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Interview

«Alle sind gleich, also dürfen wir über alle lachen» – Carl Josef über seinen Hype

Toni Lukic / watson.de



Das erste Mal sah ich Deutschlands derzeit berühmtesten Teenager Anfang Juni. Es war Carl Josefs zweiter Auftritt überhaupt, bei einer Comedy-Show im Mad Monkey Room in Berlin. Da wurde dieser kleine Junge im Rollstuhl auf die Bühne gehievt und brachte in sieben Minuten das Publikum zum Ausrasten. Als ob es nichts wäre.

Jede seiner Punchlines platzierte er perfekt, die Nummer hatte er smart geschrieben, voll mit schwarzer Selbstironie. Ein natürliches Stand-Up-Talent, das zwei Wochen später auch das bundesweite Internet entzückte.

Carl Josefs Auftritt bei Nightwash machte deutschlandweit die Runde:

abspielen

Video: YouTube/MySpass

Über vier Millionen Menschen sahen sein Video von der «Nightwash»-Bühne. Für viele Medien war der Auftritt des 14-Jährigen die Good News des Frühsommers.

Ortstermin: Downtown Vechelde

«Ich bin jetzt offiziell Promi. Promiflash hat über mich berichtet», grinst Carl, während er am Strohhalm seiner Eisschokolade nuckelt.

Wir sitzen in «Downtown Vechelde» (Zitat von Carls Vater Dirk), einem kleinen Ort bei Braunschweig, vor dem «Ristorante Pizzeria Eiscafé bei Toni».

Drinnen stossen 20 pensionierte Frauen an einer langen Tafel mit Pils an, auf der Strasse demonstrieren gut 50 Vechelder in orangen Westen gegen den beschlossenen Strassenbaubeitrag. Ältere begrüssen uns mit einem freundlichen Winken, Jüngere geben Carl einen Fist-Bump.

Auch Carls Vater Dirk sitzt mit am Tisch. Er erzählt, dass die Familie von Carl dessen neue Popularität nutzen will, um auf seine Krankheit aufmerksam zu machen.

Carl hat Muskeldystrophie des Typs Duchenne. Seine Muskeln bauen mit zunehmendem Alter ab, die meisten Betroffenen erleben ihren 30. Geburtstag nicht. Mit einem Spendenaufruf möchte der junge Comedian Forschungsmethoden finanzieren, die das Heilen von erblichen Krankheiten erforschen.

Doch erstmal konzentriert sich Carl auf seine Comedy-Karriere. Und wenn man mit ihm spricht, dann bekommt man den Eindruck, dass er schon ziemlich genau weiss, was er gerade tut.

watson.de: Gibt es einen Witz, auf den du besonders stolz bist?
Carl Josef: Ich weiss, dass das Publikum den Witz mit meinem Hund sehr lustig findet («Mein Behindertenhund ist nicht trainiert für mich. Er ist einfach nur behindert.», d. Red.). Ich bin eher stolz darauf, mich überwunden zu haben, auf der Bühne aufzutreten. Ich wollte keine Witze bringen, die ich selber nicht lustig finde, auch wenn das Publikum den Witz sicher feiern würde.

Glaubst du, dass einige Comedians kalkuliert fürs Publikum schreiben, ohne dass sie es selber lustig finden?
Einige tun das bestimmt. Wenn allerdings jeder das bringen würde, worauf das Publikum steht, dann wäre jeder zweite Comedian gleich. Aber es macht einen Comedian aus, dass er seine eigene Art hat.

Comedian Jan Overhausen ist der, der dich zur Comedy gebracht hat. Wie genau lief das ab?
Ich habe schon länger Videos von Comedians geschaut. Wenn ich sie feiere, dann markiere ich sie. Eines war von Jan Overhausen. Er hat mich angeschrieben, ob ich nicht Lust hätte, auf eine Show von ihm zu kommen. Beim Schreiben hat er gemerkt, dass ich wohl ganz lustig bin. Also hat er mich gefragt, ob ich auch mal auf die Bühne möchte. Vielleicht wollte ich das, habe mich aber bis dahin nicht so getraut. Dann hat er mir etwas beim Schreiben geholfen und mir Tipps gegeben.

Carl Josef mit Comedian und Mentor Jan Overhausen

Was für Tipps waren das?
Erst einmal hat er mir ein paar grundsätzliche Begriffe, die jeder Stand-Up-Comedian kennen sollte, beigebracht. Dann hat er mir ein paar Strategien gezeigt, die ich auch anwende.

Kannst du eine verraten?
Eine Strategie ist das Shitsandwich: Starke Witze packt man an den Anfang. In die Mitte kommt dann neues oder schwächeres Material und zum Schluss dann wieder gutes. Nach dem Prinzip habe ich auch meine bisherigen Sachen geschrieben.

