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Der Zuercher jubeln nach dem 1-0 im siebten Playoff-Viertelfinalspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem Lausanne HC am Dienstag, 25. Maerz 2014, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Walter Bieri )

Bild: KEYSTONE

Talent gegen Härte im Halbfinal

Warum die ZSC Lions nach Lausanne auch Servette zermürben

Wir haben im 7. Viertelfinalspiel zum ersten Mal die wahren ZSC Lions gesehen. Das knappe Resultat (1:0) täuscht: Lausanne war chancenlos. Im Halbfinale wird nun auch Servette unterliegen. 

26.03.14, 07:16 26.03.14, 14:47

Ein grosser, ein meisterlicher ZSC hat den Berg Lausanne in beharrlicher Arbeit doch noch abgetragen. Stück um Stück. Jetzt ist der Weg zum Titel wieder offen. 

Dieses 7. Spiel bescherte uns kein Furioso atemloso. Kein spielerisches Spektakel. Aber taktisch war es eine Partie auf Weltniveau. In lichten Momenten mahnte dieses 7. Spiel an das grandiose Eisschach, das wir beim olympischen Turnier gesehen hatten. 

John Gobbi, von Lausanne blickt enttaeuscht im siebten Playoff-Viertelfinalspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem Lausanne HC am Dienstag, 25. Maerz 2014, im Hallenstadion in Zuerich.(KEYSTONE/Ennio Leanza)

Lausannes John Gobbi hatte keine Freude am gestrigen Spiel. Bild: KEYSTONE

Ingenieure schlagen Maschinisten

Der Aufsteiger zelebrierte noch einmal, ein letztes Mal, sein bestes Hockey. Beinahe auf Augenhöhe mit dem übermächtigen Gegner. Aber eben nur beinahe. Diese tapferen taktischen Maschinisten sind schliesslich defensiven Ingenieuren unterlegen. Die Defensivleistung, die Fähigkeit, einen Gegner zu zermürben, hat den Ausschlag für die ZSC Lions gegeben. Die braven Lausanner mussten sich ständig auf die Zehenspitzen stellen um auf Augenhöhe mit den talentierteren Gegenspielern zu kommen. Das konnten sie auf Dauer einfach nicht durchhalten. 

Das Unheil kam für den Aussenseiter nicht mit Blitz, Donner und Hagel. Sondern schleichend. Fast unmerklich: Eine leichte, aber permanente Überlegenheit der Zürcher. Nie erdrückend. Nie wirklich beunruhigend. Aber stetig und deshalb zermürbend. 38:19 Schüsse. Tore fielen vorerst noch keine. Aber die Strafen kamen wie die Vorboten des Untergangs. Den dritten Ausschluss nützten die ZSC Lions in der 29. Minute zum bereits entscheidenden 1:0. 

Sie nützten diese Strafe Kraft ihres Talentes: Ein «One-Timer» von Marc-André Bergeron. Also eine Direktabnahme. Unhaltbar. Die technisch anspruchsvollste Schusstechnik. Torhüter Cristobal Huet war machtlos. Er hielt 97,37 Prozent aller Schüsse und konnte Niederlage und Ausscheiden doch nicht verhindern. Gegen einen gewöhnlichen Goalie hätten die Zürcher mindestens sechs Treffer erzielt. Dieses 1:0 war ein gefühltes 6:1. 

Das goldene Tor von Bergeron

GIF: srf (für einmal in Slow-Motion)

Der erste und einzige Tor hatte die Wirkung einer mexikanischen Fesselung: Sie wird so angelegt, dass sich das Opfer immer stärker darin verstrickt, je mehr es versucht, sich zu befreien. Lausanne musste dieses 0:1 aufholen. Aber die ZSC Lions arbeiteten geduldig, hellwach und konzentriert in der Defensive. Noch selten hat eine Mannschaft ein so wichtiges Spiel so sicher kontrolliert wie die ZSC Lions diese 7. Viertelfinalpartie. 

Sie kopierten in den Grundzügen das so erfolgreiche Defensivkonzept ihres Gegners: Je mehr Lausanne auf den Ausgleich drückte, desto enger wurden die Räume. Die Zürcher gerieten nie mehr in Gefahr. Nicht bei gegnerischem Powerplay und nicht, als Cheftrainer Heinz Ehlers den Torhüter durch einen sechsten Feldspieler ersetzte.

Die ZSC Lions hatten die Playoffs überheblich, unkonzentriert und taktisch verwahrlost durch billige Siege und viele bedeutungslose Partien im Januar und Februar begonnen. Eine durchschnittliche Mannschaft wäre gescheitert. Aber die ZSC Lions sind keine gewöhnliche Mannschaft. Der SC Bern fand in 50 Spielen und sechs Monaten nicht mehr zu den Urtugenden des Hockeys zurück und scheiterte jämmerlich. Den ZSC Lions genügten 6 Spiele in 14 Tagen, um ihr Spiel zu justieren, zu stabilisieren und zu den defensiven Ursprüngen zurückzukehren.

Crawford vertraute seinem Team

25.03.2014; Zuerich; Eishockey NLA Playoff - ZSC Lions - Lausanne HC; Trainer Marc Crawford (ZSC) (Andy Mueller/freshfocus)

Bild: freshfocus

Natürlich hat dieser erfolgreiche Lernprozess auch etwas mit Trainer Marc Crawford zu tun. Er hat seinen Leitwölfen vertraut – und ist für dieses Vertrauen belohnt worden. Der Kanadier sagt, die Teamleader seien am Montag in der Kabine aufgestanden und hätten die Mannschaft auf diese 7. Partie eingeschworen. Auf eine mühselige Spielweise, die darauf zielte, den Gegner zu zermürben. 

