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epa06565147 Manchester City players celebrate with the trophy after winning the English League Cup Final between Manchester City and Arsenal FC at Wembley Stadium, London, Britain, 25 February 2018.  EPA/NEIL HALL EDITORIAL USE ONLY. No use with unauthorized audio, video, data, fixture lists, club/league logos or 'live' services. Online in-match use limited to 75 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications.

Manchester City hat noch immer grossen Titelhunger. Vor allem der Henkelpott soll es endlich sein. Bild: EPA/EPA

Die himmelblaue Auferstehung – ein Augenschein bei Manchester City

Fussball Öl-Milliarden machten Manchester City zum wohl besten Team der Welt. Ein Segen für die Fans. Aber nicht nur.

07.03.18, 11:47

sébastian lavoyer, Manchester / Aargauer Zeitung



>>> Wir tickern heute die beiden Champions-League-Partien ab 20.45 live.

Es sind nur wenige Schritte, und doch wähne ich mich in einer anderen Welt. Ich schlendere dem Ashton Canal entlang aus dem Stadtzentrum Richtung Nordosten, passiere frisch sanierte Backstein-Häuser, Neubauten. Alles herausgeputzt.

Je weiter das Zentrum zurückliegt, desto weniger Menschen sind zu sehen. Baustellen, Industrieruinen, Brachen, eingeschlagene Fenster, Graffiti an den Wänden, Abfall im Kanal. Spuren der industriellen Vergangenheit, Zeugen des Zerfalls. Irgendwie beklemmend.

Ashton Canal Manchester, Instagram

Am Ashton Canal in Manchester. bild: Instagram

Langsam frage ich mich, ob ich nicht etwas falsch verstanden habe. Aber nein, das ist unmöglich. Safrana, die Vermieterin der Wohnung, in der ich für die Tage in Manchester untergekommen bin, meinte: «Wenn du zum Stadion willst, folge einfach dem Kanal. Das ist kein Problem.» Und so gehe ich gegen den Strom. Der Kanal biegt sich gegen Osten. Eine grosse Brücke, eine dunkle Unterführung. Hätte ich doch besser das Tram genommen?

«Das habe ich nie zuvor erlebt»

Kaum ist die Brücke passiert, baut sich vor mir der Etihad Campus auf. Auf einer Fläche von über 300'000 Quadratmetern hat sich hier Manchester City ausgebreitet.

Etihad Stadium Instagram

Da ist das Etihad Stadium, gleich neben dem Kanal. bild: Instagram

Vor allem seit der Übernahme des Klubs durch Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan. 2008 kaufte er ihn für 210 Millionen Pfund dem thailändischen Premierminister Thaksin Shinawatra ab. Seither hat Mansour ein Vielfaches in den Klub investiert. Rund anderthalb Milliarden flossen allein in neue Spieler. Aber es blieb nicht dabei, die Investitionen gingen über den Fussball hinaus.

Kurz nach der Übernahme wurde Gary James von einem Adjutanten des Scheichs kontaktiert. «Er wollte von mir alles über den Verein wissen, seine Geschichte, das Viertel, wo das Stadion steht, wie man helfen könne, dieses zu entwickeln», erinnert sich der Dozent für Sportgeschichte an der Metropolitan University in Manchester.

epa04202910 A handout picture released by Emirates News Agency (WAM) shows (L-R) Sheikh Abdullah bin Zayed the UAE the Foreign Minister, Sheikh Saif bin Zayed the Deputy Prime Minister and Minister of Interior, Sheikh Mohammed bin Zayed the Crown Prince of Abu Dhabi and Deputy Supreme Commander of the Armed Forces, Sheikh Mansour bin Zayed the Deputy Prime Minister and Minister of Presidential Affairs, who owns Manchester City, and Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum the UAE Vice President and Prime Minister and Ruler of Dubai celebrating after Manchester City secured the English Premier League title, in Dubai, UAE, 12 May 2014. Manchester City lifted the Premier League title for the second time in three years after a 2-0 win over West Ham United on 11 May.  EPA/EMIRATES NEWS AGENCY/HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Scheich Mansour (2.v.r.) bei einer Feier 2014. Bild: EPA/EMIRATES NEWS AGENCY

Das habe er zuvor nie erlebt. Und steht in Kontrast zum Gebaren des Glazer-Clans, den amerikanischen Besitzern von Manchester United. Denen geht es in erster Linie ums eigene Portemonnaie.

