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Tja, das war der Auftakt zu den unfassbar geschmacklosen 80er: Dschinghis Khan am Grand Prix Eurovision de la Chanson 1979. Bild: eurivision.de

Ich war jung und süchtig: Mein erstes Mal mit der «Bravo»

Am 25. August 1956 kam die Jugendzeitschrift «Bravo» zur Welt. Vor dem Internet wusste sie alles, was junge Menschen wollten. Happy Birthday!



Ich war neun. Ein Kind. Und süchtig nach einer deutschen Band. Sie trug glitzrige Kostüme, verherrlichte Russland, hiess Dschinghis Khan und hatte sich gerade am Grand Prix Eurovision de la chanson auf den vierten Platz gesungen. Vor mir stand ein Kiosk. Mit der «Bravo». Und in der «Bravo»: Eine Story über Dschinghis Khan!

Ich war fassungslos vor Glück. Denn neben mir standen nicht meine Eltern, die gegen «Bravo» und gegen Barbie-Puppen waren. Neben mir stand meine Gotte. Und wie bei meinem Grosi war bei meiner Gotte alles möglich. Sogar die «Bravo».

Das Titelbild der Jugendzeitschrift

Eine typische «Bravo» aus meiner Jugend ... Bild: DPA

Sie fragte nicht, sie bezahlte. Und: Es war ihr egal, was ich in der «Bravo» alles las. Also jeden verdammten Buchstaben. Über Bands und andere Menschen mit schlechten Frisuren und über dieses eine Wort, mit dem ich damals noch fast nichts anfangen konnte, das aber verboten interessant klang: Sex.

Ich war damals nicht nur ein Kind, sondern ein Kind vom Land. Meine Gotte lebte in der Grossstadt. An einer breiten Strasse mit enorm vielen Läden, Restaurants und Bussen. Meine Gotte ass häufig in Restaurants zu Mittag. Ihre Grossstadt hiess Wettingen.

Ich verschlang die «Bravo» in Wettingen. Es war der mondänste Moment meines jungen Lebens.

bravo michael jackson

... genau so wie diese hier. Bild: Bauer Media Group/BRAVO

Es blieb meine einzige eigene «Bravo». Aber später, als Teenie, war die allwöchentliche Grundversorgung auch kein Problem mehr. Die zwei Frühreifsten in der Klasse kauften sie, dann machte sie die Runde unter kichernden, kreischenden Mädchen.

Wir lasen die «Bravo» nicht einfach so, wir lasen sie gemeinsam.

Wir taten dies am liebsten an Orten, die auffallend körperbetont waren. In Turnhallen-Garderoben und Schwimmbädern. Ziemlich sicher war «Bravo»-Lesen sowas wie sublimierter Sex. Mit Jungs, die oft blond und grässlich geföhnt waren und George Michael, Limahl oder Morten Harket hiessen und weisse Socken trugen. Mortens Wangenknochen und Georges Frisur waren ungefähr alles, was wir von einem Mann wollten. 

A-ha (mit Morten Harket): «Take On Me»

Play Icon

YouTube/RHINO

Uns selbst sahen wir als Madonna, Nena, Sandra, Cyndi Lauper, Kim Wilde, Kate Bush, Frauen mit Haaren halt. Natürlich lasen wir Dr. Sommer vorwärts, rückwärts und spiegelverkehrt und fragten uns: Kennst du das? Hast du schon mal? Wir glaubten alles.

Die Wahrheit war: Wir kannten alle nichts und hatten noch nie.

Irgendwann war die «Bravo» klebrig und mit Flecken übersät, die unweigerlich rosa waren. Von ausgelaufenem Lipgloss, von geschmolzenem Eis. Erst dann entsorgten wir sie bei denen, die fast so sehnsüchtig darauf warteten wie wir: bei den Jungs.

Zum 60. Geburtstag der «BRAVO»: Die seltsamsten Fragen an Dr. Sommer

Und wie war deine erste «Bravo»? Wir freuen uns auf deine Geschichte!

