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A fan with a hat depicting the World Cup trophy cheers prior to the group C match between Denmark and Australia at the 2018 soccer World Cup in the Samara Arena in Samara, Russia, Thursday, June 21, 2018. (AP Photo/Martin Meissner)

Betet er zum Fussball-Gott, dass die WM-Spiele endlich spektakulärer werden mögen? Bild: AP/AP

Vier Gründe, warum wir an dieser WM noch nicht das ganz grosse Spektakel gesehen haben

Kantersiege, grosse Überraschungen, packende Spiele? Fehlanzeige! Das ganz grosse Spektakel haben wir an dieser WM noch nicht zu Gesicht gekriegt. Warum die WM noch nicht der ganz grosse Fussball-Leckerbissen ist.



Diese WM hat so gut angefangen! 5:0 besiegte Gastgeber Russland im Eröffnungsspiel Saudi-Arabien. Dann das packende 3:3 zwischen Portugal und Spanien, gefolgt von Mexikos Sieg gegen Deutschland und schliesslich der Aufstand von Island und der Schweiz gegen Argentinien respektive Brasilien.

Doch seither ist irgendwie der Wurm drin! Von der zweiten Hälfte zwischen Kroatien und Argentinien mal abgesehen ... Statt begeisterndes Offensiv-Spektakel kriegen wir meist nur müdes Ballgeschiebe vorgeführt, statt Traumtore fallen reihenweise Penaltytreffer nach Videobeweis.

Hinzu kommt, dass in den letzten Tagen stets der Favorit nach müdem Kick humorlos 1:0 gewonnen hat. Da leidet nicht nur das euphorische Tippspiel-Herz, auch die grossen Emotionen bleiben auf der Strecke. Doch warum ist das Niveau der WM-Spiele plötzlich so bescheiden geworden? Eine komplexe Frage, die wir mit vier Thesen zu beantworten versuchen.

Verteidigen kann heute jeder

Wie sagen die Favoriten jeweils vor dem Spiel? «Es gibt keine Kleinen mehr!» Natürlich ist das Quatsch. Doch die Kleinen haben mittlerweile ein Mittel gefunden, um die Grossen zu ärgern. Und zwar indem sie resolut verteidigen und mit Mann und Maus hinten rein stehen.

Das Paradebeispiel: Der Iran. Im zweiten Gruppenspiel gegen Spanien standen die «Prinzen aus Persien» fast über die ganzen 90 Minuten mit zehn Mann hinter dem Ball. Das Ziel: Die Räume eng machen und den Ball von der Gefahrenzone fernhalten.

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Zehn Iraner schirmen den eigenen Strafraum auf engstem Raum ab. bild: screenshot ard

Die Taktik ging fast auf: Nur dank eines Flipper-Tors von Diego Costa siegten die Spanier. Doch die Partie zeigte eindrücklich auf, dass selbst die spielerisch beste Mannschaft der Welt Probleme bekommt, wenn der Gegner gut organisiert ist und sich mit viel Leidenschaft und Kampfkraft gegen die Niederlage stemmt. 

Auch die Brasilianer können davon ein Liedchen singen. Sie kamen gegen die Schweiz trotz haushoher Überlegenheit nicht über ein 1:1 hinaus.

Weil die Kleinen die Grossen so immer mehr zur Verzweiflung bringen, sind Standards wichtiger denn je. Kein Wunder fielen 29 der bislang 51 WM-Tore nach einem ruhenden Ball.

Pflicht gegen Kür

Für die Grossen ist das Überstehen der Gruppenphase vor allem eines – eine lästige Pflicht. So richtig beginnt die WM nach ihrem Selbstverständnis erst in der K.o.-Runde. Für die Kleinen dagegen sind die drei WM-Spiele in der Gruppenphase ein «Once in a Lifetime»-Erlebnis.

Die Spieler von Peru, Marokko oder Island dürfen nicht damit rechnen, zweimal hintereinander an einer WM teilzunehmen. Deshalb geben sie in ihren Spielen gegen Frankreich, Portugal oder Argentinien alles. Sie gehen wie selbstverständlich bis an den Rand der totalen Erschöpfung, während sich die Spieler der Favoriten in der Schlussphase kaum mehr in den roten Bereich begeben, sich unterbewusst bereits auf höhere Aufgaben schonen.

Iran's Vahid Amiri jumps for a header during the group B match between Iran and Spain at the 2018 soccer World Cup in the Kazan Arena in Kazan, Russia, Wednesday, June 20, 2018. (AP Photo/Manu Fernandez)

Irans Vahid Amiri steigt hoch und erzielt gegen Spanien kurz vor Schluss beinahe den Ausgleich, Sergio Ramos schaut nur zu.  Bild: AP/AP

Kontrolle wichtiger als Spektakel

Ob du in der Gruppenhase 1:0 oder 4:0 gewinnst? Völlig egal! Hauptsache du gewinnst und schaffst es in die K.o.-Runde. Die Favoriten schalten nach einer Führung deshalb schnell einmal in den Kontroll-Modus und lassen Ball und Gegner laufen. Das Motto: Besser den knappen Vorsprung über die Zeit bringen, als auf Teufel komm raus das zweite Tore suchen und dann womöglich in einen Konter zu laufen. 

