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Die Schweizer Fahne sieht man im Alexandra Palace nur auf den Zuschauerrängen, Spieler sucht man vergeblich. bild: sport 1

Darum spielen Schweizer beim Darts-Spektakel überhaupt keine Rolle

Momentan findet in London die Darts-WM statt. Kein einziger Schweizer ist mit von der Partie. Doch weshalb kommt hierzulande der Sport, der an Grossanlässen die Massen in der Halle und vor dem TV elektrisiert, nicht über die Rolle als Randsportart hinaus?

28.12.16, 14:12

Julian Förnbacher / aargauer zeitung



Live-Sport im Dezember? Das bedeutet längst nicht mehr nur Skirennen und Spengler-Cup. Auch heuer fliegen im Londoner Alexandra Palace wieder die Pfeile, wenn sich die besten Darts-Spieler der Welt um den Titel des Weltmeisters duellieren. Aber: Wenn die Elite um Phil Taylor und Michael van Gerwen ihr Können zeigt, fällt auf, dass das Teilnehmerfeld in britisch-holländischer Hand ist. Schweizer findet man nur im Publikum.

Auch während des Jahres, wenn der Darts-Sport wieder unter dem Radar der Massen verschwindet, trifft man an Turnieren des Weltverbandes PDC keine Eidgenossen. Die Schweiz – ein Darts-Entwicklungsland?

Schweizer Meister: Thomas Junghans (links) holte sich den Titel gegen Philipp Ruckstuhl. bild: sda

«Die Problematik besteht in der Konstellation der verschiedenen Verbände. Mit der PDC haben wir praktisch nichts zu tun. Wir haben zwar Spieler, die versuchen, sich für Anlässe wie die WM zu qualifizieren. Das ist jedoch sehr, sehr schwer», sagt Thomas Gerock, Nationaltrainer der Schweizer Herren. Er spricht damit ein zentrales Problem an.

Einzelspieler zwischen den Fronten

Ähnlich wie im Boxen gibt es im Darts mehrere Weltverbände. Zum einen die prestigeträchtige PDC, welche die WM ausrichtet, zum anderen die eng verbandelten Verbände BDO und WDF. Letzterem gehört die Swiss Darts Association (SDA) an.

Einzelspieler geraten häufig zwischen die Fronten. Da zwischen den Verbänden eine Rivalität besteht, werden Spieler mit PDC-Lizenzen für Turniere der anderen Verbände gesperrt und umgekehrt. Man steht vor der Wahl: Semiprofessionell an BDO-Turnieren und für die Landesauswahl spielen oder auf der Qualifikationstour der PDC sein Glück versuchen.

Auch Schweizer haben's drauf: Thomas Junghans mit einem 144er-Finish. Video: streamable

Dass dieses Unterfangen meist aussichtslos ist, beweist der derzeit beste Schweizer Spieler, Thomas Junghans. Er schaffte trotz grossem Talent nur einmal den Sprung ins Hauptfeld eines PDC-Turniers. «Auf PDC-Stufe sind wir ein Entwicklungsland. Wenn man es aber auf unseren Verband und unsere Ligastrukturen projiziert, ist das anders», meint Gerock.

Schlechter als die Österreicher?

Tatsächlich ist der Darts-Sport in der Schweiz breit gefächert. So gibt es eine Meisterschaft, Regionalligen und nationale Turniere. Einmal im Jahr reist eine Schweizer Delegation unter der Leitung von Gerock an einen Welt- oder Europacup der WDF, wobei schon einige Erfolge verzeichnet werden konnten.

Darts in der Schweiz

Die Swiss Darts Association (SDA) ist der Dachverband des Schweizer Steeldarts. Ihr gehören 35 Aktiv-Vereine an, die Mannschaften für den Ligabetrieb stellen. Der Verband verfügt über 525 Darts-SpielerInnen. Der bisher grösste Schweizer Erfolg gelang Thomas Junghans im Jahr 2015, als er im Winmau World Masters bis in den Halbfinal kam. Bei der kleineren BDO-WM stand mit Sabine Beutler 2006 eine Schweizerin im Viertelfinal. Die SDA veranstaltet jeweils im Juni in Glattbrugg das Swiss Open.

Die Nachbarländer Deutschland und Österreich scheinen der Schweiz um Längen voraus zu sein, sie stellen mehrere WM-Teilnehmer. Das liegt in erster Linie an den Regeln der Verbände. Während Schweizer in Qualifikationsturnieren gegen die starken Benelux-Vertreter antreten müssen, können sich Österreicher mit osteuropäischen Spielern um WM-Plätze duellieren.

