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Harsche Kritik des Davos-Trainers

Eismeister Zaugg

Wenn Arno Del Curto sagt, im Cup werde gemischelt, dann übertreibt er zwar – er trifft aber den Kern der Sache

Der Schweizer Eishockey-Cup hat den Schwefelgeruch des Unseriösen. Das haben sich die Verantwortlichen selber eingebrockt. Und das ist sehr schade.



Der Eishockey-Cup ist eigentlich eine gute Sache. Er hat in diesem Herbst schon für mehrere Hockey-Volksfeste gesorgt. Weitere werden im Dezember folgen. Vor allem wenn die SCL Tigers gegen den SC Bern antreten.

Aber dieser Wettbewerb leidet an Ursünden, die fast nicht mehr zu korrigieren sind. Darauf zielt letztlich Arno Del Curtos durchaus berechtigte Kritik.

Del Curto Teleclub

Del Curto, wie er leibt und lebt: «Ich glaube, da wird irgendwie gemischelt. Auch wenn alle ‹Nein› sagen. Aber das sagen sie alle. Bill Clinton sagte auch, er habe Monica Lewinsky nie getroffen.» Hier geht's zum Video. Bild:  Teleclub

Business ist okay, solange man nicht zu plump ist

Dass Medien Wettbewerbe erfinden, um Geschäfte zu machen, ist nicht neu. Sogar die Tour de France ist so entstanden. Dass Sport ein Business ist, stört im 21. Jahrhundert eigentlich niemanden mehr. Nur sollte die ganze Sache nicht gar zu plump aufgezogen werden.

Der Cup im Eishockey ist eine reine Geschäftsidee. Erfunden von Armin Meier, dem Chef der Vermarktungsagentur InfrontRingier. Er suchte eine Einstiegsmöglichkeit ins Eishockey. Weil alle wichtigen Wettbewerbe besetzt waren, erfand er halt einen neuen: den Cup.

So weit, so gut. Aber von allem Anfang an ist die Sache so plump aufgezogen worden, dass die aktuelle Kritik geradezu programmiert war.

Zuschauer verfolgen das Achtelfinalspiel des Swiss Ice Hockey Cups 2014/15 zwischen dem EHC Biel und den Kloten Flyers, am Mittwoch, 29. Oktober 2014, in der Eishalle Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Saisonminusrekord beim Spiel zwischen Biel und Kloten – ein Reisser ist der Cup noch lange nicht überall. Bild: KEYSTONE

Die Liebe zu Verschwörungstheorien gehört zur Schweiz

Erstens hängt die sportliche Glaubwürdigkeit von einem fairen Auslosungsverfahren ab. Entweder wird ausgelost oder nicht ausgelost. Schwarz oder weiss. Schwanger oder nicht schwanger. Der Geburtsfehler des Cups ist es, dass bei der ersten Runde durch eine unsinnige Regionalisierung schon von allem Anfang an an der Auslosung herumgeschraubt worden ist. In einem so kleinen Land wie der Schweiz einen nationalen Cup zu regionalisieren, ist absurd.

29.04.2014; Ittigen; Eishockey - National League; 
Florence Schelling, Torhueterin Frauen-Nationalmannschaft und EHC Buelach an der Auslosung zum Swiss Ice Hockey Cup
(Urs Lindt/freshfocus)

Olympia-Heldin Florence Schelling bei der Ziehung der Partien der ersten Runde. Bild: Urs Lindt/freshfocus

Zweitens hat sich der Cup so unverfroren mit dem «Blick» ins Bett gelegt, dass Kritik geradezu provoziert wird. Die Zeitung gehört, wie InfrontRingier, zum Medien-Milliardenkonzern Ringier. Konzerneigene Interessen hat die Zeitung zu berücksichtigen. Eine Stärke unserer Hockeykultur ist die durch Rivalitäten angeheizte Dynamik. Aber bei der Enge unseres Landes gehören eben auch Misstrauen und die Liebe zu Verschwörungstheorien dazu.

Wenn ein Wettbewerb so offensichtlich von der einzigen Boulevard-Zeitung im Land forciert wird, wenn die Spiele im Internet nur auf der «Blick»-Webseite zu sehen sind, dann darf sich niemand wundern, wenn die Sache da und dort den Schwefelgeruch des Unseriösen bekommt.

Die Führungsschwäche von Verbandspräsident Furrer

Die Hoheit in diesem Wettbewerb hätte von allem Anfang an und in allen Bereichen beim Verband (Swiss Ice Hockey) bleiben müssen. Auch so wäre es für InfrontRingier möglich gewesen, gute Geschäfte mit der Vermarktung zu machen. Und Swiss Ice Hockey hätte niemals eine so einseitige mediale Bindung mit dem «Blick» akzeptieren dürfen.

Wenn schon, dann müssten die Internet-TV-Übertragungen über die eigene verbandseigene Webseite laufen – und dort könnte Werbung ja auch verkauft werden. Dieser Cup entlarvt auch die Führungsschwäche des Verbandspräsidenten Marc Furrer. Stossend ist zudem, dass das Staatsfernsehen diesen so offensichtlichen Geschäftemacherei-Wettbewerb unterstützt und den Cup-Final übertragen will.

Ungeschickte Äusserungen der Liga-Generäle schüren noch das latent vorhandene Misstrauen. So hat ein hochrangiger Funktionär nach dem Spiel Langenthal–Lakers mit dem Eishockeychef der angesehenen Nachrichtenagentur «Sportinformation» zum Nachtessen vor dem Cupspiel SCL Tigers gegen den SC Bern im Hirschen zu Langnau abgemacht – da war die Auslosung noch gar nicht gemacht.

Die Langnauer Fans und Speaker

Volksfeststimmung im Emmental: Das Derby gegen den grossen SC Bern ist der Schlager der Runde. Bild: KEYSTONE

«Diesen Schwefelgeruch bringt der Cup nicht mehr aus den Kleidern»

Ob es ein Spass war oder nicht, ist unerheblich. Solche Episoden untergraben letztlich die Glaubwürdigkeit und es ist kein Wunder, hat dann die «Sportinformation» die von Arno Del Curto im TV-Interview mit dem «Teleclub» geäusserte Kritik an alle Medien verbreitet. Und letztlich ist die regionale Verbreitung der Viertelfinals so auffällig und die Schlagerpartie zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern so klar und zwingend, dass diese Auslosung ganz einfach Misstrauen weckt.

Arno Del Curto ist halt der ehrlichste Mann des gesamten Eishockeygeschäftes. Er hat in seiner offenen, ehrlichen Art nur das öffentlich zu sagen gewagt, was so viele denken, aber nicht zu sagen wagen: Dass im Cup gemischelt und gemauschelt wird.

Ich gehe davon aus, dass dies nicht der Fall ist. Dass alles mit rechten Dingen zu und her geht. Aber durch naives, gedankenloses, unüberlegtes und teilweise sogar arrogantes Vorgehen der Verantwortlichen ist der Eindruck entstanden, es sei vielleicht gemischelt und gemauschelt worden. Diesen Schwefelgeruch bringt der Cup nicht mehr aus den Kleidern. Und das ist sehr, sehr schade.

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