So überliess Frankreich nach dem 1:0 durch Kylian Mbappé Peru beispielsweise völlig die Kontrolle. Die Südamerikaner hatten bis zum Ende 56 Prozent Ballbesitz und schlugen mit 418:298 deutlich mehr Pässe. Trotzdem kam Frankreich mehr oder weniger souverän zum Minisieg.

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Die Statistiken zum Spiel Frankreich vs. Peru. bild: fifa.com

Aber kein Vorwurf: Die ersten beiden Spiele an einer WM sind einfach zu wichtig, um die taktischen Fesseln bereits zu lösen. Die Ausnahme bestätigt die Regel: Gastgeber Russland zeigt bislang den erfrischendsten Fussball. Der 5:0-Sieg gegen Saudi-Arabien hat das ganze Land euphorisiert und diese Euphorie ist auf die «Sbornaja» übergeschwappt. Ist der grosse Druck erstmal weg, spielt es sich gleich viel unbeschwerter. Wetten, dass wir in der dritten Runde spektakulärere Spiele erleben werden ...

Druck lähmt lahme Beine

Bislang ist es noch nicht die WM der grossen Superstars! Lionel Messi, Neymar, Mohamed Salah, Antoine Griezmann, Robert Lewandowski, Luis Suarez, Thomas Müller – sie alle taten sich bislang unheimlich schwer. Nur Cristiano Ronaldo hat voll eingeschlagen: Vier Tore hat der vierfache Weltfussballer bereits erzielt, doch auch ihm gelang nach seinem frühen Treffer gegen Marokko in der Folge nicht mehr viel.

Argentina's Lionel Messi reacts during the group D match between Argentina and Croatia at the 2018 soccer World Cup in the Nizhny Novgorod stadium in Nizhny Novgorod, Russia, Thursday, June 21, 2018. (AP Photo/Michael Sohn)

Lionel Messi kommt mit dem Druck im Nationalteam überhaupt nicht zurecht. Bild: AP/AP

Doch warum können die Stars noch nicht glänzen? Zunächst ist da die Erwartungshaltung. Auf den Schultern von Neymar, Messi oder Salah ruhen die Hoffnungen einer ganzen Nation. Das kann durchaus lähmen – vor allem, wenn man bedenkt, dass fast alle schon weit über 50 Pflichtspiele in dieser Saison in den Beinen haben.

Aber auch weil in der Nationalmannschaft die Automatismen nicht so greifen wie im Klub. Dort sind die Superstars die herausragenden Eisbergspitzen eines eingespielten Kollektivs, während im Nationalteam oft die Bindung zum Rest des Teams fehlt.

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • asdf asdf 22.06.2018 15:24
    Highlight Highlight Spektakuläre Spielzüge und Traumtore sind nich alles was den Fussball ausmacht. Das ist eine WM. Hier geht es nicht um spielen und spielen lassen. Harter disziplinierter Einsatz ist auch schön anzusehen. Bis jetzt überrascht mich diese WM positiv. Es wird nicht jeder Körperkontakt abgepfiffen. Das gefällt!
    Mich würde die Meinung von Watson zum VAR interessieren. Grundsätzlich bin ich ein Fan des VAR. Ich habe jedoch in einem Punkt so meine Bedenken. Es sieht im Moment danach aus, dass vor allem die Stürmer davon profitieren. MMn müssten aber auch klare Schwalben härter per VAR bestraft werden.
  • Barracuda 22.06.2018 10:32
    Highlight Highlight Tendenziell war das bis jetzt tatsächlich noch nicht das ganz grosse Kino. Aber aus meiner Sicht ist das nicht wegen den im Artikel genannten Gründen der Fall. Es gab durchaus ein paar spannende Partien. Ich finde einfach die Paarungen nicht so prickelnd, da es an einer WM zu viele mittelklassige Teams dabei hat. Auf dem Papier interessieren mich jedenfalls drei Viertel der Begegnungen nicht gross. Eine Todesgruppe gibt es auch nicht, Spanien-Portugal war eines der wenigen grossen Highlights. Aber jetzt geht's langsam los, ab der letzten Runde der Gruppenphase wird's so oder so spannend.
  • eBart! 22.06.2018 10:12
    Highlight Highlight Iran - Spanien war aus meiner Sicht auch hoch spannend.
    Klar, Iran hat gemauert - aber trotzdem den Ausgleich erzielt, leider haarscharf im Offside... Aber die Iraner können verteidigen. Was man z.b. von Argentinien nicht behaupten kann.

