Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this Oct. 8, 2017 file photo, Egypt's Mohamed Salah sings the national anthem before the 2018 World Cup group E qualifying soccer match between Egypt and Congo at the Borg El Arab Stadium in Alexandria. Egypt’s first World Cup warmup will be against Portugal in a match that could have two of the most prolific scorers in soccer going up against each other. The Egyptians will be led by Liverpool forward Mohammed Salah. On the other side is Cristiano Ronaldo. (AP Photo/Nariman El-Mofty, File)

Kein Selbstverständlichkeit: Mo Salah hat es – ohne von seiner familiären Herkunft profitiert zu haben – an die Weltspitze gebracht. Bild: AP/AP

Generation Salah – warum Ägyptens Fussball-Ikone in der arabischen Welt so verehrt wird

Für Millionen Araber und Muslime ist Mohamed Salah der grösste Held dieser Zeit. Das sagt jedoch mehr über den Zustand des Nahen Ostens als über den Star des FC Liverpool.

Christoph Sydow



Ein Artikel von

Spiegel Online

Jetzt haben sie auch noch seine Schuhe ins Museum gestellt: Seit Donnerstag präsentiert das British Museum in London Mohamed Salahs massgeschneiderte, mintgrüne Treter zwischen Pharaonenstatuen und altägyptischen Fussbekleidungen. «Die Schuhe erzählen die Geschichte einer modernen ägyptischen Ikone, die im Vereinigten Königreich spielt und wahrhaft weltweite Wirkung entfaltet», sagt Neal Spencer, Leiter der Abteilung für das Alte Ägypten und Sudan im British Museum.

Image

Salahs Schuhe sind jetzt ein Museumsstück. bild: twitter

Eine ägyptische Ikone – diesen Status hat Salah in den vergangenen zwölf Monaten wahrhaft erlangt. Erst schoss er Ägyptens Nationalmannschaft zur ersten WM-Teilnahme seit 1990. Dann führte er den FC Liverpool in den Champions-League-Final gegen Real Madrid. 32 Tore in der Premier League, zehn Treffer in der Champions League, zwölf in der WM-Qualifikation – das sind die nackten Zahlen, die fast jeder Ägypter kennt und die auf T-Shirts gedruckt werden, die Strassenhändler in Kairo verkaufen.

Doch diese Zahlen erklären nicht im Ansatz die Popularität, die Salah in seiner Heimat geniesst. Und sie erklären auch nicht die Faszination, die der Fussballer auf Millionen Ägypter ausübt. Selbst Gerüchte und Halbwahrheiten über Salah werden inzwischen zu Fakten aufgeblasen, die seinen Legendenstatus untermauern sollen.

Da ist etwa die Legende, dass Salah bei der Präsidentenwahl in Ägypten Ende März auf dem zweiten Platz gelandet sein soll. Tatsache ist, dass einige Ägypter Salahs Namen auf den Wahlzettel geschrieben und Fotos davon in den sozialen Netzwerken verbreitet hatten. Aus der Tatsache, dass gleichzeitig mehr als 1.7 Millionen Wähler ihre Stimme ungültig gemacht hatten, strickten Medien kurzerhand die Schlagzeile: «Mehr als eine Million Stimmen für Salah bei der Präsidentenwahl in Ägypten.» Einmal in der Welt, liess sich diese Geschichte kaum mehr einfangen.

Egypt's Mohamed Salah celebrates defeating Congo during the 2018 World Cup group E qualifying soccer match at the Borg El Arab Stadium in Alexandria, Egypt, Sunday, Oct. 8, 2017. Egypt won 2-1. (AP Photo/Nariman El-Mofty)

Mohamed Salah wird in seinem Heimatland auf Händen getragen. Bild: AP/AP

Ähnliches gilt für Mythen aus Salahs Jugend. Rund 150 Kilometer liegen zwischen seinem Heimatort Nagrig und dem Trainingszentrum seines Jugendvereins El Mokawloon im Kairoer Stadtteil Nasr City. Selbst ein klappriger ägyptischer Bus legt die Strecke in maximal drei Stunden zurück. Je öfter Medien Salahs Geschichte erzählt haben, desto länger wurde jedoch die Zeit, die Salah täglich im Bus verbracht haben soll. Inzwischen ist die Rede von zehn Stunden pro Tag.

