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Berns Thomas Ruefenacht, links, im Kampf mit Zuerichs Morris Trachsler, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions, am Montag, 2. Januar 2017, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der SC Bern und die ZSC Lions (hier Thomas Rüfenacht und Morris Trachsler) neutralisierten sich zumeist gegenseitig. Bild: KEYSTONE

Ein Sieg, der die Frage aufwirft: Haben die ZSC Lions die falsche Nummer 1?

In Bern sah die Hockey-Schweiz einen Spitzenkampf zwischen Zweifel und Skandal. Und einen Sieg, der für die ZSC Lions mehr Fragen aufwirft als Fragen zu beantworten. Haben die ZSC Lions am Ende gar die falsche Nummer 1?



Skandal? Ja, davon war nach dem Spiel tatsächlich die Rede. Die ZSC Lions gewinnen in Bern 2:1 nach Penaltys und der Trainer spricht von einem Skandal.

Als Skandal wird ein Aufsehen erregendes Ärgernis bezeichnet. Der Chronist hat im Laufe dieses hockeytechnisch hochstehenden Spiels kein Aufsehen erregendes Ärgernis gesehen. Und doch fällt das Wort «Skandal». Hans Wallson, der Trainer der ZSC Lions, sagte sogar «a f***ing scandal». Was hatte sich da bloss ereignet?

Zuerichs Head Coach Hans Wallson waehrend dem Eishockey-Qualifikationsspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem EV Zug, am Dienstag, 18. Oktober 2016, in Zuerich. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

ZSC-Trainer Hans Wallson witterte einen Skandal. Bild: KEYSTONE

Nun, gemäss den Ausführungen des ZSC-Trainers sei Verteidiger Samuel Guerra von SCB-Stürmer Thomas Rüfenacht behindert worden und nur deshalb habe SCB-Torschütze Andrew Ebbett freie Fahrt zum 1:1 gehabt. Diese Version wird von den TV-Bildern tatsächlich gestützt.

Aber ein Skandal? Sind die ZSC Lions also durch einen Skandal um den Sieg nach 60 Minuten gebracht worden? Nein. Eher durch eine Dutzendbehinderung, die oft übersehen wird und in den Playoffs erst recht nicht mehr gepfiffen werden wird. Hans Wallson legte zwar noch nach und führte weiter aus, es sei schon unerhört, dass dieses Vergehen von den Schiedsrichtern nicht bemerkt worden sei. Aber toben mochte er dann doch nicht.

Und so weiter und so fort

Es war eben ein Spiel, das keine Geschichten hergibt. Hockeytechnisch und taktisch durchaus hochstehend. Die zwei nominell besten Teams der Liga neutralisierten sich durch geschicktes Hockeyschach. Wenn die ZSC Lions defensiv aufmerksam sind, dann gibt es auf dem Eis keine freien Räume.

Aus der Sicht eines Trainers war es also ein herausragendes Spiel.

Aus der Sicht des Publikums, das unterhalten werden will, eher nicht.

Wir haben auf dem Gipfel unseres Klubhockeys eine Patt-Situation. Der SCB hat zweimal in Zürich gewonnen (3:2 n.P. und 6:1), die Zürcher haben nun zweimal in Bern das Spiel für sich entschieden (4:2 und 2:1 n.P.).

Zuerichs Ronalds Kenins erzielt das entscheidende Tor gegen Berns Torhueter Leonardo Genoni im Penaltyschiessen, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions, am Montag, 2. Januar 2017, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Ronalds Kenins bezwingt im Penaltyschiessen SCB-Keeper Leonardo Genoni. Bild: KEYSTONE

Der Sieg in Bern wäre ja eigentlich ein Steilpass für eine Jubelgeschichte über die grossen, mächtigen Löwen. Der Kompass für den Rest der Meisterschaft muss neu justiert werden. Richtung Zürich. Der Weg zum Titel führt über die ZSC Lions. Und so weiter und so fort.

