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Die Praesidentin des HC Lugano, Vicky Mantegazza informiert an der heutigen Pressekonferenz zur sofortigen Freistellung des Headcoachs Patrick Fischer und seines Assistenten Peter Andersson am Donnerstag, 22. Oktober 2015, in Lugano. Der Tessiner HC Lugano ist NLA-Tabellenletzter und bleibt mit fuenf Siegen aus den ersten 15 Runden deutlich unter den Erwartungen. (KEYTONE/Gabriele Putzu)

Lugano-Präsidentin Vicky Mantegazza sieht sich mit einer Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung mit schwerer Schädigung konfrontiert. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Zuschauerin verlor Auge – HC-Lugano-Präsidentin Vicky Mantegazza erneut am Pranger

Es geht um Geld, ein Glasauge und eine menschliche Tragödie – im Mittelpunkt: Vicky Mantegazza, die Präsidentin des HC Lugano.

simon häring / Aargauer Zeitung



Mit einem geschätzten Vermögen von 2,25 Milliarden Franken ist sie einer der reichsten Menschen der Schweiz: Vicky Mantegazza, Präsidentin beim HC Lugano. Wer schon einmal mit der 52-Jährigen zu tun hatte, rühmt sie für ihre Bescheidenheit, Jovialität, Herzlichkeit und Empathie. Ein ganz anderes Gesicht zeigt Mantegazza im Fall von Sabrina Maurer, der Frau des damaligen Lugano-Verteidigers Marco Maurer, der heute bei Biel unter Vertrag steht.

Le Top Scorer biennois Marco Maurer lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League, entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le EHC Biel Bienne ce vendredi 15 septembre 2017 a la patinoire provisoire de Malley 2.0 a Lausanne. (PPR/Christian Merz)

Marco Maurer spielt mittlerweile in Biel. Bild: PPR

Der 4. Januar 2014, ein Samstag, verändert ihr Leben für immer. Maurer sitzt in der zweiten Reihe hinter der Spielerbank. Ein Schuss eines Lausanners wird von einem Tessiner abgelenkt, der Puck fliegt über die Bande und trifft sie im Gesicht. Sie verliert dabei ihr linkes Auge und lebt seither mit einer Prothese. Seither schwelt auch der Konflikt zwischen Maurer und Lugano. Die Haftungsfrage ist ungeklärt, Lugano lehnt jegliche Verantwortung ab.

Sabrina Maurer leidet noch immer unter den Folgen des Unfalls. Und noch immer kämpft sie um eine Entschädigung für Lohnausfall und Folgekosten, die das Glasauge verursacht, das alle zwei Jahre ersetzt werden muss. Zahlen möchte Urs Hochstrasser, der Maurer vertritt und sich auf Versicherungs- und Haftpflichtfragen spezialisiert hat, nicht kommentieren. Es dürfte sich dabei aber, inklusive Genugtuung, etwa um einen durchschnittlichen Jahreslohn für einen NLA-Spieler und damit um einen tiefen sechsstelligen Frankenbetrag handeln.

Gutachten belastet Lugano

Der angestrebte Vergleich scheiterte, Sabrina Maurer reichte eine Strafanzeige wegen «fahrlässiger Körperverletzung mit schwerer Schädigung» ein. Spätestens seit dann sind die Fronten verhärtet. Lugano-Sprecher Luca Righetti sagt: «Wir sind uns keiner Schuld bewusst.» Er argumentiert, die Nationalliga habe die Resega, das Stadion der Tessiner, als reglementskonform taxiert. Ein Gutachten widerspricht dieser Darstellung. Dort steht: «Der HC Lugano als Veranstalter hat die Vorschriften des einschlägigen Reglements missachtet. Er ist damit seiner Schutzpflicht gegenüber dem Zuschauer ungenügend nachgekommen.»

«Dass es so weit gekommen ist, hat drei Gründe: Arroganz, falsche Beurteilung der Faktenlage und wohl eine schlechte Versicherung.»