Diese Serie gegen Lausanne war die perfekte Vorbereitung auf das Halbfinale. Fasten your seatbelts: Das Halbfinale zwischen den ZSC Lions und Servette bringt das beste, intensivste, emotionalste und schnellste Hockey der Saison. Es ist das wahre Finale. 

Die ZSC Lions werden vor allem aus zwei Gründen gegen Servette triumphieren und ins Finale einziehen. 

Härte kann fehlendes Talent nicht wettmachen

Geneve-Servette's Head coach Chris McSorley speaks with his players Matthew Lombardi, left, of Canada, Kaspars Daugavins, 2nd right, of Latvia, Daniel Vukovic, 2nd right, and Alexandre Picard, right, of Canada, during the first leg of the Playoffs quarterfinals game of National League A (NLA) Swiss Championship between Geneve-Servette HC and HC Lugano, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Tuesday, March 11, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Bild: KEYSTONE

Erstens sind sie über vier Linien besser. Chris McSorley hat zwar genug schnelle und raue Defensivsoldaten. Aber zu wenig spielerische Ingenieure. Am Ende werden ihm ein paar Kaffeelöffel Talent fehlen. Es wird nicht gelingen, fehlendes Talent durch Härte zu kompensieren.

Zweitens wird Chris McSorley die Nerven eher verlieren als Marc Crawford. Der feuerköpfige Perfektionist neigt in kritischen Phasen zum «übercoachen». Er wird Verschwörungstheorien verbreiten, sich mit den Schiedsrichtern und mit Marc Crawford anlegen: Die Chance, auf der grossen Bühne einen echten NHL-General herauszufordern, wird Servettes grosser Zampano zu nutzen wissen. Aber in der ganzen westlichen Hemisphäre gibt es niemanden, der Chris McSorley in kritischen Situationen zu beruhigen vermag. 

Welch eine Ironie der welschen Hockeygeschichte bahnt sich an: Ausgerechnet durch Lausanne sind die ZSC Lions in sieben Spielen so gefordert worden, dass sie nun dazu in der Lage sein werden, ein grosses Servette zu zermürben.



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    Alle Leser-Kommentare
  • Philippe Jaccard 26.03.2014 15:01
    Highlight Als GSHC Fan tut es mir weh, aber bin mit Herrn Zaugg grundsätzlich einverstanden. GSHC hatte auch gegen Lausanne in der Saison viel mühe, wir haben das Winter Classic verloren. In diesem letzten Spiel hat der ZSC endlich sein Favoriten komplex in der Garderobe gelassen.
    Ich denke das Halbfinale ist 50/50, aber des ZSC hat mehr Talent, das könnte entscheidend sein.
    Aber in den Playoffs kann vieles passieren, es wird eine spannende Serie sein.
    1 0 Melden
  • ZSC Fan 26.03.2014 08:56
    Highlight Wie immer, da wo der Eismeister recht hat, hat er eben recht. Die Artikel sind kompetent, manchmal auch provokativ kompetent, wie obiger Artikel! So lese ich den Eismeister gerne!

    Vorweg: Lausanne hat hervorragend gekämpft, hatte Herz, eine ausgezeichnete Verteidigung, einen Huet und nicht zuletzt nichts zu verlieren. Gegen Lausanne hätte jede andere Mannschaft die gleichen Probleme gehabt. Es war abzusehen, dass zum Glück ein 0-1-4 System über 7 Spiele nicht zum Erfolg führen kann, denn über 7 Spiele hat man nicht immer das notwendige Glück (1. Spiel: Von 4 Schüssen 3 Tore, 5. Spiel: ein Powerplay-Tor und ein katastrophaler Fehler eines Zürchers, 6.Spiel ein Powerplay-Tor und ein Eigentor, nein, das reicht nicht. Wäre dieses System vom Erfolg gekrönt worden, wäre dies ein Rückschritt für den Schweizer Eishockey, denn zwischenzeitlich hat sich dieser weiterentwickelt. Mit diesem System war gestern Lausanne zu keiner Reaktion fähig. Vielleicht, wenn der Pfostenschuss von Bang rein gegangen wäre? Die verbleibenden Teams spielen zum Glück offensiver, was dem ZSC mit seinem schnellen Transitiongame durchaus entgegen kommt.

    Von Lausanne als Aufsteiger ist dieses System OK, denn auch Lausanne wird sich weiterentwickeln. Betrüblich ist aber, dass Kloten in etwa das gleiche System gegen Davos gespielt hat. Auch Kloten wäre wohl nicht im Halbfinale, hätte Davos nicht so ein Verletzungspech gehabt. Für ein Team wie Kloten, welche sich als beste Mannschaft hält, ist diese Spielweise nicht würdig. Von Klothen hätte ich mehr als solchen Angsthasen-Hockey erwartet! Ich glaube, so wird es nicht für den Final reichen. Bern hat auch mit einem 1-1-3 System gespielt und ist kärglich gescheitert. Von einem Schweizermeister, egal welches Team, erwarte ich Offensivspektakel, sonst bleibt unser Eishockey stehen.

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    • Wiederkehr 26.03.2014 13:25
      Highlight Hoffe es gibt einen Zürcher Final....
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    • chllr 26.03.2014 13:27
      Highlight wow, ein Kommetator, der echt Ahnung hat, obwohl er sich ZSC Fan nennt, aber ich pflichte dir absolut bei in allen punkten.. Zsc-Servette das vorgezogene Finale
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    • ZSC Fan 26.03.2014 20:15
      Highlight @sewi

      Wäre nicht schlecht, da der ZSC eh gegen Fribourg jeweils Mühe hat/hatte zu gewinnen....
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Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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