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Tigers, Sebastian Schilt, links, und Harry Pesonen jubelt, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und den HC Lugano, am Samstag 5. Oktober 2019 im Ilfisstadion in Langnau.  (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Der SCL darf jubeln: Gegen Bern gelingt die Reifeprüfung. Bild: KEYSTONE

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Langnaus herbstliche Reifeprüfung und das Lächeln des gestrengen Generals

Angeführt von einem strahlenden und einem tragischen Helden bieten die Langnauer in einem Drittel mehr Unterhaltung als der SCB in zwei Partien. Mit den zwei besten Spielen der «Ära Ehlers» haben sie eine Reifeprüfung bestanden.



Eine Szene im Kabinengang des Hockey-Tempels an der Ilfis lässt erahnen, dass wieder einmal eine samstägliche Hockey-Messe gelesen worden ist. Ein Gast aus dem Züribiet fragt gut eine halbe Stunde nach der Partie gegen Lugano vor dem Nachhausegehen fast ein wenig ungläubig: «War das tatsächlich ein Lächeln?»

Ja, er hatte sich nicht getäuscht. Ein Lächeln war über das Gesicht des gestrengen Bandengenerals Heinz Ehlers gehuscht. Aus gutem Grund. Zwar mochte er der Einschätzung nicht zustimmen, dass seine Langnauer soeben in Bern (3:4 n.V) und gegen Lugano (4:3 n.P) die zwei besten Partien seit seinem Amtsantritt am 3. Oktober 2015 gespielt haben.

Aber dann huscht ein Lächeln (das der Gast aus Zürich gesehen hatte) über sein Gesicht und er sagt: «Also für mich ist Harri Pesonen der MVP der Liga.»

Es braucht sehr, sehr, sehr viel, bis Heinz Ehlers lächelt. Harri Pesonen muss also Aussergewöhnliches geleistet haben. Er hat.

SCL Tigers Headcoach Heinz Ehlers spricht, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und den SCL Tigers, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Für Heinz Ehlers ist Harri Pesonen der Liga-MVP. Bild: KEYSTONE

In Bern assistierte er zum ersten Treffer und erzielte das 2:3 und 3:3. Gegen Lugano war er am ersten und dritten Tor beteiligt und sicherte mit einem «Zauberpenalty» den Sieg. Der finnische Weltmeister war der Einzige, der im Penalty-Schiessen getroffen hat.

Auf der Tribüne sass Finnlands Nationaltrainer Jukka Jalonen (mit Berns Kari Jalonen befreundet, aber nicht verwandt) und sagte in drei Worten alles über Harri Pesonen: «He is hot». Nach dem Spiel überbrachte er ihm den Ring, der jedem aus seinem Weltmeisterteam zusteht.

Harri Pesonen ist wahrlich «heiss». Der Dynamo des Langnauer Spiels und der Artist, der mit einem Hauch von Magie dafür sorgt, dass die harte Arbeit des Teams doch belohnt wird.

Die Langnauer haben in 24 Stunden in Bern ein 0:2 und 1:3 aufgeholt und gegen Lugano ein 0:2 und 2:3. Punktgewinne obwohl der Puck lange Zeit nicht ihren Weg gehen wollte. Obwohl ihr Powerplay inzwischen das miserabelste der Liga ist. Obwohl noch nicht alle Leitwölfe ihre Magie gefunden haben. Obwohl sie gegen Lugano bereits nach dem ersten Drittel 0:2 zurücklagen und noch weniger Hoffnung bestand als nach dem 0:2 und dem 1:3 in Bern. Heinz Ehlers sagt, er habe in der Kabine einfach gesagt, er wolle nun die gleiche Entschlossenheit im Abschluss sehen wie beim Gegner. «Dann haben Schilt und Blaser geschossen wie Männer.» Die Mannschaft ist also dazu in der Lage, auch gegen einen starken Gegner zu reagieren.

