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28.11.2015; Ambri; Eishockey NLA - HC Ambri-Piotta - ZSC Lions;
Trainer Hans Kossmann (Ambri)
(Michela Locatelli/freshfocus)

Hans Kossmann glaubt noch an den Playoff-Einzug. Was bleibt ihm auch übrig?
Bild: Michela Locatelli/freshfocus

Eismeister Zaugg

Ambri-Trainer Kossmann: «Wenn die Berner heute Lausanne schlagen, dann verlieren sie morgen»

Der HC Ambri-Piotta kann die Playoffs aus eigener Kraft nicht mehr erreichen. Trainer Hans Kossmann sagt, warum seine Mannschaft morgen Abend dennoch vor dem SC Bern platziert sein wird.



Geld gegen Geist und Taktik. Ambri und Lausanne gegen das mächtige, reiche Bern und das Kloten der kanadischen Ölmilliardäre. Der Realist sieht keinen Playoff-Platz mehr für Ambri und Lausanne. Weil am Ende im Sport-Business des 21. Jahrhunderts das Geld triumphiert. Aber der Romantiker setzt auf Ambri. Das «Strichteam der Herzen».

Die Tessiner haben die schlechteste Ausgangslage. Weil sie, anders als Lausanne, der SCB und Kloten, die Playoffs nicht mehr aus eigener Kraft schaffen können. Im schlimmsten Fall reichen nicht einmal zwei Siege.

Aber Trainer Hans Kossmann lässt sich nicht beirren und verzichtet auf die endlose Rechnerei, was denn passieren muss, dass sein Team so oder so am Ende wenigstens auf Platz 8 steht. Wer rechnet, der zweifelt und verliert.

Hochspannung am Strich

Das ist die Ausgangslage vor den letzten beiden Runden in der NLA-Qualifikation.

Ambri's players cheer with Ambri's fans of the

Ambris Spieler und Fans feiern in der Valascia.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Kossmanns Berner Kenntnisse

Ambris Bandengeneral hat eine ganz spezielle Theorie: «Ich gehe nicht davon aus, dass der SCB noch beide Spiele gewinnt. Wenn die Berner heute Lausanne besiegen, dann verlieren sie morgen in Fribourg.» Das würde bedeuten: Ambri wäre in diesem Fall mit zwei Siegen auf Kosten von Lausanne und Bern in den Playoffs. «Genau. Deshalb gehen wir jetzt Schritt für Schritt vor. Als erstes müssen wir das Spiel in Biel gewinnen», sagt Kossmann.

Seine Einschätzung des SC Bern hat eine gewisse Brisanz. Hans Kossmann kennt den grössten Hockeyklub der Schweiz aus der Innenansicht. Er war zwei Jahre lang, von 2009 bis 2011, in Bern Assistent und gewann mit seinem Chef Larry Huras 2010 den Titel.

Hans Kossmann Assistenztrainer SC Bern,  hilft einem Sportjournalist beim anziehen der Ausruestung. Der SC Bern hat am Dienstag 1. Februar 2011 die Sportjournalisten zum alljaehrlichen Eishockeytraining in die Postfinance Arena in Bern eingeladen. (PHOTOPRESS/Marcel Bieri)

Kossmann 2011 zu seiner Zeit als Berner Co-Trainer.
Bild: PHOTOPRESS

Für Biel geht's um nichts

Siege in Biel und gegen Lugano – ist das möglich? Warum nicht! Ambri hat diese Saison beide Spiele in Biel (5:0 und 6:3) gewonnen. Wenn es heute Abend für Biel um «alles oder nichts» ginge, wären die Jungs von Hans Kossmann wahrscheinlich chancenlos. Denn Biels Trainer Kevin Schläpfer pflegt zu sagen: «Es gibt Spiele, die darfst du nicht verlieren. Punkt.» Die Spiele, die er nicht verlieren durfte, hat er immer gewonnen. Dreimal in der Liga-Qualifikation, am Abgrund stehend.

Aber heute steht für Biel kein solches Drama-Spiel auf dem Programm. Eher ist es eine «Wohlfühl-Partie». Die 1:5-Pleite vom letzten Samstag in Ambri sitzt nämlich Biels Trainer noch in den Knochen: «Das war unser schlechtestes Saisonspiel.» Nun gehe es darum, das Selbstvertrauen wieder zu finden und diese Enttäuschung zu überwinden. Kevin Schläpfer steht noch nicht unter Druck. Er rüstet sich für den Playout-Final. Der beginnt erst am 19. März. Ambri kann heute also gewinnen. Und dann sind morgen auch drei Punkte gegen Lugano möglich.

Wer schafft es in die Playoffs?

Schützenhilfe vom Erzrivalen?

