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epa05801516 General view on the slope and finish area, during the second run of the women Slalom at the 2017 FIS Alpine Skiing World Championships in St. Moritz, Switzerland, Saturday, February 18, 2017.  EPA/GIAN EHRENZELLER

Die WM in St.Moritz 2017 wurde zu einem unvergesslichen Ski-Fest. Bild: EPA/KEYSTONE

Analyse

Nach dem Exploit in St.Moritz: Die zwei brennendsten Fragen zur Lage der Ski-Nation

Wendy Holdener, Luca Aerni, Beat Feuz und Co. haben in St. Moritz für die erfolgreichste Schweizer Ski-WM seit der Ära Zurbriggen und Schneider gesorgt. Ein Exploit, mit dem keiner gerechnet hat und der Hoffnungen schürt.



Sind wir tatsächlich die Nummer 2?

Der Blick auf den Medaillenspiegel zeigt: Die Schweiz war an der WM in St.Moritz mit dreimal Gold, zweimal Silber und zweimal Bronze die zweiterfolgreichste Nation. Der Sieg ging knapp an Erzrivale Österreich – nur dank Superstar Marcel Hirscher, der nach Riesenslalom- auch noch Slalom-Gold gewann, wurden wir im letzten Moment noch von der Spitze verdrängt.

Medaillenspiegel der Ski-WM 2017

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bild: screenshot stmoritz.ch

Da tut das verletzungsbedingte Aus von Lara Gut gleich doppelt weh. Schliesslich zählte sie in der Abfahrt und auch im Riesenslalom zu den Favoritinnen. Es wäre also noch mehr möglich gewesen.

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Die Schweizer Weltmeister von St.Moritz. Video: YouTube/Swiss-Ski

Vielleicht wäre Rang 1 im Medaillenspiegel aber auch des Guten zu viel gewesen. Vor der WM hatten nicht die kühnsten Optimisten mit so einer Edelmetall-Ausbeute gerechnet. Vielmehr wurde allenthalben gehofft, dass Lara Gut doch hoffentlich ein mögliches Debakel verhindern möge.

Doch vom heimischen Publikum befeuert und von der tollen Atmosphäre in St.Moritz angesteckt, wuchsen die Swiss-Ski-Athleten über sich hinaus und nutzten die Gunst der Stunde. St.Moritz 2017 ist die erfolgreichste WM seit Vail 1989, als sich das goldene Schweizer Ski-Jahrzehnt dem Ende entgegen neigte.

Wendy Holdener of Switzerland, poses with the Silver medal for the Slalom and the Gold medal for the Alpine Combined during the medal ceremony of the women Slalom at the 2017 FIS Alpine Skiing World Championships in St. Moritz, Switzerland, Saturday, February 18, 2017. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Gold in der Kombination, Silber im Slalom: Wendy Holdener gehört zusammen mit Marcel Hirscher und Mikaela Shiffrin zu den Überfliegern der WM in St.Moritz. Bild: KEYSTONE

Fehlende Breite im Weltcup

Über den unerwarteten Medaillenregen darf und soll man sich freuen, er darf aber auch nicht überbewertet werden. Vier der sieben Medaillen holten die Schweizer in der Kombination. Also in der Disziplin, die den deutlich geringsten Stellenwert im alpinen Ski-Rennsport hat.

Im Weltcup werden in dieser Saison nur gerade fünf Kombinationen ausgetragen. Dass Swiss Ski anders als viele andere Nationen viel Wert auf die Kombi legt, ist im Hinblick auf Weltmeisterschaften und Olympia aber durchaus ein geschickter Schachzug. Denn auch eine Kombi-Medaille ist eine Medaille und nimmt als solche den Druck, in den restlichen Disziplinen dringend «punkten» zu müssen.

