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Fribourgs  Goalie Reto Berra klaert spektakulaer im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gotteron, am Freitag, 28. September 2018, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Fribourgs Goalie Reto Berra klärt spektakulär im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gottéron. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Reto Berra hat beschlossen, kein Lottergoalie zu sein

Biel kann spielen wie eine grosse Mannschaft. Aber Biel ist noch keine grosse Mannschaft. Gottérons Reto Berra ist noch kein grosser Goalie. Aber kann spielen wie ein grosser Goalie. Deshalb hat Gottéron die Krise überwunden.



Hohe Erwartungen. Und dann dieser Fehlstart! 1:5 gegen Lausanne, 1:3 in Genf und 3:6 gegen Zug.

Gottéron in der Krise? Nein.

Reto Berra (31) hat in diesen drei Partien nacheinander mit 88,74, 92,31 Prozent und 78,25 Prozent der Pucks abgewehrt.

Ein Lottergoalie? Nein.

Bei einen «gewöhnlichen» Team würde dieser Fehlstart eine Krise auslösen. Bei jedem anderen Goalie wäre bei diesen Fangquoten das Urteil «Lottergoalie» richtig.

Aber hier geht es um Gottéron und um Reto Berra. Hier gehen die Uhren anders. Gerade in Zeiten der vermeintlichen Krise.

Fribourgs Andrew Miller, links, gegen Zugs Thomas Thiry, links, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem HC Fribourg-Gotteron und dem EV Zug, am Dienstag, 25. September 2018, in der BCF-Arena in Fribourg. (KEYSTONE/Patrick Huerlimann)

Beim HC Fribourg Gottéron ticken die Uhren anders.  Bild: KEYSTONE

Nach drei Niederlagen de suite kommt die Reise nach Biel gerade richtig. Nach 28 Jahren wird sich die Geschichte wiederholen.

Vor 28 Jahren, im Herbst 1990, sind die Erwartungen ungefähr gleich hoch wie nach der Transferoffensive im Herbst 2018. Slawa Bykow und Andrej Chomutow heissen die neuen ausländischen Stürmer. Weltklassestürmer. Sie sind wahrscheinlich die besten ausserhalb der NHL.

Der Start ist ernüchternd. 1:6 in Bern. 3:6 gegen Kloten. 1:5 gegen den ZSC. Der Trainer heisst Paul-André Cadieux. Der Torhüter Dino Stecher. Im vierten Spiel muss Gottéron nach Biel reisen.

Nun, 28 Jahre später, ist Paul-André Cadieux 71-jährig und arbeitet als Experte beim Gottéron-Lokalradio. Ein alter Chronist macht ihn auf die Parallelen zum Herbst 1990 aufmerksam. Ja, ja, er kann sich entsinnen. Strahlend beginnt er in seinen Erinnerungen zu kramen. Nein, er habe nach den drei Startniederlagen nicht getobt. Er sei sicher gewesen, dass die Wende nur eine Frage der Zeit sei.

Und nun ist es wie vor 28 Jahren. Nach drei Niederlagen die vierte Partie der Saison in Biel. Wieder die Wende? Paul-André Cadieux, ganz hingerissen von den aufgefrischten Memoiren und ins Feuer des Erzählens geraten, ist auf einmal ganz optimistisch. Ja, die Geschichte werde sich wiederholen.

Und siehe da, die Geschichte wiederholt sich tatsächlich. Gottéron gelingt, wie damals, im vierten Spiel in Biel der erste Saisonsieg. Ein 3:2 nach einem 0:2-Rückstand im ersten Drittel.

Eigentlich hatte Biel die Partie schon gewonnen. Kurz vor der ersten Pause fällt das 2:0 (18:02 Minuten). Es könnte auch 4:0 oder 5:0 heissen. Reto Berra hat zwar mehrere grandiose Paraden gezeigt und «unmögliche» Pucks abgewehrt. Aber das 2:0 rutscht ihm durch die Ausrüstung. Lottergoalie.

