer stärker Druck. Zahlreiche Staaten halten die offizielle Darstellung, wonach Khashoggi im Konsulat in Istanbul bei einer Schlägerei zu Tode kam, für unglaubwürdig.

Knapp drei Wochen nach Khashoggis Verschwinden legte die Generalstaatsanwaltschaft in Riad am Samstag eine offizielle Version der Ereignisse vor. Demnach führte eine «Schlägerei» im Konsulat zum Tod des Journalisten. Zusätzliche Verwirrung stiftete der Gründer der Riad-nahen «Arabia Foundation», Ali Schihabi, der angab, Khashoggi sei in den Würgegriff genommen worden und dabei erstickt.

18 Staatsbürger Saudi-Arabiens wurden nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft festgenommen und zwei hochrangige Berater von Kronprinz Mohammed bin Salman sowie drei weitere Geheimdienstmitarbeiter entlassen. Bislang hatte Saudi-Arabien bestritten, dass der Regierungskritiker im Konsulat zu Tode gekommen sein könnte.

«Gewaltiger Fehler»

Saudi-Arabiens Aussenminister Adel al-Dschubeir bezeichnete die Tötung des Journalisten am Sonntag als «gewaltigen Fehler». König Salman sei entschlossen, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, sagte al-Dschubeir dem US-Sender Fox News. Er dementierte erneut jegliche Verwicklung der Regierung und des Kronprinzen in das Verbrechen. Die Führung in Riad wisse nicht, wo Khashoggis Leiche ist, sagte al-Dschubeir in dem Interview mit Fox News.

Riads Erklärungsversuche trafen international auf grosse Skepsis. Es bestehe weiterhin die «dringende Notwendigkeit zu klären, was genau am 2. Oktober vorgefallen ist», hiess es am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung Deutschlands, Frankreichs und Grossbritanniens. Saudi-Arabiens offizielle Darstellung müsse «mit Tatsachen untermauert werden», um glaubwürdig zu sein.

Die Aussenminister Heiko Maas, Jean-Yves Le Drian und Jeremy Hunt verurteilten die Tötung des regierungskritischen Journalisten in ihrer Stellungnahme «in aller Schärfe». Sie verlangten weitere Untersuchungen, um «die Wahrheit in umfassender, transparenter und glaubwürdiger Weise ans Licht zu bringen».

Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini forderte ebenfalls «umfassende, glaubwürdige und transparente Ermittlungen» zu Khashoggis Tod. Die EU bestehe darauf, dass «alle dafür Verantwortlichen uneingeschränkt zur Rechenschaft» gezogen würden.

Trump verschärft Ton

Auch US-Präsident Trump verschärfte im Laufe des Wochenendes seinen Ton gegenüber Riad. Nachdem er Saudi-Arabiens Erklärung zunächst als glaubwürdig eingestuft hatte, verlangte er am Samstag weitere Informationen. In einem Interview mit der «Washington Post» warf er Saudi-Arabien später «Täuschung und Lügen» vor. Den saudiarabischen Kronprinzen nahm er aber in Schutz. Es liege bislang kein Beweis dafür vor, dass der 33-jährige Thronfolger verantwortlich sei für die Tat, sagte Trump.

Rückendeckung erhielt Saudi-Arabien auch von seinen Verbündeten in der Region - den Vereinigten Arabischen Emiraten, Jordanien, Kuwait, Oman, Bahrain und Ägypten.

«Ganze Wahrheit» enthüllen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte eine vollständige Aufklärung des Falls an. Er werde am Dienstag im Parlament die «ganze Wahrheit» enthüllen, sagte Erdogan am Sonntag in Istanbul. Türkische Ermittler hatten in den vergangenen Tagen das Konsulat und die Residenz des Konsuls in Istanbul untersucht. Die Suche nach Khashoggis Leiche verlief bislang erfolglos.

Der Journalist hatte am 2. Oktober das Konsulat aufgesucht, um ein Dokument für seine Hochzeit abzuholen. Seitdem fehlt von ihm jede Spur.

Türkische und US-Medien hatten berichtet, der Journalist sei von saudiarabischen Agenten in dem Konsulat gefoltert und ermordet worden. Sie beriefen sich auf Tonaufnahmen, die türkischen Sicherheitskräften vorliegen sollen. Medienberichte zufolge lud die türkische Staatsanwaltschaft am Sonntag 25 weitere Zeugen vor, um sie zu den Vorgängen in dem Konsulat in Istanbul zu befragen. (sda/afp)

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