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20.10.2015; Genf; Eishockey NLA - Geneva Servette - Fribourg Gotteron;
Jeremie Kamerzin (Fribourg) wird verletzt vom Eis gebracht 
(Alain Grosclaude/freshfocus)

20. Oktober: Fribourgs Jeremie Kamerzin wird verletzt vom Eis gebracht.
Bild: freshfocus

Ist die Verletzungswelle im Schweizer Eishockey ein Trend oder bloss Zufall?

Die Zahlen sind eindrücklich: Fast 160 Spieler haben im Verlauf der bisherigen NLA-Saison zusammengezählt über 750 Spiele verpasst. Die Liga geht am Stock. Eine Suche nach Erklärungen.

Marco Frei / Schweiz am Sonntag



Für Fussballer sind englische Wochen, also mehrere Spiele innerhalb von sieben Tagen, eine Tortur. Für Eishockeyspieler seit Jahren «courant normal». Aber inzwischen geht die zusätzliche Belastung auch an den harten Jungs auf der glatten Unterlage nicht mehr spurlos vorbei. Derzeit schwappt eine riesige Verletzungswelle über die National League A. Mannschaften, die mit nur sechs statt acht Verteidigern agieren müssen. Elite-A-Junioren, die kurzfristig ins Team beordert werden. In der aktuellen Saison keine Seltenheit.

Statistisch lässt es sich nicht belegen, aber der äussere Eindruck täuscht kaum: Die Verletztensituation ist quer durch die ganze Liga derzeit so schlimm wie nie zuvor. Auch Jean-Claude Küttel, Verbandsarzt und Team-Doc bei den Kloten Flyers, bemerkt: «Im November haben wir öfters mehr Verletzungen als beispielsweise im Januar.» Die Suche nach plausiblen Erklärungen gestaltet sich schwierig. Aber die Zahlen sprechen für sich: Stand letzten Freitag haben seit Beginn der Saison 15/16 haben in der NLA 157 verletzte Spieler insgesamt 768 Spiele verpasst.

17.10.2015; Zuerich; Eishockey NLA - ZSC Lions - HC Ambri-Piotta; Reto Schaeppi (ZSC) verletzt sich am Gesicht (Patrick Straub/freshfocus)

17. Oktober: Blut im Visier von Reto Schäppi von den ZSC Lions.
Bild: Patrick Straub/freshfocus

Das Eishockey hat sich verändert

Martin Schär, Teamarzt beim SC Bern, bemerkt, dass bei seinen Spielern derzeit auffällig viele Gehirnerschütterungen und deren Nachwirkungen beklagt werden müssen. Triftige Gründe, wieso Kopfverletzungen bei den Hauptstädtern so zahlreich sind, können nicht eruiert werden. «Vor zwei Jahren hatten wir zum gleichen Zeitpunkt viele Adduktoren-Verletzungen, was durch Überbelastung erklärt werden kann. Gehirnerschütterungen können aber nicht darauf zurückgeführt werden», erklärt Schär.

Wenn man Ursachenforschung betreibt, kommt man schnell zum Schluss, dass sich das Eishockey in den letzten Jahren markant verändert hat. «Die Spieler sind viel athletischer und schneller geworden», sagt Küttel und auch Schär bestätigt: «Einige Spieler haben schon nach fünf Metern eine extrem hohe Beschleunigung, das ist unglaublich.» Wenn also zwei austrainierte Kraftpakete aufeinandertreffen, wirken derart grosse Kräfte, dass es schnell zu Verletzungen kommen kann, wenn ein Spieler einen Check nicht sehen kommt und sich entsprechend darauf einstellt.

Genf, 03.10.2015, Eishockey NLA, HC Genf Servette - HC Davos, Davos Dick Axelsson verletzt. (Robert Hradil/EQ Images)

3. Oktober: Der Davoser Dick Axelsson muss gestützt werden.
Bild: EQ Images

Viele Spiele, aber kein Rhythmus

Seit der Saison 2007/08 werden in der NLA 50 Qualifikationsrunden statt wie bis anhin 44 bestritten. Seit der letzten Spielzeit steht auch der Schweizer Cup wieder auf dem Spielplan. Zusätzlich dazu muss die Nationalmannschaft mit Spielern gefüttert werden und die Champions Hockey League drängt auch noch in den Kalender. Zudem erfordert die immer ausgeglichenere Liga intensiveres Training, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Da stellt sich die Frage, ob die Belastung für die Spieler inzwischen zu gross geworden ist. Sowohl Jean-Claude Küttel, als auch Martin Schär sehen darin mögliche Gründe, wenn nicht gar den Hauptgrund für die vielen Verletzten. Die verschiedenen Wettbewerbe bewirken zusätzlich, dass kein richtiger Spielrhythmus entsteht. «Der SCB hatte jetzt 14 Tage kein Spiel, anschliessend kommen wieder Wochen mit drei Partien. Das macht es schwierig», sagt Schär.