Urs Hochstrasser, Anwalt der Maurers

Demnach hätte in der Resega von der Kurve bis zu den Spielerbänken eine mindestens 80 Zentimeter hohe Scheibe aus Plexiglas die Zuschauer schützen sollen. Trotzdem erteilte die Liga die Lizenz ohne Auflagen. Dass die Tessiner die rund vier Meter breite Lücke, die Sabrina Maurer zum Verhängnis wurde, im Sommer 2014, also ein halbes Jahr nach dem Unfall, schlossen, sei nicht als Schuldeingeständnis zu verstehen, sagt Righetti: «Das hat andere Gründe und ist auf Wunsch der Stadt Lugano geschehen.»

Vicky Mantegazza, Praesidentin des HC Lugano, waehrend einer Medienkonferenz zum Saisonstart 2016/17 des Eishockey-Klubs HC Lugano, am Dienstag, 5. September 2017, in Sorengo. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Beim HC Lugano ist man sich keiner Schuld bewusst. Bild: TI-PRESS

Für Hochstrasser ist der Fall hingegen klar. «Dass es so weit kommen musste, hat drei Gründe. Erstens: totale Arroganz und Ignoranz. Zweitens: Die Faktenlage wurde falsch eingeschätzt. Und drittens: Lugano ist wohl schlecht versichert.»

«Frau Mantegazza hat andere Dinge zu tun, als sich um solche Banalitäten zu kümmern.»

Mario Postizzi, Anwalt des HC Lugano

Teilweise griff Luganos Anwalt, Mario Postizzi, zu abenteuerlichen Argumenten. So habe Sabrina Maurer a) kein gültiges Ticket gehabt und b) für das Ticket nicht bezahlt. Das ist absurd, denn zwei Saisonkarten waren damals Bestandteil des Arbeitsvertrags zwischen Marco Maurer und dem HC Lugano. Dass Staatsanwalt Antonio Perugini die Anzeige in erster Instanz als nicht prüfenswert taxierte, bezeichnete Maurers Anwalt als Witz und legte Berufung gegen das Verdikt ein

Nun kann er einen ersten Teilerfolg verbuchen, die Beschwerde wurde gutgeheissen, der Fall muss neu beurteilt werden, Mantegazza noch einmal aussagen. «Eine Ohrfeige für die Staatsanwaltschaft», sagt Hochstrasser. Ihm missfällt die Art und Weise, wie Lugano den Fall behandelt. Vor dem Untersuchungsrichter hatte Mantegazza gesagt, sie wisse auch nicht so genau, wie das mit der Sicherheit sei.

Und Postizzi sagte gemäss Hochstrasser: «Frau Mantegazza hat andere Dinge zu tun, als sich um solche Banalitäten wie Sicherheit zu kümmern.» Für eine Stellungnahme ist sie gemäss Righetti nicht zu erreichen: «Für uns hat sich nichts geändert.» Die Beschwerdeinstanz sieht das anders und hat die Neubeurteilung der Faktenlage angeordnet. Für Sabrina Maurer geht es gemäss Anwalt Hochstrasser aber um mehr als nur um Schadenersatz. Sie will endlich mit der Geschichte abschliessen.

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ULTRA_CLA 05.10.2017 22:16
    Highlight Highlight Viele hier meinen wer Geld hat, soll auch bezahlen. Ergibt für mich keinen Sinn, solange die Schuldfrage nicht geklärt ist. Es wäre ja einfach, wenn immer die Partei mit mehr Geld auf dem Konto schuldig wäre, dann benötigt es statt Richter nur noch Buchhalter...

    Ein Puck kann übrigens in jedem Stadion ins Publikum fliegen (ausser vermutlich im Hallenstadion, da sitzt man zu weit vom Eis weg) und zu Verletzungen führen. Je nach Entscheid in diesem Fall kommt danach noch ein Helmpflicht (mit Gitter) für die Zuschauer, man muss sich ja als Stadionbetreiber absichern. *-*
  • Bruno Wüthrich 05.10.2017 16:23
    Highlight Highlight Das Gutachten kommt zum Schluss, der HCL habe Reglemente missachtet. Doch der Verband hat die Lizenz ohne Auflagen erteilt. Es stellen sich folgende Fragen: 1.) Hat ersteres mit letzterem etwas zu tun? 2.) Was heisst «ohne Auflagen» beim Lizenzverfahren? 3.) Wer hat das Gutachten erstellt?