Aber so ist es nicht. Am Ende bleibt eine gewisse Ratlosigkeit. Waren die ZSC Lions wirklich so gut? Nein. Ist dieser Sieg wirklich ein grosser Sieg? Nein. Vom Ende her, im Wissen um das Resultat, neigen wir dazu, den Ausgang eines solchen Spitzenspiels als logisch darzustellen. So, als sei eigentlich gar kein anderer Ausgang möglich gewesen.

Aber nach diesem Spitzenkampf bleibt dem neutralen Beobachter nur die Ratlosigkeit. Die Hockeygötter hatten gewürfelt. Der Sieg der ZSC Lions ist Zufall und Cheftrainer Hans Wallson ist, weil die Reaktion auf das 1:6 vom 20. Dezember gelungen ist, ein bisschen ruhiger geworden. Aber nicht klüger.

«Fast die Nummer 1»

Inzwischen taucht nämlich eine neue Frage auf. Eine Frage, die womöglich den Ausgang der Meisterschaft entscheidet. Ist Niklas Schlegel (22), die Nummer 2 mit auslaufendem Vertrag am Ende gar besser als Lukas Flüeler (26), die Nummer 1 mit Vertrag bis 2020?

Berns Andrew Ebbett (nicht im Bild) erzielt das Tor zum 1-1 gegen Zuerichs Goalie Niklas Schlegel, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions, am Montag, 2. Januar 2017, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Niklas Schlegel musste sich nur von Andrew Ebbett (nicht im Bild) bezwingen lassen. Bild: KEYSTONE

Der neutrale Chronist neigt mit ein bisschen Boshaftigkeit zur Antwort: Ja. Die ZSC Lions haben mit Lukas Flüeler den falschen Torhüter zur Nummer 1 erklärt. Beim 1:6 gegen den SCB am 20. Dezember stand im Hallenstadion Lukas Flüeler im Tor.

Gestern hexte Niklas Schlegel die Zürcher gegen den gleichen Gegner auswärts zum zum Sieg – er hat nun bei seinen vier letzten Einsätzen gegen Langnau, Fribourg, Lugano und nun in Bern gewonnen.

Aber aus politischen Gründen (Vertragsdauer, Verdienste in der Vergangenheit) kann ihn der Trainer nicht zur Nummer 1 erklären. Diesen Status hat sich Lukas Flüeler mit den Meistertiteln von 2012 und 2014 wohl verdient.

09.09.2015; Zuerich; Eishockey NLA ZSC Lions -  SC Bern ; Torhueter Lukas Flueeler (ZSC) (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Lukas Flüeler geniesst beim ZSC den Status als Goalie Nummer 1. Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Aber Hockeyspiele werden in der Gegenwart entschieden. Nicht durch Ruhm aus der Vergangenheit. Immerhin lobt Hans Wallson seine Nummer 2, rühmt die Trainingseinstellung und die Teamfähigkeit und sagt: «Er ist fast die Nummer 1.» Überlegt kurz und offenbart seine Zweifel indem er sagt: «Nichts ist in Stein gemeisselt.»

Denn die zweiten Goalies sind im Dunkeln

Niklas Schlegel nimmt die Tatsache, dass er per Definition im Schatten von Lukas Flüeler steht, gelassen hin und sagt das, was von jedem jungen Musterprofi in einer solchen Situation erwartet wird: «Wer sagt denn, dass ich nicht die Nummer 1 werden kann? Mit harter Arbeit ist alles möglich.» Und mit seiner tadellosen Leistung hat er auch Werbung in eigener Sache gemacht. Kloten, Fribourg und Ambri sind mögliche neue Arbeitgeber. Arbeit für seinen Agenten André Rufener. Niklas Schlegel sagt: «Er weilt noch in Nordamerika und es wird Zeit, dass ich ihn wieder einmal anrufe.»

Und du so?

Umfrage

Hat der ZSC mit Lukas Flüeler die falsche Nummer 1?

1,102 Votes zu: Hat der ZSC mit Lukas Flüeler die falsche Nummer 1?

  • 63%Absolut!
  • 37%Definitiv nicht!

Mit dem guten alten Brecht können wir sagen:

Denn die zweiten Goalies sind im Dunkeln und die andern, die ersten Goalies sind im Licht und man sieht die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.


