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Trumps liebste Fernsehfamilie – das kontroverse Comeback von «Roseanne»

Nach über 20 Jahren gibt «Roseanne» ein kontroverses Comeback. Die Serie will die Anliegen der amerikanischen Rechten auf den Bildschirm bringen.

07.04.18, 10:32 07.04.18, 19:39

Lory Roebuck / schweiz am wochenende



FILE - In this image released by ABC, Roseanne Barr, left, and John Goodman appear in a scene from the reboot of

Roseanne und Dan in gewohnter Pose. Bild: AP/American Broadcasting Companies, Inc.

Ein Artikel von

Der US-Präsident griff höchstpersönlich zum Hörer, um der Schauspielerin und Komikerin Roseanne Barr zu gratulieren. 18 Millionen Zuschauer hatten vor einer Woche bei der ersten neuen Folge ihrer Serie «Rose anne» zugeschaltet – ein neuer Rekord für eine Sitcom im amerikanischen Fernsehen. Wenige Tage später jubelte Donald Trump vor seinen Anhängern in Ohio: «18 Millionen Menschen haben eine Serie geschaut, die von uns handelt.»

Die Faszination ist gegenseitig: Die 65-jährige Barr, die 2012 noch als Kandidatin der Grünen zur US-Präsidentschaftswahl angetreten war, ist heute leidenschaftliche Trump-Anhängerin. Von der amerikanischen Alt-Right-Bewegung wird Barr für ihre unverblümten Aussagen in den sozialen Medien gefeiert. Doch als die Komikerin kürzlich ein Foto veröffentlichte, auf dem sie als Hitler verkleidet zu sehen war, sah sich «Roseanne»- Produzent Bruce Helford zu einer öffentlichen Aussage genötigt: «Ich bitte alle Zuschauer, Barrs Ansichten und die Serie getrennt voneinander zu betrachten.»

Die 90er auf den Kopf gestellt

Bloss: Roseanne Barrs persönliche Ansichten haben immer schon auf ihre Fernsehfigur Roseanne Conner abgefärbt. Als «Roseanne» 1988 erstmals im Fernsehen lief, stellte die Serie die amerikanische Sitcom-Welt auf den Kopf. Sie war der Gegenentwurf zu damals populären Sitcoms wie «Alf», zur «Bill Cosby Show» oder «Unser lautes Heim», die alle in der urbanen Mittelklasse angesiedelt waren. «Roseanne» dagegen, über die am Rande des Existenzminimums lebende Familie Conner, bildete die stolze Arbeiterklasse des ländlichen Amerikas ab. Die Serie, die ab 1990 auch auf dem deutschen Sender ProSieben zu sehen war, lief insgesamt neun Jahre lang und erreichte Mitte der 90er mehr Fernsehzuschauer als jede andere Sitcom.

«Roseanne» lebte vom lauten und aufbrausenden Humor seiner Hauptdarstellerin, die sich ihre Sporen als Stand-up Komikerin abverdient hatte. Barr stieg zur Produzentin und Autorin der Serie auf, die immer wieder auch für ihren Realismus gelobt wurde. Sie liess viele eigene Erlebnisse in die Familie Conner einfliessen und scheute sich nicht, heikle Themen wie Abtreibung, Homosexualität und Rassismus aufzugreifen.

Dass Barr allerdings nicht nur vor der Kamera die Matriarchin gab, wurde ihr zum Verhängnis. Noch heute kreiden ihr Fans an, «Roseanne» mit dem vielleicht bizarrsten Serienende der Fernsehgeschichte jede Glaubwürdigkeit geraubt zu haben. In der damals allerletzten Folge, ausgestrahlt am 20. Mai 1997, entpuppten sich viele bedeutende Ereignisse aus der Serie als reine Fabulierungen, als Ideen aus einem Buch, das Roseanne Conner am Verfassen war. Die Conners hatten nie im Lotto gewonnen, dafür war Roseannes Ehemann Dan an Herzversagen gestorben.

Jetzt, knapp 21 Jahre später, macht die erste neue «Roseanne»-Folge einiges wieder rückgängig. Die Conners sind zwar immer noch arm, dafür wird Dans angebliches Ableben mit einem kurzen Gag unter den Teppich gekehrt. Ein Comeback der Serie ohne Dan-Darsteller John Goodman? Undenkbar. Auch alle weiteren Hauptdarsteller von damals sind zurück, darunter die jüngst für den Oscar nominierte Laurie Metcalf («Lady Bird») in der Rolle von Roseannes Schwester Jackie.

Roseanne lästert über Fake News

Weshalb US-Präsident Trump die Neuauflage der Serie gefällt, wird schnell klar: Roseanne lästert über Obama-Care, Fake News, Political Correctness und streitet mit Jackie über die Präsidentschaftswahl. Roseanne hat für Trump gestimmt, Jackie für Hillary Clinton. Roseanne nennt ihre Schwester «Snowflake» – das Lieblingsschimpfwort der amerikanischen Rechten für die Linken. Umgekehrt trägt Jackie den pinken Pussyhat der Frauenbewegung.

