Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
20.03.2014; Doha; Motorrad - Training GP Qatar 2014; Die vier Schweizer Moto2-Piloten: v.l.n.r.: Thomas Luethi, Randy Krummenacher, Dominque Aegerter und Robin Mulhauser, alle Suter. (Waldemar Da Rin/freshfocus)

Lüthi, Krummenacher, Aegerter und Mulhauser. Das Schweizer Quartett der Moto-2-Klasse. Bild: Waldemar Da Rin

Tom Luegerter

2014 kann uns die beste Töffsaison aller Zeiten bescheren. Wenn das Wörtchen «wenn» nicht wäre…

Dieser Auftakt verspricht Spektakel. Beim ersten Moto-2-Training zum GP von Katar in Doha steht Dominique Aegerter auf dem 5. Rang und gleich dahinter folgt Tom Lüthi auf Position 6. Zwei Schweizer in der Spitzengruppe, die auch um den Titel fahren können. Aber Tom Lüthi vermochte bisher die Favoritenrolle nie zu bestätigen.



Ein einziger Tag kann die Wahrheit einer ganzen Saison offenbaren und aufzeigen, warum Tom Lüthi im Moto2-Titelkampf bisher stets gescheitert ist. Und warum Dominique Aegerter noch nie um den Titel fahren konnte.

Es war vorletzte Woche. Jerez de la Frontera in Andalusien. Hier testen die Asphaltcowboys vor dem Saisonstart zum letzten Mal. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Drei Tage lang Vollgas. Am Schluss ist Tom Lüthi (3.) bei den Besten. Aber er stürzt am Mittwoch so schwer, dass er am Donnerstag frühzeitig Feierabend macht. Dominique Aegerter stürzt nicht. Aber es reicht nicht für eine Spitzenklassierung (9.).

11.03.2014; Jerez; Motorrad - Test Jerez 2014;
Thomas Luethi (SUI) (Carlos Bouza/Cordon Press/freshfocus)

Tom Lüthi in Jerez. Bild:freshfocus

Tom Luegerter

So ist es fast immer seit Einführung der Moto2-WM im Frühjahr 2010. Tom Lüthi ist schnell. Er fährt oft aufs Podest (19 Podestplätze und 2 Siege in 4 Jahren). Aber er stürzt auch oft und war in der Moto2-Klasse noch nie besser als WM-4. Dominique Aegerter fährt hingegen selten aufs Podest (2 Podestplätze in vier Jahren). Aber er stürzt fast nie und hat inzwischen 33 Rennen in Serie in den Punkterängen beendet. Wenn er hier in Doha erneut in die Punkte fährt, stellt er den Regelmässigkeits-Weltrekord von Luca Cadalora (34mal in Serie in den WM-Punkten) ein. Seit Einführung der Moto2-WM ist Dominique Aegerter in Trainings und Rennen 13-mal gestürzt. Tom Lüthi hat es 25-mal erwischt.

Italian Luca Cadalora (500C) is on a fast lap during the 2nd free practice of FIM Road Racing World Championship Grand Prix at German Nuerburgring Saturday, July 19, 1997. (AP Photo/Edgar Schoepal)

Luca Cadalora hält (im Moment noch) den Regelmässigkeits-Weltrekord. Bild: AP

Tom Lüthi könnte mit Dominique Aegerters Konstanz die Moto2-WM gewinnen. Und Aegerter wäre mit Lüthis Speed und Spitzenresultaten auch Weltmeister. Eine Kombination aus den beiden, ein «Tom Luegerter», ergäbe den neuen Valentino Rossi.

Fehlende Konstanz

Tom Lüthi war bei den Vorsaisontests ganz vorne. So wie 2010, 2011, 2012. Nur letzte Saison nicht – da musste er wegen einer Sturzverletzung pausieren. Aber noch nie hat der Emmentaler eine Moto2-Saison durchgestanden. Bisher fehlte nach gutem Beginn die Konstanz zum Titelgewinn. 2012 war er sogar kurz WM-Leader, ehe ihn drei «Nuller» in der zweiten Saisonhälfte um alle Titelchancen brachten. Er hat die richtige Mischung zwischen Risiko und Berechnung nie ganz gefunden. Wird sich das diese Saison ändern?

Diese Stürze muss Lüthi vermeiden, will er um den WM-Titel mitreden. Bild: AP

Vieles spricht dafür. Daniel M. Epp, seit zwölf Jahren Lüthis Freund und Manager, geht davon aus. «Tom war noch nie so entschlossen, selbstsicher und zielorientiert. Er musste sich letzte Saison nach einer schweren Verletzung wieder nach oben kämpfen und das hat ihn stärker gemacht.» Zudem sei die technische Basis jetzt so gut wie noch nie. «Wir haben im letzten Herbst gleich nach dem letzten Rennen die neue Maschine bekommen und konnten im November die technische Basis legen. Bei den Vorsaisontests haben wir nun die Feinabstimmung gemacht.»