Der Etihad Campus. Neben dem Stadion gehören auch die Academy des Vereins sowie eine fast 70000 Quadratmeter grosse Baustelle dazu. Dort sollen sich dereinst Geschäfte ansiedeln.

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Der Etihad Campus in Manchester. Links oben der Ashton Canal. Mit Erklärungen der «Daily Mail». bild: dailymail.co.uk

Früher war das hier ein Industrie- und Arbeiterquartier im Stadtteil Bradford, das spürt man bis heute. In einem Park zwischen Backstein-Reihenhäusern treffe ich auf Arthur Smith. Der Rentner wurde hier geboren, zog Anfang 20 in die Nähe von Blackpool, rund 60 Kilometer nordwestlich von Manchester an der Küste gelegen, und kam Mitte 30 zurück. Mit Fussball hat er nichts am Hut, er ist Speedway-Fan, liebt Motorräder, nicht schnelle Passkombinationen.

«Was soll daran schlecht sein?»

Wie viele in der Gegend gehörte Arthur der Arbeiterklasse an. Was hält er davon, dass da ein Scheich kommt und plötzlich Milliarden für den Traum vom Triumph in der Champions League raushaut? «Was soll daran schlecht sein?», fragt er zurück.

Dann pfeift er schrill. Barney, sein kleiner weisser West Highland Terrier, wird grössenwahnsinnig, bellt einen Husky an. «Schauen Sie, es ist auch viel Gutes passiert, seit City wieder aufblüht. Da, wo heute die Academy steht, war früher ein Chemieunternehmen. Die mussten den verseuchten Boden metertief abtragen», erzählt er.

Husky West Highland Terriere.

Husky und West Highland Terrier können auch friedlich miteinander sein, wie dieses weihnachtliche Symbolbild beweist.  bild: shutterstock

Gebaut von lokalen Arbeitskräften lokaler Unternehmen wurde das wohl modernste Trainingszentrum der Welt im Dezember 2014 eröffnet. Nach Vorbild von Milanello, dem Trainingskomplex der AC Milan. 16 Fussballfelder stehen Citys Nachwuchs und der ersten Mannschaft zur Verfügung, eines davon überdacht und mit Kunstrasen. Man kann die Temperaturen im Innenraum auf minus 20 Grad runterkühlen oder auf fast 40 Grad aufheizen, um Extrembedingungen zu simulieren.

Unweit davon die Räume der Physiotherapeuten, ein Kältebad zur Regeneration, ein Becken, in dem verletzte Spieler erste Laufübungen machen können – mit Unterwasserkamera zur Analyse der Bewegungen – und dann der komplett ummauerte Trainingsplatz, auf dem die erste Mannschaft die Abschlusstrainings bestreitet. Dazu gehört ein Drohnenabwehrsystem, um sicherzugehen, dass niemand mitschaut, der das nicht soll.

Etihad Campus Brücke Academy

Über diese Brücke musst du geh'n, dann hast du's als Jugendlicher bei Manchester City geschafft. bild: instagram

Die Academy ist durch eine weisse Fussgängerbrücke mit dem Stadiongelände verbunden. Das hat symbolischen Charakter. Dutzende von Talenten schwitzen auf dem Trainingsgelände täglich ihrem Traum entgegen. Bis zu 400 Kinder und Jugendliche schieben sich hier im Verlaufe eines Tages die Bälle zu. Sie gehören in ihren jeweiligen Jahrgängen mit Sicherheit zu den Besten des Landes, viele zu den Besten der Welt. Denn Manchester City hat auch im Scouting und in der Nachwuchsarbeit massiv investiert.

