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Switzerland's head coach Vladimir Petkovic, right, talks to his player Haris Seferovic, left, during a training session at the PortoGaia training center, in Crestuma near Porto, Portugal, Monday, June 3, 2019. Portugal will face Switzerland on June 5 in their UEFA Nations League soccer match in Porto. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Haris Seferovic, im Training in Porto von Vladimir Petkovic beobachtet. Bild: KEYSTONE

Analyse

Die Nations League als Hilfe, um endlich mal an einer WM oder EM etwas zu reissen

Für Vladimir Petkovic ist es nicht leicht: Die besten Spieler werden älter, Fans und Medien stehen ihm noch immer kritisch gegenüber. Und was ist eigentlich mit Stephan Lichtsteiner?

Christian Brägger, porto / CH Media



Die Nations League. Es ist müssig, darüber zu diskutieren, was man von ihr halten soll, ob sie nun Chabis und Geldmacherei der UEFA ist. Oder ein sinnvoller Ersatz für Testspiele und dank eines möglichen Titelgewinns einen höheren Stellenwert hat. Man lasse die Meinungen einfach stehen, es änderte ohnehin nichts.

Die Ränge an den beiden Spielorten Porto und Guimarães werden so oder so gut besucht sein an den Halbfinal- und Finalpartien, wenn die besten vier Teams der höchsten Nations-League-Liga aufeinandertreffen. Doch den Hype, den gibt es vor Ort bislang nicht.

Freuler, Zuber, Lang und Sommer gestern bei der Anreise nach Portugal.

Insbesondere aber sind es K.-o.-Spiele, die kein Trainer der Welt simulieren kann, egal, wie der Gegner hiesse. Bekanntlich scheitert die Schweiz an Grossanlässen in solchen Endspiel-Momenten stets; die überstandene Barrage gegen Nordirland im Herbst 2017 nicht mitgerechnet. Diese Tatsache verändert die Herangehensweise ans Final Four für die aktuelle Schweizer Generation, die sich altersmässig um den Stamm mit Granit Xhaka, Fabian Schär oder Xherdan Shaqiri langsam dem Zenit nähert. Von der man sagt, sie sei die vielleicht talentierteste, die das Land jemals gesehen hat.

Noch immer kritisch gegenüber Petkovic

Die zwei bevorstehenden Partien sind somit eine Art Schulstunde für den Erfahrungsschatz und kommende, höhere Aufgaben an einer EM oder WM, um es womöglich einmal in einen Viertelfinal zu schaffen. Gewiss werden die Tage in Portugal einen nächsten Ansatz liefern, wie weit diese Schweiz tatsächlich ist und was man von ihr halten soll in einem Feld mit Topnationen.

Xherdan Shaqiri reiste nach dem Champions-League-Triumph mit Liverpool aus England an.

Es wäre schön, wenn das 5:2 gegen Belgien als Benchmark diente, aber so weit ist sie noch lange nicht. Ohnehin bleibt die Zuneigung zur Nationalmannschaft volatil. Sie ist abhängig vom Gebotenen, das in jüngster Zeit beileibe nicht schlecht war bis auf den WM-Dämpfer in Russland gegen Schweden. Und manchmal genügt den Zuschauern wie in der EM-Qualifikation nicht einmal das Topspiel gegen Dänemark, um sie ins Stadion zu locken. Der St.Jakob-Park blieb halb leer.

Nach dem Dänen-Spiel wurde zudem wieder einmal deutlich, wie kritisch Medien und Anhänger dem Nationaltrainer Vladimir Petkovic noch immer gegenüberstehen. Arrogant und fahrlässig sei es gewesen, Granit Xhaka bei der 3:0-Führung auszuwechseln. Wie konnte Petkovic nur so handeln? Die angebliche Verletzung Xhakas wurde nach dem 3:3 als Schutzbehauptung des Nationalcoachs abgetan. Dass der zentrale Mittelfeldspieler in der Folge drei Pflichtspiele mit Arsenal an der Leiste verletzt verpasste, interessierte im Nachgang niemanden. Da hatten es Petkovics Vorgänger leichter.

Bild

Die Aussicht aus dem Hotel der Schweiz in Porto. bild: instagram/remo_freuler

Petkovic kann eine gewinnende Art haben und lustig sein, wenn er sich fernab von Mikrofonen und TV-Geräten in privater Atmosphäre präsentiert. Dort kommt seine fehlende deutsche Sprachsicherheit auch nicht zum Tragen, und womöglich würde er in dieser Gesellschaft die Personalie Stephan Lichtsteiner anders erklären als der Öffentlichkeit. Vermutlich gäbe es keine Erklärungssätze wie: «Lichtsteiner hat in der Nations League ja nie gespielt, deshalb ist er nun nicht dabei.»