    Nicht ersichtlich ist, ob die Entschädigung einmalig oder jährlich fällig wird. Als Einmalzahlung für ein Auge, Lohnausfall, Folgekosten, Schmerzen etc. erscheint mir ein tiefer sechsstelliger Betrag zu mickrig. Wäre der Betrag jährlich zu zahlen, würde auch ich die Sachlage juristisch abklären lassen.
  • sven_meye 05.10.2017 13:46
    Highlight Highlight Richtig traurig! Schade, dass die Liga bei Lugano nie durchgreift. Man sieht ja jetzt was passieren kann! Höchst unsympathisch die Dame, am Geld fehlt es nicht. Derartige Ausflüchte gehören für mich schon fast bestraft, ein Hohn für das Opfer! Ich hoffe das schädigt ihren Ruf ordentlich^^ Weitere Gedanken spare ich mir besser, sonst kriege ich auch noch nette Post.
  • MARC AUREL 05.10.2017 12:34
    Highlight Highlight Luganos Ruf wird darunter leiden. Es wäre besser sie hätten gleich bezahlt... Arm ist die Frau Mantegazza nicht.
  • FrancoL 05.10.2017 11:11
    Highlight Highlight «Frau Mantegazza hat andere Dinge zu tun, als sich um solche Banalitäten wie Sicherheit zu kümmern.»

    Diese Aussage zeigt wie dümmlich das Umfeld von Lugano ist. Das ist eine derart dreiste Aussage die man kaum zu kommentieren braucht.

    Gut zu wissen: Die Sicherheit der Zuschauer ist eine Banalität. IRRE!
    • WhoRanZone 05.10.2017 11:52
      Highlight Highlight Er hat gerade zugegeben, dass die Clubführung die Zuschauer bewusst einem Sicherheitsrisiko aussetzt...

      Mit der Beschwerde wird das ganze nur unnötig in die Länge gezogen. Zahlt doch der armen Frau einfach den Schadensersatz und gut ist! Der HCL hat sich nicht an die Sicherheitsvorschriften der Liga gehalten und wundert sich nun wenn er zur Rechenschaft gezogen wird, da nun wirklich mal etwas passiert ist...
    • Linus Luchs 05.10.2017 12:22
      Highlight Highlight Ja, die Arroganz des Lugano-Anwalts ist ganz übel. Anderen etwas Schlechtes zu wünschen, ist nicht fein, aber unwillkürlich taucht in mir die Vorstellung auf, wie es wäre, wenn einmal ein Puck den Weg in Richtung Postizzis Juristenschädel finden würde. Und dann dürfte er sich gerne nochmals über das banale Thema Sicherheit äussern.
    • Der müde Joe 05.10.2017 12:26
      Highlight Highlight Das bestätigt sich dann auch, wenn man mal ein Derby in der Curva-Nord erlebt hat. Die Stehrampe ist so dermaßen vollgestopft, dass du die Beine anheben kannst und in der Luft baumelst. Wenn dort Panik ausbrechen würde, werden min. 20 Personen totgetrampelt. Aber Hauptsache 500 Zuschauer mehr!👍🏼
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Nun ist es offiziell: Langenthal kann nicht in die höchste Liga aufsteigen

Liga-Direktor Denis Vaucher bestätigt, was bisher krampfhaft geheim gehalten worden ist: Wird der SC Langenthal Meister, kann er nicht aufsteigen und die Rapperswil-Jona Lakers bzw. Davos sind gerettet.

Auf die Frage, ob der SC Langenthal in seinem Kultstadion «Schoren» in der NL spielen dürfte, sagt Liga-Direktor Denis Vaucher klipp und klar: «Nein, der Schoren erfüllt die Anforderungen an ein Stadion in der höchsten Liga nicht und kann auch mit infrastrukturellen Anpassungen in der Sommerpause 2019 nicht National-League-tauglich gemacht werden.»

Päng! Das ist Klartext in der reinsten Form. Endlich wissen wir: das Thema Aufstieg ist für Langenthal ganz offiziell vom Tisch.

Da bleibt die Frage: …

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