Die neuen «Roseanne»-Folgen holen den politischen und kulturellen Grabenkampf Amerikas mitten in das Wohnzimmer der Conners. «Wir wollen unserem tief gespaltenen Land eine Brücke sein», beteuert Barr in mehreren Interviews. Tatsächlich finden sich in den drei bisher ausgestrahlten Episoden auch nuancierte, berührende Szenen. In einer etwa umarmt Roseanne Conner ihre – schwarze – Enkelin Mary, die Tochter von Sohn DJ, der aus dem Syrienkrieg zurückgekehrt ist. In einer anderen lernen Roseanne und Dan zu akzeptieren, dass ihr neunjähriger Enkelsohn Mark – der Sprössling der immer noch aufmüpfigen und sehr liberalen Darlene – mit Schmuck, buntem Nagellack und in Frauenkleidern zur Schule geht, als er sagt: «Das bin ich.»

Es wäre zu einfach, die Serie auf Linken-Bashing zu reduzieren. Dass «Roseanne» nun aber jene Zuschauer bedient, die sich von Hollywood abgehängt fühlen, lässt sich schwer von der Hand weisen. Denn am Ende der neuen Episoden sitzt nie Jackie, sondern immer Roseanne am längeren Hebel. Sie hat auch nach 21 Jahren noch nicht gelernt, wie man sich für ein Fehlverhalten entschuldigt. Das Einzige, was sie über die Lippen bringt, ist: «Ich vergebe dir.» Worauf Jackie sie dankbar umarmt – lieber nachgeben als weiterstreiten.

Wann die acht neuen Folgen auch bei uns zu sehen sein werden, ist noch unklar. Der US-Sender ABC hat aber angesichts ihres Erfolgs jetzt schon eine weitere neue Staffel in Auftrag gegeben.

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • TheSven 08.04.2018 15:43
    Highlight Mir missfällt die Stigmatisierung, dass diese Serie explizit die Anliegen der amerikanischen Rechten in das Fernsehen bringen will. Watson ist da etwas stark politisch wertend, denn eigentlich geht es hier bei diesem Serienformat darum, die Anliegen der amerikanischen Arbeiterklasse zu thematisieren.

    Unschön das dass hier so umgedeutet wird.

    Wenn man sich mal die prozentuale grösse dieser "Klasse" Mensch ansieht, muss man festhalten, dass die eigentlich schon auch Fernsehzeit für sich selbst haben sollten. Serien über bessergestellte Menschen gibt es zu genüge.
    10 10 Melden
    • DerTaran 08.04.2018 22:16
      Highlight Das Problem ist, dass die intellektuelle Linke sich nicht mehr den Arbeitern vebunden zeigt und die extreme Rechte in die Bresche springt (ohne natürlich Gutes im Hinterkopf zu haben). In der Schweiz wie in den USA spielen sich Milliardäre als Retter des kleinen Manns auf, unglaublich dumm, aber leider wahr.
      12 1 Melden
  • Olmabrotwurst 08.04.2018 00:59
    Highlight Da habe ich früher auf Mega Men umgeschaltet
    13 11 Melden
  • Butzdi 07.04.2018 22:01
    Highlight Und wenns vielleicht lustig wäre, für mich ist Roseanne nach ihren Nazi Photos wo sie als Hitler Juden in den Gasofen schmeisst und nach ihren primitiven Aussagen gestorben. Das rettet nicht mal John Goodman.
    55 9 Melden
    • DerRabe 08.04.2018 10:44
      Highlight Hmm, habe mich nun etwas eingelesen und bin zum Schluss gekommen, nein Barr ist kein Nazi, sie hat nur einen äusserst bizarren Humor. Wie ich darauf komme?
      Das Foto wurde 2009 aufgenommen und auch wenn es ihre Idee war, so war es für das jüdische Satirenagazin Heeb. Und jetzt kommts, Barr selbst ist auch Jüdin.
      Aus ihrer Sicht mache Sie sich mit den Fotos über Hitler und seine verquere Ideologie lustig.

      Mein Fazit: Totaler Mist, aber irgendwie gut gemeint.
      29 5 Melden
  • manhunt 07.04.2018 17:11
    Highlight „Wenige Tage später jubelte Donald Trump vor seinen Anhängern in Ohio: «18 Millionen Menschen haben eine Serie geschaut, die von uns handelt.»“
    von uns? von dir in deinem glaspalast, oder von denen, die du für deine reichen freunde verkauft hast? also die meisten deiner wähler.
    58 2 Melden
  • Restseele 07.04.2018 16:17
    Highlight Wenn ich mir diese zwei miesepetrigen Köpfe anschaue, wundert es mich nicht, dass die dem Trump gefallen. Machen die gleiche Schnute wie Mr. President.
    30 6 Melden
  • Gustav.s 07.04.2018 16:15
    Highlight John Goodman sie sind eine Entäuschung! Die anderen werden das Geld brauchen aber sie wohl kaum.
    35 9 Melden
  • mr-marple 07.04.2018 15:36
    Highlight "Doch als die Komikerin kürzlich ein Foto veröffentlichte, auf dem sie als Hitler verkleidet zu sehen war [....]"

