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11.10.2014; Zug; Eishockey NLA EV Zug - EHC Biel ; Trainer Kevin Schlaepfer (Biel) (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Der Taktikfuchs des EHC Biel: Kevin Schläpfer. Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Eismeister Zaugg

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Der EHC Biel ist der bessere SCB – weil Kevin Schläpfer der bessere Trainer ist

Wäre Eishockey logisch, dann stünde der SCB auf Platz 1 und Biel wäre NLA-Schlusslicht. Aber nicht die Logik prägt Eishockey, sondern auch das Charisma der Bandengeneräle. Deshalb steht Biel praktisch auf Augenhöhe mit dem SCB.



Der SC Bern verlor am Freitag gegen Zug auf eigenem Eis (3:4). Biel hat Zug am Samstag auswärts besiegt (4:3). Das ist nicht logisch. Denn der SCB ist Biel in allen messbaren Bereichen wie Umsatz, Zuschauer, Geld, spielerische Qualität oder Medienpräsenz krass überlegen.

Zum aktuellen Zeitpunkt wäre ein Vorsprung von 12 bis 16 Punkten auf Biel logisch. Aber die Differenz ist minimal. Der SCB hat nach elf Runden ein Zufallsmehr im Torverhältnis (34:37) gegenüber Biel (32:38) und steht mit 16 Punkten direkt vor dem Kantonsrivalen (15 Punkte) auf dem letzten Playoffplatz (8.).

DIe enttaeuschten Berner mit Topskorer Martin Pluess (gelber Helm), nach dem verlorenen Eishockeyspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem SC Bern, am Samstag, 11. Oktober 2014, in der Vaillant Arena in Davos. (PHOTOPRESS/Gian Ehrenzeller)

Der SC Bern steht nur noch knapp über dem Strich. Bild: PHOTOPRESS

Die beiden Partien der Zuger in Bern und daheim gegen Biel haben uns einige Antworten auf die Frage geliefert, warum Biel der bessere SCB ist. Die lange Ruhe nach dem Sturm ist Zug gegen Biel zum Verhängnis geworden.

Die Zuger brausten gleich über ihren Gegner hinweg und führten bereits nach 50 Sekunden 1:0. Ein zweiter, dritter oder vierter Treffer und damit die vorzeitige Entscheidung wären durchaus möglich gewesen. Aber nach diesem Anfangssturm kehrte viel zu lange Ruhe ein und der Sturm am Schluss, die letzten 137 Sekunden sogar ohne Torhüter, brachten nur noch den Anschlusstreffer zum 3:4.

Die Bieler Oliver Kamber, rechts, und Matthias Rossi, Mitte, feiern das Tor zum 2:4, beim Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem EHC Biel, am Samstag, 11. Oktober 2014, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Biel entführt drei Punkte aus Zug. Bild: KEYSTONE

Kritiker monieren, die Zuger seien nach dem Blitzstart leichtsinnig, überheblich und arrogant geworden. Aber diese Kritik ist ungerecht. Viel eher sind den Zugern die neuen Qualitäten zum Verhängnis geworden. Qualitäten, die noch 24 Stunden vorher in einem grossen Spiel in Bern einen grossen Sieg ermöglicht hatten.

Zug im Vorwärtsgang

Unter dem «Beruhiger» Harold Kreis ist das Spiel des letztjährigen Abstiegsrundenteilnehmers nämlich ruhiger, gelassener, präziser, stabiler und damit besser geworden. Auch dank des neuen charismatischen Torhüters Tobias Stephan. Ganz offensichtlich haben die Zuger aus der wilden letzten Saison mit Torhüter- und Trainer- Theater die richtigen Schlüsse gezogen und sind auf dem Weg zurück in die Playoffs.

Diese Sachlichkeit hilft den Innerschweizern in der eigenen Zone, hemmt hingegen die geradlinige Bissigkeit in der Angriffszone. Das führte letztlich zur Heimniederlage gegen die Bieler. Biel war sowieso der schwierigere und vor allem viel besser gecoachte Gegner als am Vorabend der grosse SC Bern. 

11.10.2014; Zug; Eishockey NLA EV Zug - EHC Biel ; Trainer Kevin Schlaepfer (Biel) jubelt nach dem Sieg (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Kevin Schläpfer holt bei Biel das Maximum raus.  Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Biel ist unter Trainer Kevin Schläpfer längst so etwas wie ein «ZSC der armen Leute» geworden. Es gibt mit ziemlicher Sicherheit neben Arno Del Curto keinen anderen Trainer, der aus so wenig Talent so viel herausholt wie Biels charismatischer Bandengeneral.

Die gute Organisation aller vier Linien, die hohe Disziplin in allen Bereichen (Taktik, Zweikämpfe) und eine gemessen an den individuellen Fähigkeiten tiefe Fehlerquote sind ein paar Qualitäten, die auf die Arbeit des Trainers zurückzuführen sind. Es sind die Qualitäten, die einst den SCB zur besten Mannschaft der Liga gemacht haben und in der Anfangsphase dieser Saison nach wie vor fehlen. 

Was macht der SCB eigentlich im Training?

Was die bösartige Frage provoziert: Wie und was übt SCB-Trainer Guy Boucher eigentlich im Training? Die Rechnung der Bieler geht allerdings nur auf, wenn einer der beiden Torhüter (Simon Ritz, Lukas Meili) sein bestes Hockey spielt und wenn die vier ausländischen Stürmer die aufopfernde Arbeit der weniger talentierten Schweizer mit ihren Toren veredeln.

Genau das war am Vorabend gegen Ambri nicht der Fall gewesen (2:4). Diese Heimniederlage führte zu einer der legendären, leidenschaftlichen Kabinenpredigten von Kevin Schläpfer. Der Trainer der Bieler sprach vor versammelter Mannschaft auch mit seinen ausländischen Stars Klartext.

Kevin Schläpfers Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Die ausländischen Stürmer erzielten in Zug gleich alle vier Tore. Biel ist nach der Heimniederlage gegen Ambri in Zug die Reaktion gelungen. Der SCB hat hingegen an diesem Wochenende beide Spiele (gegen Zug und Davos) verloren.

Kevin Schläpfer ist der bessere Guy Boucher

Die Reaktion auf die Heimpleite gegen Zug ist ausgeblieben. Was wiederum eine bösartige Frage provoziert: Was sagt SCB-Trainer Guy Boucher eigentlich jeweils in der Kabine? Hören ihm die Spieler überhaupt noch zu? Biel ist der bessere SCB. Weil Biel den besseren Trainer hat. Das ist im Bernbiet das Fazit der ersten elf Runden.

Berns Trainer Guy Boucher gibt Anweisungen im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und Genf Servette HC, am Samstag, 4. Oktober 2014, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Guy Boucher spielt in jeder Partie um seinen Job. Bild: KEYSTONE

Jaja, es ist wahr: Im Herbst ist noch niemand Meister geworden, und Guy Boucher bleiben weitere 39 Qualifikationsrunden zur Korrektur. Theoretisch. In Wirklichkeit hat er nicht mehr so viel Zeit. Am nächsten Samstag darf er in Biel gegen Kevin Schläpfer nicht verlieren. Es hat noch Blätter in den Bäumen und der SCB-Trainer spielt bereits in jeder Partie um seinen Job. Wenn schon keine Playoffs, dann wenigstens Job-Playoffs.

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