Eine holprige Karriere

Dabei war diese Karriere wahrlich nicht vorauszusehen. Salah spielte in seiner Jugend bei keinem der grossen Vereine wie Ahly oder Zamalek Kairo. Sein Klub El Mokawloon gehörte einem Bauunternehmen, spielte in der unteren Hälfte der ägyptischen Liga und besass in etwa die Strahlkraft des VfL Wolfsburg.

Es ist bittere Ironie, dass Salah indirekt von der grössten Tragödie in der Geschichte des ägyptischen Fussballs profitierte: Nachdem am 1. Februar 2012 bei Ausschreitungen in Port Said 74 Menschen getötet wurden, setzte der Verband den Spielbetrieb aus. Fortan kickte Salah nur noch in der U23-Nationalmannschaft. Im März 2012 spielte die Auswahl gegen den FC Basel. Salah erzielte in einer Hälfte zwei Tore und erweckte die Aufmerksamkeit der Schweizer. Im Sommer desselben Jahres wechselte er nach Basel.

Die Karriere von Mohamed Salah:

Image

Im Januar 2014 verpflichtete ihn der FC Chelsea, wo sich Salah aber nicht durchsetzen konnte. Seine Karriere schien mit Anfang 20 zu stagnieren. Nach einem Jahr wurde der Ägypter zum AC Florenz verliehen, von dort im Sommer 2015 an die AS Rom weitergereicht.

Erst dort gelang ihm in der Saison 2016/2017 der Durchbruch, als er mit 28 Skorerpunkten in 31 Spielen grossen Anteil an der Vizemeisterschaft hatte. Es folgten der Wechsel nach Liverpool und die Fabelsaison unter Jürgen Klopp. Plötzlich hat Salah sogar gute Chancen, der erste Weltfussballer seit 2007 zu werden, der nicht Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo heisst.

Weltspitze – auch ohne Familie

Für Millionen Ägypter, Araber und Muslime ist Salah schon jetzt ein Held. Das sagt jedoch mehr über die Lage in der arabischen Welt aus als über den Fussballer selbst. Mehr als 400 Millionen Menschen leben im Nahen Osten und in Nordafrika. Salah ist aus seiner Generation der einzige, der es aus eigener Leistung in seinem Metier in die Weltspitze geschafft hat, ohne von seiner familiären Herkunft profitiert zu haben und der dazu noch im Westen respektiert wird.

Damit ist er vor allem für die mehr als 200 Millionen Araber, die jünger sind als der 25-Jährige, das perfekte Vorbild. Es gibt ausser ihm praktisch auch niemanden, zu dem sie aufschauen könnten. Da sind ein paar libanesische Popsternchen, die jedoch eher belächelt werden als bewundert. Da sind Gewinner von Castingshows, da ist der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, der sich gern zum Helden der arabischen Jugend aufschwingen würde.

epa06760907 Liverpool Mohamed Salah arrive in a hotel in Kiev, Ukraine, 24 May 2018. Real Madrid will face Liverpool FC in the UEFA Champions League final at the NSC Olimpiyskiy stadium in Kiev on 26 May 2018.  EPA/ARMANDO BABANI

Wo immer Salah auftaucht, wird er gefeiert. Bild: EPA/EPA

Und sonst? Der letzte Literaturnobelpreis an einen arabischen Autoren wurde vor 30 Jahren vergeben, bei der digitalen Revolution spielt der Nahe Osten nur eine Randrolle. Millionen Araber aus der Generation Salah würden ihre Heimat lieber heute als morgen verlassen, wenn sie die Gelegenheit hätten.

Salah hat genau das geschafft – und trotzdem seine Wurzeln nicht vergessen. Das macht ihn so einzigartig.

Die spektakulärsten Champions-League-Finals

Unvergessene Champions-League-Geschichten

21.05.2008: John Terrys fataler Ausrutscher: Im ersten rein englischen CL-Final stösst er Chelsea ins Tal der Tränen

Link to Article

12.11.2002: Basel spielt 3:3 gegen Liverpool und Beni Thurnheer schwärmt: «Das müsste man zeigen, wenn ich gestorben bin»

Link to Article

26.05.1999: Sheringham und Solskjaer – zwei Namen und du weisst sofort, worum es hier geht

Link to Article

28.05.1997: Lars Ricken kommt, schiesst und macht Borussia Dortmund zum Champions-League-Sieger

Link to Article

18.04.2001: Das berühmteste Mannschaftsfoto der Welt wird geknipst – wie sich ein ehemaliger Boxer als 12. Mann unsterblich macht