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38
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38Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sambeat 28.08.2016 01:49
    Highlight Highlight Meine Fresse, waren das geile Zeiten! Da wurde über Michael Jackson, David Hasselhoff, Abba, Guns 'n' Roses gequatscht... Und sogar noch über Pink Floyd!
    Hach, das waren Zeiten... Herzschmerz!
    • dracului 28.08.2016 20:33
      Highlight Highlight Wobei der "Schmerz" bei Hasselhoff schon deutlich anders war, als bei Pink Floyd, Michael Jackson oder Guns 'n Roses! 😜
  • Micha Moser 28.08.2016 01:02
    Highlight Highlight Ich war eines der glücklichen Kinder mit einem Abo davon 😂 Bestes Weihnachtsgeschenk als 11 Jähriger!
    Damals wusste ich mehr über Keshas Haare als über irgendwas anderes, aber es war damals einfach normal :D die "eine Seite" War natürlich auch für mich immer interessant, und witzig zu sehen wie das Geld das Bravo einem gab in den Jahreb von 100 auf bis zu (400..?) stieg :D
  • Don Alejandro 26.08.2016 18:42
    Highlight Highlight Es war so schön farbig bunt und man lästerte gemeinsam über die dummen Fragen bei Dr Sommer. Man hat sich nur heimlich eingestanden, dass man selbst diese Frage gestellt hätte und von der Antwort keine Ahnung hatte.
  • dracului 26.08.2016 11:21
    Highlight Highlight Bei uns wurde die Bravo (von den Erwachsenen) als "Schund" taxiert und wir mussten die Zeitschrift heimlich lesen und sehr vorsichtig teilen. Und die Bravo schaffte es sogar zum Hauptthema eines Elternabends. Damals kämpften Eltern und Lehrer noch gemeinsam gegen den vermeintlichen Sittenzerfall, aber trauten sich selber nicht, die Anliegen der Pubertierenden zu beantworten. Viele Lektionen fürs Leben habe ich deshalb definitiv nicht in der Schule gelernt - Danke, Bravo!
  • Hayek1902 26.08.2016 09:15
    Highlight Highlight Ich glaube, das Bravo Alter war etwa ein Jahr um die 12, dann haben wir uns nur noch für den Dr. Sommer Teil interessiert, vor allem in Pfadilagern...
    • Don Huber 26.08.2016 09:38
      Highlight Highlight Ja wir auch. Paar Kumpels und ich lasen glaube ich dann nur noch diesen Teil und dann gaben wir die Bravo weiter :-)
    • Vernon Roche 26.08.2016 11:27
      Highlight Highlight Gschobe! Lustig wie sich das offebar in allen Pfadilagern der Schweiz abgespielt hat:) Cevis anyone?
    • Hustler 26.08.2016 13:06
      Highlight Highlight Und dann irgendwann nur noch für die eine Seite :)
  • retofit 26.08.2016 09:03
    Highlight Highlight Meine Freundin sammelt Bravos aus den 50ern und den 60ern. Herrlich darin zu stöbern. Das grosse TV-Programm besteht aus zwei Kolonnen, sensationelle fünf Sender zur Auswahl, und das bei weitem nicht im 24-Stunden-Modus.
    • Baccara - Team Nicole 26.08.2016 12:49
      Highlight Highlight Nein, nach 2 Uhr (oder so) kam auf dem Süddeutschen Rundfunk (jaja!) jeweils eine Strassenkreuzung in Neu Delhi. Ich vermisse sie...
    • retofit 26.08.2016 14:05
      Highlight Highlight Strassenkreuzung in Neu Delhi? Der ist gut, LMFO!
  • El Schnee 26.08.2016 08:56
    Highlight Highlight meine Eltern konnte ich nur mit einem Argument dazu bewegen BRAVO mehrmals hintereinander zu kaufen: der lebensgrosse Starschnitt von Freddy Mercury!
    • Simone M. 26.08.2016 09:04
      Highlight Highlight tolle eltern!
  • Gleis3Kasten9 26.08.2016 08:56
    Highlight Highlight Passen dazu ein Video von aus dem Archiv des SRF, die Youtube-Seite kann man eh jedem mit Nostalgieanfällen ans Herz legen.
    Play Icon
  • Luca Brasi 26.08.2016 08:49
    Highlight Highlight Frau Meier war damals so im Rausch mit der "wundervollen" Musik von Ralph Siegels Band, dass Sie nicht einmal gemerkt hat, dass sie Dschinghis Khan hiess. Hat nichts mit einem Boot oder einem ehemaligen deutschen Torhüter zu tun.
    Lasst noch Wodka holen. Hohohohoho. Denn wir sind die Mongolen. Hahahahaha. ;)
    • Simone M. 26.08.2016 09:00
      Highlight Highlight so, jetzt aber korrekt. die waren die direkte folge von «ra-ra-rasputin» von boney m., oder?
    • Luca Brasi 26.08.2016 11:00
      Highlight Highlight Das dürfte stimmen. Frau Meier ist eben richtig Russland begeistert. ;)
    • Simone M. 26.08.2016 11:37
      Highlight Highlight Kein bisschen! Da verwechseln Sie mich mit Frau Rothenfluh.
    Weitere Antworten anzeigen
  • dommen 26.08.2016 07:53
    Highlight Highlight Ich konnte schon als Kind nicht glauben, dass diese Dr. Sommer Geschichten den Tatsachen entsprechen sollen. Wäre doch ein toller Job für einige der Watson-Redakteure: Dr. Sommer Geschichten erfinden.
    • RootAuthority 26.08.2016 08:15
      Highlight Highlight Ist das nicht bereits der Job aller Watson Redakteure?
  • urwe 26.08.2016 07:51
    Highlight Highlight Noch 8 Stunden Arbeit und in meinem Kopf tönt es nur "Dsching Dsching Dschinghis Kahn" Vielen Dank auch...

