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epa06765816 Liverpool goalkeeper Loris Karius reacts after losing the UEFA Champions League final between Real Madrid and Liverpool FC at the NSC Olimpiyskiy stadium in Kiev, Ukraine, 26 May 2018.  EPA/SEDAT SUNA

Loris Karius war bei seinen zwei Patzern im Champions-League-Final durch eine Gehirnerschütterung beeinträchtigt. Bild: EPA/EPA

Gehirnerschütterung bei Karius: «Die Argumentation des Arztes klingt plausibel»

Über seine beiden Patzer redete die Fussball-Welt: Liverpools Loris Karius entschied den Champions-League-Final. Nun kam heraus, dass der Keeper zuvor wohl eine Gehirnerschütterung erlitten hatte. Hat ihn diese tatsächlich beeinträchtigt?

Benjamin Knaack, Julia Köppe / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Wer bis gestern die entscheidende «Szene des Spiels» des Champions-League-Finals zwischen Liverpool und Real Madrid herauspicken wollte, dürfte wohl das Traum-Fallrückziehertor von Gareth Bale gewählt haben. Oder einen der beiden Patzer von Loris Karius, vielleicht die Verletzung von Liverpools Top-Star Mohamed Salah. Doch seit gestern muss man wohl sagen: Die Szene des Spiels fand in der 49. Minute statt.

Bis zu diesem Zeitpunkt war noch kein Tor gefallen, doch ein Vorfall sollte dem Spiel die entscheidende Wendung bringen: Real Madrid griff an, passte den Ball links in den Strafraum. Das wirklich Interessante spielte sich aber einige Meter entfernt am linken Pfosten von Liverpools Tor ab. Real-Captain Sergio Ramos wurde von Virgil van Dijk bedrängt, vielleicht sogar geschubst – und erwischte Keeper Karius im Vorwärtsfallen mit dem rechten Ellenbogen am Kopf. Absicht? Schwer zu sagen.

Wie auch immer man die Aktion von Ramos beurteilt – das Ausmass seines Wirkungstreffers wurde gestern bekannt, neun Tage nach dem Final. Eine Untersuchung im Massachusetts General Hospital ergab, dass Karius aufgrund des Schlags eine Gehirnerschütterung erlitt. Der behandelnde Arzt diagnostizierte dem deutschen Torhüter eine «visuelle räumliche Dysfunktion», die Auswirkungen auf sein Spiel gehabt haben könne. Das Testergebnis: Bei 26 von 30 Kriterien soll Karius klare Symptome für eine Gehirnerschütterung gezeigt haben.

«Kein Mensch kann sich 45 Minuten lang konzentrieren»

Neun Tage nach dem Champions-League-Final die Diagnose? Das tönt ein wenig nach verzweifelter Suche einer Ausrede, doch ein Mediziner nimmt Karius in Schutz: «Für mich klingt die Argumentation des Arztes plausibel», sagt der Kinderneurologe Florian Heinen von der Ludwig-Maximilians-Universität München dem «Spiegel». Karius' Verhalten passe zu den Symptomen einer Gehirnerschütterung, auch wenn er nach dem Zusammenstoss noch eine Top-Parade zeigte.

Im Gedächtnis blieben aber andere Szenen: Der verunglückte Abwurf, den Benzema nutzte. Oder der durchgerutschte Schuss von Bale. «Kein Mensch kann sich auf maximalem Niveau 45 Minuten konzentrieren», sagt Kinderneurologe Heinen. Torwarte können exakt im richtigen Moment herausragende koordinative und kognitive Leistungen bringen. «Durch eine Gehirnerschütterung ist diese Funktion gestört», sagt Heinen. Das würde auch erklären, warum Karius gerade in den Momenten patzte, die ihn eigentlich nicht herausfordern – wie eben solch ein Abwurf.

