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Tigers, Spieler und Staff feiern den Einzug  fuer die Playoffs 2018/19, nach dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern, am Samstag 2. Maerz 2019 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Spieler, Staff und Fans der SCL Tigers feiern den Einzug in die Playoffs 2018/19 nach dem 4:2-Sieg gegen Bern. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Langnau: Der Hockey-Himmel die Limite und der Playoff-Final das Ziel? Ja, warum nicht?

Mehr geht nicht: Langnau holt die Playoffs vor eigenem Publikum mit einem Sieg (4:2) gegen den SC Bern. In einem Spiel, das die ganze Saison zusammenfasst und alle Qualitäten der SCL Tigers zeigt



Hat der SCB den Langnauern den Sieg geschenkt? Nein. Die Frustration ist so gross, dass SCB-Topskorer Mark Arcobello in der Schlussminute zwei plus zehn Minuten für Reklamieren kassiert.

War es ein grosser, mächtiger SCB? Nein, es war ein gewöhnlicher SCB mit einem gewöhnlichen Leonardo Genoni. Aber auch ein gewöhnlicher SCB mit einem gewöhnlichen Leonardo Genoni ist im Vergleich zu den SCL Tigers gross und mächtig. Es war also ein grosser Sieg der Langnauer.

Bern Goalie Leonardo Genoni laeuft aufs Eis vor dem Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und die ZSC Lions, am Freitag, 1. Maerz 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Leonardo Genoni Bild: KEYSTONE

Die Regie ist perfekt. Die Playoffs werden daheim mit einem Sieg gegen den SCB gesichert. Nicht im fernen Rapperswil-Jona. Es wäre ja fast peinlich gewesen, einen Sieg gegen die «Miserablen» zu feiern. Dem Tabellenletzten war der Sieg zu gönnen.

Das Spiel gegen den SC Bern ist Drama und Lehrstück zugleich. Drama, weil der Sieg lange Zeit an einem seidenen Faden hängt. Ein Lehrstück, weil auf eine eindrückliche Art und Weise die grösste Qualität der SCL Tigers sichtbar wird: die Fähigkeit, sich gegen Widerstand durchzusetzen und in kritischen Situationen stärker zu werden. Sie biegen sich unter dem Druck von Ungemach. Aber sie brechen nicht. 24 Stunden nach einem blamablen 2:5 gegen den Tabellenletzten bodigen sie den Qualifikationssieger aus Bern 4:2.

Aber es ist ein langer Weg zu diesem 4:2. Das Unheil nimmt scheinbar seinen Lauf.

Chris DiDomenico von Langnau beim Eishockey Meisterschaftsspiel in der Qualifikation der National League zwischen dem EV Zug und den SC Langnau Tigers vom Freitag, 15. Februar 2019 in Zug. (PPR/Urs Flueeler)

Chris DiDomenico Bild: PPR

Die Playoffs sind so nahe und drohen doch zu entgleiten. Eine gewöhnliche Mannschaft wäre unter dieser Belastung gegen diesen SCB untergegangen.

Aber hier ist nicht eine gewöhnliche Mannschaft am Werk. Sondern die SCL Tigers. Sie gewinnen. Getragen vom treusten Publikum Europas. Sie schöpfen aus dieser «Wir gegen den Rest der Welt»-Stimmung auf wundersame Art und Weise noch einmal Energie.

Die SCL Tigers sind zum zweiten Mal nach 2011 in den NL-Playoffs. Es ist der grösste Erfolg der Klubgeschichte seit dem Meistertitel von 1976. Es ist keine «Jahrhundert-Sensation», die nicht mehr wiederholbar ist wie damals 2010/11. Es ist ein logisches Wunder. Diese Playoffs haben ihre Logik. Sie sind Stück für Stück seit dem 21. September erarbeitet, gebaut worden. Nun wird mit dem 4:2 gegen den SCB das Richtfest gefeiert.

Sieben Figuren, allesamt gut genug für einen Hockey-Hollywood-Film haben in diesem Spiel und in dieser Saison die Hauptrollen gespielt.

Langnaus Torhueter Damiano Ciaccio jubeln nach dem Sieg (4-0), beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SCL Tigers und dem EHC Biel, am Freitag 11. Januar 2019 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Damiano Ciaccio Bild: KEYSTONE

Der Einwand ist richtig: Eishockey ist ein Mannschaftsport. Aber es braucht eben beides: die grossen Figuren und die Fleissigen und Willigen. Langnau hat beides: die grossen Figuren und die Fleissigen und Willigen. Das ist auch ein Erfolgsgeheimnis.

Eine kluge, kaum beachtete Investition spielt eine ganz wesentliche Rolle: die SCL Tigers sind das einzige Team der Liga, das bisher in allen Partien vier ausländische Arbeitnehmer einsetzen konnte. Weil von Anfang an fünf beschäftigt worden sind. Ein Aussenseiter wie Langnau kann es sich nicht leisten, auch nur eine Partie nur mit drei Ausländern zu spielen.

2011 verloren die Langnauer nach der vorzeitigen Playoff-Qualifikation 9 von 10 Spielen inklusive alle vier Viertelfinalpartien gegen den SCB. Das war ein anderes Langnau. Weder taktisch so stabil wie heute, weder so gut gecoacht wie heute, weder so ausgeglichen wie heute. 2011 waren die Emmentaler ob den Playoffs so aufgeregt wie ein jungfräulicher Bräutigam vor der Hochzeitsnacht. 2019 sind sie gelassen und geläutert wie nach der vierten Scheidung.

Was ist in den Playoffs möglich? Die SCL Tigers haben nach dem SCB (95) und Zug (112) mit 122 am drittwenigsten Gegentore kassiert.

Die Defensive gewinnt Meisterschaften. Wer die drittbeste Abwehr hat, kann ins Halbfinale kommen. Und wenn dort der SCB wartet sollte, ist das Finale möglich. Torhüter machen die Differenz. Die SCL Tigers haben während der Qualifikation vier von sechs Partien gegen den SC Bern gewonnen. Damiano Ciaccio hat vier der sechs Derbys gespielt und war dreimal klar besser als Leonardo Genoni.

Hätten die ZSC Lions oder Lugano in dieser Qualifikation die exakt gleichen statistischen Werte erreicht und die gleichen Taten vollbracht wie die SCL Tigers, dann würden sie als heisse Titelkandidaten gelten.

Also der Hockey-Himmel die Limite und das Playoff-Finale das Ziel?

Ja, warum nicht?

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