Davos goalkeeper Melvin Nyffeler during the game between HK Dinamo Minsk and Switzerlands HC Davos at the 90th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Wednesday, December 28, 2016. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

HCD-Aushilfsgoalie Melvin Nyffeler machte am Spengler Cup eine gute Figur. Bild: SPENGLER CUP

Als Nummer 2 irgendwo die Nummer 1 zu werden kann auch dann schwierig sein, wenn einer Stil, Talent und mentale Stärke hätte, um eine Nummer 1 zu sein. André Rufener hat neben Niklas Schlegel noch einen zweiten Torhüter im Angebot, der auch das Potenzial für eine Nummer 1 hätte: Melvin Nyffeler (22), vorerst bis Ende Januar bei Kloten unter Vertrag und vorübergehend an den HC Davos ausgeliehen.

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Yotanke 03.01.2017 13:04
    Highlight Highlight Vor kurzem hat KZ noch geschrieben, dass Nyffeler besser sei als Schlegel. Ich glaube, dass entweder Nyffeler oder Schlegel für nächstes Jahr bei Kloten landen werden (Der Agent, André Rufener, ist ein ehemaliger EHC Kloten Spieler). Der Z hätte wohl das Potential Meister zu werden. Die unnötigen internen Querelen ("Pensionierung" Seger, unklare Goaliesituation, Transfer- und sonstiges Theater mit Cunti) werden wohl zu viel Energie absorbieren. Daher wird es wohl einer aus dem Trio SCB, Zug, Lugano werden, welcher sich den Meisterpokal holt.
    11 22 Melden
    • Einer Wie Alle 03.01.2017 13:21
      Highlight Highlight Zug wird den Titel nicht holen, da wäre Lausanne noch der bessere Kandidat.
      43 7 Melden
    • Yotanke 03.01.2017 13:31
      Highlight Highlight @Einer wie alle: Schlussendlich dürfte es wohl der SCB sein, welcher erneut Meister wird. Falls der ZSC aber effektiv Ende Saison erneut ohne Pokal dasteht (oder nicht zumindest im Finale gestanden ist), müsste das wohl endliche einmal Konsequenzen beim Sportchef Edgar Salis haben. Der es offenbar einfach nicht versteht, eine ausgewogene, ausbalancierte Mannschaft mit Häuptlingen und Indianern aufzustellen. Und dies mit praktisch unbeschränktem Budget und riesigem Reservoir an Nachwuchstalenten.
      16 24 Melden
    • Vinz Roberts 03.01.2017 13:56
      Highlight Highlight Bern ist zur Zeit zweifellos die bessere Mannschaft. Jedoch ist die Saison noch lange und Zürich der wahrscheinliche Gegner des SCB um den Pokal. Zur Aussage Nummer 1: Schlegel oder Flüli ist nur Polemik unseres KZ! Zürich hat zwei gute Goalies, Genoni ist besser, aber Hockey ist bekanntlich ein Mannschaftssport. Chicago hat 3 Stanley Cup's mit Crawford geholt, einem vermeintlich schwächeren Goalie... Flühler hat bereits bewiesen dass er ein Meistergoalie ist. Vielleicht gibt es aber auch eine Überraschung und ein ganz anderer wird Meister... we will see
      23 3 Melden
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  • Chatzegrat Godi 03.01.2017 12:44
    Highlight Highlight Einfach den Torhütern genug Zeit geben, dann kommt es gut.
    7 2 Melden
  • Einer Wie Alle 03.01.2017 10:09
    Highlight Highlight Der ZSC braucht einen sehr guten Torhüter, zur Zeit haben sie leider nur gute Torhüter. Ohne einen Rückhalt wie Genoni, wird es sehr schwierig werden mit dem Titel dieses Jahr. So traue ich den Titel am ehesten dem SC Bern zu, aber auch Lugano ist für mich ein nicht zu unterschätzenden Titelkandidat. Der ZSC steht für mich dieses Jahr leider nur an dritter Stelle, unter anderem wegen der Torhüter-Position.
    24 51 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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