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Langnau, Eishockey NLA, SCL Tigers - ZSC Lions. 19. 9. 2015. Enttaeuschte Langnauer nach dem Spiel . (Daniel Teuscher/EQ Images)

Langnau liegt nach dem ersten Quali-Drittel nicht unerwartet auf dem letzten Tabellenrang.
Bild: Daniel Teuscher

Die SCL Tigers und die Rückkehr der Gespenster der Lakers

Die SCL Tigers sind eine Bereicherung der NLA. Aber es gibt unheimliche Parallelen zu den letztjährigen Lotter-Lakers. Emotionen dürfen nicht zu Illusionen verbleichen.



Wenn die Langnauer in der ersten Nationalmannschaftspause Bilanz ziehen, dann dominiert der «Grand Slam der Erfolglosen.» Hätte. Könnte. Sollte. Müsste.

HÄTTEN die Langnauer in den ersten und letzten fünf Minuten der bisherigen 18 Partien nicht 17 Tore kassiert, dann KÖNNTEN sie 12 Punkte mehr auf dem Konto haben. Weil diese Schwäche abgestellt werden SOLLTE, MÜSSTE eigentlich der Liga-Erhalt kein Problem sein.

Die Langnauer Fans und Speaker

In Langnau wird Eishockey gelebt.
Bild: KEYSTONE

Auf den ersten Blick gibt es kaum Parallelen zwischen den Rapperswil-Jona Lakers, dem letztjährigen Absteiger, und den SCL Tigers. Die Langnauer mobilisieren die Fans in Massen (5750 pro Partie) und der Unterhaltungswert der Spiele ist hoch. Mit aufwändigem, bisweilen wilden «Puckeroberungshockey» bringen sie vor allem in den Heimpartien jeden Gegner in Bedrängnis. Wer so leidenschaftlich spielt, muss nicht um den Liga-Erhalt bangen. Oder doch? Auf den zweiten Blick zeigen sich unheimliche Parallelen zu den Lakers.

Der letztjährige Absteiger hat von den ersten 18 Partien sieben mit nur einem Tor Differenz verloren. Auch da galt: Wer so spielt, braucht um den Liga-Erhalt nicht bangen. Die Langnauer haben von den ersten 18 Partien sechs mit nur einem Tor Differenz verloren.

Forcierte Ausländer und schwache Torhüter

Der Trainer war beim letztjährigen Absteiger nie ein Thema. Anders Eldebrink stand ausserhalb jeder Kritik. Benoit Laporte ist in Langnau ebenfalls unantastbar. Die Lakers beschäftigten letzte Saison unter anderem vier schwedische und einen kanadischen Ausländer. Freundliche Zyniker sagten, der schwedische Trainer forciere zuerst einmal die Ausländer. Wenn die müde seien, seine vier Landsleute. Wenn auch die müde seien, die vier Schweden.

Der Langnauer Trainer Benoit Laporte, Mitte, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der NLA zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern am Freitag, 16. Oktober 2015, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Benoit Laporte liefert bislang keine schlechte Arbeit ab.
Bild: KEYSTONE

Am Ende blieben sie in der entscheidenden Phase der Meisterschaft mit leeren Tanks stehen. Benoit Laporte hat vorerst nur vier Ausländer zur Verfügung. Er forciert sie so wie Anders Eldebrink vor einem Jahr die Schweden. Immerhin sind die Langnauer nicht ganz so extrem vom ausländischen Personal abhängig wie letzte Saison die Lakers. Die Schweizer Spieler sind besser.

Die Lakers beschäftigten mit Ivars Punnenovs und Tim Wolf zwei Goalies, die zu gut für die NLB und zu wenig gut für die NLA waren und nicht konstant ihr bestes Hockey spielten. Ivars Punnenovs steht jetzt bei den Langnauern im Kasten und Aufstiegsgoalie Damiano Ciaccio ist ein guter, aber kein grosser Goalie wie es Martin Gerber nach dem Aufstieg von 1998 war.

Die SCL Tigers stehen vor der Nationalmannschaftspause auf dem letzten Platz. So wie die Lakers vor einem Jahr. Die Langnauer sind mit 17 Punkten und einem Torverhältnis von 48:66 etwas besser als die Lakers zum gleichen Zeitpunkt (11 Punkte, 43:67 Tore).

Wenn aus Emotionen Illusionen werden

Die SCL Tigers wie die Lakers? Das muss nicht sein. Aber die kritische Phase beginnt erst jetzt. Rappi ist im Laufe der Qualifikation die Gewöhnung ans Verlieren zum Verhängnis geworden. Am Ende der Saison wurden aus den Emotionen Illusionen – und sie merkten es nicht mehr.