Die beiden Patzer von Karius:

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Beim 1:0 durch Benzema. Video: streamable

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Beim 3:1 von Bale. Video: streamable

«Schiri, ist das das Finale»

Gehirnerschütterungen sind im Sport keine Seltenheit. In der NFL sind die Spätfolgen der Verletzungen ein grosses Problem, doch auch im Fussball kommen sie immer wieder vor. Prominentes Beispiel war der Auftritt von Christoph Kramer im WM-Final 2014. Der deutsche Mittelfeldspieler war mit Argentiniens Ezequiel Garay zusammengeprallt und hatte den Schiedsrichter danach gefragt: «Schiri, ist das das Finale?». Kramer wurde ausgewechselt und gab später an, sich an seinen Einsatz kaum noch erinnern zu können.

Germany's Christoph Kramer, center, is lead off the field after suffering an injury during the World Cup final soccer match between Germany and Argentina at the Maracana Stadium in Rio de Janeiro, Brazil, Sunday, July 13, 2014. (AP Photo/Frank Augstein)

Christoph Kramer wird im WM-Final 2014 vom Platz begleitet. Bild: AP/AP

Karius war in Kiew nicht ausgewechselt worden. Der Torhüter hatte sich beim Schiedsrichter über Ramos' Aktion beschwert, wurde aber weder von Teamärzten untersucht noch entdeckte der Schiedsrichter Auffälligkeiten in seinem Verhalten. Dass Karius keine der landläufig bekannten Symptome einer Gehirnerschütterung wie Bewusstlosigkeit oder Erbrechen zeigte, ist kein Ausschlusskriterium für die Diagnose: Nur in weniger als zehn Prozent aller Fälle treten diese Begleiterscheinungen auf.

Eigentlich hat die UEFA für ihre Wettbewerbe, zu denen auch die Champions League gehört, eine vorgeschriebene Pause von bis zu drei Minuten eingeführt, falls es bei einem Spieler den Verdacht einer Gehirnerschütterung gibt. In dieser Zeit soll der betroffene Sportler vom Mannschaftsarzt untersucht werden können, er darf dann eigentlich nur weiterspielen, wenn der Arzt dem Schiedsrichter das Okay gibt.

Eine mögliche Erklärung, aber kein Trost

Mediziner Heinen ärgert sich, dass im Fussball nicht häufiger auf Gehirnerschütterung getestet wird, obwohl neben der UEFA auch die FIFA dafür eindeutige Untersuchungen vorgibt. «Die dauern allerdings mehrere Minuten», sagt der Mediziner. Das sei vermutlich ein Grund, warum sie so selten eingesetzt werden. Die Ärzte müssen dem Betroffenen Fragen zu dem Spiel stellen und seine Koordinationsfähigkeit testen. «Eine Gehirnerschütterung lässt sich eben nicht so leicht diagnostizieren wie eine Verletzung des Sprunggelenks», sagt Heinen.

FILE - In this May 26, 2018, file photo, Liverpool goalkeeper Loris Karius reacts after Real Madrid's Gareth Bale scored during the Champions League final soccer match at the Olimpiyskiy Stadium in Kiev, Ukraine. Doctors based in Boston have concluded Karius sustained a concussion during last month’s Champions League final that would have affected his performance. (AP Photo/Sergei Grits, File)

Karius ist nach seinen Patzern untröstlich. Bild: AP/AP

Doch die kann gravierende Spätfolgen haben. Experten raten bei Gehirnerschütterungen dazu, eine Pause einzulegen: Die wichtigsten Therapiebausteine sind Zeit, Ruhe und ein behutsamer Wiedereinstieg in Aktivitäten des Alltags, auf das Hören von Musik, den Gebrauch von Fernsehern oder Computern und – natürlich – sportliche Aktivitäten soll verzichtet werden, bis keine Symptome mehr vorliegen.