Aber zurück zu Ausgangsfrage: Ist die Schweiz nun wirklich die Nummer 2? Betrachtet man den Zwischenstand im Weltcup lautet die Antwort: Nein, nicht ganz. Italien liegt nach zwei Dritteln der Saison dank breiteren Kadern fast 1000 Punkte vor der Schweiz. Leader Österreich ist wie seit Jahren bereits ausser Reichweite.

Stand in der Nationenwertung (53/74)

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bild: screenshot srf

Auffällig ist dabei, dass die Schweiz mehr als andere Nationen von ihren Top-Athleten abhängig ist. Die 16 Podestplätze bei den Frauen teilten sich Lara Gut (9) und Wendy Holdener (6) fast allein auf. Nur Michelle Gisin stand in diesem Winter auch noch auf einem Weltcup-Podest – natürlich in der Kombination (in Val-d'Isère).

Bei den Männern fuhr Abfahrtsweltmeister Beat Freuz zwei der vier Podestplätze des Winters heraus. Der einzige Sieg geht auf das Konto von Niels Hintermann, der ziemlich glücklich in der Super-Kombination – wo sonst?! – von Wengen triumphierte. Daneben fuhr einzig Carlo Janka in Alta Badia in der eher belächelten als akzeptierten Disziplin Parallel-Riesenslalom aufs Podest.

Geht der Medaillenregen bei Olympia weiter?

Die Antwort ist eine Gegenfrage: Warum eigentlich nicht? Ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang lässt sich sagen: Swiss Ski befindet sich auf einem vielversprechenden Weg. Der Verband hat die Vorarbeit geleistet, die Athleten haben den Steilpass angenommen und sind teilweise über sich hinausgewachsen. Mit vielversprechendem Blick darf jetzt nach vorne geschaut werden.

Bei den Frauen führen mit Lara Gut (25), die sich im nächsten Februar von ihrem Kreuzbandriss erholt haben wird, und Wendy Holdener (23) zwei absolute Spitzenfahrerinnen im Speed- und Technikbereich ein junges, hoffnungsvolles Team an. Von ihnen wird olympisches Edelmetall erwartet.

Carlo Janka, Patrick Kueng, Fabienne Sutter, Lara Gut, Wendy Holdener, Beat Feutz et Daniel Yule, de gauche a droite, posent pour la photo lors de la la journee des medias organisee par Swiss-Ski, le lundi, 26 septembre 2016, a Saas-Fee. (KEYSTONE/Olivier Maire)

Janka, Küng, Suter, Gut, Holdener, Feuz und Yule sind die Aushängeschilder – dahinter (wie zu sehen nicht bildlich gemeint) lauern viele Talente. Bild: KEYSTONE

Mit Michelle Gisin (23), Mélanie Meillard (18), Corinne Suter (23) und Simone Wild (23) haben sich in dieser Saison im Sog von Gut und Holdener vier weitere Athletinnen im Weltcup etabliert. Dahinter lauern die jungen Wilden: Jasmina Suter (21), Rahel Kopp (22), Camille Rast (17) und Aline Danioth (18), die die WM aber wie Charlotte Chable (22) wegen einer Verletzung verpasste.

ALS VORSCHAU ZUR FIS SKI ALPIN WM IN ST. MORITZ VOM 06. - 19. FEBRUAR 2017 STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -  Melanie Meillard of Switzerland is pictured during a press event of the FIS Alpine Ski World Cup season in Soelden, Austria, on Thursday, October 20, 2016. The Alpine Skiing World Cup season 2016/2017 will be opened on 22 and 23 October 2016 in Soelden, the traditional start of the FIS Ski World Cup. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Sorgt mit ihrer offenen, umbekümmerten Art für frischen Wind: Mélanie Meillard. Bild: KEYSTONE

Und vielleicht hängt ja Team-Seniorin Fabienne Suter (32) noch eine Saison an und versöhnt sich in Südkorea endlich mit den Grossanlässen. Mehrmals schrammte sie an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen schon am Podest vorbei, ihre einzige Medaille holte sie 2007 an der WM in Are mit der Mannschaft.

