Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
08.04.2014; Dortmund; Fussball Champions League - Borussia Dortmund - Real Madrid;
Mats Hummels (Dortmund) (Uwe Speck/Witters/freshfocus)

Bild: Witters

Dortmund-Trainer Jürgen Klopp

«Aussergewöhnliche Leistung einer grossartigen Fussballmannschaft»

Nach einem hochklassigen Champions-League-Viertelfinalspiel zwischen Borussia Dortmund und Real Madrid geht der deutsche Vertreter als Verlierer vom Platz. Doch die Dortmunder können die internationale Bühne mit erhobenem Haupt verlassen.



«Unter einer Million Möglichkeiten: So auszuscheiden, war die beste.»

Jürgen Klopp

Was für ein aussergewöhnliches Spiel gestern im Signal Iduna Park. Oder um es in den Worten von Kulttrainer Jürgen Klopp zu sagen. «Ich weiss nicht, ob heute jemand gesessen hat. In der Champions League gibt es ja nur Sitzplätze. Aber ich glaube, viele davon wurden nicht genutzt», so der 46-Jährige im Interview mit dem ZDF. Bei der gleichen Sendestation wurde er vor einer Woche nach der 0:3-Niederlage noch mit der Frage gepiesakt, ob das Ding schon gelaufen sei…

Nach einer Viertelstunde verpasste der argentinische Spieler Angel di Maria mit seinem feinen linken Fuss die Führung für die Gäste. Nach seinem schwach getretenen Elfmeter schöpften die Dortmunder Vertrauen und begannen, dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken.

Real Madrid's Cristiano Ronaldo reacts as he watches from the substitute bench their Champions League quarter-final second leg soccer match against Borussia Dortmund in Dortmund, April 8, 2014.     REUTERS/Kai Pfaffenbach (GERMANY  - Tags: SPORT SOCCER)

Bild: Keystone

Reals Superstar und aktueller Weltfussballer Cristiano Ronaldo konnte an der Seitenlinie nur tatenlos zusehen, wie seine hochgelobten Kollegen in der ersten Halbzeit von Spielern wie CL-Startelfdebütant Milos Jojic oder von Manuel Friedrich – der 34-jährige Verteidiger war im letzten Sommer noch vereinslos und erst im November zu den Borussen gestossen – immer mehr unter Druck gesetzt wurden.

Der beste Spieler auf dem Platz war Wirbelwind Marco Reus, der den Königlichen ein ums andere Mal davonlief. Der blitzschnelle Stürmer war es dann auch, der mit seinen zwei Toren in der ersten Halbzeit die Hoffnung auf eine Reprise des letztjährigen Wunders gegen Malaga aufleben liess.

«Wir haben gezeigt , dass wir fähig sind, die Besten Europas zu schlagen. Aber wir sind trotzdem enttäuscht.»

Marco Reus

Aber wie wir wissen, hat es nicht sollen sein. Die gelb-schwarzen Spieler rasten zwar wie fleissige Bienen auf dem Rasen umher, konnten jedoch die Real-Legende Iker Casillas kein drittes Mal mehr bezwingen. Ein Spieler auf Dortmunder Seite wird in der ganzen Euphorie um das tolle Ausscheiden trotzdem als Pechvogel der Partie eingehen, trotz «überragender Leistung» (Klopp): Henrich Mchitarjan.

Drei Top-Chancen für die Nummer 10

«Es wäre extrem cool, wenn man dieses Spiel als Ganzes betrachten würde – und nicht an vergebenen Torchancen festmacht», so der Dortmund-Coach. Wir wären keine Rebellen, wenn wir es nicht tun würden. Deshalb hier die ausgelassenen Möglichkeiten des Armeniers beim BVB, stellvertretend für das Unvermögen, den Madrilenen noch mehr Tore einzuschenken.

Animiertes GIF GIF abspielen

Noch in der ersten Halbzeit verpasst der armenische Fussballer des Jahres die Führung zu bewerkstelligen, nachdem Robert Lewandowski den Ball mustergültig aufgelegt hat. Gif: srf

Animiertes GIF GIF abspielen

Marco Reus spielt den Ball in der 65. Minute perfekt in die Schnittstelle, Mchitarjan läuft in der Mitte den Real-Verteidigern weg, lässt danach Casillas aus und schiesst den Ball nicht ins leere Tor, sondern an den Pfosten. Gif: srf

Der tragische Held

Animiertes GIF GIF abspielen

Nur drei Minuten später verpasst der Armenier auch seine dritte Möglichkeit, zum Helden des Spiels zu werden. Gif: srf

Ein Tor im Hinspiel hat gefehlt

Rückblickend hält Klopp fest, dass er weder die Schiedsrichterleistung vom Slowenen Damir Skomania (Xabi Alonso hätte als bereits verwarnter Spieler nach seinem taktischen Foul in der 52. Minute vom Feld gestellt werden müssen) noch die fehlende Effizienz von Mchitarjan für den entscheidenden Faktor hält, sondern das fehlende Tor im Hinspiel. «In einem nicht guten Spiel in Madrid hatten wir fünf Riesen-Chancen, um ein Tor zu erzielen. Mit einem Tor in Madrid und heute zwei wären wir durch. Chelsea hat diesen lässigen Weg gewählt»

Die Analyse von Jürgen Klopp. YouTube/SportLiveDortmund

Die Dortmunder Fans sind stolz auf ihr Team

Mats Hummels spart nach der Partie nicht mit Lob für die Fans und deren lautstarke Südkurve: «Die Fans waren aussergewöhnlich. Es war fast unmöglich, mit den Teamkollegen zu kommunizieren; so laut waren sie.» 

«Unglaublich stolz, Teil dieses Teams zu sein.»

Der verletzte Neven Subotic zu Mats Hummels

Die Dortmunder Spieler werden nach Spielende minutenlang gefeiert. Auch für den bereits 30-jährigen Oliver Kirch, der gestern in einem Champions-League-Viertelfinale erstmals über die volle Distanz durchspielen durfte, bleibt es ein unvergessliches Erlebnis, wie er gegenüber dem eigenen Klubmedium erklärt

«Es war eine Wahnsinnssituation nach dem Spiel, total niedergeschlagen zu sein, aber trotzdem gefeiert zu werden. Wir werden in den nächsten Tagen wahrscheinlich realisieren, dass wir hier eine richtig gute Leistung abgeliefert haben.» 

Die Helden werden von ihren Fans gefeiert. YouTube/schwatzgelbdevideo

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Zum Tod von Diego Maradona: Wie die «Hand Gottes» zur Legende wurde

Diego Armando Maradona stirbt im Alter von 60 Jahren. Kein anderer Spieler hat je eine WM so dominiert wie Diego Maradona 1986. Die beiden Treffer gegen England haben ihn nicht nur in Argentinien zum Fussballgott gemacht.

Diego Maradonas Augen waren noch glasig, sagen diejenigen, die ihn an diesem 22. Juni 1986 in der Kabine haben sitzen sehen. Sein Lächeln sei steinern gewesen. Er war sich bewusst, dass er mit seinem Tor zum 2:0 gegen England einen Akt sublimer Kunst vollbracht hatte. Sublime Kunst bedeutet, etwas Grosses, Überwältigendes, das nur mit dem Gespür für das Aussergewöhnliche überhaupt verstanden und nicht wiederholt werden kann.

Das war sein sublimes Kunststück: Er startete in der eigenen …

Artikel lesen
Link zum Artikel