Die vierte Niederlage bahnt sich an. Sie ist eigentlich schon besiegelt. Aber Gottéron ist Gottéron. Dem aufmerksamen Beobachter fällt auf, dass Gottérons Bank trotz allem «lebt»: von der Tribüne aus ist zu erkennen, wie sich die Jungs immer wieder gegenseitig aufmuntern, sich Mut machen. Keine Spur von Resignation. Coach Mark French bleibt ruhig und gelassen. Die Spieler entfachten einfach viel zu viel Emotionen, um sich schon geschlagen zu geben. Der Coach ist zu cool, um in Panik zu geraten. Das allerwichtigste aber: Reto Berra hat nach dem zweiten Gegentreffer beschlossen, kein Lottergoalie zu sein.

Und doch: Wäre Biel schon jetzt eine grosse Mannschaft, ein neuer SC Bern beispielsweise, wäre die Partie nicht verloren gegangen.

Aber die Bieler werden übermütig (oder, etwas boshafter, arrogant). Dazu defensiv nachlässig. Sie beginnen vorwärts zu tanzen. Noch kann Jonas Hiller (36) den Schaden begrenzen. Gerade hat er mirakulös abgewehrt und den ersten Gegentreffer verhindert. Die Fans feiern ihn mit Sprechchören. Noch bevor die Jubelgesänge ganz verklungen sind, liegt der Puck doch im Netz. 104 Sekunden später schon wieder. Es steht bei «Halbzeit» 2:2 (31:45 Minuten).

Ein neutraler Beobachter, der die Geschichte und die Besonderheiten Gottérons nicht kennt, sagt jetzt: Nun ist wieder alles offen.

Biels Janis Moser, links, im Duell mit Fribourgs  Julien Sprunger im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gotteron, am Freitag, 28. September 2018, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Biels Janis Moser, links, im Duell mit Fribourgs Julien Sprunger. Bild: KEYSTONE

Wer um die Geschichte und die Besonderheiten Gottérons weiss, ist sicher: Es ist aus und vorbei. Dieses Spiel ist für Biel verloren.

Und so ist es. Andrej Bykow erzielt den Siegestreffer zum 3:2. Sein erstes Saisontor. Vor 28 Jahren war sein Vater Slawa dabei, als Gottéron in Biel den ersten Saisonsieg feierte.

Entscheidend aber ist etwas anderes: Reto Berra lässt keinen Treffer mehr zu. Der sanfte, flinke Riese stoppt einfach alles. Hohe und flache Schüsse. Nachschüsse, Nachnachschüsse. Mehrmals alleine auf ihn zufahrende Bieler. Mag ja sein, dass er noch kein grosser Goalie ist. Aber jetzt hält er wie ein ganz grosser Torhüter.

Am Ende hat er 34 Pucks abgewehrt (Fangquote 94,44 Prozent). Zum ersten Mal seit seiner Rückkehr in die Schweiz hat er einen Sieg für sein Team «gestohlen». Ausgerechnet in Biel. Dort, wo er im Frühjahr 2013 aufgebrochen ist, um die NHL zu erobern.

Item, nun ist schon nach 4 von 50 Partien klar: Gottéron wird die Playoffs erreichen. Der Fehlstart ist korrigiert.

Und wie ist es eigentlich damals vor 28 Jahren, nach der Wende in Biel weitergegangen? Oh, glückliches Gottéron! Nacheinander folgten ein 5:2 in Zug, ein 2:1 gegen Olten, ein 7:2 gegen Ambri und ein 4:2 in Sierre. Vier weitere Siege. Gottéron beendete die Qualifikation auf dem 4. Platz und wurde erst im Halbfinale vom SCB gestoppt.

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Nun folgen also Siege gegen die Lakers, in Davos, gegen die ZSC Lions und in Langnau. Falls sich die Geschichte nach 28 Jahren erneut wiederholt.

Und Biel, das wie vor 28 Jahren erneut im vierten Spiel gegen Gottéron seine erste Saisonniederlage bezogen hat?

Biel ist halt noch keine grosse Mannschaft. Aber Biel kann, wenn es nicht leichtsinnig wird, wie soeben gegen Gottéron, durchaus spielen wie eine grosse Mannschaft.

Biel wird heute in Bern nicht leichtsinnig sein. Sondern mutig, leidenschaftlich und taktisch schlau. Es wird trotzdem nicht reichen. Weil Biel eben noch keine grosse Mannschaft ist.

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