Bern, Eishockey NLA, SC Bern - Kloten Flyers. 3.10. 2015. Berns Andrew Ebbett (Nr. 25) muss verletzt vom Eis . (Daniel Teuscher/EQ Images)

3. Oktober: Berns Andrew Ebbett krümmt sich vor Schmerzen.
Bild: Daniel Teuscher

Der Dank an die flexiblen Banden

Gehirnerschütterungen gehören zu den schlimmsten Verletzungen im Eishockey – und kommen immer häufiger vor. Jeder Spieler kann sich selbst so gut wie möglich schützen, indem er seinen Kopf bei der Puckkontrolle nicht gesenkt hält, um die Umgebung optimal wahr zu nehmen und nicht völlig unerwartet mit einer gegnerischen Schulter in Kontakt kommt.

Doch auch die Stadionbetreiber können für die Gesundheit der Spieler sorgen. «Flexible Banden senken das Verletzungsrisiko von der Schulter an aufwärts um bis zu 30 Prozent», erklärt Küttel. Martin Schär ist ebenfalls überzeugt davon: «Das ist ein grosses Anliegen von mir, dass diese Banden in jedem Stadion installiert werden. Der Aufwand von 250'000 Franken pro Stadion lohnt sich ganz klar.» Bisher haben erst die Stadien in Biel, Lausanne und Lugano die neuen Banden eingebaut, in Bern soll dies auf die nächste Saison hin geschehen. Die Spieler werden es ihnen danken.

Sicht auf das Eisfeld im Eishockey Spiel der National League A zwischen dem EHC Biel und den ZSC Lions, am Dienstag, 15. September 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/ Thomas Hodel)

Hat bereits flexible Banden: Das neue Stadion in Biel.
Bild: KEYSTONE

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

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    Alle Leser-Kommentare
  • Almos Talented 15.11.2015 16:43
    Highlight Highlight Die Diskussion wird auch in Nordamerika geführt. Tatsache ist, dass das Spiel noch nie so schnell war wie zurzeit. Um das Spiel ein wenig zu verlangsamen (das heisst nicht, dass es weniger attraktiv ist)
    wird sogar über die Wiedereinführung der Zweilinienpass-Regel geredet.

    Die Suspensionen, wie sie momentan in der NHL in Massen verhängt werden, führt mMn nur dazu, dass ein Spieler den Check lieber nicht ausführt und so dem Sport ein wichtiges Instrument entzogen wird.

    Dem Spiel ein wenig Speed zu nehmen empfinde ich daher als das weniger grosse Übel.
  • Amboss 15.11.2015 14:09
    Highlight Highlight Klar ist unsere Liga Top, das Tempo hoch, der Spielplan intensiv.
    Aber gegen KHL odr NHL ist die NLA ja eine Relax-Liga.

    Da sind neben noch mehr Spielen noch lange Reisen und andere Zeitzonen.

    Gibt es da auch solche Probleme?
    • Schreiberling 15.11.2015 15:00
      Highlight Highlight Ja gibt es. Aber dort gibt es auch mehr Geld, Farmteams und grössere Kader.
    • Mclovin 15.11.2015 16:49
      Highlight Highlight Nimmt mann die deutlich grössere anzahl von Freundschaftsspielen,Champions League,Cup und ev Länderspiele dazu,so erreicht ein schweizer Spieler ebenfals fast 80 spiele.Ohne Playoffs
  • Schreiberling 15.11.2015 13:44
    Highlight Highlight Flexible Banden sollten längst Standard sein, in einer Liga, die zu den besten der Welt gehören will. Die Umrüstung ist nicht gratis, aber da muss der Verband halt mit einem Teil der immensen TV-Geldern den Clubs Unterstützung anbieten.
    • rYtastiscH 16.11.2015 09:36
      Highlight Highlight Nur eine Frage, da mir das etwas übertrieben erscheint: Sind die TV-Gelder im Schweizer Eishockey wirklich immens? Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen...
    • Schreiberling 16.11.2015 10:38
      Highlight Highlight Den genauen Betrag kennt ausserhalb des Verbands wohl niemand. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass der Betrag im zweistelligen Millionenbereich liegt. Die Clubs kriegen davon aber nur den kleineren Teil. Die Mehrheit bleibt beim Verband und fliesst dort in die Jugendarbeit (sinnvoll) und sonst noch wohin. Ich denke eine Teil davon, könnte man durchaus in die Gesundheit der Spieler investieren.
    • rYtastiscH 16.11.2015 11:01
      Highlight Highlight Dem ist absolut beizupflichten! Wollt nur wissen was immens hier zu bedeuten hat. Für mich sind TV-Gelder der Premier League immens...
    Weitere Antworten anzeigen

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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