Zelebrieren des Verlierer-Images

Spätestens seit der Verpflichtung von Txiki Begiristain als Sportdirektor wird hier nach spanischem Vorbild gearbeitet. Ein Grossteil des Personals stammt wie der ehemalige Barça-Angreifer von der Iberischen Halbinsel. Selbst in der medizinischen Abteilung würden die meisten spanisch sprechen, erzählt Lorenzo Gonzalez.

Manchester City director Txiki Begiristain, left, shakes hands with  former FC Barcelona vice-president and grandfather to Gerard Pique Amador Bernabeu, right, after the draw of the round of 16 games of UEFA Champions League 2013/14 at the UEFA Headquarters in Nyon, Switzerland, Monday, December 16, 2013. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Txiki Begiristain impft Manchester City die spanische Idee ein. Bild: KEYSTONE

Der 17-jährige Schweizer mit spanischen Wurzeln wechselte im Sommer 2016 in den Nachwuchs von Manchester City. Die Academy war mit ein Grund, dass er sich für City entschied. Obwohl er die Wahl hatte zwischen mehreren Top-Adressen. Vier bis fünf Mal darf er mit Sergio Agüero & Co. trainieren. Auf sein Debüt mit der ersten Mannschaft wartet er noch.

Doch die Hoffnung lebt. Viel fehlt nicht. Er ist ganz nah dran, davon ist er überzeugt. Aber den letzten Schritt, den Weg über die weisse Brücke, hat er noch nicht gemacht. Noch spielt er im Academy-Stadion. 7000 Zuschauer hätten hier Platz.

Manchester City Academy Stadion

Das Academy-Stadion von Manchester City. bild: instagram

Viele Schweizer Klubs würden eine solche Spielstätte mit Handkuss nehmen. Alles auf dem neusten Stand. Doch meist kommen nur ein paar hundert Zuschauer zu den Spielen der U23 oder der Frauenmannschaft.

Anders sieht es aus, wenn die Stars nebenan auflaufen. Dann kommen sie in Scharen. Wobei heute gegen Basel zahlreiche Plätze leer bleiben dürften. Noch immer kommen viele City-Fans aus der Arbeiterklasse. Sie leisten sich den Luxus, ins Stadion zu gehen, wenn grosse Spiele anstehen. Oder doch wenigstens Premier League. Aber Basel? Nach einem 4:0-Triumph auswärts?

Ihre Hymne werden sie wohl auch heute singen. Sie ist ein Relikt längst vergangener Tage:

Die ManCity-Hymne «Blue moon». Video: YouTube/RandomvlogZ

We never win at home and
We never win away
We lost last week and we lost today
We don’t give a fuck coz we’re all pissed up
M.C.F.C OK

Songzeilen aus der ManCity-Hymne

Unter den Sängern wird auch Andrew Taylor sein. 1971 sah er City zum ersten Mal. Da war er sechs Jahre alt. Heute kommt er mit seinem Sohn zum Spiel. Er auf der Haupttribüne, der Junior in der Kurve. Andrew: «Es sind wirklich Unsummen, die Mansour investiert hat. Aber warum sollten wir uns wehren? Wir wollen guten Fussball sehen.» Den kriegen sie – und spotten über das Gekicke von Stadtrivale United. «Selbst meine 83-jährige Mutter schaltet den TV aus, wenn die spielen», lästert Andrew.

44 lange Jahre mussten die Anhänger der Skyblues warten, ehe sie 2012 wieder Meister wurden. Ein erster Höhepunkt der himmelblauen Auferstehung. Es folgten weitere Titel. Doch auf den ganz grossen Triumph, den Sieg in der Königsklasse, warten sie noch immer. Nur einmal schafften sie es über den Achtelfinal hinaus. Das war 2016 unter Guardiolas Vorgänger Manuel Pellegrini.

Dramatischer kann man fast nicht Meister werden. Zwei Tore in der Nachspielzeit: der Titel 2012. Video: YouTube/Teh Furious D

Diese Saison gehören sie zu den ganz grossen Favoriten. City bewegt sich in Sphären, die vor der Übernahme durch den Scheich aus Abu Dhabi niemand zu erhoffen gewagt hätte. Doch wie die Gegend um das Stadion hat sich auch der Klub wundersam gewandelt. Alimentiert von Öl-Milliarden. Aber wen kümmert das schon, wenn man neue Welten erobert?