    Mit dem Bravo konnte ich irgendwie nie so viel anfangen. Aber für die Buben gab es ja noch das Bravo Sport. Anstatt Nick Carter konnte man sich dann Mario Basler übers Bett hängen.
    • formerly known as 26.08.2016 09:49
      Highlight Highlight Wie wärs damit: "eeeeeeh Maaacarena, Aaaayyy..."

      hehe, fies ich weiss ;-)
    • Asmodeus 26.08.2016 13:35
      Highlight Highlight Pfff.... Es geht fieser.




      ♪Turbulent wie'n Hurrican.
      Hier ist Dagobert Duck.
      Wer verhilft zum Happy End?
      Es sind Tick, Trick und Track.
      Sie sind geheimnisvoll.
      Doch sie sind supertoll,
      die...
      Ducktales. Wooohooo♫
    • formerly known as 26.08.2016 13:52
      Highlight Highlight Hahahahaha, oh neiiiiinnnn xD
    Weitere Antworten anzeigen
  • Charlie Brown 26.08.2016 07:49
    Highlight Highlight Sophie Marceau und Nena auf den selben Titelbild. Das versinnbildlicht multiple feuchte Träume meiner Jugend in den 80ern...
  • fant 26.08.2016 07:45
    Highlight Highlight Unvergesslich: Der Geruch der Druckfarbe auf diesem ziemlich dünnen Papier. Und: Auf Schweizerdeutsch hiess es nie "die Bravo", sondern "s Bravo"...
  • Alehopp 26.08.2016 07:42
    Highlight Highlight "Ihre Grossstadt hiess Wettingen." Herrlich! Brachte mich grad mäcgtig zum grinsen im zug ^^
    • Xaver 26.08.2016 10:54
      Highlight Highlight Wettingen IST DIE Stadt (äähh das Dorf) in der Schweiz! Gegen die Landstrasse kommt die zürcher Bahnhofstrasse nicht an. Wettige rules
    • Simone M. 26.08.2016 11:39
      Highlight Highlight Genau. An der Landstrasse wars. Und meine Gotte wohnte in einem brandneuen Block. Auf dem Dorf undenkbar... Und einmal pro Tag gingen wir zusammen ins Awarillo.
  • Baccara - Team Nicole 26.08.2016 07:40
    Highlight Highlight Shame on you - die 80er als grauenhaft zu bezeichnen!! Und Dschingis Khan rulez!

    (I confess - ich bin ein Bravo-Kind!)
    • fant 26.08.2016 08:21
      Highlight Highlight Ja, die 80er waren toll. Aber nicht wegen, sondern trotz Dschingis Khan...
    • Simone M. 26.08.2016 09:03
      Highlight Highlight ich hab mein nena-netzhemd auch heiss geliebt. damals. aber rückblickend? ehrlich?

Was mit dir geschieht, wenn du masturbierst – wenn man einem Arzt von 1830 glaubt 😄

Reden wir mal ein bisschen über Masturbation. Oder besser, was geschieht, wenn du masturbierst. Oder noch besser: Was man anno 1830 glaubte, was geschieht, wenn du masturbierst. Vorhang auf für die Gruselstunde!

Der Blog Dangerous Minds hat kürzlich einen Eintrag veröffentlicht, der von Brisanz ist. Oder zumindest von hohem Unterhaltungswert. Denn er handelt von Masturbation. Hihi.

Dass das Onanieren historisch betrachtet erst seit kurzem gesellschaftlich akzeptiert ist, ist kein Geheimnis. Ebenso wenig, was gemäss früherer Auffassung die Konsequenzen der Selbstbefriedigung sein sollten. Auch von einem wissenschaftlichen Standpunkt her.

So listet der Schweizer Arzt Samuel Auguste Tissot in seinem Buch …

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