Link to Article

25.05.2005: Liverpool schafft gegen Milan dank «sechs Minuten des Wahnsinns» und Hampelmann Jerzy Dudek die unglaublichste Wende aller Zeiten

Link to Article

23.05.2001: Oli Kahn hält im CL-Final gegen Valencia drei Elfmeter und wird endgültig zum Titan

Link to Article

25.09.1996: Murat Yakin sticht mit seinem Freistoss mitten ins Ajax-Herz und bringt Mama Emine zum Weinen

Link to Article

28.05.1980: Underdog Nottingham überrascht Europa erneut und sorgt für eine kuriose Bestmarke

Link to Article

07.12.2011: Der FC Basel schmeisst Manchester United aus der Champions League und Steini, der Glatte, schiesst den Ball an die Latte

Link to Article

26.09.1995: Luganos Carrasco bringt mit seiner Banane Gianluca Pagliuca und das grosse Inter Mailand zum Weinen

Link to Article

30.09.2009: Dank Tihinens Hackentrick, «abgeschaut bei einem finnischen Volkstanz», bodigt der FC Zürich das grosse Milan

Link to Article

18.03.2003: Der FC Basel schafft gegen Juve nur die «kleine» Sensation – für die grosse fehlen dann doch vier Tore

Link to Article

01.04.1998: Jauch und Reif lassen beim Torfall von Madrid jeden Aprilscherz alt aussehen

Link to Article

29.09.1971: Statt «allzu augenfällig im Spargang» die Pflicht zu erledigen, sorgt GC für den höchsten Schweizer Europacup-Sieg aller Zeiten

Link to Article

04.11.1992: Sion träumt von der Champions-League-Gruppenphase, kassiert trotz ansprechender Ausgangslage in Porto jedoch eine 0:4-Klatsche

Link to Article

20.11.1996: Wegen 20 fatalen Minuten landet Champions-League-Überflieger GC in Glasgow auf dem harten Boden der Realität

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

22
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • meliert 27.05.2018 06:50
    Highlight Highlight ich bewundere Salah wie er spielt, seit seiner Zeit beim FCB und Fiorentina. Da ich ihn nicht kenne, kann ich nichts über
    den Menschen Salah sagen. Er wirkt auf dem Platz bescheiden, das ist doch schon mal ein positiver Zug.
  • statistikus 26.05.2018 14:10
    Highlight Highlight Wäre Salah kein gläubiger und bekennender Moslem, wäre er kein Held der arabischen Welt. Auch wenn er noch dominanter als jetzt wäre.
    • AdiB 26.05.2018 14:42
      Highlight Highlight booba, benzeman sowie zidan sind es ja auch nicht. doch geniessen sie grossen respekt. somit stimmt ja deine aussage nicht.
  • Maracuja 26.05.2018 11:51
    Highlight Highlight <Der letzte Literaturnobelpreis an einen arabischen Autoren wurde vor 30 Jahren vergeben>

