Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Switzerland's defender Ramon Untersander controls the puck, during the IIHF 2018 World Championship preliminary round game between Czech Republic and Switzerland, at the Royal Arena, in Copenhagen, Denmark, Tuesday, May 8, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Ramon Untersander – der vergessene WM-Schlüsselspieler der Schweizer

Alle reden von Roman Josi (27), gerühmt wird Mirco Müller (23) und respektiert Captain Raphael Diaz (32). Aber der erstaunlichste Verteidiger, der vergessene Star in unserem WM-Team, heisst Ramon Untersander (27).



Die Statistik erzählt uns schon fast die ganze Geschichte. Zwei Mal hatte Ramon Untersander bei Titelturnieren gespielt (WM 2017, Olympisches Turnier 2018) und kein einziges Mal getroffen. In Kopenhagen ist er nun mit zwei Toren unser treffsicherster Verteidiger. Wie wichtig er für unser WM-Team ist, sagen uns wiederum Zahlen: er hatte bisher mit 21:15 Minuten nach Captain Raphael Diaz (21:42 Min.) pro Spiel am zweitmeisten Einsatzzeit.

Die Erklärung für die Steigerung ist so banal wie folgerichtig: Üben, üben, üben. «Wir haben in Bern ein Ritual. Nach jedem Aufwärmtraining am Vormittag vor einem Match machen wir intensives Schusstraining. Das hat mir geholfen. Wie gut Direktschüsse gelingen, hängt von der Sicherheit der Bewegungsabläufe und dem Timing ab. Je mehr man übt, desto besser wird man.»

Untersander trifft gegen Schweden.

Und jetzt schlagen Untersanders Direkt-Geschosse (sog. «One Timer») auch in den internationalen Netzen ein. Dabei schiesst der Verteidiger den zugespielten Puck direkt aufs Tor. Heute sind gute Torhüter aus der Distanz praktisch nur noch so zu überwinden.

In der Karriere des Ostschweizers (erster Klub Rheintal) gibt es einen entscheidenden Punkt. Sozusagen ein «Pfingsterlebnis», das ihm die Augen geöffnet hat.

Doch der Reihe nach. In Davos (2006 bis 2012) bringt er es vom Junior zum durchschnittlichen NLA-Verteidiger. Aber in den vier nächsten Jahren stagniert er beim EHC Biel. Bis zu seinem Wechsel nach Bern im Sommer 2015 gelingen ihm in 284 NLA-Einsätzen bloss elf Tore.

Biels Ramon Untersander waehrend dem Eishockeyspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und den Rapperswil-Jona Lakers, am Samstag, 13. Dezember 2014, in der Eishalle Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Beim EHC Biel gelingt der Durchbruch noch nicht nach Wunsch. Bild: KEYSTONE

Und Kritiker orakeln nach seinem Transfer zum SCB bereits von einer baldigen vorzeitigen Rückkehr zu Biel. Weil Ramon Untersander nicht zugetraut wird, bei einem Titanen wie dem SCB eine tragende Rolle zu übernehmen. Er hat es zwar zu ein paar «Operetten-Länderspielen» gebracht. Aber zu keiner WM-Nomination.

Doch er rockt den SCB und erzielte bisher in Bern in 171 Partien bereits 33 Tore. Er hat im besten Wortsinne den «Knopf aufgetan» – und weiss warum. «Trainer Guy Boucher hat mir damals beim ersten Gespräch gesagt, dass er auf mich setzen werde und dass ich ein grosses Potenzial habe. Das hat mich überrascht und mir viel Selbstvertrauen gegeben.»

ZUR ENTLASSUNG VON SCB TRAINER GUY BOUCHER STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Berns Trainer Guy Boucher im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und dem SC Bern, am Samstag, 12. September 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Guy Boucher hat auf Untersander gesetzt. Bild: KEYSTONE

Es ist also ein NHL-Coach, der später in Bern gefeuert wird, der Ramon Untersanders wahres Potenzial entdeckt. Ein wenig mahnt diese Episode an die Karriere von Luca Cunti, der bei den ZSC Lions sogar ins Farmteam verbannt worden war, ehe ihn der NHL-General Bob Hartley entdeckte und förderte. Luca Cunti hat es dann bis zum WM-Silberheld gebracht und ist heute ein wichtiger Stürmer in Lugano.

Eine Medaille hat Ramon Untersander noch nicht. Aber wenn die Schweizer heute gegen Frankreich gewinnen (12:15 Uhr), sind sie im Viertelfinale und es sind dann theoretisch nur noch zwei Siege bis zur Medaille. Den Fehler, ob dem Träumen von hohen Zielen über die Pflicht zu stolpern, macht Ramon Untersander so wenig wie seine Mitstreiter. Er sagt das, was sich in einer solchen Situation jeder echte Profi sagt: «Alles was jetzt zählt, ist das nächste Spiel gegen Frankreich.» Es ist nicht nur eine Floskel: Er gehört hier zu den sieben Spielern, die bei der WM vor einem Jahr in Paris gegen Frankreich verloren haben (3:4 n.P.).