Mensur Suljovic aus Österreich ist die Nummer 8 der Welt. Bild: Getty Images Europe

«Die Österreicher sind uns auf PDC-Level voraus, aber nur, weil die Voraussetzungen günstiger sind. Von der Basis und der Spielstärke her sind wir ihnen ebenbürtig», so Gerock. Das zeigte sich am letztjährigen Weltcup, als die Schweiz Österreich, das ohne PDC-Spieler antreten musste, keine Chance liess.

Verbände kommen sich näher

Dennoch kann sich der Sport ohne Vertreter auf internationaler Bühne nicht weiter vom Amateurbetrieb zum professionell organisierten Volkssport entwickeln. Chancen auf eine Lösung des Dilemmas sind kaum in Sicht. Gerock formuliert es drastisch: «Solange es eine BDO gibt, wird sich an den Strukturen nichts ändern.» Ein einheitlicher Weltverband scheint der einzige Weg zum Glück zu sein. Mit dem Beschluss, auch Spieler anderer Verbände unter gewissen Bedingungen in Nationalteams zuzulassen, hat die WDF nun einen ersten Schritt in diese Richtung gemacht.

Das Potenzial, welches eine WM im Fernsehen zweifelsohne mit sich bringt, werde, so Gerock, im Nachwuchsbereich ungenügend ausgenutzt. Interessierte Spieler würden auf Vereinsebene noch nicht ausreichend akquiriert. Entsprechend schlecht sind die Perspektiven: Das Schweizer Juniorenkader umfasst lediglich fünf Spieler.

Grandiose Stimmung: Alexandra Palace ist für Darts-Spieler, was Wimbledon für die Tennis-Kollegen ist. Bild: SEAN DEMPSEY/EPA/KEYSTONE

Besser als der grosse «Barney»

Ob einer davon dereinst den Durchbruch schafft, ist fraglich. Was ein Einzelner jedoch in einer Randsportart bewirken kann, zeigt die Darts-Entwicklung in den Niederlanden. Nachdem sich Raymond «Barney» van Barneveld unter anderem mit fünf WM-Titeln seit 1998 einen Namen machte, erfuhr der Sport im Land einen immensen Popularitätsschub, durch welchen Holland zur Darts-Nation wurde.

Dass auch die Schweiz einmal zur Darts-Elite zählte, zeigt ein Blick zurück ins Jahr 1992. Am «Spring Cup», an dem sich die Weltspitze die Klinke in die Hand gab, feierte Walter Tschudin einen historischen Turniersieg. Im Viertelfinal bezwang er dabei den erwähnten Raymond van Barneveld.

Doch war dies noch in Zeiten vor der PDC und TV-Spektakel. Euphorie? Fehlanzeige. Damals hatte Darts neben Skirennen und Spengler-Cup noch keinen Platz im TV.

Das Programm heute

2. Runde:
Kim Huybrechts – Max Hopp
James Wade – Steve Beaton
Jelle Klaasen – Brendan Dolan
Peter Wright – Jamie Lewis

Achtelfinals:
Gary Anderson – Benito van de Pas
Adrian Lewis – R. van Barneveld

Fans bei der Darts-WM

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Siebenstein 28.12.2016 14:55
    Highlight Mit Gejammer gewinnt man keine Turniere!
    Kommt doch endlich einmal aus dem Elfenbeinturm des Klagens über die ganze Welt herunter, mit kommt das ähnlich vor wie beim Fußball, die anderen haben ja immer nur Glück...!?
    14 6 Melden

So historisch ist Andersons Marathon-Sieg im Halbfinal gegen Isner

Kevin Anderson steht als erster Spieler im Final von Wimbledon. Der Bezwinger von Roger Federer gewinnt in 6:36 Stunden mit 26:24 im fünften Satz gegen John Isner.

In der ewigen Liste der längsten Einzel-Matches der Geschichte rangiert der Halbfinal auf Rang 3.

Länger war auch eine Doppel-Partie. Stan Wawrinka und Marco Chiudinelli unterlagen 2013 in der 1. Runde den beiden Tschechen Tomas Berdych und Lukas Rosol nach 7:02 h mit 4:6, 7:5, 4:6, 7:6 und 22:24.

Alleine der Entscheidungssatz dauert 2:55 h. Die 50 Games entsprechen rund vier Sätzen. Anderson und Isner haben also gewissermassen keinen Fünfsätzer absolviert, sondern einen Achtsätzer.

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