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epa06846440 The Germany Team bus leaves the Vatutinki Hotel Spa Complex after being eliminated from the FIFA World Cup 2018, in Vatutinki, outside Moscow, Russia, 28 June 2018. South Korea defeated Germany 2-0 a day earlier.  EPA/PETER POWELL

Deutschlands Abreise aus Russland: Das Team hat Geschichte geschrieben. Nur nicht die, die es wollte. Bild: EPA

Warum Weltmeister oft früh scheitern

Frankreich 2002, Italien 2010, Spanien 2014 und nun Deutschland – vier der fünf letzten Weltmeister sind als Titelverteidiger schon in der Gruppenphase gescheitert. Eine Analyse.



Frankreich scheidet 2002 als Titelverteidiger in den Gruppenspielen aus. Kein einziger Treffer gelingt «Les Bleus». Einmalig?

Rückblickend stellt man fest: Nein. Vielmehr der Beginn einer Entwicklung, die manch einer gar als «Weltmeister-Fluch» bezeichnet. 2010 erwischt es die Italiener, für die als Titelverteidiger schon nach der Vorrunde Schluss ist. Und 2014 die hochgelobten Tiki-Taka-Spanier, obwohl doch noch fast alle Weltmeister wieder dabei sind. Und nun also Deutschland. Noch nie zuvor in einer Gruppenphase hängengeblieben und nun zur Premiere ausgerechnet als Titelverteidiger.

Gibt es einen gemeinsamen Nenner? Werfen wir einen Blick auf die drei Vorgänger Deutschlands und anschliessend auf die DFB-Auswahl 2018.

Frankreich 2002

MAP04 - 20020611 - PARIS, FRANCE : French team supporters react 11 June 2002 in Paris after France was eliminated from the World Cup after losing 2-0 to Denmark.  EPA PHOTO AFPI / PIERRE VERDY

Das kann doch nicht wahr sein! Bild: EPA AFPI

Zinédine Zidane, der Denker und Lenker des amtierenden Welt- und Europameisters, ist angeschlagen und kann erst im dritten Gruppenspiel mittun. Da ist die Lage schon fast hoffnungslos. Zum Start kassiert Frankreich eine 0:1-Niederlage gegen Senegal. Ein klassischer Aussenseiter-Triumph, wie er vorkommen kann. Danach reicht es gegen Uruguay nur zu einem mageren 0:0. Die Tage von Trainer Roger Lemerre sind gezählt, als «Les Bleus» gegen Dänemark 0:2 verlieren.

13 Weltmeister waren dabei

Fabien Barthez, Vincent Candela, Bixente Lizarazu, Patrick Vieira, Youri Djorkaeff, Marcel Desailly, Zinédine Zidane, Thierry Henry, Lilian Thuram, Emmanuel Petit, Frank Leboeuf, David Trezeguet, Christophe Dugarry.

Als Gründe für das Scheitern werden ausgemacht: Eine lange Saison mit vielen Spielern, die ausgelaugt nach Asien reisten. Spieler, die ohnehin nicht mehr die Jüngsten waren und nicht fit. Zu viele Stammspieler ausser Form. Zidanes Fehlen in den ersten zwei Spielen. Verteidiger Bixente Lizarazu sagt: «Wir hatten schöne Jahre. Wir haben den Erfolg genossen, jetzt müssen wir auch das durchmachen.»

Frankreich hat seither keinen Titel mehr gewonnen.

Italien 2010

Italy's Fabio Quagliarella, left, cries next to Italy's Fabio Cannavaro at the end of the World Cup group F soccer match between Slovakia and Italy at Ellis Park Stadium in Johannesburg, South Africa, Thursday, June 24, 2010. Slovakia won 3-2 and advances to the round of 16.  (AP Photo/Bernat Armangue) *** zu APD7102 ***

Das kann doch nicht wahr sein! Bild: AP

Eine vermeintlich einfache Gruppe erweist sich als so stark, dass die «Azzurri» sie auf dem letzten Platz abschliessen – hinter Paraguay, der Slowakei und Neuseeland. Nach je einem 1:1 reicht Italien ein weiteres Remis gegen die Slowakei zum Weiterkommen. Doch das Glück der ewigen Minimalisten ist aufgebraucht. Italien verliert mit 2:3 und Weltmeistertrainer Marcello Lippi tritt zurück. Er übernimmt die gesamte Verantwortung für das Debakel: «Ich habe die Mannschaft in taktischer, psychologischer und athletischer Hinsicht nicht gut vorbereitet.»

9 Weltmeister waren dabei

Gigi Buffon, Fabio Cannavaro, Gianluca Zambrotta, Daniele De Rossi, Gennaro Gattuso, Mauro Camoranesi, Andrea Pirlo, Alberto Gilardino, Vincenzo Iaquinta.