    Diese Aussage stimmt so nicht. Die Photos stammen von 2009 und wurden damals für die Deutschland Ausgabe des jüdischen Statieremagazin "Heeb" gemacht.
    45 3 Melden
  • elias776 07.04.2018 13:45
    Highlight So eine sendung wirkt auf mich recht primitiv, genau so wie diese Roseanne.
    52 18 Melden
  • Simsalam Shrimbam 07.04.2018 12:38
    Highlight Wow....ich dachte schlimmer wirds nicht.
    Immer dann wenn Du denkst, jetzt kanns nur noch besser werden kommt so ein Mist aus der Versenkung.
    Naja gut, jetz fehlt nur no der wiederaufbau der Berliner Mauer....
    65 20 Melden
  • Roman Stanger 07.04.2018 12:38
    Highlight Meiner Ansicht nach war "Roseanne" eher das weibliche Gegenstück zu "Eine schrecklich nette Familie". Bei letzterem wurde die ganze Zeit machomässig über Frauen hergezogen, bei Roseanne haben dafür Frauen niveaulos die Männer niedergemacht. So hab ich das damals zumindest empfunden, und lustig fand ich keins von beidem.
    137 42 Melden
  • Hans Gseh-Cho 07.04.2018 12:37
    Highlight Schade, die Serie ist für mich gestorben. Ich unterstütze niemand, der ein Hitler-Kostüm trägt. Ich unterscheide da auch nicht zwischen Privatperson und Schauspieler. Warum sollte ich? Da kann ja gleich ein Kinderschänder Politiker werden, weil eines ja die Privatperson betrifft.
    57 52 Melden
    • Mia_san_mia 07.04.2018 13:12
      Highlight Also bitte, übertreibs nicht.
      61 50 Melden
    • mr-marple 07.04.2018 15:53
      Highlight die Fotos stammen aus einem jüdisches Statieremagazin namens "Heeb" von 2009 und die Idee war wie wohl eine jüdische Grossmutter verkleidet als Hitler aussieht. Zudem war es auch eine Anspielung auf dass es Leute gibt, die Roseanne Barr als die Reinkarnation von Hitler sehen.

      Wir können darüber streiten, ob das jetzt eine gelungene Satiere ist. Aber das jetzt mit Kinderschänder zu vergleichen ist doch wirklich zu viel des guten.
      45 1 Melden
    • swisskiss 07.04.2018 18:46
      Highlight So einfach entstehen Fehlschlüsse, wenn man Hintergrund und Kontext nicht kennt (oder nicht kennen will)

      Die Hitlerbilder entstanden 2009 in Rahmen eines Artikels über Deutschland vom jüdischen (!) Magazin Heeb.

      Du solltest Dir überlegen, ob Du zwischen Rolle und Realität nicht unterscheiden willst. Finde es sonst sehr bedenklich, wenn man Schauspieler wie zum Beispiel Bruno Ganz verurteilt, weil sie Hitler darstellen.

      Wirkt ein bisschen vorschnell und unreflektiert, wenn man seine Meinung nur nach dem Plakativen, scheinbar Offensichtlichen bildet. DAS ist der Nährboden von Populisten!
      54 1 Melden
    • DerTaran 08.04.2018 22:45
      Highlight @swisskiss, Danke für die Info, das Bild hätte sie eigentlich für mich disqualifiziert, aber als Jüdin darf sie das natürlich. Ich fand Rosanne früher immer super und freue mich auf die neuen Folgen, auch wenn ich mit Trump nichts am Hut habe.
      1 6 Melden
  • Nosgar 07.04.2018 12:14
    Highlight Ich fand Roseanne schon Mist, bevor sie politisch wurde.
    180 47 Melden
    • sambeat 08.04.2018 00:39
      Highlight Hipster...
      29 4 Melden
  • Klaus07 07.04.2018 12:05
    Highlight Sie ist eine von uns! sagt der Milliardärs Sohn, Hotel- Immobilien- Golfclubbesitzer, zu der armen Arbeiterbevölkerung! Witz des Tages.
    350 14 Melden
    • Pianovilla 07.04.2018 12:30
      Highlight Funktioniert ja auch hier, wenn Milliardäre (Blocher, Martullo, Frey) und Millionäre (Matter, Köppel etc) sich als Verteidiger des normalen Arbeitervolkes aufspielen: die Lemminge laufen denen hinterher.
      177 14 Melden
    • Sarkasmusdetektor 07.04.2018 13:20
      Highlight Passt doch, die Darsteller der Serie sind doch auch längst Millionäre. Die Hauptdarsteller jedenfalls bestimmt.
      48 2 Melden
    • Klaus07 07.04.2018 15:17
      Highlight Das schlimmste dabei, Trump hat nicht begriffen, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt. Es ist eine Fernseh Serie mit Schauspieler. Das zeigt doch nur, in was für einer irrealen Welt Trump lebt.
      15 4 Melden
  • roger.schmid 07.04.2018 10:46
    Highlight Die armen, rechten special snowflakes haben bei Roseanne wohl einen safe space gefunden:

    50 35 Melden

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