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Von einem, der seinen Werber-Job schmiss, um sich Oldtimern und Gitarren zu widmen đŸ‘đŸ»

Als Werber wurde Bill Goldstein reich, aber unglĂŒcklich – dann erfĂŒllte er sich einen Traum: eine Galerie fĂŒr Oldtimer und E-Gitarren. MerkwĂŒrdige Mischung, aber rentabel.

Tom GrĂŒnweg



Ein Artikel von

Spiegel Online

Das neue Leben von Bill Goldstein begann vor zwei Jahren, und wenn man dem US-Amerikaner glaubt, war ein Radiosong der Auslöser dafĂŒr: «Walt Grace's Submarine Test, January 1967» von John Mayer.

Der Song handelt von einem Mann, der in seinem Alltag untergeht und davon trĂ€umt, ein eigenes U-Boot zu bauen, um darin einen Neuanfang zu wagen. Walt Grace macht diesen Traum im Lied wahr, obwohl ihn alle fĂŒr verrĂŒckt erklĂ€ren. Und genau das hatte auch Goldstein vor.

Von seinem Job war der damals 44-JÀhrige gelangweilt, seine Leidenschaft gehörte schon immer alten Autos und alten Gitarren. Erfolglos hatte er bis dahin nach einem Weg gesucht, die Oldtimer und Instrumente auf irgendeine Art zusammenzubringen.

Einmal Rockstar sein

Doch statt sich diesem Ziel zu nÀhern, entfernte sich Goldstein immer weiter davon. Zu viel Zeit nahm seine Arbeit als Werber in Anspruch. Die Werbung aber war Fluch und Segen zugleich, denn erst sie sollte Goldstein die finanziellen Mittel verschaffen, um seine Visionen Wirklichkeit werden zu lassen.

Seit einem Jahr nun gibt es die von Goldstein ins Leben gerufene und nach dem fĂŒr ihn wegweisenden Song benannte «Walt Grace Vintage»-Galerie: An den WĂ€nden und von der Decke hĂ€ngen knapp hundert Gitarren.

Manche sind nagelneue Repliken fĂŒr vergleichsweise kleines Geld, manche augenscheinlich abgeschrammelte Originale, die Hunderttausende Dollar kosten. Dazwischen parkt rund ein Dutzend Oldtimer wechselnden Alters und Wertes.

«Was wir hier zeigen, bringt in jedem etwas zum Klingen», sagt Goldstein. «Wer hat als Kind denn nicht Gitarre spielen gelernt, um Rockstar zu werden und sich dann solche Autos kaufen zu können?»

Erfolgreich – und unglĂŒcklich

Goldstein begann mit acht Jahren, Gitarre zu spielen. Schon als SchĂŒler jobbte er in einem Musikladen. Und weil er zu jung war, um ein Gehalt ausbezahlt zu bekommen, durfte er sich immer mal wieder gebrauchte Klampfen mitnehmen, erinnert sich der Mittvierziger. Viele davon sind heute Klassiker und bilden der Grundstein seiner Sammlung. Die Basis seiner Autokollektion legte Goldstein dagegen deutlich spĂ€ter an.

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Ein Ferrari Testarossa von 1958 ... screenshot: walt grace vintage

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... mit sehenswertem Motor. screenshot: walt grace vintage

Im Alter von 18 Jahren grĂŒndete Goldstein seine erste Werbeagentur und setzte frĂŒh auf interaktives Marketing. Mit 20 verkaufte er die Agentur gewinnbringend und wurde zum Strategiechef bei internationalen Agenturen. «Danach hat es locker fĂŒr den ersten Porsche gereicht», sagt er.

FĂŒr Galerie-Inhaber Goldstein ist auch das ein Musikinstrument: Der Sechszylinder-Boxer eines alten Porsche. 

Irgendwie auch ein Musikinstrument: Porsche-Boxermotor in der «Walt Grace Vintage»-Galerie bild: Andras Lindlahr

Doch wÀhrend sich seine Kollegen bei den Meetings die Köpfe heiss redeten, scannte er auf seinem Smartphone heimlich unter dem Tisch die einschlÀgigen Gebrauchtwagen und Klassikerbörsen. «Ich kam zwar im Job voran, aber mir selbst nicht nÀher», sagt Goldstein.