Bist du sofort auf die Comedy-Bühne im Mad Monkey Room gegangen oder hast du das Material vorher getestet?
Ich habe die Witze bei meiner Konfirmation getestet. Das hat schon ganz gut geklappt. Dann habe ich ein Video an Jan geschickt. Der meinte, dass ich mir keine Sorgen machen müsste. Und dann hatte ich Anfang Mai meinen ersten Auftritt im Mad Monkey Room. Meine Schwester hat ein Video davon online gestellt, und das ist viral gegangen.

Was sagen denn gestandene Comedians zu dir?
Häufig, dass ich ein sehr gutes Timing habe und weiss, wann ich die Punchline setzen soll. Sie merken auch, dass ich vorher lange Comedians studiert habe. Dadurch verstehe ich schon einiges und weiss, wie ich was rüber bringen muss. Das ist die halbe Miete. Wenn du dann noch gute Jokes schreiben kannst, dann kannst du es relativ weit bringen.

Hast du Vorbilder?
Jeder, der sich traut, auf die Bühne zu gehen, um Leute zum Lachen zu bringen, ist eine grosse Inspiration für mich. Felix Lobrecht ist ein Vorbild, weil er auf der Bühne er selbst ist. Er macht sich keine Gedanken, wie etwas ankommt. Maria Clara Gropplers Art, Witze zu erzählen, finde ich auch sehr lustig.

«Wenn so ein Peter unter meinen Auftritt zum 500. Mal 'Stand Up würde ich das ja nicht nennen' schreibt, dann bin ich der, der aus Mitleid lacht.»

Du hast in deinem Set gesagt, dass du Mitleid hasst. Merkst du es, wenn jemand aus Mitleid lacht?
Auf der Bühne ist es schwierig zu sagen: Reihe 4, Platz 7, da hat jemand aus Mitleid gelacht. Du merkst aber, wenn alle nur gezwungen grinsen und verhalten klatschen, weil sie sich verpflichtet fühlen oder Mitleid haben. Das finde ich bisschen schade. Wenn’s dir nicht gefällt, dann brauchst du auch nicht zu klatschen.

Dürfen deiner Meinung nach Menschen, die keine Einschränkungen haben, Witze über die Behinderungen anderer Leute machen?
Ein grosses Thema. Es kommt drauf an, wer es rüberbringt, auf welche Art und Weise und wie er oder sie es meint. Chris Tall hat ja mit seinem Programm «Darf er das» genau das aufgegriffen, seine Message – und auch meine – lautet ja eigentlich: Alle sind gleich. Also dürfen wir über alle lachen.
Wenn ich aber merke, der andere mag mich nicht und macht aus Arroganz einen Witz, dann finde ich es blöd. Es kommt auch immer drauf an, ob er lustig ist. Wenn so ein Peter unter meinen Auftritt zum 500. Mal «Stand Up würde ich das ja nicht nennen» schreibt, dann bin ich der, der aus Mitleid lacht.

ARCHIV - 19.06.2019, Niedersachsen, Vechelde: Der junge Comedian Carl Josef Statnik sitzt in seinem Rollstuhl. Werden Rollstuhlfahrer sichtbarer? Und sind Vorurteile noch an der Tagesordnung? (zu dpa

Bild: DPA

Dich erreichen bestimmt viele Anfragen derzeit. Wie bekommst du das mit der Schule unter einen Hut? Gesundheit, Schule, das steht alles erstmal im Vordergrund. Es kommen viele Anfragen, auch Sachen, auf die ich Bock habe, die ich aber einfach absagen muss. Eine Operation steht auch nächstes Jahr an mit geplanter Reha. Wir müssen halt alles mit einberechnen. Ausserdem muss ich mir neues Zeug einfallen lassen, bei meinem letzten Auftritt haben die Leute meine Punchlines schon erwartet.

Du schreibst schon an neuen Sachen?
Ich habe auch schon einiges zusammen. Da ist sehr viel Bescheuertes dabei. Der dumme Humor eines 14-Jährigen halt.

Du wirkst sehr viel reifer als ein 14-Jähriger.
Das sagen sehr viele. Das kommt vielleicht dadurch, dass ich nicht so hyperaktiv bin, weil ich nicht so rumturne. Ich bin gelassener und rede vielleicht etwas mehr.

Du sammelst gerade Geld ein. Kannst du sagen wofür?
Unser Auto ist nicht mehr das Geilste. Es wird wohl nicht mehr durch den TÜV kommen. Um zu den Auftritten zu kommen, brauchen wir ein Neues mit Barrierefreiheit. Und wir möchten Stiftungen und Forschungen unterstützen, die sich für die Heilung von Genkrankheiten einsetzen. Es ist cool, wenn ich meine Reichweite für so etwas Gutes nutzen kann.