    Nur weil der Westen ignorant gegen arabischsprachige Autoren ist, bedeutet dies noch lange nicht, dass es in diesem Sprachraum keine interessante zeitgenössische Literatur gibt.
  • Ruapehu 26.05.2018 11:24
    Highlight Highlight Dieser Artikel widerspricht einem anderen auf watson über Salah. Es war weder bittere Ironie noch Zufall, dass der FCB gegen die U23 Auswahl Ägyptens testete. Den Basel Souts fiel Salah früher an einer U20 WM auf, weshalb sie dann ein Freundschaftsspiel organisierten, UM Salah zu beobachten. Salah profitierte nicht von den Ausschreitungen in Port Said, denn Basel hatte ihn bereits auf dem Radar und hätte einen anderen Weg eingeschlagen, um ihn zu testen.
  • AdiB 26.05.2018 11:13
    Highlight Highlight "Da sind ein paar libanesische Popsternchen, die jedoch eher belächelt werden". finde jetzt nicht das ein kahled ein popsternchen ist das belächelt wird.
    die arabische welt hat viel zu bieten wenn man sich damit auseinander setzt. vorallem was musik angeht. aber unter muslimen gibts im sport grössere grössen die sogar in der hall of fame sind.
    kareem abdul-jabaar, der momentan immernoch beste basketballer allerzeiten wenn man nach der statistik geht. ein zidane zidan steht immer noch über salah. in der musik, mos deff, talib kwali, khaled, everlast u.v.m.
    • Ruggedman 26.05.2018 12:19
      Highlight Highlight Everlast ist irischer Abstimmung, nur so am Rande;-)
    • supremewash 26.05.2018 12:44
      Highlight Highlight So aus dem Stehgreif weiss ich dass Mos Def u. Talib Kweli New Yorker sind. KAJ ist Konvertit und auch irgendwo in den USA geboren (LA?) Nix da Arabischer Raum oder Nordafrika.
      Du bisch en Bhaupti!
    • 's all good, man! 26.05.2018 13:10
      Highlight Highlight Warum wird das so weggeblitzt? Ziemlich neutraler Kommentar, der ohne Wertung ein paar Grössen aus der Sport- und Unterhaltungsbranche aufzählt. Oder ist das schon zu sehr «pro muslimisch» für die ganzen Islamophoben hier auf watson?
    Weitere Antworten anzeigen
  • PostFinance-Arena 26.05.2018 10:56
    Highlight Highlight irgendwie komischer/schlechter artikel...möchte zuerst halbwahrheiten benennen, um dann selber eine falsche info (U mannschaft vom verein statt olympiaauswahl) zu bringen...
  • HundBasil 26.05.2018 10:45
    Highlight Highlight Salah, ein super Spieler, der beste, der wohl je in der Schweiz gespielt hat. Nach Claudio Sulser natürlich. Beim Spiel Maccabi Tel Aviv hat er den Israeli den Handschlag verwehrt. Sarah ist kein Vorbild. Ich mag ihn nicht.
    • Ruapehu 26.05.2018 12:27
      Highlight Highlight Er hat ganz sicher das Potential dazu, der Beste Spieler zu sein, der je in der Schweiz spielte. Aber mit Verlaub, er hat sich erst eine einzige Saison auf diesem Niveau präsentiert. Was, wenn jetzt er seine Karriere abrupt beenden müsste? Da sehe ich einen Rakitic (noch) deutlich besser. Seit Jahren Stammspieler bei Barcelona, gewann CL, UEFA Cup, spanische Meisterschaft, etc... Ein Genie wird nicht am IQ gemessen, sondern zuerst an der erbrachten Leistung. Salah hat das Potential, in ein paar Jahren mag ihr Kommentar stimmen, aber Konstanz gehört dazu, um der Beste zu sein.
    • Raembe 26.05.2018 13:53
      Highlight Highlight @Basil: Beim Tel Aviv Spiel muss man klar sagen, das es vor dem Spiel einen riesen Aufruhr gegen Salah gab von Tel Aviv Seite. Der wurde teilweise extrem beleidigt in der Presse etc. Nicht das ich seine Aktion gut heisse aber wenn man einen Teil der Story erzählt muss man auch den zweiten erzählen.
    • HundBasil 26.05.2018 16:53
      Highlight Highlight Lieber Raembe, das war so, weil sich Salah bereits beim Hinspiel dem Handschlag enzogen hatte. Aber natürlich war das für den Jungen Mann eine schwierige Situation. Ägypter hassen zumeist Israel und verlangen von ihren Repräsentanten ein antiisraelisches Verhalten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wenzel der Faule 26.05.2018 10:42
    Highlight Highlight Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
    Konkurrenz aus den muslimischen Regionen hat er wirklich keine.

    Trotzdem ein super Spieler.
  • Nelson Muntz 26.05.2018 10:40
    Highlight Highlight Schade, dass man nicht nur in Glasgow Fussball und Religion nicht trennen kann.
  • Merlin.s17 26.05.2018 10:07
    Highlight Highlight Gut geschrieben

Darum bleibt der FC Basel der grösste Schweizer Klub

Als Nicht-Basler kann man den FC Basel nur beneiden. Nach dem 1:7 gegen YB liegt der Verdacht zwar nahe, der Satz könnte mit Zynismus oder Sarkasmus gewürzt sein. Ist er aber nicht. Denn selbst ein 1:7, selbst eine Saison ohne Europacup und Meistertitel zwingt diesen Klub nicht in die Knie.

Gewiss, der Marktwert einzelner Spieler wird zusammensacken wie ein abgekühltes Soufflé. Die Transfererlöse werden einbrechen. Wahrscheinlich wird im Verlauf der Saison weiteres Personal ausgetauscht. …

Artikel lesen
Link to Article