Als Gründe für das Scheitern werden ausgemacht: Das Festhalten an Weltmeistern, die vier Jahre älter, aber nicht schneller und besser geworden sind. Verletzungen von Goalie Gigi Buffon und Spielmacher Andrea Pirlo. Der Verzicht auf junge, hungrige Spieler wie Mario Balotelli. Der knapp 37-jährige Abwehrchef Fabio Cannavaro tritt zurück mit den Worten: «Im Calcio muss sich viel ändern, sonst gewinnen wir erst wieder in 24 Jahren eine WM.»

Italien hat seither keinen Titel mehr gewonnen.

Spanien 2014

ARCHIV - ZU DEN RUECKBLICKEN AUF DIE WM 2010 UND 2014 STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -     epa04265674 Spain's Fernando Torres (L-R), Andres Iniesta, and goalkepper Iker Casillas leaves the pitch dejected after losing the FIFA World Cup 2014 group B preliminary round match between Spain and Chile at the Estadio do Maracana in Rio de Janeiro, Brazil, 18 June 2014. ....(RESTRICTIONS APPLY: Editorial Use Only, not used in association with any commercial entity - Images must not be used in any form of alert service or push service of any kind including via mobile alert services, downloads to mobile devices or MMS messaging - Images must appear as still images and must not emulate match action video footage - No alteration is made to, and no text or image is superimposed over, any published image which: (a) intentionally obscures or removes a sponsor identification image; or (b) adds or overlays the commercial identification of any third party which is not officially associated with the FIFA World Cup)  EPA/JUANJO MARTIN   EDITORIAL USE ONLY

Das kann doch nicht wahr sein! Bild: EPA

Der Start ist gleich der Hammer: Gegen die Niederlande kommt es zur Neuauflage des WM-Finals 2010. Und die «Oranje» revanchieren sich gewaltig, feiern mit dem 5:1 einen epochalen Sieg. Die Spanier erholen sich nicht mehr von der Niederlage, verlieren auch gegen Chile (0:2) und sind bereits nach zwei Partien ausgeschieden. Der abschliessende 3:0-Sieg über Australien ist reine Kosmetik. Weltmeistertrainer Vicente Del Bosque darf bleiben, 2016 scheitert Spanien unter ihm an der EM bereits im Achtelfinal.

17 Weltmeister waren dabei

Iker Casillas, Pepe Reina, Raul Albiol, Gerard Piqué, Sergio Ramos, Jordi Alba, Andrés Iniesta, Xavi, Javi Martinez, Juan Mata, Cesc Fabregas, Xabi Alonso, Sergio Busquets, David Silva, Pedro, David Villa, Fernando Torres.

Als Gründe werden ausgemacht: Del Bosques Treue zu den Weltmeistern, von denen er bis auf Carles Puyol und Joan Capdevila alle Finalteilnehmer nochmals mitnimmt und die den Ansprüchen teils nicht mehr genügen. «Kein Tempo, keine Stabilität: Das früher unangreifbare Perpetuum mobile des modernen Fussballs stand vor Schreck still», schreibt die NZZ.

Spanien hat seither keinen Titel mehr gewonnen.

Deutschland 2018

Germany's Mario Gomez, Mats Hummels and Niklas Suele, from left, react after Germany was eliminated during the group F match between South Korea and Germany, at the 2018 soccer World Cup in the Kazan Arena in Kazan, Russia, Wednesday, June 27, 2018. (AP Photo/Michael Probst)

Das kann doch nicht wahr sein! Bild: AP

Blickt man auf die drei Vorgänger der Deutschen, so haben sie eines gemein: Es wurde zu sehr an den Weltmeistern festgehalten. Das wird auch Jogi Löw vorgeworfen. Vor dem Turnier wurde der Bundestrainer zwar noch dafür gelobt, dass er einen Umbruch vollzogen habe. Von den 23 Weltmeistern schafften es nur neun nochmals in den WM-Kader.

9 Weltmeister waren dabei

Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Mats Hummels, Sami Khedira, Toni Kroos, Mesut Özil, Thomas Müller, Matthias Ginter, Julian Draxler.

Das ist aber nur die eine Seite. Die andere lautet, dass fast alle diese neun eine tragende Rolle hatten oder besser gesagt: hätten haben sollen. Neuer, Boateng, Hummels, Khedira, Kroos, Özil, Müller – Löw baute sein Team um diese Etablierten. Und das war wohl ein Fehler, betrachtet man nun das, was dabei herausgekommen ist.

epa06846522 German players Julian Draxler (L), Mesut Oezil (C) and Antonio Ruediger (R) wait to pass the security check as the German national soccer team leaves the country after being eliminated from the FIFA World Cup 2018, at Vnukovo airport, Moscow, Russia, 28 June 2018. South Korea defeated Germany 2-0 a day earlier.  EPA/FELIPE TRUEBA

Draxler, Özil und Rüdiger (von links) bei der Ausreise aus Russland. Bild: EPA

Zu viele Leistungsträger wirkten in Russland ausser Form, uninspiriert, ideenlos, träge. Vielleicht auch erfolgsmüde. Was will man denn eigentlich noch erreichen, wenn man einmal Weltmeister war? Mehr geht nicht. Ein Gedanke, den keiner zugibt. Aber der bestimmt dem einen oder anderen durch den Kopf gegangen ist. Zudem, das darf nicht unterschätzt werden, waren zurückgetretene Weltmeister wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Miroslav Klose absolute Weltklasse und Akteure, die nicht einfach 1:1 ersetzt werden können.