Luganos Trainer Doug Shedden reagiert nämlich knurrig auf die Frage, ob seine Mannschaft Ambri, falls nötig, den Sieg mehr oder weniger schenken werde. «Was soll diese Frage? Ich weiss doch, was ein Derby bedeutet! Aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Ich muss dafür sorgen, dass wir für die Playoffs bereit sind. Das bedeutet, dass unser zweiter Torhüter nach einer Verletzungspause endlich Spielpraxis braucht. Wir müssen doch eine Alternative haben, wenn Merzlikins schwächeln sollte.»

Shedden sagt, er werde deshalb Daniel Manzato in einer der zwei letzten Partien einsetzen. Falls dies gegen Ambri der Fall sein sollte, also nicht, um dem Kantonsrivalen den Sieg zu erleichtern. Sondern um für die Playoffs parat zu sein.

Ambris Alexandre Giroux im Duell mit Luganos Goalie Daniel Manzato, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem HC Ambri-Piotta am Sonntag, 25. Januar 2015, in der Resega Halle von Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Carlo Reguzzi)

Manzato gegen Giroux im Tessiner Derby vom Januar 2015.
Bild: TI-PRESS

Das Rennen um den Südpol als Warnung

So nah ist Ambri also dem grossen Ziel – und doch so fern. Wenn die Playoffs trotz allem nicht erreicht werden, wartet die Abstiegsrunde und am Ende drohen im schlimmsten Falle die Playouts, die Liga-Qualifikation gegen den NLB-Meister und der Abstieg.

Daran denkt niemand. Aber wenn alle ihre ganze Energie in das Erreichen eines grossen Ziels investieren und dann doch scheitern, kann es sehr gefährlich werden. Der Schotte Robert Scott lieferte sich anno 1913 mit dem Norweger Roland Amundsen ein dramatisches Rennen. Beide wollten als erste am Südpol sein. Scott erreichte den Südpol – und musste feststellen, dass ihm Amundsen zuvorgekommen war. Die Enttäuschung war so gross, dass Scott mit seinen vier Begleitern die Rückkehr nicht mehr schaffte. Ein Drama, das in die Weltgeschichte eingegangen ist – und Ambri als Warnung dienen möge.

abspielen

So, zum Schluss ein bisschen Bildung: kurze Dokumentation über das Rennen um den Südpol.
YouTube/afpde

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    Alle Leser-Kommentare
  • Patrick59 26.02.2016 22:16
    Highlight Highlight ....blablabla... zuerst muss man seine eigenen Spiele gewinnen!! auch wenn ich als SCB Anhänger lieber Ambri als Kloten in den PO gesehen hätte....Ambri hätte es verdient..
  • Pascal Mona 26.02.2016 11:57
    Highlight Highlight Wieso "ganz spezielle Theorie"? 3 Siege in Serie wären für den scb in dieser Saison GANZ speziell, eine oder gar zwei Niederlagen aus den letzten beiden Spielen entspräche eher dem bisherigen Saisonverlauf!
    Und TheMan, natürlich siehst du es falsch, weil der 11 gegen den 12 noch Playouts spielt nach der Platzierungsrunde (oder wie das Ding auch immer heisst...)
  • TheMan 26.02.2016 11:19
    Highlight Highlight Sorry bei Biel geht es nun darum, noch Punkte einzusacken. Alle mit 64 Punkten müssen nur 1 Match gewinnen, um in der NLA zu bleiben. Denn mit 47 Punkten (+18 Playout.) würde dies nicht genügen, um in der NLA zu bleiben. Somit wäre Biel gegen den NLB-Meister im Auf/Abstiegskampf. Oder seh ich das falsch?
    • cannucks 26.02.2016 11:26
      Highlight Highlight Du siehst das falsch.
    • TheMan 26.02.2016 11:39
      Highlight Highlight cannucks dan sag mir was ich falsch sehe. Wen Biel keine Punkte mehr hollt, muss sie jedes Playouts (6 an der Zahl je ein Hin und ein Rückspiel) gewinnen. Macht 18 Punkte mit Glück. 47+18 macht 65. Jeder Club mit mehr als 65 Punkt kann somit nicht in die Auf/Abstiegsrunde dan. Somit müsste Biel 1 Gewinnen in der Regulären Sasion um im Rennen zu bleiben. Wen sie das nicht schaft und alle ander 64er ein Spiel gewinne. Ist es egal was in der Playout passiert.
    • Ludi69 26.02.2016 11:50
      Highlight Highlight Biel hätte nach Deiner Berechnung keine Chance auf einen direkten Verbleib in der NLA. ABER, der 11. & 12. spielen danach eine Best-of-seven Serie. Erst dieser Verlierer muss gegen den NLB Meister antreten.
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