Lichtsteiners würdiger Abschluss

Dabei könnte man es auch so sehen: Petkovic geht im Final Four einfach seinen Weg konsequent weiter, den er zu Beginn der Nations League eingeschlagen hat mit dem Ziel, Neue und Junge einzubauen. Natürlich gibt es rationale Gründe wie das Alter oder die vergangene Klubsaison, die gegen Lichtsteiner sprechen. Die emotionalen sprechen für ihn. Die Causa ist es denn auch, die derzeit in Porto trotz Abwesenheit des Captains mitschwingt.

epa07456114 Switzerland's head coach Vladimir Petkovic (L) and Switzerland's Stephan Lichtsteiner attend a press conference at the Boris Paitchadze Dinamo Arena in Tbilisi, Georgia, Friday, 22 March 2019. Switzerland will face Georgia in their UEFA Euro 2020 qualifying Group D soccer match on 23 March 2019.  EPA/ENNIO LEANZA

Kehrt der Captain nochmals in die Nationalmannschaft zurück? Lichtsteiner und Petkovic im März in Georgien. Bild: EPA/KEYSTONE

Nicht, dass sie diese Mannschaft in den zwei Spielen jetzt gross beschäftigt, aber sie beschäftigt den Trainer und die Medien und raubt damit den Fokus und Energie. Es geht um Fragen und das Mass der Loyalität, vielleicht auch um den würdigen Abschluss einer Nationalmannschaftskarriere, der in der Schweiz oft und zuletzt sogar in Deutschland bei Hummels, Boateng und Müller verpasst wurde; diesen würdigen Abschluss stellt Lichtsteiner auch selbst infrage, weil er so lange weitermachen will, bis «es mich verbläst». Und es wird richtig problematisch, wenn Trainer und Spieler über eine gemeinsame Geschichte mit zwei Endrunden verfügen, in denen man zusammenhielt und sich der gegenseitigen Treue sicher sein konnte.

Vielleicht wäre es ehrlicher, Petkovic würde Lichtsteiner sagen, dass er ihn nicht mehr brauchte – und genau das ist die Gretchenfrage. Die Antwort wird folgen, im Final Four, das Petkovic gewinnen will, und in der EM-Qualifikation, in der die Nati noch sechs Spiele zu absolvieren hat.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Th. Dörnbach 04.06.2019 11:52
    Highlight Highlight Oft geht vergessen, dass Petkovic weit mehr aus den Spielern rausholt als Hitzfeld. Aber er steht halt auch nicht bei einem Boulevard-Blatt als Kolumnist unter Vertrag.

    Petkovic ist ein fähiger Trainer mit Kommunikationsmängeln.
  • Posersalami 04.06.2019 11:41
    Highlight Highlight Im nächsten EM Quali Spiel in der 80min einwechseln, Standing Ovations nach der Platzrunde und die Karriere von Lichti ist würdig beendet.
  • ta0qifsa0 04.06.2019 11:23
    Highlight Highlight Also die Stimmungsmache um das Alter der Spieler verstehe ich nun ganz und gar nicht... Im Aufgebot fungiert gerade mal ein Spieler, welcher schon die 3 auf dem Rücken trägt (Sommer).

  • MacB 04.06.2019 11:09
    Highlight Highlight ICh mochte Petkovic nie wahnsinnig aber habe seine Arbeit respektiert und geschätzt. EIgentlich auch jetzt noch. Aber wie er Valon Behrami abserviert hat, das geht gar nicht und das trag ich ihm noch nach.

    Behrami hat sich über Jahre verdient gemacht und gab stets 100% und sein ganzes Herz. Das hatte er nicht verdient. Wohl auch deswegen sind Personalien wie Lichtsteiner etwas besser beobachtet von den Medien.

    • Amboss 04.06.2019 11:47
      Highlight Highlight Immer wieder schräg, wie da die Dinge verdreht werden. Behrami hat sich selbst abserviert.

      Petkovic wollte die Nations League nutzen, um junge Spieler einzusetzen. Dies ist völlig richtig, Behrami ist nicht mehr der jüngste und Petkovic muss vorausdenken.
      Das hat er Behrami mitgeteilt. Da war nichts von Behrami rausdrängen, abservieren oder was auch immer.
      Und Behrami hat darauf geschrieben, seine Nati-Karriere sei zu Ende.

      Dann kommt noch der "Blick" hinzu, der Pektovic sowieso auf dem Kicker hat (er macht halt keine Verträge mit Ringier wie Gottmar) und voila - Petkovic ist der böse

    • MacB 04.06.2019 16:40
      Highlight Highlight @Amboss: Naja, ich habe nur in den Medien gelesen, was da wohl war. Aber auch das Interview mit von Ah hat mich überhaupt nicht überzeugt. Für mich war das ein klares "ciao ciao", man hat sich danach einfach gewunden, um es ja nicht so aussehen zu lassen. Von AH sagte "Behrami hat nicht alles ganz verstanden..." (beide sprechen italienisch)... come on, sehr unglaubwürdig.
    • Amboss 04.06.2019 16:49
      Highlight Highlight @Mac: Es ist immer noch Behrami, der es verkündet hat, nicht Petkovic.
      Behrami hätte also zumindest die Möglichkeit gehabt, zuzuwarten und somit Petkovic in Zugzwang zu bringen, zu verkünden, dass er nicht mehr auf Behrami zählt...
  • Rolf Mueller 04.06.2019 11:06
    Highlight Highlight "die überstandene Barrage gegen Nordirland im Herbst 2017"
    Auch die nur überstanden dank einem geschenkten Penalty.
  • Ivo Zen 04.06.2019 10:52
    Highlight Highlight Wieso kann man dem "Mister" nicht einfach glauben, dass er nur konsequent seine Idee durchzieht. Lichtsteiner ist derzeit kein Thema auf dieser Position, kann aber gut sein, dass er in den Qualifikationsspielen wieder gebraucht wird. Rücksicht auf Sentimentalitäten brauchen weder der Coach noch der Spieler.

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