Für Karius und auch den FC Liverpool liefert die Diagnose nun eine mögliche Erklärung für seine Fehler. Ob sie die Enttäuschung über das verlorene Finale lindern wird, bleibt ungewiss.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Yotanke 05.06.2018 22:50
    Highlight Highlight ich glaube das ist jetzt eine schutzbehauptung, die da platziert wird. ist ja nett gemeint gegenüber karius, aber irgendwie frage ich mich gleichzeitig ob die effektiv denken, dass wir da draussen alle blöd sind und dann das auch noch glauben?
  • Jaromir 05.06.2018 19:43
    Highlight Highlight Das sagt Ramos zum Ganzen:
    Bei einer Präsentation von "Mediaset" äußert sich Verteidiger nun: "Ich wollte nicht über die Sache mit Salah reden, weil es das nur vergrößert hätte. Aber wenn man sich die Szene ansieht, greift er zuerst nach meinem Arm, ich falle und er verletzt sich den anderen Arm. Dann heißt es, ich hätte eine Judo-Bewegung gemacht. Jetzt sagt der Torhüter, er hätte eine Gehirnerschütterung wegen eines Zusammenstoßes mit mir. Alles, was ich jetzt noch brauche, ist, dass Firmino sagt, er hätte sich wegen eines Tropfens Schweiß von mir verkühlt", so Ramos.

    Was für eine Legende!
  • Alathea 05.06.2018 16:55
    Highlight Highlight Die Kartenbilanz von Ramos spricht für sich. Fair spielen ist was anderes...
    Benutzer Bild
  • yanoi 05.06.2018 15:38
    Highlight Highlight habe früher handball gespielt; nein, nicht auf weltklasse niveau... es reicht aber, um eins zu beurteilen: der ramos fährt den ellbogen mit absicht aus... so wie er auch mit absicht den arm von salah einklemmt.. will er damit die gegenspieler verletzen?... nein, das denke ich wirklich nicht!... er will eklig sein, nervig und schmerzhaft... er ist verteidiger; jeder der ihn sieht, soll ihm den ball geben und platz machen...
  • chnobli1896 05.06.2018 14:59
    Highlight Highlight Logisch wars Absicht, es war ja Ramos..
    • maddoxxx 05.06.2018 15:38
      Highlight Highlight Total!
      Ich versteh nie warum der immer verteidigt wird.
      Alle seine Aktion sind vorher von ihm klar geplant.
      Er macht es halt auf eine massiv professionelle Art und Weise, daher spielt er ja auch in Madrid.
      Er ist einer, der in der Jugend mit zibbeln an den Shorts angefangen, da wette ich drauf, jeder kennt das wer schon mal gekickt hat. Seine Aktionen sind einfach listenreich.
      Klar. Kann er auch super fussball spielen, das steht außer Frage, jedoch ist er halt einfach ein richtiger S***!!!
    • mrgoku 05.06.2018 16:20
      Highlight Highlight genau das braucht ein Verteidiger um erfolgreich zu sein..denkst du Beckenbauer war anders? oder cannavaro? chiellini? jaap stamm? und droelf andere?? als innenverteidiger musst du dem Gegner auf die nüsse gehen, in hart rann nehmen und wenn es sein muss auch mal foulen. gewiss aber nicht bewusst verletzen... (pepe style).. das hat Ramos definitiv nicht gemacht! wie oft fallen zwei spieler zusammen zu boden mit eingeschränkten armen? Salah ist blöd hingefallen...that's it...
    • maddoxxx 05.06.2018 20:42
      Highlight Highlight @

      Schau dir einfach die comments zu diesem Artikel an ;)
      Dort steht mit einem Satz genau das richtige...
      "Ramos ist rein zufällig immer an solchen Aktionen beteiligt" 💁‍♂️

      *sarcasmout*

      P.s.
      Pepe und Ramos können 'ne WG aufmachen oder bei ner Show mit machen in der Seelenverwandte gesucht werden 😉
      Den vom Spiel Stil her geben die sich nich viel. 🤢🤢🤢🤢
    Weitere Antworten anzeigen
  • Plöder 05.06.2018 14:35
    Highlight Highlight Weil ichs lustig find...
    Benutzer Bild

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