Wenn Niederlagen keine Rolle mehr spielen, für Trainer und Spieler keine Konsequenzen haben, alles schöngeredet wird, knappe Niederlagen in Siege umgedeutet werden und alle der Illusion nachhängen, am Ende der Saison für den «Showdown» dann schon parat zu sein – dann folgt der Abstieg.

Der Langnauer Goalie Damiano Ciaccio kassiert einen Treffer beim Eishockey Meisterschaftsspiel der NLA zwischen den SCL Tigers und den Kloten Flyers am Freitag, 23. Oktober 2015, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Damiano Ciaccio ist ein guter, aber kein grosser Goalie.
Bild: KEYSTONE

War es ein Fehler, Aufstiegstrainer Bengt-Ake Gustafsson durch Benoit Laporte zu ersetzen? Nein. Die SCL Tigers würden unter ihrem schwedischen Trainer nicht besser dastehen. Das Spiel der Emmentaler ist gut organisiert, intensiv und die konditionelle Verfassung und die Chemie im Team stimmen. Mit Chris DiDomenico haben sie einen charismatischen Leitwolf, den die Lakers vor einem Jahr nicht hatten. Die knappen Niederlagen haben viel mit der fehlenden Erfahrung, fehlendem Talent und vorerst wenig mit dem kanadischen Cheftrainer zu tun.

Es gibt eigentlich nur einen grossen Unterschied zu den Lakers: die operative und die strategische Führung ist bei den SCL Tigers besser und in Langnau ist Eishockey viel wichtiger als in Rapperswil-Jona. Langnau rockt, rollt und vibriert, wenn die SCL Tigers spielen. Rapperswil-Jona summte nicht einmal mehr.

Im Fall der Fälle: Mut zum Trainerwechsel

Sportchef Jörg Reber ist nun bis Saisonende der wichtigste Mann im Unternehmen. Er muss «dr Mähre zum Oug luege.» Also sehr genau hinsehen und hineinhören. Damit er genau weiss, was in der Mannschaft passiert und wie es um den Trainer steht. Alles hängt davon ab, ob er merkt, wenn sich die Gespenster der Lakers in den Ilfistempel schleichen.

Wenn Jörg Reber spürt, dass diese Gespenster da sind, also Niederlagen einfach hingenommen werden und die Autorität des Trainers schwindet, wie die Luft aus einem Ballon entweicht, wenn die Emotionen auch in Langnau zu Illusionen verbleichen, wenn der Fatalismus stärker wird als die Leidenschaft, dann muss er handeln und den Chef auswechseln.

Joerg Reber, Sportchef  SCL Tigers, waehrend der Vorsaison-Pressekonferenz, am Sonntag, 6. September 2015, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

In der wichtigsten Saisonphase hängt nun vieles von Sportchef Jörg Reber ab.
Bild: KEYSTONE

Fatal würde sich in diesem Falle auswirken, wenn Benoit Laporte nur im Amt bleibt, weil sich der Sportchef aus falschem Stolz nicht eingestehen kann, dass der von ihm engagierte Trainer gescheitert ist. Wenn er sich in der Dunkelheit der ständigen Niederlagen einfach einen Traum anzündet – einen Traum, der spätestens in der Liga-Qualifikation endet.

Denn dort, in der finalen Auseinandersetzung um die Liga-Zugehörigkeit, warten auf den Playout-Verlierer der NLA Gegner, die so stark sind wie die SCL Tigers der Aufstiegssaison. Wenn beispielsweise die Oltner die NLB gewinnen, steigen sie als Favoriten in die Liga-Qualifikation. Egal, ob der Gegner Langnau oder Ambri oder sonstwie heisst. Und selbst die Lakers wären in einer Liga-Qualifikation nicht chancenlos.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hayek1902 04.11.2015 18:01
    Highlight Highlight 50% mehr Punkte zu haben als der letztjährige Letzte ist für mich schon ein Unterschied.
    11 15 Melden
  • BilboBeutlin 04.11.2015 11:47
    Highlight Highlight war die A-Tabelle letztes Jahr auch so ausgeglichen..?
    18 5 Melden
  • super_silv 04.11.2015 11:07
    Highlight Highlight Stand jetzt würde ich sagen dass Olten einen zu schlechten Torhüter und warscheinlich auchetwas zu schlechte auslender hat für einen Aufstieg. Rappi fehlt noch die Breite im Kader und ebenfalls die Ausländer für einen Aufstieg. Jedoch muss man sagen, dass die NLB tatsächlich viel stärker ist als man glaubt. Das Tempo letzten Samstag beim Spiel Rappi - Olten war höher als bei einem Kellerduell im A. Dafür technisch schlechter. Ich denke es wird je länger je mehr einen in den Ligaqualis ausgeglichener zu und hergehen.
    42 0 Melden
  • Exilsummi 04.11.2015 10:25
    Highlight Highlight Oh, cool. Ein Artikel über Langnau!
    42 10 Melden

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