    Für Portugal und GOAT CR7 wird das Spiel gegen den Iran kein Selbstläufer.
  • Doradal 22.06.2018 08:56
    Highlight Highlight Viele Tore ist nicht gleich guter Fussball. Was mir vor allem auffällt an dieser WM ist, dass alle Teams auf einem sehr hohen Niveau spielen, defensiv zumindest. Aber auch technisch gibt es, mal abgesehen von Saudi-Arabien, eigentlich keine Mannschaft die stark abfällt. Natürlich kann ein Team wie der Iran gegen Spanien nicht offensiv spielen. Aber WIE sie verteidigt haben, war beeindruckend. Und wie sie dann nach dem Rückstand den Spaniern so grosse Probleme bereiten konnten ebenfalls. Viele der "kleinen" Teams grundsätzlich ähnlich und keines ist Kanonenfutter. Das ist schon Qualität.
    • News ohne blabla #haha 22.06.2018 09:27
      Highlight Highlight 10 Mann hinten rein stellen ist alles andere als beeindruckend
    • asdf asdf 22.06.2018 14:58
      Highlight Highlight Doradal hat absolut recht. Das ist eine Weltmeisterschaft und kein Spassturnier. Hier geht es um den bedeutensten Titel in der Welt des Sports. Dafür wählt jedes Team das für sich beste Mittel. Wenn das dann bedeutet den Bus zu parken, ist das absolut OK. Kein Team ist dazu verpflichtet "schön" zu spielen nur damit die Eventfans ihren Spass haben. Taktische Disziplin, Leidenschaft und Einsatz mit harten Zweikämpfen sind auch wunderbar zum anschauen. Man muss halt nur Ahnung von Fussball haben.
  • #10 22.06.2018 08:23
    Highlight Highlight Die Analyse ist Weltklasse !
  • salamandre 22.06.2018 08:09
    Highlight Highlight Druck lähmt lahme Beine🤔...oder die Kontolle heute noch nicht gefunden. Trotzdem allen Watsons einen tolle Tag
  • Eifach öpis 22.06.2018 08:08
    Highlight Highlight Also mir bereitet ein aufopferungsvoll kämpfendes island, welches die Argentinier zur Verzweiflung bringt mehr spass, als ein 5:0 in welchem Messi 4 Traumtore schiesst. Der Spielstil von Behrami beispielsweise ist meiner Meinung nach ähnlich spektakulär wie derjenige von einem dieser Topstürmer. Der Unterschied ist nur, dass Behrami halt keine Tore schiesst, was ja schliesslich auch nicht seine Aufgabe ist.
    Man soll ruhig sehen, dass es auf der ganzen Welt gute Fussballer gibt und man vielleich nicht immer nur Barca gegen PSG bestaunen muss... Gute Verteidigungsarbeit ist auch spektakulär.
  • Junges Blut 22.06.2018 07:55
    Highlight Highlight Wie heisst eure eigene Rubrik schon wieder? Wein doch! Island, Kroatien, Mexiko, Schweiz, England in Hälfte eins, das Portugal-Spanien-Spektakel, selbst Australien oder Senegal. Mir haben an dieser WM schon überraschend viele Teams und Spiele Spass gemacht!
    • Kyle C. 22.06.2018 08:11
      Highlight Highlight Kann das Geschriebene auch nicht ganz nachvollziehen. M.M.n. ist es bisher eine sehr passable WM, zumindest deutet sich die beste WM der letzten 3 Ausgaben an.
  • desoxyribonukleinsaeure 22.06.2018 07:35
    Highlight Highlight Ja genau, Portugal - Spanien war ja auch keineswegs ein Spektakel!
  • erkolino 22.06.2018 07:14
    Highlight Highlight Ich bin der Meinung, dass es bereits einige schöne Tore gab.
    • häxxebäse 22.06.2018 08:07
      Highlight Highlight Jo... die 3 gestern abend 🤗
    • DerSimu 22.06.2018 09:35
      Highlight Highlight Finde ich auch, z.B. das 1:0 von Brasilien gegen die Schweiz, oder das Kroatiens 2:0 gegen Argentinien gestern.
    • häxxebäse 22.06.2018 11:49
      Highlight Highlight 3:0
  • mikey34 22.06.2018 07:08
    Highlight Highlight Welchen match Brasilien-Schweiz hast denn du gesehen? Für mich war Brasilien weit weg von einer „haushohen“ Überlegenheit.
    • El diablo 22.06.2018 08:23
      Highlight Highlight Bitte nimm die Schweizer Brille ab. Die Schweiz war ohne Zweifel gut, aber Brasilien war spielerisch doch überlegen.
    • mikey34 22.06.2018 09:10
      Highlight Highlight Die schweizer Brille war bei diesem Kommentar abgelegt. Jedoch gibt es meiner Meinung nach einen grossen Unterschied zwischen Überlegenheit und HAUSHOHER Überlegenheit.
    • El diablo 22.06.2018 09:33
      Highlight Highlight Bei mehr als 3 Mal so vielen Schüssen könnte man, je nach Definition, schon von haushoher Überlegenheit sprechen. Meiner Meinung nach wäre dies aber auch ein wenig übertrieben.
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