Es muss sich was Àndern

Mit 33 stieg er zum ersten Mal aus und wollte nur fĂŒr seine Kinder da sein. Ein Leben zwischen Grundschule und Golfplatz: «Das ging nicht lange gut», erinnert sich Goldstein. Also fing er nach ein paar Jahren doch wieder bei einer Agentur an – und war gleich wieder drin im alten Trott. Bis zu jenem Morgen, als er den Song von John Mayer hörte und erkannte, dass sich etwas Ă€ndern muss.

Wie es scheint, zum Guten. Seine «Walt Grace Vintage»-Galerie öffnet um elf, oft kommt Goldstein erst gegen Mittag mit seiner AC Cobra zum BĂŒro gebollert. Es bleibt also immer noch Zeit fĂŒr die Kinder, aber auch fĂŒr seine Berufung: «Seit ich die Galerie habe bin ich wieder erfĂŒllt von dem, was ich tue,» sagt er.

Eine gewisse Freiheit ist auch der Tatsache geschuldet, dass Goldstein inzwischen einen kleinen Mitarbeiterstab unterhĂ€lt, der ihm bei der Auswahl der Exponate hilft. Sein wohl wichtigster Mann: Bernard Bohn. Im Schwarzwald geboren, war Bohn fĂŒr Porsche Generalimporteur in Venezuela und baute fĂŒr die Schwaben in den USA einen Kundenklub auf.

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Ein Jagaur XK 120 Alloy von 1949. screenshot: screenshot: walt grace vintage

«Alles nur eine Frage des Preises»

«Es gibt kaum ein Auto, das ich nicht besorgen kann. Ich bin schliesslich seit 25 Jahren im GeschÀft und habe ein entsprechendes Netzwerk,» sagt Bohn stolz. «Alles nur eine Frage des Preises.»

Aktuell stehen vor allem Klassiker von Ferrari, Jaguar, Mercedes und natĂŒrlich von Porsche im Showroom. Momentanes Highlight ist ein knallroter BMW M1. Doch sogar ein Fiat 500 hat es in die Galerie geschafft, wo Autos und Gitarren wie Kunst inszeniert werden, weil Goldstein darin tatsĂ€chlich die Werke von KĂŒnstlern sieht.

Ganz eindeutig ist das kĂŒnstlerische Profil der Galerie bislang allerdings noch nicht. Einerseits beteuern Goldstein und Bohn, dass ihnen grosse Namen nichts bedeuten. «Wer eine Gitarre von Eric Clapton oder Bill Haley sehen will, soll ins Hard Rock CafĂ© gehen. Und die Autos von Fangio oder Lauda findet man im Museum», sagt Goldstein.

«Der legendÀre Feuerblitz», oder: Das beste Auto-Inserat der Schweiz

Ist das Kunst oder fÀhrt das weg?

Den beiden gehe es mehr um technische oder historische Relevanz: «Klassiker werden Autos und Gitarren nicht ĂŒber ihr Alter, sondern ĂŒber ihre Bedeutung fĂŒr die Entwicklung des Genres», behauptet Bohn und sagt, er wĂŒrde deswegen sofort einen McLaren P1 in den Laden holen – weil dieser nun mal zu den ersten Supercars mit Hybridantrieb zĂ€hlt.

Anderseits gibt es kaum breiter akzeptierte Sportwagen als die aus dem Hause Porsche. Und der Fiat 500 ist nun auch nicht der ausgefallenste alte Wagen. Überhaupt ist das mit Kunst und Kommerz ja so eine Sache. Geboren wurde die «Walt Grace Vintage»-Galerie als Selbstfindungsprojekt von Goldstein, und im Konzept schlĂ€gt seine Werber-Kompetenz durch.

Er wird wissen, dass die VermĂ€hlung von E-Gitarren – Symbol des Rock'n'Roll – und coolen Karren eine gute Geschichte ergibt. Und offenbar findet Goldsteins Geschichte Anklang: Nach eigenen Angaben hat er im ersten Jahr rund 100 Gitarren und 35 Autos verkauft.

Sind die kultigen Oldtimer auf Kuba Auslaufmodelle?

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Wenn du diese 18 Dinge machst, bist du – entschuldige die Wortwahl! – ein Vollidiot

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