Das sind ein paar Gründe, warum es die zwei besten Partien der an guten Darbietungen wahrhaftig nicht armen «Ära Ehlers» waren.

Chris DiDomenico, Langnaus zweiter ausländischer Leitwolf ist nämlich noch kein strahlender Held. Der Hauch der Magie, der Harri Pesonens Spiel umweht, ist vom Kanadier gewichen. Bei den Dramen in Bern und gegen Lugano bleibt er auf einem einzigen Assist sitzen, gegen Lugano scheitert er beim Penalty. Und doch ist er einer der Hauptdarsteller. Ja, er hätte in den letzten drei Spielen zur grossen Figur werden können.

Beim 0:1 n.V. gegen Davos und gegen den SCB bringt er bei Alleinvorstössen die Scheibe nicht am Torhüter vorbei. Es wäre zweimal der Siegestreffer gewesen. Und er scheitert gegen Lugano im Penalty-Schiessen.

Er hat es jetzt schwerer, weil er nicht mehr bei fast jedem Einsatz an der Seite von Harri Pesonen stürmen darf. Heinz Ehlers hat das letztjährige Traum-Duo der letzten Saison getrennt. Weil beide eigentlich zu dominant seien und es eigentlich zwei Pucks brauche, wenn sie gemeinsam stürmen. Wenn er seine zwei charismatischsten Einzelspieler nicht mehr in einer Linie zusammenfasst, ist die Mannschaft ausgeglichener und taktisch weniger leicht auszurechnen.

Tigers Topscorer, Harry Pesonen, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und den ZSC Lions, am Freitag 27. September 2019 im Ilfisstadion in Langnau. (PPR /Marcel Bieri)

SCL-Topscorer Harri Pesonen. Bild: KEYSTONE

Der eigenwillige Kanadier hat erst ein Tor (aber immerhin 7 Assists) auf dem Konto. Aber er dominiert das Spiel, kommt zu Chancen, holt Scheiben zurück, gewinnt Zweikämpfe, bringt die gegnerische Verteidigung durcheinander und lässt sich nicht provozieren. Er kämpft mit einer Leidenschaft, die durch seinen verletzten Stolz (Heinz Ehlers hat ihn für eine Partie auf die Tribüne gesetzt) zusätzlich angefacht wird.

Chris DiDomenico gibt also nicht auf und rennt seiner Magie hartnäckig hinterher. Nach dem Ausfall von Aaron Gagnon leistet er gegen Lugano 28:01 Minuten Eiszeit. Was, wenn er endlich wieder trifft, wenn die Magie des erlösenden Torjubels zurückkehrt? Dann rücken die SCL Tigers in die erste Tabellenhälfte auf.

Gegen Lugano hat sich noch einer ins Rampenlicht gespielt. Ben Maxwell (31). Der Kanadier ist nach Langnau gekommen, obwohl er wusste, dass er seinen Platz nicht auf sicher haben würde. Weil pro Partie nur vier der fünf ausländischen Spieler eingesetzt werden können.

Tigers, Harry Pesonen, links, und Tigers, Maxwell Ben jubeln beim 5:3, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem EV Zug, am Freitag 20. September 2019 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Harri Pesonen und Ben Maxwell bejubeln das 5:3 gegen den EV Zug. Bild: KEYSTONE

Immer mehr zeigt sich: Sobald er sich an unsere Lauf- und Tempoliga gewöhnt hat, wird er womöglich auf Augenhöhe mit Harri Pesonen und Chris DiDomenico stürmen. Der schlaue Zweiwegstürmer hat inzwischen mit 23:28 Minuten pro Spiel ligaweit am meisten Eiszeit aller Stürmer und hat bereits vier Tore erzielt.

Die SCL Tigers haben im Herbst eine Reifeprüfung bestanden, nach drei Niederlagen in Serie (Biel, Ambri, ZSC) viermal hintereinander gepunktet und den Sturz in den Tabellenkeller verhindert. Und in den letzten drei Partien vier Punkte geholt. Obwohl sie nie in Führung lagen.