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Wenn das Wunder von Basel ausbleibt, hier wenigstens ein Naturwunder:

Video: undefined/Oliver Schmid

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    Alle Leser-Kommentare
  • AJACIED 07.03.2018 22:08
    Highlight Für mich Man. City, Chelsea, PSG alle verrecken lassen. Ohne dieses S...... Geld währen die nirgends. Leute jubeln diesen Teams zu oh ja super Fussball super Spieler super dies super das. Wenn Financiel FairPlay durchgesetzt würde wären eh alle am A..!
    Real ist nichts besseres Schulden machen bei Banken die and er Geschäfte Konkurs gehen lassen.
    1 1 Melden
  • Jol Bear 07.03.2018 13:28
    Highlight Hunderte Millionen oder gar Milliarden werden da investiert, ganze Stadtteile umgebaut. Und das alles nur wegen Fussball, um einen Titel im europäischen Klubfussball zu gewinnen. Irgendwie bekommt man da ein zwiespältiges Gefühl. O.k., es ist ja "nur" Geld und nur Fussball.
    17 12 Melden
    • chuloloco 07.03.2018 15:24
      Highlight Da, wo jetzt gebaut wird, war früher Schwerindustrie und Chemie. Tausende von Arbeitsplätzen gingen verloren mit dem Untergang dieser Unternehmen. Jetzt entsteht neue Arbeitsplätze. Irgendwie nachvollziehbar, dass das den Menschen nicht zuwider ist, nicht?
      34 2 Melden
  • WhoRanZone 07.03.2018 13:05
    Highlight Noch nie von diesem Hockey Club gehört...
    55 18 Melden
  • Valon Behrami 07.03.2018 12:29
    Highlight Ob es in der Champions League reicht? Vielleicht doch. Ich habe das Gefühl, dass es auch für diesen Titel reichen könnte.
    23 4 Melden
  • Steffan Griechting 07.03.2018 12:23
    Highlight Chapeau Guardiola. City hat übertrieben inverstiert - ja, aber wer hat das nicht? Man U, PSG, Barca, Chealsea etc geben auch viel Geld aus.

    Guardiola macht den Unterschied
    33 47 Melden
    • AJACIED 07.03.2018 22:14
      Highlight Bitte vegleiche nicht Barca und Manu mit Chelsea, City und PSG! Ja geben alle viel Geld aus nur das die letzten 3 Teams nur wegen Scheichs und Öl Tycoons das Geld dazu haben. Sonst wären sie nix.
      Manu hat sich das Geld selber erwirtschaftet und Barca hat mehr als die Hälfte der Spieler aus la Masia.
      1 1 Melden
  • Kunibert der fiese 07.03.2018 12:14
    Highlight Ja für die fans. Die beiden sind auch schon ziemlich aus dem häuschen.
    25 2 Melden
  • Beggride 07.03.2018 11:57
    Highlight Nach diesem Artikel mit Hintergrundinfos wirkt City im Vergleich zu ManU, PSG oder Chelsea schon sympathisch...
    110 14 Melden
    • Hoppla! 07.03.2018 13:35
      Highlight Manchester United mit "Oligarchenvereinen" gleich zu setzen grenzt schon an Blasphemie. Die Geschichte ist das ganz anders, zumindest fliesst das Geld eine andere Richtung (nämlich aus dem Verein).
      23 12 Melden
    • Beggride 07.03.2018 15:24
      Highlight Das stimmt, dennoch finde ich die Clubführung der heutigen Welt weniger sympathisch, genau aus den Gründen, welche im Artikel auch genannt wurden.
      8 1 Melden
    • Alex1250 07.03.2018 15:35
      Highlight Ich finde Bayern ziemlich sympathisch, da fliessen keine Milliarden rein und trotzdem spielen sie auf Top Niveau mit
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