Viele Talente, noch kein Durchbruch

Bei den Männern sieht die Lage nicht ganz so rosig wie bei den Frauen. Im Speed-Bereich liegen die Hoffnungen nach wie vor auf den Schultern des Trios Beat Feuz (30), Carlo Janka (30) und Patrick Küng (33). Von hinten macht momentan keiner richtig Druck auf die Teamleader. Niels Hintermann (21) und Kombi-Bronze-Gewinner Mauro Caviezel (28) hinken deutlich zurück. 

In den technischen Disziplinen klafft schon seit längerer Zeit ein grosse Lücke zur Weltspitze. Im Slalom hat sich mit Daniel Yule (23), Kombi-Weltmeister Luca Aerni (23), Ramon Zenhäusern (24) und Junioren-Weltmeister Reto Schmidiger (24) ein Team formiert, das bald erste Podestplätze einfahren könnte. Yule war mit einem 4. Platz in Zagreb bislang am nächsten dran.

Marco Odermatt of Switzerland is pictured during a press event of the FIS Alpine Ski World Cup season in Soelden, Austria, on Friday, October 21, 2016. The Alpine Skiing World Cup season 2016/2017 will be opened on 22 and 23 October 2016 in Soelden, the traditional start of the FIS Ski World Cup. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Junioren-Weltmeister Marco Odermatt tastet sich im Riesenslalom Schritt für Schritt an die Besten heran. Bild: KEYSTONE

Das grosse Sorgenkind bleibt der Riesenslalom. Doch auch da gibt es Licht am Ende des Tunnels. Justin Murisier (25), der in seiner Karriere schon zweimal von einem Kreuzbandriss aus dem Tritt geworfen wurde, kommt immer besser in Schwung. Neben ihm besitzen auch Junioren-Weltmeister Marco Odermatt (19) und Loïc Meillard (20) in der Grundlagen-Disziplin über viel Potenzial. Olympia kommt für sie – wie für viele andere Swiss-Ski-Küken – vielleicht noch etwas früh. Aber dennoch dürfen die Schweizer Ski-Fans optimistisch in die Zukunft schauen.

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bruno Wüthrich 20.02.2017 20:42
    Highlight Highlight Es gibt bei jeder WM positive und negative Überrahungen. Wir Schweizer haben beides schon erlebt. Diesmal war es wirklich Wow...

    Lara Gut konnte uns nicht wie erwartet helfen, doch ihre Bronzemedaille gleich zu Beginn war halt doch für den weiteren Verlauf der WM Gold wert. Dass die Schweiz gleich in beiden Kombinationen abräumen würde (2 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze), wäre wohl zuvor niemandem in den Sinn gekommen. Die Goldmedaille von Beat Feuz ist zwar keine Selbstverständlichkeit, aber auch keine wirkliche Überraschung. Das Gleiche gilt für Wendy Holdeners Silbermedaille.
  • Ohniznachtisbett 20.02.2017 19:22
    Highlight Highlight Zum Kummerthema Riesenslalom ist noch zu sagen, dass nächstes Jahr neue Regeln gelten. Kürzere Ski und engere Radien. Das dürfte auch Janka wieder entgegenkommen.
  • John Smith (2) 20.02.2017 17:49
    Highlight Highlight Schliessen sich die beiden Begriffe «Spitzensport» und «brennende Frage» nicht gegenseitig aus?
    • blobb 20.02.2017 19:20
      Highlight Highlight Versteh ich nicht. Gehts auch verständlich?
  • Schreiberling 20.02.2017 16:31
    Highlight Highlight Zutreffende Analyse 👌🏼 Ich denke auch, dass uns (vor allem) die Frauen u in Pyeongchang aber in Zukunft im Weltcup viel Freude bereiten werden.

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