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Davos' head coach Arno del Curto is pictured during the game between HC Davos and Avtomobilist Yekaterinburg, at the 90th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Thursday, December 29, 2016. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Arno Del Curto steht mit dem HCD zum achten Mal in Serie im Spengler-Cup-Halbfinal. Bild: SPENGLER CUP

Eismeister Zaugg

Ein selbstverständliches Hockeywunder und Arno Del Curto ist (fast) zufrieden

Davos besiegt Jekaterinburg im Pre-Semifinal 3:1 und spielt heute um 20.15 Uhr gegen Lugano um den Einzug in den Spengler-Cup-Final. Aber die Saison für den schwedischen Schillerfalter Dick Axelsson ist zu Ende.



Zwei Titanen des helvetischen Hockeys aus dem letzten Jahrhundert haben die Partie zwischen dem HCD und dem KHL-Team aus Jekaterinburg als Studiogäste unseres staatstragenden Fernsehens begleitet. Was zum Nachdenken anregt.

Mit ein bisschen Boshaftigkeit (wofür wir uns sogleich in aller Form entschuldigen) können wir sagen: Felix Hollenstein (51) und Roman Wäger (53) wirkten bei der Betrachtung des Spektakels ein wenig wie die Herren Waldorf und Statler in der Loge der «Muppet Show».

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Waldorf und Statler oder doch Hollenstein und Wäger? bild: muppet.wikia.com

Die beiden Zürcher personifizieren eine Zeit, als wir gegen die Russen chancenlos waren. Wenn wir zurückblicken auf diese Zeit, kann es einem ob der Entwicklung unseres Hockeys fast schwindlig werden. 1984 besiegte Davos beim Spengler Cup erstmals ein russisches Team. Trainer Dan Hober führte den HCD zu einem wundersamen 5:4 gegen Chimik Woskresensk (und im Frühjahr 1985 zum zweiten Meistertitel hintereinander). Die Väter des Sieges waren allerdings die Gäste: fünf ausländische Verstärkungsspieler, meistens in einem Block zusammengefasst.

Die Analysen in den Medien, die damals noch ausschliesslich gedruckt wurden, füllten ganze Seiten. Der Preis für das Wunder war hoch – anschliessend verloren die entkräfteten Bündner gegen Team Canada 2:9 und gegen Dukla Jihlava 2:13.

Dieser Blick zurück lohnt sich um den gestrigen Triumph des HCD zu würdigen. 3:1 gegen Jekaterinburg! Eine Mannschaft aus der grossrussischen Liga KHL! Im dritten Turnierspiel in drei Tagen! In einer der besten Partien dieser Saison spielte der HCD in jedem Bereich auf Augenhöhe mit dem Vertreter der Hockey- Weltmacht. Technisch, läuferisch und taktisch.

Nicht mehr mit fünf, sondern nur noch mit drei Feldspielern verstärkt – oder besser gesagt «ergänzt». Wir haben bei diesem Spengler Cup schon spektakulärere Partien gesehen, aber taktisch noch keine bessere. Zu keiner Zeit ist der HCD in Gefahr geraten, die Spielkontrolle zu verlieren.

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Die wegweisenden HCD-Tore: Tuomo Ruutu legt vor ... Video: streamable

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... und Drew Shore trifft per «Buebetrickli». Video: streamable

Heute sind wir soweit, dass ein Sieg über eine russische Mannschaft als die normalste Sache der Hockeywelt betrachtet wird. Ein Sieg gegen die Russen – na und? Ein selbstverständliches Hockeywunder. Deshalb ist es wieder einmal an der Zeit, die Fortschritte unseres Hockeys zu würdigen. Hätten wir zu den grossen Zeiten von Felix Hollenstein und Roman Wäger eine solche Leistung prophezeit, wäre die Antwort gewesen:  Ja, ja und die Schweiz feiert mit einem Raumfahrtprogramm die erste Mondlandung.

Schnell, direkt, präzis

Arno Del Curto hat viel Anteil an dieser Entwicklung. Der HCD hat gestern jenes Hockey zelebriert, das er Trainingseinheit für Trainingseinheit einübt und von dem er sich auch durch Rückschläge nicht abbringen lässt: schnell, direkt, präzis, in gewisser Weise total.