Es ist menschlich, dass der Bundestrainer an seinen routinierten Weltmeistern festgehalten hat. So sehr der Fussball heutzutage von Statistiken und Big Data geprägt ist, so sehr verlässt man sich eben auch gerne auf Bewährtes. Hört auf den Bauch, wenn man vielleicht auf den Kopf hören sollte. Und hofft dabei darauf, dass allfällige Formschwächen alleine aufgrund der positiven Erfahrungen der letzten WM verschwinden. Vermutlich hätte der nicht aufgebotene Leroy Sané dem Team gut getan. Aber wie es unser Eismeister Zaugg schön ausdrückt: Nach dem Krieg ist jeder Soldat ein General.

Die Turnierbilanz von Jogi Löw

EM 2008: Final
WM 2010: Rang 3
EM 2012: Halbfinal
WM 2014: Weltmeister
EM 2016: Halbfinal
Confed Cup 2017: Sieger
WM 2018: Vorrunden-Aus

Vieles, ja sogar sehr vieles, war wirklich schlecht am deutschen Spiel. Und doch darf nicht vergessen werden, dass am Ende nicht viel gefehlt hätte, um doch noch in die Achtelfinals einzuziehen. Und wer weiss, was die – Phrasenschwein, daher! – Turniermannschaft dann hätte erreichen können. Mats Hummels, der gegen Südkorea kurz vor dem Ende beim Stand von 0:0 eine grosse Chance hatte, sagte treffend: «Wenn ich den Ball in der 86. Minute rein mache, reden wir darüber, wie geil es ist, dass wir weitergekommen sind. Jetzt reden wir leider über etwas anderes.»

Ja, in Deutschland reden sie nun und es wird lange dauern, bis sie die Blamage fertig diskutiert haben. Offen ist, ob Jogi Löws Zeit trotz Vertrag bis 2022 abgelaufen ist. Offen ist, für welche Spieler künftig kein Platz mehr ist – vor der WM wurde schliesslich darüber geklagt, dass Deutschland genügend gute Spieler gleich für zwei Mannschaften hätte. Nun können diese Akteure beweisen, dass es falsch war, sie zuhause zu lassen. Und das ist das Gute an Deutschlands Situation: Der vierfache Weltmeister kann aus einem reichen Fundus an talentierten Fussballern schöpfen. So, dass trotz des desaströsen Auftritts in Russland schon in zwei Jahren an der EM 2020 wieder mit Deutschland zu rechnen sein wird. Egal, wer dann der Trainer ist.

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • salamandre 29.06.2018 08:58
    Highlight Highlight Mit Deutschland ist sowieso immer zu rechnen, bereits an der nächsten EM.
    Sagt mein Bauchgefühl, sie haben ganz einfach grundsätzlich schon mal ein gute Einstellung, und jede Menge guter Kicker, und ein wenig Neuanfang schadet auch selten
  • Luca Brasi 28.06.2018 18:51
    Highlight Highlight Italien hat es aber auch einmal geschafft den Weltmeistertitel zu verteidigen, damals 1938.
    (Ok, Brasilien auch)
  • bokl 28.06.2018 18:39
    Highlight Highlight Und wo ist jetzt die Analyse? Ich sehe nur eine Auflistung der Fakten. Eine Analyse beinhaltet eine Wertung / Gewichtung dieser Fakten durch den Autor. Zumindest die selbst gestellte Frage: "Gibt es einen gemeinsamen Nenner?", sollte beantwortet werden. Als Abrundung könnte RM dann seine Schlussfolgerungen gegen Brasilien prüfen. Den letzten Weltmeister, der die Gruppenphase überstanden hat.

    Meine Analyse zum Artikel. Sehr guter Ansatz, abe leider in der Mitte aufgehört.
    • Max Dick 28.06.2018 20:05
      Highlight Highlight Der gemeinsame Nenner? Das festhalten an verdienten Weltmeisterspielern, obwohl die aktuelle Formkurve mehr für jüngere sprach. Ich denke es ist der gleiche Grund wie dass es im CH Hockey seit 2001 gerademal eine Titelverteidigung gab.

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