Inzwischen hat Ramon Untersander einen ähnlichen kulturellen Anpassungsprozess hinter sich wie Lars und Sven Leuenberger (der ZSC-Sportchef hat seinen Lebensmittelpunkt immer noch in Bern), Alex Chatelain oder Ivo Rüthemann: Auch er ist als Ostschweizer im Bernbiet heimisch geworden.

Disziplin gegen Frankreich gefordert

Nachdem sie zuletzt gegen Russland (3:4) und Schweden (3:5) als Aussenseiter in die Partie gegangen war, nimmt die Schweizer Mannschaft gegen Frankreich wieder die klare Favoritenrolle ein.«Wir müssen das Zepter von Anfang an in die Hand nehmen, diszipliniert und gut von hinten heraus spielen, dann werden wir dieses Spiel auch sicher gewinnen», gab Trainer Patrick Fischer die Marschrichtung bekannt.

Die erst am Sonntagmittag angereisten Roman Josi und Kevin Fiala werden gemäss Fischer eine wichtigere Rolle erhalten als noch gegen Schweden. «Im Training konnten wir sie ins Powerplay integrieren und ihnen einige Punkte des Systems erklären», hofft der Trainer auf eine Steigerung des Duos aus Nashville. (abu/sda)

Wie gut sich Sportler aus dem Land «hinter Zürich» (von Bern aus gesehen) beim SCB integrieren, ist bemerkenswert. Ramon Untersander spricht schon fast den Dialekt der echten Berner. Kein Wunder, hat er seinen Vertrag beim SCB im Februar 2017 vorzeitig bis 2022 prolongiert.

Warum es für Menschen vom östlichen Rand unseres Landes so einfach ist, sich im Herzen der Schweiz zurechtzufinden, weiss er auch nicht. Er sagt: «Es ist halt einfach schön in Bern …»

Gewinnt die Schweiz heute gegen Frankreich?

Schrille, kuriose und schlicht hässliche Trikots

Unvergessene Eishockey-Geschichten

Bobby Orr entscheidet mit dem «Flying Goal» den Stanley-Cup-Final

Link zum Artikel

Ralph Krueger schreibt das wichtigste SMS der Schweizer Hockey-Geschichte 

Link zum Artikel

Deutschland verpasst die grosse Sensation, weil der Puck auf der Linie kleben bleibt

Link zum Artikel

NHL-Star Darryl Sittler stellt einen Rekord für die Ewigkeit auf

Link zum Artikel

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

Link zum Artikel

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

Link zum Artikel

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

Link zum Artikel

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

Link zum Artikel

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

Link zum Artikel

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

Link zum Artikel

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

Link zum Artikel

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

Link zum Artikel

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

Link zum Artikel

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

Link zum Artikel

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

Link zum Artikel

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

Link zum Artikel

Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweiz gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

Link zum Artikel

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

Link zum Artikel

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

Link zum Artikel

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

Link zum Artikel

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

31 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
manolo
15.05.2018 08:46registriert February 2014
Auf das Loblied muss aber auch erwähnt werden,das er auch noch einige Schwächen hat,die auf nationalem Niveau vertuscht werden können.
Z.bsp. Stellungspiel - verliert zu schnell seine Position wenn es schnell geht! Setzt seinen Körper zu wenig ein (Check)!
9318
Melden
Zum Kommentar
John McClane
15.05.2018 08:57registriert April 2015
Was nützt es mir, wenn er 2 Tore schiesst, dafür aber an diversen Gegentoren die (Mit-)Schuld trägt. Für mich eher ein mittelmässiger Auftritt bis jetzt.
Aber er spielt beim SCB = Star.........
13767
Melden
Zum Kommentar
elbrujo_
15.05.2018 09:18registriert September 2016
Item, Der berner Natispieler der woche ist gefunden. Die Rolex Untersander wurde es welch ein gotthelfsches wunder.💪
5710
Melden
Zum Kommentar
31

«Mega cool, was hier abgeht» – WM-Silberhelden von tausenden Fans frenetisch empfangen

Rund zwölf Stunden nach dem verlorenen WM-Final ist die Schweizer Hockey-Nati wieder in der Heimat gelandet. Tausende Fans warteten am Flughafen in Zürich-Kloten und bereiteten ihren WM-Silberhelden einen grandiosen Empfang.

Artikel lesen
Link zum Artikel