Arno Del Curto sagt nie, dass er zufrieden ist – der Chronist muss versuchen, den Grad seiner Zufriedenheit an seinem Temperament abzulesen – so wie die Muotathaler Wetterfrösche am Haarkleid der Murmeltiere das kommende Wetter. Der HCD-Trainer war nach dem Spiel auf fast unheimliche Art ruhig und gelassen. Ein Zeichen, dass er zufrieden war. Fast zufrieden. Er sagt dann doch, dass es noch ein bisschen schneller, präziser gehen sollte. «Es hat noch etwas Zug aufs Tor gefehlt. Wir können nicht sagen, dass unsere 2:0-Führung absolut verdient war. Wir hatten, anders als so oft in dieser Saison, auch Glück.»

Ein wichtiger Faktor war Torhüter Gilles Senn (20). Er war ein sicherer, ruhiger, ja unerschütterlicher Titan (195 cm/87 kg). «Ich habe noch nie daran gezweifelt, dass er eine solche Leistung erbringen kann. Davon war ich schon überzeugt, als wir seinen Vertrag verlängerten. Wir müssen ihm Zeit geben.»

Goalie Gilles Senn von Davos, aufgenommen nach dem Eishockey-Qualifikationsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und EHC Biel, am Donnerstag, 22. Dezember 2016, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Gilles Senn war gegen Jekaterinburg der erhoffte Rückhalt. Bild: KEYSTONE

Wenn der HCD in den Play-offs so spielt, dann ist der meisterliche Himmel die Limite. Diese Aussage korrigiert Arno Del Curto umgehend. «Erst einmal müssen wir die Play-offs erreichen. Und in den Play-offs ist dann vieles anders. Der Druck wird grösser sein.»

Ganz ohne Hiobsbotschaft ging es dann doch nicht. Arno Del Curto geht davon aus, dass für Dick Axelsson, seinen offensiv talentiertesten, aber meistens verletzten Spieler, diese Saison zu Ende ist. «Er wird nicht mehr spielen.»

Dick Axelsson von Davos, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem HC Fribourg Gotteron, am Samstag, 29. Oktober 2016, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Was erlaube Dick? Isse immer verletzt. Bild: KEYSTONE

Also braucht der HCD noch einen Ersatzausländer. Damit Arno Del Curto wieder fünf ausländische Spieler hat. «Nein, wir holen keinen weiteren Ausländer. Wir müssen das Budget einhalten.» Das provoziert einen Zaungast zu einer Wette: «Arno, hundert Schtutz, dass du einen weiteren Ausländer verpflichten wirst.» Er schlägt sofort ein: «Wenn ich unseren Präsidenten dazu überreden kann, einen weiteren Ausländer zu bewilligen, dann zahle ich die hundert Franken gerne …» Del Curto wird diese Wette verlieren.

Wer gewinnt den Spengler Cup 2016?

Wer die Russen nicht fürchtet ...

Was auch noch für unser Hockey spricht: Der HCD ist zurzeit nicht einmal ein Spitzenteam – und spielt gegen den Spengler-Cup- und Play-off-Vorjahresfinalisten Lugano um den Einzug ins Endspiel. Lugano hat auf dem direkten Weg in den Halbfinal auch eine russische Mannschaft (ebenfalls Jekaterinburg) besiegt (4:2). Und auch Lugano ist kein Spitzenteam.

Wir können nun argumentieren, der Spengler Cup sei ja kein Titelturnier wie eine WM. Alles sei ein bisschen lockerer. Es werde nicht taktisch gnadenloses Resultathockey gespielt. Aber es ist durchaus möglich, dass die aktuellen Spengler-Cup-Halbfinalisten Davos und Lugano auf den Plätzen sieben und acht die Playoffs erreichen und den SC Bern, die ZSC Lions oder Zug herausfordern werden.

epa05691263 Davos' head coach Arno del Curto during the game between Switzerlands HC Davos and Avtomobilist Yekaterinburg at the 90th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, 29 December 2016.  EPA/GIAN EHRENZELLER

Arno Del Curto ist eben nur fast zufrieden. Bild: EPA/KEYSTONE

Der Spengler Cup 2016 lehrt uns: Wer die Russen nicht fürchtet, dem muss vor Bernern, Zürchern oder Zugern nicht bange sein. Auch das ein Fortschritt gegenüber der «guten alten Zeit». Als Felix Hollenstein und Roman Wäger die Liga mit dem EHC Kloten in den 1990er Jahren dominierten (sie stürmten zusammen mit Mikael Johansson in einer Linie) und viermal hintereinander Meister wurden (1993, 1994, 1995, 1996), da waren sie so überlegen, dass sie die Play-off-Viertelfinalgegner jeweils in der Pfeife rauchen konnten.

Spengler Cup: Bilder aus längst vergangenen Zeiten

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