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May 16, 2015; New York, NY, USA; New York Rangers center Dominic Moore (28) celebrates after scoring the game-winning goal to defeat the Tampa Bay Lightning 2-1 in game one of the Eastern Conference Final of the 2015 Stanley Cup Playoffs at Madison Square Garden. Mandatory Credit: Adam Hunger-USA TODAY Sports

Dominic Moore stand 2015 im Dienste der New York Rangers. Bild: X02835

Eismeister Zaugg

Dominic Moore: Der NHL-Saurier aus einer der interessantesten Hockey-Familien Nordamerikas

Ein 38jähriger NHL-Veteran, der seit dem letzten Frühjahr im Ruhestand lebt, ist der der neue Ausländer der ZSC Lions. Hat Sportchef Sven Leuenberger den Verstand verloren? Nicht unbedingt. Vielleicht hat er die ZSC-Antwort auf Andrew Ebbet (36) eingekauft.



Warum Dominic Moore? Er ist am 3. August bereits 38 geworden. Er hat im letzten Frühjahr nach 998 NHL-Partien für die Rangers, Pittsburgh, Minnesota, Toronto, Montréal, Buffalo, Tampa, San José und Boston keinen Vertrag mehr bekommen und erst beim Spengler Cup wieder wettkampfmässig Hockey gespielt. Und bloss zwei Assists gebucht. Letzte Saison hat er in Toronto in 50 NHL-Spielen gerade noch 6 Tore erzielt.

Aber Sven Leuenberger hat durchaus gute Argumente. «Er hat diese Saison mit dem Universitätsteam in Boston trainiert und ist in guter Form. Beim Spengler Cup hatte er für die Kanadier pro Spiel mehr als eine Viertelstunde Eiszeit und er war schneller als einige jüngere Kollegen, die bei Schweizer Teams unter Vertrag sind.»

Zuerichs Sportchef Sven Leuenberger, links, und Zuerichs Trainer Hans Kossmann, rechts, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem Lausanne HC, am Freitag, 2.Februar 2018, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Sven Leuenberger Bild: KEYSTONE

Der ZSC-Sportchef hat seine Neuerwerbung nicht nur in Davos beobachtet. Er erkundigte sich weitherum. «Guy Boucher war von ihm begeistert, als er ihn in Tampa im Team hatte.» Und er macht einen Vergleich mit SCB-Leitwolf Andrew Ebbett. «Ebbett hatte in der NHL keineswegs die besseren Statistiken.»

Der ZSC-Sportchef geht davon aus, dass Dominic Moore produktiver sein wird, wenn er eine offensivere Rolle als in der NHL bekommt. Und setzt auch auf die Führungsqualitäten des kanadischen Mittelstürmers auf und neben dem Eis.

So oder so: in den Playoffs und in den entscheidenden Partien um die Playoff-Qualifikation zählt Erfahrung mehr als jugendlicher Übermut. Die Nordamerikaner sagen, wenn es um die Entscheidung geht, nicht von ungefähr: «Play the Veterans». Und ein besserer Mittelstürmer ist zurzeit nicht auf dem Markt.

Das Risiko des Scheiterns gibt es bei jeder Verpflichtung eines ausländischen Arbeitnehmers. So oder so kommt mit Dominic Moore ein Spieler aus einer der interessantesten Hockeyfamilien Nordamerikas.

Dominic, Steve und Mark Moore haben alle drei die Harvard-Universität besucht, dort Hockey gespielt und alle drei wurden von NHL-Klubs gedrafted.

Colorado Avalanche forward Steve Moore is attended to by the team trainer after being injured in a fight with Vancouver Canucks Todd Bertuzzi during the third period of NHL action in Vancouver, British Columbia, Monday, March 8, 2004. A pool of blood formed around Moore's head as he lay motionless on the ice. A stretcher was wheeled out and after a delay of nearly 10 minutes Moore was taken off for medical attention. (AP Photo/Chuck Stoody)

Steve Moore liegt nach der Prügelattacke von Todd Bertuzzi auf dem Eis. Bild: AP CP

Steve Moore (40) ist weltweit in die Schlagzeilen geraten, als er für Colorado stürmte und am 8. März 2004 im Spiel gegen Vancouver von Todd Bertuzzi in einem der schlimmsten Vorfälle der NHL Geschichte buchstäblich zusammengeschlagen wurde.

Steve Moore erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und drei Brüche in den Nackenwirbeln. Seine Karriere war nach nur 69 NHL-Partien beendet. Todd Bertuzzi wurde für den Rest der Saison gesperrt (was Vancouver wahrscheinlich den Stanley Cup kostete) und musste vor einem zivilen Gericht antraben. Er wurde mit einer einjährigen Bewährungsfrist bedingt freigesprochen. Darüber hinaus musste Vancouver eine Busse von 250'000 Dollar bezahlen. Ironie der Geschichte: damals musste auch der Coach der Vancouver Canucks vor Gericht erscheinen. Ihm wurde vorgeworfen, er habe Todd Bertuzzi zu dieser Aktion aufgehetzt. Später hat Marc Crawford die ZSC Lions gecoacht.