«Ein so gutes Gefühl wie jetzt hatte ich vor einer Saison eigentlich noch nie.»

Tom Lüthi bestätigt den Eindruck seines Managers. «Die letzte Saison hat mich stärker gemacht, das fühle ich. Im November sind bei einer letzten Operation die Schrauben und Platten aus meinem Ellenbogen entfernt worden. Anfang Februar war ich bei den ersten Tests in Valencia sofort schnell und so ist es seither geblieben. Nicht ein einziges Mal musste ich rundenlang fahren bis ich mich gut fühlte. Ein so gutes Gefühl wie jetzt hatte ich vor einer Saison eigentlich noch nie.» Der letzte Schritt zur Konstanz und zum Moto2-WM-Titel scheint für den 125er-Weltmeister von 2005 möglich.

«Tom hat vielleicht halt mehr Talent»

Für Dominique Aegerter ist jetzt vieles anders. Die Erwartungen sind höher. Aus einer Oberaargau Lokalgrösse ist ein Sportler mit nationaler Popularität geworden: Ein Töff-Rockstar mit eher noch mehr Charisma als Tom Lüthi. Es ist die Mischung aus sympathischer Bescheidenheit und gesundem Selbstvertrauen. Ein Selbstvertrauen, welches vermuten lässt, dass er es faustdick hinter den Ohren hat.

Moto 2 rider Dominique Aegerter of Switzerland drives during a free practice session of the Moto 2 World Championship at the Losail International circuit in Doha on Thursday, March 20, 2014.(AP Photo/Osama Faisal)

Der Wawrinka des Töffsports? Dominique Aegerter während seiner Testfahrt. Bild: AP/AP

Dominique Aegerter hat sich in der letzten Moto2-WM als 5. in der Endabrechung erstmals vor Tom Lüthi (6.) klassiert und ist damit die Nummer 1 in der Töff-Schweiz. Gewiss, Lüthi verlor gut ein Drittel der Saison durch die Verletzungen, die er sich unverschuldet bei einem Teststurz zugezogen hatte. Doch das interessiert nicht mehr. Die letzte Wahrheit ist die Resultatliste.

Warum ist Dominique Aegerter der letzte, so schwierige Schritt ganz nach oben auf das Siegerpodest nach wie vor nicht gelungen? Er überlegt lange bevor er Antwort gibt: «Eine gute Frage. Es sind wohl mehrere Faktoren. Tom hat mehr Erfahrung, einen besseren Fahrstil und vielleicht halt auch mehr Talent.» Er sagt, Tom Lüthi fahre ruhiger und fliessender. Aber er glaubt nicht, dass Tom Lüthi mehr riskiert. «Ich fahre ja auch am Limit.» Der letzte Schritt zum ersten GP-Sieg und vielleicht sogar zum ersten WM-Titel scheint für Dominique Aegerter möglich.

Konkurrenzkampf als Ansporn

Tom Lüthi wirkt vor dem Saisonstart ruhig und entschlossen. Dominique Aegerter hat den «Lüthi-Komplex» weitgehend verloren und strahlt eine neue, erfrischende Selbstsicherheit aus. Die Saison 2014 kann uns die beste Töff- Saisons aller Zeiten (seit 1949) bescheren: Die erste mit zwei Schweizern, die sich in der zweitwichtigsten WM nicht nur um Podestplätze und Titel duellieren. Und es geht auch darum, wer die Nummer 1 im Lande ist. Diese interne Konkurrenz könnte noch mehr Energie freisetzen. Aber eben: Zum Titel reicht es nur, wenn Tom Lüthi konstanter und Dominique Aegerter noch ein paar Stundenkilometer schneller wird.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Bauernbub Tom Lüthi versetzt die Schweiz mit seinem WM-Titel in die totale Töff-Ekstase

6. November 2005: 20 Jahre nach Stefan Dörflinger hat die Schweiz wieder einen Motorrad-Weltmeister. Tom Lüthi triumphiert in der 125-ccm-Klasse und wird vom ganzen Land als neuer Poster-Boy gefeiert.

Ausnahmezustand in Linden BE: Am Sonntagmorgen um 10 Uhr herrscht bereits seltsame Betriebsamkeit im 1300-Seelen-Dorf im Emmental. Motorräder, Autos und Cars verstopfen die Strassen, vor dem Festzelt warten bereits hunderte Töff-Fans auf den Einlass. Sie alle sind gekommen, um Tom Lüthi auf dem Weg zu seinem ersten WM-Titel zu unterstützen.

Rund 1300 Kilometer südwestlich macht sich der 19-Jährige auf den Weg zum Start. Beim GP von Valencia auf dem Circuit Ricardo Tormo braucht Lüthi …

Artikel lesen
Link zum Artikel