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11.04.2015; Zuerich; Eishockey NLA Playoff ZSC Lions -  HC Davos; Reto Von Arx mit dem Pokal (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Fast wie im Film: Reto von Arx entscheidet die Finalserie gegen die ZSC Lions für den HCD. Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Eismeister Zaugg

Nun bleibt für Reto von Arx nur noch die Rückkehr nach Langnau

Das Happy-End ist so schön, dass Reto von Arx beim HCD nur noch verlieren kann. Gibt es eine Fortsetzung dieses Hockey-Märchens? Und wenn ja – wo?



Es ist beinahe zu schön, um wahr zu sein. Kitschig fast. Und eine der besten Geschichten, die unser Eishockey seit Einführung der Playoffs (1986) geschrieben hat.

Reto von Arx erzielt in seinem 1004. und vielleicht letzten Spiel für den HC Davos ein Tor für die Ewigkeit. Ein Tor, als hätten es die Hockeygötter für den alten Leitwolf vorbereitet. Als Lohn und Anerkennung für eine grandiose Karriere.

Nicht mehr jung, aber immer noch schlau genug

Reto von Arx ist inzwischen 38 Jahre alt geworden. Nicht mehr jung genug, um ein Spiel durch einen Sturmlauf zu entscheiden, wie es Andres Ambühl in der dritten Partie im Hallenstadion mit dem 1:0 getan hat. Aber immer noch schlau genug, um zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu stehen. Marc Wieser fälscht einen Schuss von Noah Schneeberger ab. Der Puck prallt vom Pfosten zurück und Reto von Arx vor die Füsse. 1:0. 

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Reto von Arx bringt den HC Davos in Spiel 5 endgültig auf Meisterkurs. gif: srf

Die Uhren bleiben bei 49 Minuten und 4 Sekunden stehen. Es ist der Treffer, der diese Finalserie entscheidet. Das 2:0 und das 3:0 sind nur noch Zugaben. Reto wird hinterher in seiner trockenen Art sagen: «Ich bin froh, dass wir gewonnen haben.» Dieses 1:0 ist der Treffer, der Trainer Arno Del Curto und Reto von Arx nach 2002, 2005, 2007, 2009 und 2011 den sechsten Titel sichert.

Nicht mehr schnell genug

Diese Entscheidung beschert uns auch eine Fortsetzung dieser ach so schönen Geschichte, die uns schon seit einigen Monaten beschäftigt. Denn während des Spengler Cups hat der HCD ja beschlossen und verkündet, Reto von Arx und seinem Bruder Jan keine neuen Verträge mehr zu geben.

Ein schöneres Happy-End ist für Reto von Arx gar nicht möglich. Ja, es würden die Hockey-Götter herausgefordert, wenn er jetzt seine Karriere in Davos fortsetzen würde.

Der HCD hat entschieden, Reto von Arx keinen neuen Vertrag mehr zu geben. Die Begründung: Der Emmentaler sei für Arno Del Curtos Hockey nicht mehr schnell genug.

ARCHIV - Davos' Head coach Arno Del Curto speaks to his players, during the game of National League A (NLA) Swiss Championship between Geneve-Servette HC and HC Davos, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Friday, October 3, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Reto von Arx entspricht Arno Del Curtos hohen Ansprüchen nicht mehr. Bild: KEYSTONE

So ist es immer noch. So sehr dieses 1:0 im letzten Finalspiel ein Treffer für die Ewigkeit ist – es wäre fatal, wenn dieses Tor den Blick für die Realität trüben würde.

So wenig Tore wie seit 20 Jahren nicht

Quizfrage: Wie viele Tore hat Reto von Arx vor diesem finalen Treffer diese Saison in 46 Partien für den HC Davos erzielt? Einen einzigen. Am 19. Oktober 2014 das 3:1 gegen den EV Zug (Schlussresultat 7:5). Er hat in dieser Saison so wenig Tore erzielt wie nie, seit er 1995 vom SC Langnau nach Davos gewechselt hat.

Reto von Arx, links, und Dino Wieser vom HC Davos, werden von Fans gefeiert, am Sonntag, 12. April 2015, in der Vaillant Arena in Davos. Der HC Davos hatte das fuenfte Playoffspiel vom Vorabend in Zuerich gegen die ZSC Lions mit 3:0 gewonnen und sich damit zum 31. Mal den Meisterpokal geholt. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Reto von Arx feiert wohl seine letzte Party in Davos. Bild: KEYSTONE

Reto von Arx kann in einem Spitzenteam wie dem HC Davos das Spiel nicht mehr dominieren. Der Leitwolf wäre nächste Saison nur noch ein Mitläufer. Aber ein Spieler, der fast zwei Jahre lang eine Mannschaft geführt hat, kann in der Rolle eines spielerischen Hinterbänklers nicht glücklich werden. Im Laufe der nächsten Saison hätten wir dann noch einmal das gleiche Abschieds-Drama, die gleiche Geschichte um eine Männerfreundschaft zwischen Arno Del Curto und Reto von Arx, die doch nicht zu Ende sein könnte.

Der alles entscheidende Treffer im finalen Spiel täuscht darüber hinweg, dass sich der HCD und Trainer Arno Del Curto von Reto von Arx emanzipiert, gelöst haben.

Zurück zu den Wurzeln

Wenn Reto von Arx seine Karriere fortsetzen will, dann gibt es für ihn nur eine Möglichkeit. Eine Heimkehr zu den SCL Tigers, die damals, als er Langnau verliess, um in Davos die Hockeywelt zu erobern, noch SC Langnau hiess.

Die SCL Tigers feiern den NLB Titel 2014/15 nach dem siebten Spiel im Playoff Final der NLB zwischen den SCL Tigers und dem EHC Olten, am Dienstag, 31. Maerz 2015, in der Ilfishalle Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Im Aufstiegsteam der SCL Tigers könnte Reto von Arx mit seiner Erfahrung punkten. Bild: KEYSTONE

Reto von Arx kann nächste Saison vielleicht noch 20 Punkte buchen. Er kann für Langnau auf dem Eis nicht mehr ein Spieler sein, der Spiele entscheidet. Aber mit seiner immensen Erfahrung und seinem Charisma kann er die Mannschaft der SCL Tigers zusammenhalten und den entwicklungsfähigen jungen Spielern helfen, besser zu werden. In Langnau kann er immer noch ein Leitwolf sein. Die Rückkehr des verlorenen Sohnes in seine alte Heimat – das wäre auch einer der schönsten Hockeygeschichten unseres Jahrhunderts.

Die einzige vorstellbare Lösung

Hand aufs Herz: Könnten wir uns Reto von Arx in Lugano, in Ambri, in Lausanne, bei Servette, bei den ZSC Lions, beim SC Bern, in Fribourg, in Zug, in Biel, in Kloten oder am Ende gar bei den Lakers vorstellen? Nein, können wir nicht. Ja, die Gefahr, dass sich eine der grössten Spielerpersönlichkeiten in der Geschichte unseres Hockeys an diesen Orten, bei diesen Klubs lächerlich machen würde, ist gross. Das Herz würde uns bluten.

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen – wenn Reto von Arx seine Spielerkarriere fortsetzen will, dann bleibt ihm nur ein Wechsel zu den SCL Tigers. Er sagt: «Jetzt feiern wir erst einmal den Titel. Dann ist es Zeit, um über die Zukunft zu reden.»

Der HC Davos ist zum 31. Mal Schweizer Meister

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