Carls Spendenaufruf findet ihr hier.

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45
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45Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • α Virginis 06.07.2019 14:29
    Highlight Highlight "Ist ähnlich wie bei Euch bei Euch heisst es "Netflix""...
    Habe mich krummgelacht ;)
  • Avenarius 06.07.2019 13:37
    Highlight Highlight Sich mit 10 Jahren auseinandersetzen zu müssen, dass man mit 30 wahrscheinlich nicht mehr da ist und wie die 20 Jahre dazwischen zu nutzen, ist mehr Gedacht, als viele Menschen in ihrem ganzen Leben.
    Ein cooler, toller, anständiger und verrückt guter Comedian. Rehschpekt :-) !
  • Panna cotta 06.07.2019 12:19
    Highlight Highlight Ein echter Lichtblick in der deutschen Szene. Der Junge kommt cool und punktgenau rüber wie Hazel Brugger.
    • Pro-Contra 06.07.2019 21:04
      Highlight Highlight Hazel ist Schweizerin bzw. US-Amerikanerin. Carl finde ich gut, aber kaum mit Hazels Humor zu vergleichen. Umgekehrt auch nicht.
    • Panna cotta 06.07.2019 21:46
      Highlight Highlight @Pro-Contra: Klar stimmen weder Nationalität noch Humor (ausser der Selbstironie) mit Hazel überein. Das Timing der Pointe aber sehr wohl - und dazu braucht es Talent.
    • Pro-Contra 07.07.2019 04:37
      Highlight Highlight Ist das nicht Grundvoraussetzung als Comedian?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Justareader 06.07.2019 10:12
    Highlight Highlight Die Einstellung dieses Jungen ist einfach nicht zu überbieten-grossartig. Ich zolle ihm meinen vollen Respekt.
    Nur mit der Aussage „wir sind alle gleich“ bin ich nicht einverstanden... sind wir eben nicht, denn jeder Mensch ist ein Individuum, in seiner ganz einzigartigen Art... Was wir aber endlich anfangen sollten, ist JEDEM dieser Individuum Respekt zu gönnen. Und wenn dies so ist, können wir auch über jeden lachen, und jeder kann über mich lachen. Es ist nur eine Frage des „wie“, wie Carl ja selber im Artikel beschreibt.
    Toller Junge, einzigartig, mit einer tollen Lebenseinstellung!
  • Matrixx 05.07.2019 23:09
    Highlight Highlight Stand-Up-Comedian ist wohl die falsche Bezeichnung für jemanden, der nicht stehen kann.
    Wie wärs mit Sit-Down-Comedian? Oder Roll-in-Comedian?
    • ScottSterling 05.07.2019 23:43
      Highlight Highlight War das jetzt Absicht....? 🤔
      Benutzer Bild
    • JoeyOnewood 05.07.2019 23:48
      Highlight Highlight deine Wortklauberei ist lächerlich. Carl Josef, wie auch viele andere werden vielleicht ein mitleidiges Lächeln für dich übrig haben. Als wäre er der erste Stand-Up-Comedian, der während seiner Show sitzt.
    • Faceoff 05.07.2019 23:53
      Highlight Highlight Aha, da ist er, dieser Peter.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Roadrunn_er 05.07.2019 22:27
    Highlight Highlight Einfach cool wie der Junge seine Witze rüberbringt 👍. Von dem können viele etwas lernen!
    Egal was man macht, aus dem Leben kommt keiner lebend raus. Nehmt nicht alles so ernst und lacht🤣 und es wird uns allen besser gehen.
  • RicoH 05.07.2019 22:16
    Highlight Highlight Hut ab vor diesem Jungen!

    Reife Leistung für einen 14-Jährigen. An seiner Einstellung könnte sich noch mancher Erwachsener ein Beispiel nehmen.

Liebe Pharmakonzerne, diese 9 Medikamente würden uns wirklich etwas bringen

Alltagsmedikamente dienen ja meist der Symptombekämpfung. Ob das was bringt, sei dahingestellt. Bezüglich unserer Alltagssorgen würde uns dies aber bereits mehr als genügen.

Böse Zungen könnten ja behaupten, unsere Gesellschaft entwickle sich immer mehr hin zu einer überbehandelten Masse, welche in der Symptombekämpfung ihren Heilsbringer zu finden glaubt. Hinzu kommt, dass die Medikamente hierzulande die körperlichen Schmerzen zwar lindern, unser Portemonnaie im gleichen Zug aber malträtieren.

Wir finden: Wenn schon das Geld in vorübergehende Besserung investieren, dann wenigstens in Bereichen, die uns wirklich was bringen.

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