ARCHIVBILD ZUM ABGANG VON CHRIS DI DOMENICO BEI DEN SLC TIGERS ---- Tigers Chris DiDomenico waehrend dem Eishockey National League A Spiel zwischen den SCL Tigers und dem Lausanne HC, am Dienstag, 20. September 2016, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Chris DiDomenico im Einsatz. Bild: KEYSTONE

Es hat schon seinen Grund, warum Heinz Ehlers gelächelt hat.

Müssten nicht auch einige Schweizer gerühmt werden? Die Verteidiger Sebastian Schilt und Yannick Blaser beispielsweise? Doch, müssten sie. Aber die SCL Tigers haben nach den Lakers die «billigsten» Schweizer Spieler. Sie sind in jeder Partie auf zwei überdurchschnittliche und zwei gute Ausländer angewiesen, wenn sie in die Playoffs kommen wollen. Sie können sich, anders als beispielsweise der SCB, beim ausländischen Personal nicht jede Saison teure Fehlbesetzungen leisten. Gute Ausländer sind auch in Langnau nicht alles – aber ohne gute Ausländer ist alles nichts.

P.S. Das Lächeln des gestrengen Generals war übrigens nur ganz kurz. Der Vollständigkeit halber sei rapportiert: Er hat seine Gesichtszüge sogleich wieder gestrafft und angemahnt, dass nach wie vor 40 Partien zu spielen seien. Es ist noch ein weiter, langer Weg bis in die Playoffs.

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • na ja 06.10.2019 11:45
    Highlight Highlight Davon abgesehen, war das Spiel stinke langweilig und mitte letztes Drittel beim Stand 2-3 war es uns bereits egal, wenn es ne Niederkage gäbe, hauptsache Spielende und Bett in sicht. Kam erst in den letzten 5 Minuten spannung auf.
    Und DiDo ist nicht nur ein Leitwolf, er ist ein egoistischer Leitwolf, der den Puck zuviel drippelt und meint, er sei der King!
    • Rodjo 06.10.2019 13:33
      Highlight Highlight Dann bist du aber kein richtiger hockeyfan!! jede aktion oder jeder pass könnte zu einem tor führen, im hockey kann alles sehr schnell gehen! also mehr spannung geht ja nicht!
    • na ja 06.10.2019 23:15
      Highlight Highlight Sorry, Rodjo, aber da war echt tote Hose!
      Ev. hätte die rosa Brille noch helfen können oder viiiel Alk! Musste aber noch fahren....
  • Marc83 06.10.2019 08:41
    Highlight Highlight Und jede woche das gleiche thema. Von klaus wird nur über die bernerteams berichtet. Da finde ich adrian bürgler wesentlich abwechslungsreicher mit seiner berichterstattung. Vorallem haben die hand und fuss und bestehen nicht nur aus floskeln und ständig aufgewärmten sachen...
    • PostFinance-Arena 06.10.2019 08:59
      Highlight Highlight Dann lies es einfach nicht...
    • R0by 06.10.2019 09:11
      Highlight Highlight Ich lese die Artikel von Klaus gerne.
      Mich stören die Typen die immer motzen.
    • Marc83 06.10.2019 10:40
      Highlight Highlight An postfinance
      Leider kommt man nicht drum herum wenn man sich für hockey interessiert. Praktisch jeden tag etwas über die vereine im kt. Bern. Ausgewogene berichterstattung. Fehlanzeige
    Weitere Antworten anzeigen
  • manolo 06.10.2019 06:57
    Highlight Highlight Dann haben Schilt und Bläser geschossen wie Männer!? Hä?
    • blueredone 06.10.2019 09:55
      Highlight Highlight Und Tore erzielt 👍🏽👍🏽🐯
    • na ja 06.10.2019 11:40
      Highlight Highlight Sie probierten es mit Tore schiessen und habens schlussendlich auch geschafft. Und die #70 heisst Blaser!

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