Mark Moore (41) erlebte diesen hässlichen Zwischenfall zu Hause vor dem TV-Apparat. Im Herbst 2003 hatte er schweren Herzens eine Einladung ins Trainingscamp der Montréal Canadiens abgelehnt. Der Verteidiger litt an den Nachwirkungen einer Gehirnerschütterung und musste seine Karriere vor dem ersten NHL-Spiel abbrechen.

Als Absolvent eines Havard-Studiums hätte er sich nun vom Hockey abwenden können. Er galt aufgrund seiner Leistungen in Havard als «Smartest Man in Hockey». Er hatte einen Eignungstest mit 1590 von maximal möglichen 1600 Punkten bestanden.

Doch Mark Moore ist nicht vom Hockey losgekommen. Er hat ein viel beachtetes Buch über Kanadas Nationalsport geschrieben. «Saving the Game – pro Hockey’s Quest to Rise its Game from Crisis to New Heights ».

In diesem umfangreichen Werk (420 Seiten) mit einem Vorwort von Paul Henderson setzt er sich intensiv und klug in fünf Kapiteln (Warm-Up, First Period, Second Period, Third Period und Overtime) mit den verschiedenen Problemen des Eishockeys auseinander, sowohl den wirtschaftlichen wie den sportlichen. Unter anderem sind darin auch der Angriff auf seinen Bruder und das Phänomen der Gewalt im Hockey ein Thema («Exorcing the Demon of Violence»). Es ist eines der klügsten Bücher, die je über Eishockey geschrieben worden sind. Ich habe es in einem Zug gelesen.

Nun wird also sein Bruder Dominic für die ZSC Lions stürmen. Er ist nach dem Spengler Cup gleich in Zürich geblieben. Sobald der Papierkram erledigt ist (Arbeitsbewilligung, Lizenz) wird er eingesetzt. Sollte er wider Erwarten sportlich nicht erfolgreich sein, so hat er sicherlich viel Interessantes aus der weiten Welt des Eishockeys zu erzählen.

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MacB 08.01.2019 10:21
    Highlight Highlight Mit 38 nach fast einem Jahr Ruhestand und ein bisschen Training mit einem Universitätsteam? Am Spengler Cup auch nicht überzeugt...Ich weiss nicht. Ich denke nicht, dass es ein guter Transfer ist aber man wird sehen, was passiert.
  • MARC AUREL 08.01.2019 09:52
    Highlight Highlight Interessanter Transfer.. bin gespannt!
  • Brothamster 08.01.2019 07:01
    Highlight Highlight „Ich habe es in einem Zug gelesen.“

    Wegen solch spannenden Hintergrundinformationen lese ich den Eismeister. 😂
    • Ohniznachtisbett 08.01.2019 07:56
      Highlight Highlight Aber 18min Pause zwischen den Kapiteln ist doch vom TV vorgeschrieben ;)
    • Coffey 08.01.2019 09:50
      Highlight Highlight Man munkelt, es sei der Zug von Zürich nach Genf gewesen...
    • PHI (formerly known as Pat the Rat) 08.01.2019 10:11
      Highlight Highlight Also entweder war das eine seeeeehhhhr lange Zugfahrt, oder der Eismeister ist ein extremer Schnellleser 😂
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lümmel 08.01.2019 05:59
    Highlight Highlight Wo bleiben diejenigen Kommentarschreiber die Zug bei jedem Trade vorhalten man setzte nicht auf die jungen?
    • Einer Wie Alle 08.01.2019 07:02
      Highlight Highlight Moore ist der Ersatz für Shore. Er ersetzt keinen jungen Spieler.
    • Focke 08.01.2019 08:03
      Highlight Highlight zumal zürich spieler aus dem nachwuchs jedes jahr in die 1. mannschaft eigliedert ist deine argumentation noch haltloser.
    • Mia_san_mia 08.01.2019 11:40
      Highlight Highlight @Lümmel: Zürich bringt ja immer wieder junge Spieler.
    Weitere Antworten anzeigen
  • emptynetter 08.01.2019 05:53
    Highlight Highlight Ja ja die zürcher: immer gegen den spenglercup schiessen, aber als schaufenster zum spieler beobachten und verpflichten ist er dann doch wieder recht. Ich hoffe, sven leuenberger hatte schöne Ferien in Davos.
    • Mia_san_mia 08.01.2019 06:07
      Highlight Highlight Die haben sicher schon vorher einmal von ihm gehört 😜
    • LebeauFortier 08.01.2019 06:21
      Highlight Highlight Jaja die Davoser: Immer behaupten, alle Welt schaue den Spengler Cup, und wenn tatsächlich mal wer reinschaut, gleich überrascht sein.
    • HotIce 08.01.2019 08:04
      Highlight Highlight @lebeaufortier
      naja, ist ja schon so, dass der sc grosses und breites interesse weckt, ausser vielleicht in der schweiz, wos ein paar nasen gibt die betüpft sind und jedes jahr das gleiche gejammer lostreten...
    Weitere Antworten anzeigen
  • MR92 08.01.2019 05:47
    Highlight Highlight Super Artikel, aber mich erinnert die Situation der Lions stark an die Playout-Saison des SCB, als man während der Saison vermehrt routinierte Spieler holte, die letztendlich die Leistungen nicht erbrachten.
  • Hayek1902 08.01.2019 01:34
    Highlight Highlight Danke für den Buchtipp.

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